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Zelt für Zwei

Summary:

Nachdem Bob leider ihren Campingtrip absagen musste, reisen Justus und Peter jetzt alleine zu Pferd durch die bergige Wildnis.
Unglücklicherweise ist das Zelt, welches sie eingepackt haben, viel zu klein, um nebeneinander zu schlafen...

Notes:

Weil die beiden mein Roman Empire sind

 

Kapitel sind (fast, das letzte nicht ganz) alle vorgeschrieben. Updates gibt's dann voraussichtlich Freitags.

 

Ich wünsche dir/euch viel Spaß beim Lesen :)

Chapter 1: Tag 1 ...und ein zu kleines Zelt

Chapter Text

"Und das soll funktionieren?" Der zweite Detektiv hob kritisch die Anleitung hoch und wedelte damit vor Justus' Gesicht herum.

"So schwer kann das ja nicht sein", kommentierte dieser und riss Peter die Anleitung aus der Hand. Er studierte sie einen Moment, bevor er einen Blick auf die offene Tasche warf, in der die einzelnen Teile des Zeltes verstaut waren.

"Ist doch ganz simpel", sagte er schließlich und drückte Peter den, für ihn jetzt wertlosen, Fetzen Papier wieder in die Hand.

"Ich habe wirklich noch nie ein so einfaches Zelt gesehen." Er holte ein paar Stangen und Stofflagen heraus, orientierte sich kurz und gab dann dem verdatterten Peter die Anweisung, vier Stangen aufzuklappen.
Währenddessen baute Justus das untere Gerüst auf, was nicht komplizierter war, als eine Liege aufzubauen.

"Fertig-" Justus fädelte die Stangen nun wortlos in eine grüne Lage Stoff. "Halt das mal hier Zweiter", beorderte er und fädelte nun die Stangen auf der gegenüberliegenden Seite ein, während Peter die anderen festhielt. Nun holte Justus wie von Zauberhand ein schwarzes Verbindungsstück aus Plastik heraus und Verband so alle vier Stangen miteinander. Mit einem selbstzufriedenen Lächeln setzte er nun noch eine Schleife mit den übriggeblieben Bändeln auf.

"Der schwerste Teil wäre geschafft. Das stecken wir jetzt in die Liege." Justus deutete auf ein paar Löcher in dem Metallgestell. Peter indess runzelte die Stirn, als er das bestehende Oberzelt und die Liegefläche betrachtete. Er sah kaum genug Platz für eine Person, geschweige denn zwei. Dennoch protestierte er nicht und hob das Zelt auf die Liege. Sie steckten die Stangenenden in die vorhergesehen Löcher und schlangen zum Schluss noch die Stofflaschen an dem Zelt um das Gestell.

"Jetzt fehlt nur noch die Luftmatraze."
Als Justus das entsprechende Teil aufklappte, war sich Peter sicher, dass sie beide auf keinen Fall zusammen Platz in diesem Zelt finden würden.

"Hier ist sogar eine Luftpumpe dabei. Das fällt wohl unter sportliche Aktivitäten und somit unter deinen Aufgabenbereich Zweiter."
Justus reichte ihm einen kleinen Blasebalg, den er bereits in der Matratze befestigt war. Zögerlich nahm Peter es entgegen. Er hatte nichts dagegen die Matratze aufzupumpen.

"Du Just?"

"Ja, Peter?"

"Hast du noch ein zweites Zelt, oder wie hast du dir das vorgestellt?" Er deutete auf die Liege, auf die sich Justus inzwischen gesetzt hatte.

"Das Zelt ist für zwei Personen ausgelegt. Da Bob uns leider nicht mit seiner Anwesenheit begnügen kann, wird es für uns wohl ausreichend sein."

Peter fragte sich, ob Justus Tomaten auf den Augen hatte. Nie und nimmer passten sie beide in dieses Zelt. Er schüttelte nur den Kopf und begann die Matratze aufzupumpen, die sich nur langsam mit Luft füllte.

Inzwischen begann auch die Sonne hinter den Bergspitzen zu versinken und füllte den Himmel mit ihren leuchtenden Farben. Peter hielt ein paar Mal inne um eine Wolke zu betrachten, die von der einen Seite rot orange leuchtete und von der anderen das blau des Himmels trug, welches sich dann in der Mitte der Wolke, zu einem seichten Lila mischte.
Das Feuer war bereits verglüht und die letzten Rauchschwaden zogen in den bekleksten Himmel. Justus holte den letzten Sack aus dem Zelt.

"Ein Schlafsack…", murmelte er verwirrt. Es war tatsächlich ein Schlafsack. Peter rollte mit den Augen.

"Du willst mir nicht erzählen, dass du nur einen Schlafsack hast, oder Justus?"

"Auf der Verpackung stand-"

"Hast du oder nicht?"

"Ich bin davon ausgegangen, dass genügend Schlafsäcke enthalten sein würden, wie aufgrund der Beschreibung zu vermuten ist."

"Und du hielt's es nicht für wichtig es vorher zu überprüfen? Wir haben jetzt genau einen Schlafsack. Und wie wir generell zu zweit in diesem Zelt schlafen wollen, ist mir auch schleierhaft. Justus zuckte entschuldigend mit den Schultern.

"Lass es uns doch erst einmal ausprobieren. Bei Zelten ist es oft so, dass es von außen kleiner aus sieht, als es in Wirklichkeit ist." In Anbetracht der Tatsache, dass Justus in dem offenen Zelt saß, war dies eine ziemlich amüsante Aussage, da Peter durchaus in der Lage war, sich vorzustellen wie viel Platz in diesem Zelt für ihn verblieb.

Er rollte mit den Augen. "Das ist Unsinn Just. Du siehst doch selber, dass da kein Platz mehr ist."

"Wir haben aber keine andere Wahl."

Leider hatte Justus recht. Peter schnaubte. Es war zu kalt hier oben um außerhalb des Zeltes oder gar Schlafsackes zu schlafen. Selbst das Feuer hätten sie nicht die ganze Nacht anbehalten können, da eine erhöhte Risikowarnung für das Gebiet aufgrund von Dürre ausgesprochen worden war.

"Super", sagte er sarkastisch. Er schaute sich auf ihrem Lagerplatz um. Ihre Vorräte und Rucksäcke, konnten sie gut unter der Liege lagern. Die Pferde waren festgebunden und versorgt. Sie würden sie aufwecken, sobald sich etwas näherte.

"Was bist du denn jetzt so garstig drauf?"

"Garstig? Du hast ein Ein-Mann-Zelt dabei und mir versichert du hättest alles im Griff", schilderte Peter. Er vermisste Bob als Verbündeten gegen Justus. Justus alleine konnte so anstrengend sein. Aber leider hatte Bob ja doch kurzfristig absagen müssen, aufgrund der Hochzeit seines Onkels.
Also war er nun allein mit Justus unterwegs in der bergischen Wildnis, zu Pferd, im Zelt, abgeschieden von jeglicher Zivilisation.

"So schlimm wie du das darstellst wird es schon nicht." Peter tätschelte jetzt Zander und schaute Justus mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Lass uns einfach schlafen gehen."
Er verabschiedete sich widerwillig von den Pferden, nicht dass er stark an ihnen hing. Er kannte Zander und Tim erst seit ein paar Stunden. Dennoch zog er ihre Gesellschaft gerade der von Justus vor.

Sie befestigten die Matratze und das mitgelieferte Spanntuch am Zelt mit Klettverschlüssen und Gurten. Das kleine Kissen, was ebenfalls zum Aufblasen in der Zelttasche gewesen war, ignorierten die geflissentlich.

"Wie soll das jetzt gehen?", fragte Peter das Genie hitzig.

"Ruhig Blut Zweiter. Ich leg mich einfach hier hin. So. Und du legst dich auf mich drauf."

Justus machte es vor. Neben ihm war kein Platz mehr. Er hatte Recht, dass tatsächlich nur auf ihm genügend Platz war.

"Das kann doch alles nicht war sein…", murmelte Peter.

"Und wie soll ich mich bitte auf dich legen?", fragte er nun etwas lauter.

"Keine Ahnung. Schläfst du er lieber auf dem Rücken oder auf dem Bauch?"
Peter was ein begnadeter Bauchschläfer, aber er würde nicht auf dem Bauch, auf Justus' Bauch liegen. Wo wäre da sein Kopf? Dennoch klang der Rücken auch nicht viel angenehmer.

"Mal so mal so", antwortete er deshalb um eine Entscheidung zu umgehen.
Justus schien auf dem Rücken zu schlafen, denn er bewegte sich aus dieser Position auch nicht weg.

"Wie wäre es, wenn wir beide auf der Seite, aber nebeneinander schlafen?", schlug Peter hoffnungsvoll vor. Er wollte um jeden Preis vermeiden, auf Justus zu schlafen. Er mochte Justus, keine Frage, aber eben nicht so.
Justus drehte sich kommentarlos. Der Platz zwischen ihm und Zeltwand wurde nicht wirklich geringer, wenn nicht sogar durch Arme und Beine, noch weniger. Peter schüttelte verbissen den Kopf. Das war noch schlimmer.

"Jedenfalls sollten wir uns langsam mal entscheiden. Es wird kalt und die Mücken kommen bald."

Peter verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Justus setzt sich in den Schneidersitz und Peter nahm gegenüber von ihm Platz. Sie schlossen das Zelt und starrten sich dann im Halbdunkeln an.

Die Sonne war schon längst untergegangen und der Mond leuchtete nicht hell genug, um ihr Zelt zu erhellen. Also knippste der erste Detektiv die Taschenlampe an. Der Schein der Lampe spiegelte sich seltsam an seinem Gesicht. Es sah fast kommisch aus. Jetzt wo sie so nahe zusammen saßen, wurde ihnen bewusst, wie lächerlich die ganze Situation war.
Sie begannen verhalten zu kichern. Peter wich Justus' Blick aus um nicht das Lachen anzufangen.

"Aber was machen wir jetzt?", fragte Peter, nachdem er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Justus fiel auf, wie seine Augen im geringen Licht der Taschenlampe blitzte und so unstetig das Licht reflektierten.

"Können wir nicht einfach so schlafen?", fragte Peter weiter.

"Theoretisch schon. Ich weiß zwar nicht wie es bei dir ist Zweiter, aber ich falle immer um, wenn ich im Sitzen schlafe. Also entweder auf dich oder auf das Zelt, was es wahrscheinlich zum umkippen zwingen würde."

"Dann hätten wir zumindest dieses Problem hier nicht mehr." Wieder ein verhaltenes Kichern.

"Also Peter", setzte Justus an. An seinem Tonfall merkte Peter, dass es jetzt ernster wurde. "Ich bin müde und wir haben noch ein paar Nächte in diesem Zelt vor uns. Irgendwann wird es sowieso passieren, dass ist unvermeidbar. Also können wir auch gleich von Anfang an richtig schlafen, damit wir möglichst viel von unserem Trip haben."

Es dauerte einen Augenblick bis Peter antworte. Justus hörte Peter atmen.

"Klingt logisch. Wir schaffen das schon."

"Wir sind ja zwei erwachsene Männer", bestätigte Justus und ignorierte dabei geflissentlich, dass sie beide nicht volljährig waren.

Peter nickte, was Justus nur schemenhaft wahrnehmen konnte.

"Ich leg mich jetzt hier hin und dann legst du dich auf mich drauf und dann gucken wir einfach mal, wie das für uns beide am bequemsten ist." Er wartete Peters Antwort nicht ab, sondern begann sein Bein um Peter herum auszustrecken und rutschte so immer weiter runter. Der erste Detektiv spürte nun, wie die Matratze sich neben seinen Schulter etwas senkte, weil Peter dort seine Hände abstützte. Sie kamen sich ein wenig mit ihren Beinen in den Weg und Peters Fuß stieß gegen Justus' aber es schien einigermaßen zu funktionieren. Schließlich legte sich Peter ein wenig langsam auf Justus ab.

Er wartete einen Augenblick. Justus erkannte im leichten Lichtstrahl, die Taschenlampe war währenddessen neben die Luft Matratze gerutscht, dass Peter seinen Kopf noch immer oben hielt. Seine Arme hatte er inzwischen neben Justus Kopf gelegt.

"Mach schon", wisperte Justus. Es war so leise, dass Peter mehr die Vibrationen der Worte direkt neben seinem Ohr wahrnahm, als die Worte richtig zu hören. Er legte seinen Kopf auf Justus' Brustkorb ab. Auch das war eigentlich ziemlich weich. Und vorallem warm.

"Bob wird niemals auch nur ein Sterbenswörtchen über dieses Zelt hören", befahl Peter und Justus gab ihm im Stillschweigen recht.

Peter war leicht, nicht so leicht, dass er ihn nicht spürte, aber leicht genug, dass es nicht unangenehm wurde. Seine Beine lagen geknickt auf den seinen, da Peter größer war als Justus. Er ignorierte bewusst die Position von Peters rechtem Knie an seiner Lendengegend.

"Warte, ich muss meine Arme anders hinlegen." Peter hob seine Arme und legte sie nun ebenfalls auf Justus' Brustkorb, ebenfalls geknickt, seine Hände baumelnd von Justus' Schultern.

"Passt so?" fragte Peter. Justus nickte.

"Bei dir auch?"

"Ja." Justus erreichte die Taschenlampe mit seiner linken Hand und knippste sie aus. Peters Haarschopf verschwamm vor seinen Augen. Er konnte noch ein paar einzelne, abstehende Häärchen ausmachen. Außerdem spürte er sie unter seinem Kinn. Er spürte die regelmäßige Bewegung von seinen Haaren, durch Peters Atmung.

"Gute Nacht", sagte er schließlich.

"Gute Nacht", antworte auch Peter. Sein Ohr lag jetzt direkt über Justus' Herzem. Er brauchte sich kaum darauf zu konzentrieren, denn es war laut und pochte kraftvoll und ein wenig schnell. Es beruhigte Peter, dass es immer langsamer und regelmäßiger schlug, bis es schließlich so ruhig schlug, dass er sich sicher war, dass Justus eingeschlafen war.

Auch Justus' langsame Atmung deutete darauf hin. Sich nur auf diese Sinne berufend, schlief der zweite Detektiv schließlich auch ein, gewärmt nicht von dem Schlafsack, denn er als Decke über sie gelegt hatte, sondern von der Körperwärme und dem Atem des ersten Detektives.