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Hältst du mich?

Summary:

Noah ist krank und genervt.

Notes:

Zugegebenermaßen nicht das erste Mal, dass ich einem Lieblingscharakter "unterstelle", Halschmerzen genauso sehr zu hassen wie ich selbst.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Scheiß-Tag! Noah ist so hart genervt, am liebsten würde er mindestens einmal fest auf ein Kissen oder so hauen, aber selbst dazu fehlt ihm die Kraft. Sein Hals brennt seitdem er aufgewacht ist, und er hasst Halsweh so krass. Die Nase läuft auch ständig.
Und als wäre das nicht schon ätzend genug, hat ihn eben auch noch Papa angerufen.
Sie haben nicht einmal gestritten oder so, es ist nur ... na ja, es interessiert ihn halt einfach nicht besonders. Der neue Esstisch, den sie zusammen ausgesucht haben, oder das große Bild für den Flur, auch zusammen gekauft. Ab und zu antwortete er aus Höflichkeit einsilbig.
Das ist das einzige Positive an den beschissenen Halsschmerzen, die waren wenigstens ein guter Grund, um das Telefonat recht schnell zu beenden.
Trotzdem dröhnt ihm der Kopf jetzt noch mehr als vorher schon. Er streckt sich rücklings aus und guckt an die Decke.

Er merkt, dass ganz langsam die angelehnte Tür aufgeschoben wird und er schaut auf. „Papa hat Grüße an dich ausgerichtet.“ Das war vielleicht das einzige Schöne an dem Gespräch.

„Danke.“ Colin lächelt zaghaft, stellt aber sonst keine Fragen.

Sein Freund kennt ihn halt einfach zu gut und weiß, dass er meistens nicht so gerne über das Thema Eltern spricht, auch wenn's nicht mehr so sehr wie früher autscht.

„Wie geht’s dir im Moment?“

„Na ja, ging schon besser, um ehrlich zu sein.“ Die Nase fühlt sich immer dichter an, und sein Hals macht ihn halb wahnsinnig, Schlucken und Reden tut echt weh.

„Soll ich dir einen Tee kochen?“

„Nee, danke.“

„Echt nicht? Mach' ich gerne.“

„Nee.“

„Würde bestimmt ein bisschen deinen Hals beruhigen.“

Kopfschütteln. Ihm ist jetzt nicht nach Tee zumute.

„Okay, aber wenn du doch einen Tee willst-“

„Mann, jetzt nerv' mich doch nicht mit deinem SCHEIẞ-TEE!“ Oh nein! Fuck! Fuck, Fuck, Fuck!
Er bereut seine Worte direkt nachdem sie seinen Mund verlassen haben. Was halt ungefähr zwei Sekunden zu spät ist. Das wollte er doch nicht, er wollte Colin doch nicht anschreien! Aber sein Kopf killt ihn, sein Hals und die Nase sowieso, dann noch das Gespräch mit seinem Vater und ... Mist! Nervös beißt er sich auf die Unterlippe. „Ich, ich meinte-“

„Okay, ich geh' dann mal.“ Colin atmet sichtbar aus. „Bis später.“

Ihm wird verdammt flau im Magen, und jetzt brennt sein Hals nicht nur, sondern fühlt sich zusätzlich auch enorm eng an.
Was meint Colin damit? Will er nur in ein anderes Zimmer oder muss Colin kurz ganz raus, weil er ihn eben so angepflaumt hat?
Wohin? Er traut sich nicht zu fragen, er traut sich einfach nicht.

Und dann ist die Tür wieder angelehnt und Colin nicht mehr zu sehen.

 

So eine Scheiße! Er zwinkert schnell, einmal, zweimal. Nein! Nein, er wird jetzt nicht losheulen, er will nicht, das wäre doch auch voll albern. Er dreht sich auf den Bauch, greift nach Colins Kissen und drückt sein Gesicht fest rein, atmet den geliebten Duft ein.
Und dann weint er doch los. Geht nicht anders. Das ist alles einfach zu viel heute, und ein Idiot ist er auch. Sein ganzer Körper bebt.

„Hey.“

Kurz zuckt er zusammen, als er die Hand auf seinem Rücken spürt. „Colin ...“

„Sorry, ich wollt' dich nicht erschrecken.“

„Nicht schlimm“, murmelt er gegen das Kissen.

Colins Finger streicheln sachte. „Soll ich lieber wieder gehen?“

„Bitte nicht!“, schluchzt er, und er schämt sich ein bisschen, weil er sich nicht zusammenreißen kann.

„Okay.“ Colins Hand bewegt sich immer noch sachte. „Ich hab' gehört, dass du weinst.“

„Sorry.“

„Du entschuldigst dich jetzt hoffentlich nicht fürs Weinen?“

„Nein, Ja ...“ Seufzend richtet er sich auf und setzt sich zu Colin auf die Bettkante. Er kann Colin kaum in die Augen gucken, aber irgendwie schafft er es doch. „Tut mir leid wegen eben, das war nicht okay von mir.“

„Entschuldigung angenommen.“

„Ich bin ein Idiot.“

„Ach was, bist du nicht.“

„Doch, klar.“

Ein Lächeln zuckt um seinen Lieblingsmund. „Okay, ganz selten mal vielleicht. Aber weißt du, was gut ist?“

„Was denn?“

„Dass du mein Idiot bist.“

Ob das irgendwann aufhören wird? Dieses Kribbeln in der Magengegend und das Herzklopfen, wenn Colin derartig liebe und kitschige Sachen sagt. Wahrscheinlich nicht. Er lächelt, weil er gerade nicht so richtig weiß, was er sagen soll.

„Na ja, und du bist krank, kein Wunder also, dass du miese Laune hast. Mildernde Umstände sozusagen.“

„Das Gespräch mit Papa hat mich auch etwas ... angestrengt.“

„Willst du drüber reden?“

„Gerade nicht.“

„Okay.“

„Colin?“

„Ja?“

„Hältst du mich ein bisschen?“ Er merkt, wie er rot anläuft. Sein Gesicht hat aber durch die Heulerei auch vorher schon geglüht.

„Klar. Immer.“ Colin öffnet die Arme.

„Danke.“ Er schmiegt sich eng an Colin, legt den Kopf auf Colins Schulter und schließt die Augen. Er lässt sich halten und es tut so gut. Irgendwann setzt er sich wieder auf und guckt Colin an.

Colins Hand kommt langsam auf sein Gesicht zu und legt sich auf seine Wange. Colin beugt sich vor.

„Bitte nicht küssen!“

Colin stoppt seine Bewegung sofort. „Okay.“

„Ich möchte nämlich echt nicht, dass du dich ansteckst.“ Wird vielleicht so oder so passieren, aber vielleicht kann's so verhindert werden.

„Nur deshalb möchtest du nicht, dass ich dich küsse?“

Er nickt.

Ein seeeehr breites Grinsen huscht über das Gesicht seines Freundes. „Ich glaub', das Risiko mit der Ansteckung nehm' ich in Kauf.“

„Na gut, aber ich möchte im Nachhinein keine Beschwerden hören!“

„Versprochen.“

Sie beugen sich beide vor und küssen sich, zärtlich und ganz schön lange. „Colin?“

„Hm?“

„Gilt das Angebot mit dem Tee eigentlich noch?“ Ein Tee täte ihm jetzt wahrscheinlich wirklich gut.

„Na klar, bereite ich dir gleich zu.“

„Und kannst du mir vielleicht ein neues Päckchen Taschentücher bringen? Bitte.“

„Mach' ich.“ Vorher drückt Colin ihm aber schnell noch ein letztes Küsschen auf die rechte Wange.

Er streckt sich wieder aus und guckt wieder an die Decke, diesmal lächelt er dabei. Ganz so schlecht ist dieser Tag eigentlich doch nicht.

Notes:

Danke fürs Lesen. ❤️