Work Text:
Du wachst zum gleichmäßigen Rhythmus ihres Atems auf, der über deinen nackten Oberkörper streift. Sie hat den Kopf auf deine Brust gebettet, sich dicht an deine Seite geschmiegt. Wenn du ganz genau darauf achtest, kannst du beinahe ihren Herzschlag spüren, ein stetiger Widerhall in ihrem Brustkorb, der sich jetzt so ruhig hebt und senkt, dass du erleichtert aufatmen kannst.
Noch vor wenigen Stunden hast du sie aus einem Albtraum wecken müssen; unklare Wortfetzen und heftiges Zucken haben dich aus dem Schlaf gerissen. Du hast so lange sanft an ihrer Schulter gerüttelt und ihr liebevoll zugeredet (Amilía, Liebste, wach auf, keine Angst, ich bin bei dir, niemand kann dir etwas tun, es war nur ein Traum —) bis sie wieder in der Realität — bei dir — angekommen war, und dann so lange über ihren Kopf gestreichelt und sie im Arm gehalten, bis sie wieder einschlafen konnte.
Jetzt und hier, im milchig trüben Morgengrauen, erinnert zum Glück nichts mehr an die Schrecken der vergangenen Nacht.
Du hauchst einen Kuss auf Amilías Stirn. »Wach auf, mein Herz«, flüsterst du, während deine Finger vorsichtig über ihre wirren Locken streichen; ein halbherziger Versuch, sie zu wecken, liegt sie doch eigentlich viel zu friedlich da, als dass du sie stören wollen würdest. Du weißt, du solltest, aber du kannst dich noch nicht dazu durchringen, es ernsthaft zu versuchen.
Sie gibt ein kaum verständliches Geräusch von sich, nicht ganz Seufzen, nicht ganz widerwilliges Murren. Dann blinzelt sie träge zu dir auf, sodass du ihr über die Wange streicheln und ihr einen flüchtigen Kuss geben kannst, den sie mit einem leisen, wohligen Laut erwidert. Als eure Lippen sich wieder trennen, kann sie ein Gähnen nicht unterdrücken. »Will nicht aufstehen«, brummt sie. »Zu gemütlich.«
Unwillkürlich lächelst du. Es ehrt dich ungemein, dass sie sich bei dir wohl genug fühlt, um manchmal für eine Weile in Ruhe schlafen zu können — und ab und zu sogar das Aufstehen zu verweigern. »Verständlich«, räumst du also ein, »aber wir können nicht den ganzen—«
Und schon hat sie dich auf die wohl schönstmögliche Art unterbrochen. »Küss mich lieber weiter«, haucht sie an deinen Lippen. Du lächelst in den Kuss hinein, unfähig, einem derart guten Ablenkungsmanöver zu widerstehen, und gibst ein genüssliches Seufzen von dir, als sie mit ihrer Zungenspitze über deine Unterlippe fährt. Die Augen geschlossen, drehst du dich etwas weiter zu ihr um, genießt den intensiver werdenden Kuss, die angenehme Nähe, diesen wunderbar trägen Moment der Zuneigung, der es nur allzu verlockend macht, noch länger mit Amilía im Bett zu bleiben.
Ein behagliches Kribbeln wandert durch deinen Körper, als sie mit ihrer freien Hand über deine Seite streichelt, über deine Brust hinauf zu deinem Gesicht, Fingerspitzen an deinem Hals, deinem Kiefer, deiner Wange, ehe ihre Hand an deinem Schlüsselbein zum Ruhen kommt, sichtlich zu müde für allzu viel Bewegung, und doch auf der Suche nach mehr und mehr Nähe. »Bleib bei mir, Chi«, murmelt sie, während sie sich noch enger an dich drückt. Wahrscheinlich wird sie sich später kaum daran erinnern können, jetzt im Halbschlaf gesprochen zu haben, und doch … sind diese Worte etwas ganz Besonderes. Ein seltsam ehrlicher, verletzlicher Einblick, den sich außer dir wohl niemand von Amilía erhoffen könnte.
Bleib bei mir.
Keine Chance — der anbrechende Tag wird warten müssen, solange in deinem Bett so liebevolle Küsse und so aufrichtige Halbschlafbekenntnisse lauern, die dich zum Liegenbleiben zu verführen.
