Work Text:
Adam hatte seinen Oh moment nicht etwa als Leo ihm zum wiederholten Male sein Lieblings-Frühstück mitgebracht hat (Kaffee Schwarz und eine Laugenstange, die mit dem meisten Salz drauf), oder als Leo‘s T-Shirt etwas hochgerutscht ist, während er seine gut trainierten Arme durch die braunen Haare fuhr. Er hatte den Moment auch nicht, als Leo über Monate, nein eigentlich über Jahre, Adam‘s ganze Scheiße mit ihm zusammen durchstand, ihm immer wieder eine emotionale Stütze war, selbst wenn Adam ihn wegstieß und immer wieder anlog.
Nein. Adam Schürk hat seinen Oh moment als Leo blutend und bewusstlos in dem verstaubten Bunker auf Adam‘s Schoß lag.
Wie hätte es in seinem verkorksten Leben auch anders laufen sollen?
Das er Leo liebt, war ihm immer klar. Immerhin hat Leo für ihn beinahe Mord begangen. Er hat Saarbrücken verlassen, um Leo zu schützen, gerade weil er ihn liebt.
Um ihn nicht in den ganzen Scheiß, den Adam Schürk sein mit sich zieht, mit reinzuziehen. Er kam zurück, weil er ihn liebt. Genau aus diesem Grund hat er Leo die letzten Monate auch wieder so auf Abstand gehalten. Kaum war er wieder da, hat er ihn wieder zu sehr hineingezogen: der Kram mit seinem Vater, die Sache mit dem Geld. Er wollte so sehr, das Leo einfach seine Arbeit machen und ohne sich den ganzen Tag um Adam zu sorgen sein Leben leben kann. Und das hat auch gut geklappt. Wobei gut auch definierbar ist. Klappt es gut, wenn es ihm so gefehlt hat, die Nächte bei Leo zu sitzen, schlechte asiatische Nudeln mit zu viel Glutamat zu essen und über Gott und die Welt zu reden und schließlich näher als normal sein sollte zusammen auf dem Sofa einzuschlafen, dass er das selbe mit Pia gemacht hat, in der Hoffnung Leo irgendwie zu ersetzen?
Er mochte Pia, so wie man Kollegen die man gut leiden konnte halt mag. Mehr aber auch nicht. Sie war Pia. Aber sie war nicht Leo.
Denn nur Leo schaffte es, aus Adam mehr als einen Lacher pro Stunde zu entlocken. Leo schaffte es, dass Adam körperliche Nähe zulassen konnte, ohne im Hinterkopf zu hören, das soetwas schwach sei. Leo schaffte es sogar, dass Adam wirklich in Betracht zog, das Rauchen aufzugeben. Einfach nur weil Leo eben Leo war, und ihn immer mit diesem Blick ansah, wenn Adam nach der Packung Marlboro griff und in Richtung Terrasse steuerte. Dieser Blick der sagte „Du bist mir viel zu Wichtig, als das es okay wäre, wenn du in 10 Jahren an Lungenkrebs stirbst.“ Das alles konnte Leo ihn, der emotional eigentlich immer für alle unzugänglich war, nur mit einem Blick spüren lassen. Der Blick saß jedes mal so tief, dass Adam sich jede Zigarette zwei mal überlegte. Und was Leo nicht wusste war, das Adam wenn er alleine war, viel öfter rauchen ging, aber wenn sie zusammen auf dem Sofa lagen, schultern aneinander gepresst und Leo‘s Bein quer über Adams lag, dann blieb er sitzen, um die Nähe nicht zu vermissen, die Leo ihm gab.
Das alles, ließ Leo Hölzer ihn fühlen. Und trotzdem konnte er erst realisieren, wie sehr er ihn liebte, als es vermutlich schon zu spät war.
Fuck.
Adam konnte sehen, das Esther etwas rief, das ihr Mund immer wieder auf und zu ging, aber er konnte sie nicht hören. Das lag zum Teil vermutlich daran, das die Explosion sein Trommelfell nicht gerade wenig zerstört hat, aber auch genau so sehr daran, dass er nichts mitkriegen konnte, so fixiert war er auf Leo. Auf seine geschlossene Augen, sein blutiges Gesicht, die Asche die sich über ihn legte, wie ein sanfter Schleier.
Das durfte nicht passieren. Warum ging es augenscheinlich allen beteiligten gut, nur Leo rührte sich nicht mehr?
Er konnte erst wieder reagieren, als ein kleiner Stein von der Decke sich löste, und ihn an der Schulter traf. Erschrocken sah er hoch, weg von Leo‘s Gesicht und seine Augen trafen auf Esthers gleichermaßen weit aufgerissen.
„Wir müssen hier raus!“, war das erste, was er sagen konnte, seitdem die Explosion hochging.
Esther nickte hektisch, sah zwischen Pia und Leo hin- und her.
„Hilf du Pia hier raus, ich hab’s im Griff.“ Adam hatte es nicht im Griff, konnte sich aber auch nicht vorstellen, Leo jemandem anzuvertrauen, der nicht er selber war. Solange Leo noch in seinem Schoß lag, sie Körperkontakt hatten, solange konnte Leo ihm nicht entgleiten. Schnell aber sicher, griff er mit einem Arm unter Leo‘s Knie, mit dem anderen unter seinen Oberkörper und hievte ihn unproblematisch hoch. Er spürte das Gewicht von Leo‘s Muskeln aber er wusste auch, wie wenig Zeit sie hatten, bevor das ganze Ding einstürzen würde, weshalb es unproblematischer war, als es vermutlich an jedem anderen Tag gewesen wäre, Leo zu tragen. Das Adrenalin gepaart mit der Angst ließen ihn sich fühlen, als wäre er in der Lage, Leo selber bis ins Krankenhaus zu tragen. Und verdammt, sollte der Krankenwagen auch nur eine Minute zu lange brauchen, dann würde er das halt auch tun.
Adam war gerade dabei, den Weg aus dem dunklen Bunker zu bestreiten, als er fühlte, wie Leo sich leicht in seinen Armen bewegte.
„Adam?“ hörte er es leise, aber doch so klar und er musste heftig schlucken. Leo war wach und konnte reden. Das war gut. Das war sehr gut.
„Ich bin da Leo, alles wird gut. Wird sind gleich draußen.“ Doch als Adam zu Leo runtersah, waren seine Augen bereits wieder geschlossen. Die Sorge stieß ihm wieder in den Kopf, in den Magen, ins Herz.
Doch noch hatte er ihn in seinen Armen. Solange war Leo sicher. Adam würde dafür sorgen.
Er musste Leo doch noch loslassen, und damit brach auch alles andere in ihm zusammen, was die letzten Minuten noch gut unter Kontrolle war.
Natürlich musste er Leo an den Notarzt übergeben, das wusste er ganz sachlich betrachtet. Nur konnte er selten etwas sachlich sehen, vor allem wenn es um Leo ging, weshalb man ihn praktisch von Leo wegreißen musste, damit die Sanitäter ihre Arbeit machen konnte. Als dann auch der letzte Finger Leo nicht berührte, er ihn ganz schnell nicht mehr sah, da er von medizinischem Personal umrundet war, und irgendein ihm nicht bekannter Polizist ihn zur Seite ziehen wollte, schrie er einfach nur noch.
Er schrie, das Leo nicht sterben dürfte, das der Notarzt seinen verdammten Job machen soll, und das so gut wie noch nie in seinem Leben, er schrie Leo‘s Namen. Immer und immer wieder.
Er wollte sich losreißen, zu Leo rennen, doch das sorgte nur dafür, dass noch mehr Polizisten ihn umringten, so viel fremde Hände waren an ihm und niemand verstand was hier eigentlich los war.
Die Liebe seines Lebens lag nur wenige Meter entfernt von ihm, blutend und mehr tot als lebendig und die ganzen Menschen um ihn herum hatten nichts anderes zutun, als ihn festzuhalten.
Später würde Adam noch froh darüber sein, dass Leo so schnell geholfen werden konnte. Doch gerade fühlte er sich wie ein eingesperrtes Tier.
Er hörte erst auf Widerstand zu leisten, als Esther vor ihm stand.
„Beruhig dich. Adam. Beruhig. Dich. Wir fahren jetzt ins Krankenhaus. Pia haben sie schon mitgenommen, Leo kommt direkt hinterher. Wenn du anfängst zu schreien, während ich fahre, halte ich an. Verstanden?“
Er nickte nur, wurde sofort still und hörte auf zu versuchen, in Richtung Krankenwagen zu rennen. Stattdessen folgte er Esther zum Auto.
Leo‘s Blut klebte an seinen Fingern. Das fiel ihm erst auf, als er dabei war, sich vor dem Eingang der Notaufnahme eine Zigarette anzuzünden. Er konnte es nicht tun. Er hatte Leo‘s Bitte-hör-auf-zu-rauchen- Blick vor Augen, sah das Blut und schmiss die Zigarette achtlos vor sich auf den Boden, ohne sie angezündet zu haben.
„Pia geht es soweit gut. Streifschuss am Bein und ein bisschen zu viel Rauch eingeatmet, aber sie darf heute Abend wieder mit nach Hause.“ Esther kam von Station auf Adam zu, sah bereits deutlich gefasster aus als die letzten Tage.
Adam starrte jedoch weiterhin nur auf seine zitternden Hände. Er war sie waschen, kurz nachdem er wieder in den Wartebereich der Notaufnahme gegangen ist, doch so richtig gut geht Blut einfach nicht ab. Das störte ihn sonst auch nicht, wenn es sein eigenes war, oder das von einem Arschloch, was den Schlag verdient hatte, aber Leo‘s Blut war eine ganz andere Sache.
„Adam? Hast du gehört?“
„Hm ja, das ist gut.“, nuschelte er in sich hinein, der Fokus weiterhin auf Leos Blut. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren, wusste nicht mehr ob er seit einer Stunde oder vielleicht auch schon vier in der Notaufnahme warten musste. Natürlich war er froh, dass es Pia gut ging. Daran hatte er jedoch vom Anfang an keinerlei Zweifel, da sie halbwegs selbstständig in der Lage gewesen war, den Bunker zu verlassen.
Leo nicht.
„Er wird schon wieder. So nah war er an der Explosion doch gar nicht dran und-“
„Ich liebe ihn.“, unterbrach Adam Esther und sah von seinen Händen hoch, blickte verzweifelt in Esthers Gesicht was so unfassbar weich wurde, wie er sie selten gesehen hat.
„Ich weiß.“ Sie setzte ein kurzes lächeln auf und seufzte einmal, bevor sie sich neben Adam auf den weißen Plastikstuhl saß.
„Weiß Leo es denn auch?“
„Nein, also, ich denke schon aber ich glaube nicht das er weiß das ich ihn so liebe.“
„Dann sag es ihm. Weil wenn eins klar ist für mich, dann das Leo dich definitiv „so“ liebt. Ich kannte ihn schließlich einmal ohne dich in seinem Leben und dann auch, als du wieder da warst. Das sind zwei völlig unterschiedliche Menschen.“
„Ich glaub, ich sollte erst mit dem rauchen aufhören.“
„Quatsch. Der liebt dich auch so.“ Esthers lächeln war aufrichtig und auch Adam konnte sich ein kleines lächeln nicht verkneifen.
Er hatte nicht damit gerechnet, ausgerechnet Esther als erster Person überhaupt von seiner Liebe zu Leo zu erzählen, aber er hatte heute Morgen auch noch nicht unbedingt damit gerechnet den restlichen Tag im Saarbrücker Krankenhaus zu verbringen.
„Angehörige von Herrn Hölzer?“, unterbrach eine Ärztin, die in den Wartebereich kam das Gespräch der beiden und Adam sprang so schnell auf, dass er den Stuhl fast mit umriss.
„Wie geht es ihm?“, fragte Esther, als Adam die Ärztin nur mit weit aufgerissenen Augen anstarrte.
„Er ist stabil. Wir haben ein CT durchführen lassen und konnten ein Schädel-Hirn-Trauma Grad 1 feststellen. Er sollte sich vollständig erholen, nach ein paar Tagen starker Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Das hat auch zur bewusstlosigkeit geführt. Ansonsten hat er viel rauch eingeatmet und hat ein paar äußerliche Blessuren, sollte aber vollständig genesen. Wir behalten ihn 48 Stunden zur Beobachtung hier.“
Adam konnte zum ersten Mal seit der Explosion ausatmen.
Er ist okay. Leo ist okay.
„Kann ich denn zu ihm?“
„Sind sie Adam? Er hat schon nach Ihnen gefragt.“
Er weinte an diesem Tag erst, als er Leo sah.
Leo, der lebendig in dem Krankenhausbett lag, die braunen Haare durcheinander, die Wunde an der Wange getaped und das die Überreste der Asche noch leicht erkennbar.
Er hatte die Augen schmal geöffnet, ein leichtes grinsen zierte jedoch das ansonsten schmerzverzerrten Gesicht, als er Adam reinkommen sah.
Er war sich nicht sicher, ob es die Erleichterung, dass Leo wirklich lebte, oder die ganze Anspannung des Tages, die auf einmal abfiel war, aber Adam konnte nicht anders und fing noch im Türrahmen an, bitterlich zu weinen.
Leo‘s grinsen wich ihm sofort aus dem Gesicht, die Augen weit aufgerissen.
„Adam?“
Ein Adam Schürk weinte nicht. Und trotzdem stand er jetzt hier, vor Leo‘s Bett, und konnte nicht aufhören zu schluchzen, egal wie oft er sich mit der Faust über die Augen wischte.
„Adam komm her.“ Leo sprach noch leise, die Stimme rau vom einatmen der staubigen Luft. Aber er sprach mit so viel Bestimmtheit und Ansage, aber auch diese Sanftheit, die Leo’s Stimme immer hatte, wenn er mit ihm Sprach, dass Adam gar nicht anders konnte, als durch die Tränen hindurch zu Leo‘s Bett zu gehen.
Es ist ja nicht so, als wäre das nicht auch genau was er wollen würde. Aber zeitgleich wollte er auch einfach nur rennen. Objektiv gesehen wusste er, das er es nicht war, der Leo hochgejagt hat. Aber der Teil in ihm, der darauf getrimmt wurde, sich immer für alles verantwortlich und schuldig zu fühlen, sah das natürlich ganz anders. Wieder stellte er sich die Frage, ob Leo ohne ihn besser dran wäre. Sicherer.
Aber dann sah er in Leo‘s Augen und erinnerte sich daran, wie sein Herz ihm in den Bauch rutschte und er das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können, als er dachte Leo verloren zu haben.
Er würde nicht mehr rennen. Denn er kann nicht ohne Leo. Das hat er heute so gespürt, wie noch nie zuvor.
„Du bist okay, ja? Nicht verletzt?“, fragte Leo besorgt, doch Adam schüttelte nur den Kopf.
„Ich hab heute noch nicht geraucht.“ War das einzige, was Adam hervorbringen konnte, als er unter Tränen langsam auf die Matratze neben Leo sunk.
„Und deshalb weinst du direkt.“, grinste Leo, was jedoch in einem Hustenanfall seinerseits endete.
Adam wusste nicht ganz, was er tun sollte, griff hastig nach der Flasche Wasser am Bett aber Leo fing sich wieder rechtzeitig.
„Man Leo. Mach das nie wieder, okay?“
„Husten?“
„Du weißt genau was ich meine.“ Adam konnte sich ein weiteres schluchzen nicht unterdrücken und ärgerte sich so sehr über sich selber, drückte die Fäuste auf die Augen, wie er es schon als Kind tat, um die Tränen zu stoppen, doch es klappte nicht.
„Hör auf zu heulen“ hörte er seinen Vater brüllen.
Leo griff nach seiner Hand, zog sie langsam von seinem Gesicht weg und holte ihn mit dieser kleinen Bewegung auch wieder raus aus seinem Kopf, zurück in den Moment in dem er war. In dem es okay war zu weinen, da er den Mann den er liebte, fast verloren hat.
„Ich bin okay, Adam. Oder ich werde es zumindest wieder sein, ja? Das bisschen Kopfschmerzen.“, Leo grinste wieder schief, hielt dabei unbewusst immer noch Adam‘s Hand in seiner. „Du hast doch selber schon deutlich schlimmeres erlebt.“
Leo dachte an Adam im Gefängnis. Adam in seiner Kindheit. Adam der immer wenn er etwas Frieden gefunden hat, wieder von seinem Vater gequält wurde.
„Aber dabei warst du immer in Sicherheit.“, murmelte Adam und drückte Leo‘s Hand, als müsste er sich wieder ins Gedächtnis rufen das er hier war, bei ihm.
„Was ich ziemlich oft aber auch dir zu verdanken habe. Ich habe mich noch nie im Dienst so sicher gefühlt, wie mit dir an meiner Seite. Da bekommt man ein Gespür für, wenn man über die Jahre verschiedene Partner hatte. Oder vielleicht auch einfach, wenn der Partner einen schon mit 12 den Arsch gerettet hat. Genau wie du mich heute auch gerettet hast.“
Leo fuhr Adam sanft mit dem Daumen über den Handrücken. Er wusste ganz genau, dass Adam‘s Kopf oft sein schlimmster Feind war. Der Tag war hart genug für alle, Leo wollte auf jeden Fall verhindern das Adam sich mal wieder für etwas die Schuld gibt, was nicht seine Schuld war. Das war auch der Grund, weshalb er versuchte, seine zugegebenermaßen höllische Kopfschmerzen und die Angst, die ihm noch etwas im Magen saß, mit Humor zu überspielen. Weil er wusste, dass egal wie es ihm gerade ging, Adam ging es tatsächlich schlimmer. Er hat ihn selten weinen gesehen, schon gar nicht so wie jetzt gerade. Leo wollte nicht sehnlicher als ihn vor dem zu beschützen, was über Jahre in seinem Kopf gesät wurde.
„Du hast mich gerettet.“, sagte Leo erneut und sah Adam tief in die blauen Augen.
Adam musste schlucken. Kein Mensch auf der Welt hielt so viel von ihm, wie Leo es tat. Keiner Verstand ohne große Erklärung, was bei ihm im Kopf los war. Keiner konnte ihn so gut erden, wie Leo es tat.
„Ich liebe dich.“, flüsterte Adam, die Tränen liefen ihm weiterhin aus seinen Augen. „Hab ich schon immer.“
Es rutschte ihm so raus. Zu groß war die Dankbarkeit, die Demut, das Leo hier mit ihm saß und ihm, obwohl er selber verletzt war, emotionalen Komfort entgegen brachte. Denn so war Leo. Er würde immer erst Adam wählen, und dann sich selber. Genau wie Adam immer erst Leo auserwählen würde.
Und Gott, wie einfach es war, diese Worte zu sagen, die ihm sein ganzes Leben schon zu oft verwehrt geblieben sind, wenn es Leo war, an denen sie gerichtet waren.
„Ich muss fast sterben, damit du das endlich sagst.“ Leo‘s lächeln war so strahlend das kein Außenstehender annehmen würde, das er vor ein paar Stunden noch bewusstlos und blutend in einem Bunker lag.
„Man Leo, ich bin einmal ernst.“ Adam‘s lachen war gepaart mit einem weiteren Schluchzer der Erleichterung, als Leo sich vorbeugte und vorsichtig mit der Hand -die die nicht immer noch Adam‘s festhielt, die Tränen von seiner Wange wischte.
„Ich würde dich wirklich gern küssen, aber ich hab das Gefühl, ich muss gleich kotzen. Das ist aber nicht wegen dir.“, sagte Leo noch schnell, bevor er nach der medizinischen Spucktüte, die bereits provisorisch auf dem Beistelltisch lag, griff.
„Tut mir leid.“, sagte Leo, nachdem er den Rest seines Frühstücks entleert hat und einen Schluck Wasser, den Adam ihm erneut hinhielt, trank. „So hab ich mir dass nicht vorgestellt. Also das du endlich ich liebe dich sagst und ich dann erstmal kotze.“
Sie mussten beide lachen und bei Gott, Adam liebte diesen Mann.
„War doch klar, das es bei uns nicht normal ablaufen würde.“
„Dann ist es uns bestimmt auch egal, wenn alle sagen, dass es zu früh ist wenn du die Tage direkt bei mir einziehst. Richtig? Immerhin bist du seit 24 Stunden rauchfrei.“
Adam konnte nicht anders und küsste Leo.
Er küsste ihn so, wie man jemanden küsste, den man sein ganzes Leben schon geliebt hat. In dem Kuss steckten knapp 20 Jahre Verlangen, Zuneigung, Liebe.
Der Kuss schmeckte ein bisschen nach Erbrochenem und Asche, alles roch nach Krankenhaus, Adams Gesicht war komplett verheult und trotzdem war alles perfekt, als sie sich langsam voneinander lösten, die Hände immer noch fest ineinander verhakt und auf beiden Gesichtern war das größte Lächeln zu sehen, was sie einander je gezeigt haben.
