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Vielleicht hätten sie nicht kurz vor der Dämmerung in den Wald gehen und nach der Hütte, in der sich der Verdächtige wohl laut GPS Signal, öfter aufgehalten hatte, zu suchen. Jetzt war es aber zu spät, sie waren auf halben Weg dort und es war schon beinahe dunkel, um sie herum. Niko war unsicher, ob er den Weg aus dem Wald heraus wieder finden würde. Die Bäume waren nur noch Umrisse, die sich unheilvoll im Wind bewegten.
„Ziemlich gruselig“, kommentierte Niko.
„Hmm was?“ wollte Alex wissen. Er war darauf fokussiert gewesen, Niko zu folgen und dabei nicht über irgendwelche Wurzeln zu stolpern.
„Die Bäume in dem Licht sehen gruselig aus“, erklärte Niko. Er versuchte normalerweise, seine Ängste nicht zu zeigen, aber Alex vertraute er so sehr, dass er bei ihm inzwischen einfach komplett er selbst sein konnte.
„Echt? Findest du? Ich seh nix“, antwortete Alex unschuldig und tat so, als würde er sich umsehen. Einen Moment hielt er das aufrecht, bevor er anfing zu kichern. Niko schubste ihn daraufhin und Alex stolperte ein bisschen, aber Niko hatte ihn sofort aufgefangen und an sich gezogen. Alex kicherte immer noch und hatte jetzt aber seine Arme um Niko geschlungen. Damit konnte Niko leben. Er hätte es aber bevorzugt, nicht mit einem Blinden im Dunkeln durch den Wald zu laufen.
Ein Geräusch hinter ihnen ließ Niko zusammen zucken und Alex schlang sofort seine Arme enger um ihn.
„Wir sollten tagsüber wieder kommen“, schlug Alex vor. Niko stimmte dem zu, wusste aber auch nicht genau, wie sie das Auto wieder finden sollten.
„Okay, also ich glaube… wir müssen… ähm… da lang“, sagte er und drehte sich und Alex in die Richtung, von der er glaubte, aus der sie gekommen waren. Inzwischen konnte er noch viel weniger sehen, das restliche Licht der Sonne drang kaum noch durch die Bäume.
„Sehr beruhigend“, kommentierte Alex, der sich wieder an Nikos Arm festhielt, aber definitiv näher an ihm dran war als sonst.
„Ich seh halt nichts“, erklärte Niko.
„So ein Zufall, ich auch nicht“, kicherte Alex.
„Spinner“, antwortete Niko. Immerhin war er nicht alleine. Mit Alex war schon immer alles irgendwie besser. Und der Wald war nicht unendlich groß, sie würden schon raus finden. Niko lief einfach mal los und Alex folgte ihm brav. Dass sich Alex‘ Hand dabei in seine Hand schob und er sich mit der anderen Hand jetzt an Nikos Arm festhielt kommentierte Niko nicht, er hielt nur die Hand fest.
Niko gab sein Bestes geradeaus zu laufen und nach einer Weile, definitiv war es länger als der Hinweg gewesen, stießen sie schließlich auf eine Straße.
„Das ist definitiv nicht, wo wir in den Wald gegangen sind“, sagte Niko und blickte sich um, in der Hoffnung irgendeinen Hinweis darauf zu finden, wo ihr Auto stand.
„Hast du GPS?“ wollte Alex wissen.
Niko zog sein Handy aus der Tasche und checkte Google Maps. Tatsächlich wurde ihm eine halbwegs plausible Position angezeigt. Zum Auto wären es ungefähr eine halbe Stunde Fußmarsch. Alex kommentierte das nur mit der Information, dass Laufen doch gesund war und Niko seufzte etwas, lief dann aber los. Alex hielt nun nur noch seine Hand, da sie jetzt nicht mehr durch den Wald liefen und Niko konnte nicht anders als zu lächeln. Erst als sie schließlich beim Auto angekommen waren ließen sie einander los und Niko vermisste die Berührung sofort.
Sie berührten sich ständig, jeden Tag. Und Niko mochte das. Aber das gerade, das war anders gewesen und Niko wollte mehr davon.
„Geht’s dir gut?“ fragte Alex und Niko konnte etwas Sorge in Alex‘ Stimme hören. Niko seufzte, er schloss kurz die Augen und dachte nach. Er war angespannt gewesen. Er hatte die Verantwortung nicht nur für sich, sondern auf für Alex und das ganze war stressiger gewesen, als er wirklich gemerkt hatte, als sie noch unterwegs waren.
„Jetzt ja“, antwortete er wahrheitsgemäß. Alex streckte die Hand nach ihm aus, griff einmal ins Leere und legte sich dann auf Nikos Bein. Niko griff sofort nach Alex‘ Hand. Sie schwiegen einen Moment, bevor Niko das Auto startete, Alex‘ Hand noch immer auf seinem Bein.
Heute würde er Alex nicht nur nach Hause bringen, sondern fragen, ob er noch mit hochkommen durfte und hoffentlich würde er sich trauen, Alex endlich zu sagen, dass er ihn liebte.
