Work Text:
„Also, Bob, Lektion Nummer 1: Es gibt Buntbartschlösser und Scheiß-Schlösser. Deshalb fangen wir mit dem an meiner Zimmertür an, das ist nämlich ein Buntbartschloss. Das schwierige beim Schlösser knacken ist nicht so sehr das Wie, sondern viel mehr das Feingefühl, das man dafür braucht.“
„Ich nehme an, deshalb hat Just so sehr keine Lust darauf das zu lernen?“, grinste Bob Peter an.
„Ich hab’s mal versucht ihm beizubringen, aber das… naja… hat mehr so mittel gut geklappt. Er wollte immer, dass ich ihm die Schritte erkläre. Aber man muss halt einfach nach Gefühl machen.“
Und damit ließ sich Peter in einer fließenden Bewegung vor seiner Tür nieder und lächelte Bob breit über seine Schulter an.
„Komm, ich zeig dir einmal wie man es macht.“
Bob stellte sich dicht hinter Peter und gab sich alle Mühe, seinen Ausführungen zu folgen und dabei tunlichst nicht zu bemerken, wie nahe sie sich gerade waren. Und wie gut er roch. Und wie schön seine Haare glänzten. Und wie niedlich er war, wenn er sich konzentrierte und… und… und… ach, scheiße.
„Und so macht man das. Einfach, oder?“
„Ähm, ja… total einfach…“
Peter wandte sich zu ihm um und drückte Bob den dicken Draht in die Hand, den er gerade selbst benutzt hatte. Und von dort, wo Peters Haut Bobs berührte, breitete sich ein Kribbeln in seinem Körper aus. Schnell zog er seine Hand weg und kniete sich vor die Tür als wollte er ihr einen Antrag machen.
Und mit einem letzten sehnsüchtigen Blick auf Peter steckte er den Draht in das Schloss und versuchte etwas „zu fühlen“. Das klappte nur leider so überhaupt nicht. Aber dafür konnte er nun auch wirklich nichts. Peter hatte sich neben ihn gekniet und schaute Bob bei seiner Tätigkeit zu. Seite an Seite waren sie da und Bobs Kopf machte nur „Peter! Fuck. Peter! Fuck. Peter! Fuck“ immer und immer wieder. „Du musst…“ setzte Peter an und Bob drehte mit verzweifeltem Blick seinen Kopf zu ihm um.
Ganz schlechte Idee, wie er feststellte. So nah bei einander berührten sich fast ihre Nasenspitzen. Peter schien seinen Faden verloren zu haben „Du… ähm… du, mh“, Peter räusperte sich, „musst den Draht ein wenig sanfter drehen.“ Dabei hatte er unverwandt Bob angeschaut und Bob hatte zurückgeschaut, wie ein Reh im Scheinwerferlicht.
„Warte, ich helfe dir“, hörte der dritte Detektiv noch, bevor er auch schon Peters Hände um seine Handgelenke und auf seinem Handrücken fühlte. Ahh! Peter! Fuck. Peter! Fuck! Ahhh! Irgendeine Sicherung war in Bob durchgebrannt, darauf hätte er gewettet. Er schaute den Zweiten an als wäre er zu Stein geworden. Sein Puls raste so sehr, dass Peter es fühlen musste. Ganz verschwommen nahm er wahr, wie der Zweite etwas von „Bewegung aus dem Handgelenk“ oder so erzählte und sanft seine Hände bewegte.
Endlich konnte Bob sich von Peters Anblick losreißen. Er drehte mechanisch und mit hoch roten Ohren seinen Kopf wieder Richtung Tür, die jetzt leise klickte.
„Und so sollte es sich anfühlen“, sagte Peter und klang dabei fast so nervös, wie Bob sich gerade fühlte.
„Aha“ brachte er gepresst und schon beinahe atemlos hervor. Ihre Hände senkten sich auf seinen Oberschenkel. Sein Puls raste immer noch. Er schwitzte. Da war nicht mehr genug Luft in seinen Lungen. Angestrengt schaute er auf die Tür und versuchte sich nicht zu verraten. Er wusste schon, warum er Peter nicht mehr berührt hatte, seit ihm seine Gefühle für den Zweiten bewusst geworden waren. Das hier grenzte an Folter. Und gemerkt hatte Peter jetzt sicherlich auch was. Er konnte nur hoffen, dass er so tun würde, als wäre ihm nichts aufgefallen, dass Peter etwas Feingefühl an den Tag legen und Bob den Herzschmerz ersparen würde.
Die Stille zwischen ihnen zog sich, bis Peter schließlich ganz leise und zaghaft „Wow… dein Puls ist ja richtig schnell“, flüsterte.
Bob gab sich weiterhin allergrößte Mühe, ein Loch in die Tür zu starren. Peters Finger glitten unendlich sanft über seinen Pulspunkt. So sanft, dass Bob glaubte zerspringen zu müssen.
„Jah“, würgte Bob schließlich dümmlich heraus, zu mehr war er gerade einfach nicht fähig.
„Und deine Wangen sind ein bisschen rot“, hauchte Peter mehr, als dass er es sagte. Bob spürte den Blick des Zweiten auf sich als würde er ihn anfassen. Peters Daumen zog langsame Kreise über seine Haut. Erst über die empfindliche Stelle an seinem Handgelenk, dann seine Handinnenfläche und schließlich jeder einzelne seiner Finger. Und mit jedem weiteren Millimeter, den Peter berührte keimte in Bob eine Hoffnung auf, die er sich eigentlich strengstens verboten hatte. Aber vielleicht… vielleicht…
„Peter…“, mehr ein Atmen als ein Wort. Schließlich fasste Bob sich etwas: „Weißt du, nur weil mein erstes Mal schlecht war, haue ich nicht gleich ab. Du kannst meine Hand jetzt auch los lassen.“
Angesprochener lächelte zittrig, holte tief Luft, zögerte, dann sagte er leise und vorsichtig: „Und… und wenn ich das nicht will?“,
Und endlich fand der Dritte es in sich, seinen Blick von der Tür zu lösen und auf Peter zu richten.
Und jetzt war es Peter, der ihn anstarrte wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Den Mund ganz leicht geöffnet und die Augenbrauen minimal zusammengezogen, in seinem Blick lag die gleiche Sorge und Angst, aber auch das gleiche Verlangen und die gleiche Hoffnung, die Bob fühlte.
„Fuck, Bob!“, stieß Peter heftig aus und legte seine Stirn auf Bobs Schulter ab. „Machen… machen wir das hier wirklich?!“
Vorsichtig löste Bob seine Hand aus Peters Griff, legte sie seitlich auf dessen Kopf und strich zärtlich und immer noch unsicher über die weichen Haare, die er fühlte.
Peter seufzte behaglich und lehnte sich in die Berührung.
„Wenn du das willst“, erwiderte der Dritte schließlich, nur noch eine Spur Unsicherheit in seiner Stimme.
Peter nickte leicht an seiner Schulter und fuhr mit seinem Daumen über Bobs Oberschenkel „ja, ich will.“
„Gut, ich nämlich auch“, vorsichtig streichelte er den Teil von Peters Wange, den er erreichen konnte.
„Bob…“ flüsterte Peter und strich langsam mit seiner Nase dessen Oberarm hinauf und den T-Shirt-Ärmel hoch. Ein kurzes Zögern, Bob spürte Peters Atem auf seiner Haut und schließlich –endlich– küsste Peter ihn.
Ein Blitz führ durch seinen Körper. Ein überraschtes Aufkeuchen entfuhr ihm. Peter. Fuck. Peter! Fuck! Peter! Ahhh! Der Mund des Zweiten verzog sich zu einem leichten Lächeln, dann küsste er wieder die Haut unter seinen Lippen, dieses Mal ein Stückchen höher. Und noch ein Stückchen und noch ein Stückchen und noch ein Stückchen. Bobs Hand lag wieder in den roten Haaren des Zweiten und genoss das weiche Gefühl. Ein wohliger Schauer durchfuhr ihn. Noch ein sanfter Kuss. Bobs Hand in Peters Haaren, die sich kurz verkrampfte, bevor es aus ihm heraus brach: „Bitte, küss mich endlich richtig.“
Und endlich… endlich küsste Peter ihn richtig. Lang und tief und hungrig und gründlich.
Sein Körper war endlich Peter zugewandt, er spürte dessen Wärme überall um ihn. Bob fühlte sich, als würde nach langem Tauchen endlich wieder atmen können. Oder als würde im Radio der perfekte Song gespielt. Oder als würde er nach langer Arbeit auf dem Schrottplatz endlich den Dreck und den Schweiß abduschen können. Peter schmeckte wie dieser eine Moment, wenn in ihren Fällen endlich alles einen Sinn ergab. Er schmeckte wie der Kirschkuchen, den sie nach harter Arbeit von Tante Mathilda vorgesetzt bekamen. Er schmeckte wie… ruhigen Stunden in der Bibliothek, die sie manchmal zusammen verbrachten. Er ins Recherchieren vertieft und Peter am ruhelosen Herumstöbern. Er vergrub seine Finger in Peters Haaren und zog ihn noch enger an sich heran. Scheiße, fühlte sich das gut an.
Er hätte ewig so bleiben können, aber schließlich lösten sie sich doch voneinander.
„Scheiße, du bist einfach so schön“, Peter vergrub seinen Kopf in Bobs Halsbeuge und gab ihm einen leichten Kuss aufs Schlüsselbein, bevor er sich auf den Boden legte und den Dritten mit sich zog.
So lagen sie da. Friedlich und aufgeregt. Den Moment genießend. Peters Hand, die mit Bobs Haaren spielte und Bobs Hand, die sanft über Peters Arm strich.
Schließlich brach Bob das Schweigen zwischen ihnen: „Also… wenn das zum Schlösser knacken gehört, weiß ich nicht, ob ich das mit irgendjemandem außer dir machen möchte.“
Peter prustete los und Bob stimmte mit ein: „Keine Sorge, diese geheime Schloss-Knack-Technik hebe ich mir für dich auf“ und wieder waren Peters Lippen auf seinen und Bob hätte vor Glück schmelzen können.
