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Einen Korb mit Mandarinen in der Hand, schlenderte sie durch den Vorort von Dukatia City. Sie mochte diese Großstadt nicht wirklich. Zu wenig Natur, keine frische Luft zum Atmen. Viel Gewusel.
Es war schon fast Ironisch, dass Jasmin diese Abneigung hatte, wenn man bedachte, dass sie die Arenaleiterin war, die sich auf Stahl-Pokémon spezialisiert hat.
Die raue Luft des Ozeans von Oliviana City und ihre Pokémon… es sorgte für allgemeine Erheiterung.
Hier im Vorort waren noch einige Blumen zu finden. Es roch nach dem angrenzenden Wald.
Jasmin trat durch die Tür des kleinen Hauses und hielt Lächelnd den Korb vor ihrer Brust. Das Ältere Ehepaar der Pension waren ihr vertraute Bekannte.
„Hey, ihr Beiden. Ich hoffe, ich störe nicht?“
Noch nie hatte Jasmin gehört, dass jemand von dem Paar abgewiesen oder gar Rausgeschmissen wurde. Die Türen standen offen. Alle mit guten Absichten waren willkommen.
Tatsächlich schien es ihr gerade so, als wenn sie doch störte. Verlegen rötete sich ihr Gesicht, als der Ältere Mann gerade seinen Anruf beendete und sich dann entschuldigend zu ihr umdrehte.
„Nein, Kleines du störst nicht! Ich habe gerade einen Anruf von Professor Eich bekommen. Ihm… ihm haben wir eines unserer Eier anvertraut. Er teilte uns mit, dass der Pokémon Dieb aus Neuborkia geschnappt wurde. Das Bild mit dem nach ihm gesucht wurde war falsch! Kannst du das glauben? Der Rotzlöffel Gold, hat eine falsche Täterbeschreibung abgegeben. So sieht er wirklich aus.“
Jasmin verstand nicht wirklich. Das waren viele Informationen in sehr kurzer Zeit.
Pokémon Dieb und Neuborkia? Irgendetwas sagte ihr das.
Der Pensionsleiter zeigte ihr ein neues Bild, offensichtlich von der Polizei aufgenommen.
Jasmin erstarrte.
„Aber…“ Ihr Kopf bewegte sich abwehrend hin und her.
„Sein Name ist Silber.“ Fuhr der Pensionsleiter fort.
„Er soll wohl Giovannis Sohn sein! Kein Wunder, dass er ein Dieb geworden ist.“
Jasmin hob die Hand. Noch mehr Worte würde das Bild nicht klarer machen. Sie nur noch mehr verwirren.
„Das kann nicht sein.“ Sie Flüsterte fast.
Die Ältere Frau, die hier mit ihrem Mann lebte, führte sie vorsichtig zu einem Stuhl im Esszimmer und nahm ihr den Korb mit Mandarinen aus der Hand.
Inzwischen wurde sie von beiden besorgt gemustert, so blass war sie.
„Das ist der Mann, der mich aus den Trümmern des Zinnturms gerettet.“
Jasmin trank einen heißen Tee und erzählte von jenen schrecklichen Tag in Teak City. Als die Erde bebte und sie auf Hilfe hoffen musste… und ihr Glaube an die Menschen nicht umsonst war.
Jemand hat ihre Hilferufe gesehen. War zu ihr gekommen und hatte sie aus den Trümmern geborgen.
Es war nicht der junge Gold gewesen, wenngleich sie in seinen Armen aufgewacht war.
Es waren nicht sein schwarzes Haar und die hellen Augen, die sie in einem Zustand von Wachsein und Ohnmacht vor sich gesehen hat. Auch wenn der Junge ihr ohne Frage geholfen hat und sich sehr gerne als Held aufspielte.
Bevor ihr die Augen zu vielen, sah sie den Schatten eines größeren Mannes. Feuerrotes Haar und kühl schimmernde Augen. Ein selbstbewusstes Auftreten. Ein Mann der tat was er tun musste.
Er war ihr Held gewesen und hatte sich dann um den Ruhm gedrückt.
Hatte ihre Dankbarkeit nicht nötig. Hielt nicht viel davon…
Jasmin besah sich das Polizeibild, das der Pensionsleiter ihr überlassen hat.
So jemand konnte kein übler Kerl sein…
Das Ehepaar glaubte ihr nicht so recht, hatten sie aber zu gerne, um ihre Erfahrungen und Gefühle abzusprechen.
Giovannis Sohn…
Jasmin verzog das Gesicht.
Wenn interessierte das schon?
Sie trank ihren Tee aus.
„Ich werde mich wohl mit Professor Lind unterhalten müssen.“ Verkündete sie nach einer Weile wohlüberlegt.
„Er ist am helllichten Tag in mein Labor eingebrochen! Er hat ein sehr junges Pokémon geklaut, das leicht zu beeinflussen ist. Dann hat er mit diesem Karnimani gegen Gold gekämpft! Eine gefährliche Reise angetreten und noch mehr Ärger gemacht! Jetzt sagst du mir, dass das alles nicht so schlimm wäre?“
Jasmin schluckte.
Nein, dass hatte sie nicht gesagt.
Entwaffnend ließ sie ihre Hände offen. Die Stimme ruhig und nicht aufgebracht.
Sie hatte eine andere Seite von dem Dieb gesehen… und wenn sie die Wirren Worte von Gold glauben konnte, teilte der junge Trainer ihre Einschätzung.
Der Dieb war nicht Böse. Er war Skrupellos gewesen und vielleicht auch verzweifelt.
Sie erwiderte nichts und die Schärfe verschwand aus Professor Lind Blick. Müde ließ er sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen. Unter seinen Tisch griff er nach ein Pokéball und seufzte erschöpft.
„Jasmin, du weißt wie Pokémon zu behandeln sind. Als Arenaleiterin bist du dir dieser Verantwortung sehr bewusst. Das hier ist das Unschuldige Wesen, dass mir einst gestohlen wurde. Es hat sich zwei Mal entwickelt! Das Impergator knurrt mich an, wenn ich es rauslasse. Es ist traurig und es vermisst seinen Trainer. Ich war nie der Trainer… ich war der Besitzer. Du kennst den Unterschied.“
Ja, das tat sie. Trainer bewehrten sich gegenüber ihren Pokémon. So war es immer. Das stärkste Pokémon konnte seinen Einsatz verweigern oder umlenken, wenn es kein Vertrauen, kein Band gab.
Jasmins Stimme wurde leise.
„Silber hat sich als Trainer bewehrt?“
Silber… der Name schmeckte für sie nach potenzial.
Professor Lind nickte grimmig und schlug auf den Tisch. In diesen trotziger Zustand, wäre der Mann es wohl lieber gewesen, wenn sein gestohlenes Pokémons misshandelt worden wäre, als sich jetzt dieser komplizierten Situation zu stellen.
„Leider ja. Er hat ein Talent. Das Karnimani war in guten Händen. Es vermisst diesen Jungen. Es leidet! Aber ich will den Dieb nicht für seine Taten belohnen. Die Polizei will ihm gehen lassen, da seine Strafe verjährt ist. Er so jung war…“
Jasmin schüttelte den Kopf. Sie hatte nicht viel aus Gold seltsamen Worten herausgehört. Nur eine Sache verstanden.
„Ich glaube, Silber hat in seinen Leben genug gelitten. Er hat sich als Trainer bewiesen. Jetzt liegt es an uns, dass er sich auch als Mensch beweisen kann.“
Professor Lind Gesicht blieb grimmig. Eine lange Zeit schmollte er, ehe seine Augen sich schlossen.
Der Professor war ein Chaotischer, aber auch netter Mann. Er behandelte jeden Gut und war untröstlich, wenn andere es nicht taten. Darum verzieh er solches nicht leicht.
„Jasmin, lass dich nicht ausnutzen.“
Sie Lächelte traurig.
Nicht von Silber. Nicht von einem Mann, der sie in Sicherheit brachte, ohne den Ruhm dafür zu ernten.
„Dieser Junge wird mein Herz nicht brechen.“
Professor Lind Lippen zuckte etwas.
„Ich überleg es mir.“ Verkündete er grimmig dreinschauend.
Natürlich entschied sich Professor Lind am Ende für das wohl seines Pokémons. Mit deutlichen Wiederwillen und strengen Worten, hielt er Silber eine Predigt über Verantwortung und Konsequenzen. Betonte, dass er das einzig und allein für das Impergator tat. Das stehlen nie der Richtige Weg war.
Jasmin sah aus der Ferne zu und musterte sie Szene amüsiert zwischen Bäumen und Sträuchern. Selbst von hier aus war klar, das Silber nicht richtig zuhörte. Das er zu sehr damit beschäftigt war, sein wiederbekommendes Impergator zu umarmen, um all die Belehrungen mitanzuhören.
Zum Schluss sah der rothaarige Sohn, des einst gefürchteten Gangsterbosses, Professor Lind mit ernsten Augen an.
„Danke für die zweite Chance.“ Er meinte es aufrichtig und allein das wirkte entwaffnet auf Professor Lind.
Jasmin wagte es sich zurückzuziehen.
Der Frieden war wiederhergestellt.
Ein letztes Mal sah sie Silbers rotes Haar in der Ferne, bevor sie sich endgültig abwandte.
Noch war dieser am Anfang seiner Reise. Er würde noch viel lernen müssen.
Doch irgendwann, würde Silber sich einmal so sehen, als was sie ihm sehen konnte.
Der Held seiner eigenen Geschichte.
