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Characters:
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Language:
Deutsch
Series:
Part 8 of Obduktion , Part 1 of Essgewohnheiten
Stats:
Published:
2024-07-22
Words:
637
Chapters:
1/1
Comments:
10
Kudos:
10
Hits:
60

Hamburger Küche

Summary:

"Hamburger Gerichte, die man unbedingt probiert haben sollte", las Thorsten laut vor. "Sag mal, warum recherchierst du Hamburger Essen? Haben wir einen neuen Fall, von dem ich nichts weiß?"

Notes:

Ich möchte mich gleich mal bei allen Hamburgern entschuldigen, die stolz sind auf ihre Küche. Bei meinen Recherchen bin ich aber tatsächlich über die hier zitierte Webseite gestolpert mit ... nennen wir es mal interessanten Fotos. Und den hier genannten Gerichten.

Danke an Lenze für's Korrekturlesen.

Geschrieben für den Prompt "Lieblingsessen".

Spielt irgendwann zwischen 2010 und 2014

Work Text:

"Nika, was isst man denn in Hamburg so?"

Nika blickte Sebastian überrascht an. "Warum fragst du nicht Thorsten?"

"Na ja … das geht nicht."

Der wissende Blick und das Grinsen auf Nikas Gesicht vertrieben Sebastian rasch wieder.

~~~

"Frau Álvarez, kochen Sie eigentlich gern?"

Die Staatsanwältin hob überrascht ihren Kopf und blickte Sebastian verwirrt an, der in der Tür zu ihrem Büro stand.

"Nein, eigentlich nicht. Warum?"

"Ach, nicht so wichtig. Danke."

~~~

Die Leiche auf dem Seziertisch hatte einen aufgeschnittenen Bauch. So sah also ein Darm aus. Und das Bauchfell. Wieder etwas, das Sebastian nie erfahren wollte, aber jetzt nicht mehr so rasch vergessen können würde.

Wozu so ein Ausflug in die Gerichtsmedizin gut war.

"Herr Vogt."

"Ach, der Herr Bootz. Was verschafft mir denn de Ehre?"

"Ich habe mich gefragt, Sie als gebildeter, weitgereister Mensch … Sie kennen doch sicher auch die Küche der anderen Bundesländer."

Vogt warf Sebastian einen prüfenden Blick über den Rand seiner Brille zu. "Kochbuch hab i no keins g'schrieba."

"Das ist aber schade. Sie kennen sich nicht zufällig mit Hamburger Küche aus, oder?"

"Noi. Warum frogat Se net dr Herr Lannert?"

~~~

Hamburger Gerichte, die man unbedingt probieren sollte , prangte in großen Buchstaben die Überschrift auf der Webseite, die Sebastian geöffnet hatte.

Das Fischbrötchen zählt zu Hamburgs Allheilmitteln.

Sebastian betrachtete die Fotos von mit Krabben und Fischen gefüllten Brötchen mit leichtem Unwohlsein. Besonders appetitlich sah das nicht aus. Also scrollte er weiter.

Seefahrerküche stand als nächstes auf der Liste. Was das wohl war? Labskaus. Noch nie gehört. Das Bild darunter sah aus, als hätte jemand Kartoffel und Wurst auf einen Teller erbrochen. Und dann ein Spiegelei darauf drapiert. Angeekelt scrollte Sebastian erneut zum nächsten Eintrag.

Resteessen , na toll. Wer sowas auf die Liste der Gerichte, die man unbedingt mal versuchen sollte, setzen musste, der hatte wohl zu wenig andere Alternativen. Was sagte das also über Hamburgs Küche aus?

Der nächste Eintrag nannte sich Grützwurst . Allein der Name verwirrte Sebastian. War das jetzt eine süße Grütze oder Wurst? Die Beschreibung des Gerichts las sich so, als hätte jemand zwei Rezepte aus Versehen miteinander vermischt. Kartoffelpüree und Apfelmus mit einer Wurst aus Grütze, Fleisch und Rosinen. Vielleicht hatte in Hamburg ja auch irgendwann ein Mangel an Gebrauchsporzellan geherrscht und man musste dazu übergehen, Haupt- und Nachspeise gleichzeitig zu servieren?

Der letzte Eintrag auf der Liste war etwas Süßes. Franzbrötchen. Das sah zwar aus, als hätte man sich mit mäßigem Erfolg an einer Zimtschnecke versucht, aber ...

"Franzbrötchen? Was willst du denn mit den Dingern?"

Thorstens Stimme neben seinem Ohr erschreckte Sebastian so dermaßen, dass er aus Versehen an den Anfang der Seite scrollte.

"Hamburger Gerichte, die man unbedingt probiert haben sollte", las Thorsten laut vor. "Sag mal, warum recherchierst du Hamburger Essen? Haben wir einen neuen Fall, von dem ich nichts weiß?"

"Ich dachte … na ja … du hast doch bald Geburtstag. Ich wollte halt etwas kochen, das du magst."

Thorsten verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich an Sebastians Schreibtisch und betrachtete ihn amüsiert.

"Sag mal, wie lange kennen wir uns jetzt schon? Weißt du immer noch nicht, was ich gern esse?"

Sebastian musste sich ehrlich gestehen, dass die Antwort 'Nein' war. Er hatte Thorsten schon viel essen sehen. Es gab nur zwei Aussagen, die er nach all den Jahren tätigen konnte.

Thorsten machte sich nicht allzu viel aus Süßkram.

Und Thorsten war sehr genügsam und aß eigentlich alles.

"Okay", seufzte er und warf Thorsten einen verlegenen Blick zu. "Was ist dein Lieblingsessen?"

"Sebastian, koch irgendwas, auf das du Lust hast. Solange es nicht versalzen ist, werde ich es mögen. Mir geht es nicht so darum, was ich esse, mir ist die Gesellschaft wichtiger."

"Was? Wie jetzt?"

Thorsten seufzte. "Egal was du kochst, es wird in dem Moment mein Lieblingsessen sein, weil du es für mich gekocht hast und wir es gemeinsam essen."

Damit konnte Sebastian arbeiten.

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