Work Text:
⚡
┌──── NACHTS SIND ALLE KATZEN ROT ────┐
Sie sah aus dem Fenster und wartete. Der Moment war gekommen. Ihre schlitzartigen Pupillen weiteten sich vor Freude, als sie ihren Meister sah.
Minerva sprang von der Fensterbank und schlich auf leisen Katzenpfoten zur Haustür. Sie sprang hoch zur Türklinke und drückte sie mit ihren beiden Vorderpfoten und ihrem Gewicht herunter. Die Tür schwang auf und ein Lichtstrahl schien in den Flur und auf ihr rotes Fell, ehe eine schwarz vermummte Gestalt lautlos ins Haus glitt.
Von ihrem Lieblingsplatz im Haus aus, einem hohen Schrank im Flur, beobachtete sie die Szenerie mit Wonne, die sich ihr bot und auf die sie solange gewartet hatte. Sie leckte sich über Nase und Mäulchen, so als würde sie ein Leckerchen kriegen. Und für sie waren es auch Leckerchen, als sie sah, wie ihr Herr und Meister erst James das Leben nahm und danach Lily, bis er schließlich vor Harrys Kinderbettchen stehen blieb, den Zauberstab auf ihn richtete und ihm den Todesfluch entgegen schmetterte.
Es gab einen hellgrünen Lichtblitz, der Minervas Katzenaugen blendete, Sekunden lang konnte sie nichts sehen.
„Herr!“, dachte Minerva entsetzt und hechtete auf Voldemort zu, dessen Körper sich vor ihren Augen aufzulösen schien. Sie sah nur noch eine patronusähnliche Form am Boden wabern, allerdings nicht so hellstrahlend wie ein echter Patronus. Im Genenteil, von ihr ging Dunkles, Unheilvolles aus.
Mitten im Hechtsprung vom Schrank verwandelte sie sich in einen Menschen und kniete sich zu der formlosen Masse. „Herr…“, sagte sie leise mit zitternder Stimme, beugte sich herunter und lauschte. Sie traute ihren Ohren nicht, als sie tatsächlich die Stimme ihres geliebten Herrn vernahm.
„Behalt den Jungen im Auge und warte auf meine Rückkehr!“, hauchte Voldemort mit letzter Kraft ehe er verschwand.
Minerva senkte ihr Haupt und schloss die Augen. „Sehr wohl, mein Herr.“
Bis ins Mark erschüttert blieb sie kniend auf dem Boden, den Blick in die Ferne gerichtet. Wie konnte es nur passieren, dass ihr Meister besiegt wurde und das von einem Baby? Ihre Verachtung gegenüber des Säuglings wuchs nur noch mehr.
"Wie gut, dass ich meine Fellfarbe ändern kann.", dachte sie und ihre schmalen Lippen formten sich zu einem Lächeln. "So kann ich Potter immer nahe sein ohne dass er es merkt..."
Ihr Lächeln wurde breiter. „Ihr werdet stolz auf mich sein, Herr!“
⚡
