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Die verborgenen Seiten

Summary:

Die drei Fragezeichen gehen ans College – und stolpern natürlich bereits nach wenigen Wochen über einen neuen Fall. Meredith, eine Kommilitonin von Peter, berichtet von einem merkwürdigen Erlebnis auf einer der berüchtigten Frat-Partys von Sigma Chi. Ihre Nachforschungen führen sie dabei von den Geheimnissen elitärer Studierendenverbindungen über rivalisierende Sport-Teams und queere Uni-Gruppen bis hin zu den staubigen Archiven der College-Zeitungen.

Doch während sie der Wahrheit immer näherkommen, gerät für Peter eine ganz andere Realität ins Wanken. Irgendwas ist anders bei ihm. Oder bei Bob? Oder irgendwie zwischen ihnen? Und je mehr er versucht es weg zu ignorieren, desto aufdringlicher wird das seltsame Gefühl, dass sich etwas verändert hat…

Notes:

Hallo ihr Lieben!
Ich hab entschieden, dass ich ein neues Baby brauche, deswegen könnt ihr euch jetzt über eine neue Case Fic von mir freuen 😊
Möglichweise wird dieses Jahr in meinem Leben ab diesem Zeitpunkt ein bisschen wild, weil ich jetzt offiziell keine Studentin mehr bin und jetzt wohl der Ernst des Lebens startet. Bis jetzt ist also *unklar*, wie viel Zeit ich tatsächlich haben werde zu schreiben. Aber ich hab auch Bock! Hoffe ihr auch! Und damit überlasse ich euch nun dem ersten Kapitel. Ich kann versprechen, es gibt sehr viele College-Klischees, Coming-of-Age, und all der self-indulgent Shit, den ich gerne einbauen möchte – just because I can <3

Und noch ne kurze CN direkt am Anfang: Besagte Kommilitonin von Peter berichtet von einer Party, auf der sie potenziell gedrugged wurde. Bis jetzt wissen wir noch nicht, wer, oder was dahintersteckt (kurzer Disclaimer: es geht hier nicht um SA & und das war auch nie die Intention hinter diesem Vorfall :) )

Chapter 1: Eine Standardabweichung

Chapter Text

„Peter, kannst du vielleicht damit aufhören, du machst mich ganz nervös?“

Der zweite Detektiv fing gekonnt den kleinen, grünen Ball, den er zuvor immer wieder einen halben Meter in die Luft geworfen und anschließend wieder aufgefangen hatte. Er setzte sich schwungvoll auf und blinzelte in das Licht der tiefstehenden Sonne, die ihm in dieser Position nun direkt in die Augen strahlte. Peter zog die Sonnenbrille, die er zuvor in seine Haare geschoben hatte, zurück auf die Nase. Skeptisch blickte er in Justus‘ Richtung, der schon die gesamte letzte Stunde, die sie auf der weitläufigen Wiese zwischen den Uni-Gebäuden saßen, wie besessen in seinen Laptop getippt hatte.

„Was machst du da überhaupt die ganze Zeit?“, fragte Peter und versuchte einen Blick auf Justus‘ Bildschirm zu erhaschen.

„Regressionsanalyse“, murmelte dieser einsilbig und Peter wandte seinen Blick zu Bob, der nun auch von seinem Buch aufblickte, mit den Schultern zuckte und ihn amüsiert anlächelte. Bobs Haare waren ein bisschen zerzaust, und ein paar Strähnen fielen ihm in die Stirn, als ob er immer wieder mit den Händen durch gefahren wäre. Peter wusste es besser. Er wusste, dass Bobs Haare sorgfältig gestyled waren, penibel an Ort und Stelle platziert, sodass es so aussah, als ob er einfach so aus dem Bett gerollt wäre. Peter hatte ihn schon oft genug dabei beobachtet.

Ein wenig ruckartig wandte er seinen Blick ab und setzte stattdessen ein sarkastisches Grinsen auf. Für einen kleinen Moment zog er es außerdem in Erwägung, Justus den kleinen, grünen Ball an den Kopf zu werfen.

„Ah, klar, eine Rezensionsanalyse. Dann weiß ich natürlich Bescheid.“

Regressionsanalyse, Peter. Das ist für meinen Statistik-Kurs“, erklärte Justus erneut, und Peters Hirn schaltete sich in dem Moment auf Durchzug, in dem das Wort Statistik fiel. „Das ist ein statistisches Analyseverfahren, das die Beziehung zwischen einer abhängigen und einer oder mehreren unabhängigen Variablen modelliert.“

Peter setzte gerade dazu an, etwas weit weniger Eloquentes und definitiv Uncharmantes zurückzugeben, als ihm plötzlich eine junge Frau mit langen Braids in Auge fiel, die zielstrebig über die grüne Wiese und auf die drei Freunde zuzugehen schien. Sie war hübsch, hatte ihre großen, braunen Augen mit hellblauem oder weißem Eyeliner betont, und trug ein dazu passendes, lavendelfarbenes Sommerkleid.

Sie kam ihm außerdem vage bekannt vor und sofort begann Peter damit, panisch seine Erinnerungen zu durchkämmen, um zu reproduzieren, wann er sie schon einmal getroffen haben könnte. In der gesamten letzten Woche war es ihm nun schon mehr als einmal passiert, dass Leute ihm freundlich auf dem Campus zugewunken hatten, oder ihn begrüßten, als würden sie sich schon ewig kennen. Logischerweise kannte Peter niemanden – ausgenommen von Justus und Bob, natürlich – länger als die zwei Wochen, die das Semester jetzt bereits lief, doch irgendwie schienen seine Kommiliton*innen besser darin zu sein, sich an ihn zu erinnern als er an sie.

Zugegebenermaßen war Peter schon immer unterdurchschnittlich schlecht gewesen, wenn es um das Zuordnen von Namen zu Gesichtern und umgekehrt ging, doch in diesem letzten halben Monat machte es ihm das erste Mal wieder richtig zu schaffen, seitdem er von der kleinen Middle School, mit ungefähr dreißig Schülern pro Jahrgang, auf die High School gewechselt war und sich plötzlich um die dreihundert Freshmen um ihn gedrängt hatten.

„Hi, du bist Peter, oder?“ Die junge Frau lächelte freundlich und ließ sich neben ihnen im Schneidersitz auf den kurz gemähten Rasen sinken. „Ist es okay, wenn ich mich kurz zu euch setze? Ich hab noch ein bisschen Zeit totzuschlagen, bevor ich mich hier mit einer Freundin treffe.“

„Äh, klar. Gerne“, erwiderte Peter genauso freundlich und versuchte dabei nicht allzu panisch zu wirken, während er immer noch fieberhaft überlegte, wo er sie schon einmal getroffen hatte. Entgegen aller seiner Intentionen war er sich allerdings sicher, dass man praktisch Rauch aus seinen Ohren aufsteigen sehen konnte, so angestrengt dachte er gerade nach.

„Du weißt nicht mehr, wer ich bin, oder?“, grinste die junge Frau Peter nach einigen Sekunden amüsiert an und er hob verlegen seine Hand in den Nacken.

„Sorry, nein… du kommst mir total bekannt vor, aber ich kann dir gerade einfach keinen Namen zuordnen. Sind wir in einem Kurs zusammen?“

„Yes, genau“, bestätigte sie sofort seine Annahme. „Wir sind zusammen in Business Ethics bei Mrs. Dawnright. Wir saßen heute Morgen in der Vorlesung nebeneinander.“

Peter spürte, wie seine Wangen warm wurden. Es war ihm einfach verdammt unangenehm. Doch die junge Frau grinste ihn nur weiterhin freundlich an und berührte ihn kurz beruhigend an der Schulter.

„Alles gut, wirklich. Ich bin auch immer noch komplett überfordert mit den ganzen Menschen und Namen der letzten Wochen“, gab sie lachend zu. „Ich erinnere mich nur gut an dich, weil du ein Zurück in die Zukunft T-Shirt anhattest und ich das sympathisch fand. Ich bin Meredith. Aber alle nennen mich eigentlich nur Mere.“

Prompt blickte Peter an sich herunter und stellte fest, dass er tatsächlich das graue Shirt mit dem ikonischen DeLorean darauf trug, das Justus und Bob ihm zu einem seiner letzten Geburtstage geschenkt hatten. Peter hatte allerdings an diesem Morgen mal wieder so grandios verschlafen, dass er nur verpennt irgendein Shirt aus seinem Schrank gezogen hatte, ohne näher darauf zu achten, welche Wahl er schließlich getroffen hatte.

Bei der Erwähnung ihres Namens erinnerte er sich schließlich aber doch wieder an Meredith, und insbesondere daran, dass sie ihn als Allererstes danach gefragt hatte, ob er lieber ins Jahr 1955 oder 2015 reisen würde. In der Vorlesung war er ein wenig perplex gewesen, wie sie ihm seinen Filmgeschmack an der Nasenspitze hatte ablesen können, doch auf einmal ergab die ganze Sache viel mehr Sinn.

Vielleicht sollte er öfter irgendwelche Shirts mit popkulturellen Aufdrucken tragen, dachte Peter, denn anscheinend ließen sich so ziemlich einfach neue Freundschaften schließen.

„Ah, Mere! Jetzt erinnere ich mich! Schön dich zu wiederzusehen“, sagte er und tippte sich gegen die Stirn. „Du hast erzählt, dass dein Onkel tatsächlich einen DeLorean besitzt, richtig? Und dass du als Kind immer gedacht hast, dass er damit wirklich durch die Zeit reisen könnte?“

„Genau. Ihr könnt euch sicherlich die Enttäuschung vorstellen, als ich herausgefunden habe, dass das Ding tatsächlich nur ganz normal fahren kann. Und ehrlich gesagt auch erstaunlich unpraktisch und klaustrophobisch konstruiert ist. “ Sie lachte und wandte sich in Richtung von Justus und Bob, die ihre Unterhaltung bis zu diesem Zeitpunkt mit sehr unterschiedlichen Levels an Interesse betrachtet hatten. „Und ihr seid?“

„Justus Jonas“, stellte Justus sich typisch formal vor, ohne dabei allerdings von seinem Laptop aufzublicken. Peter lächelte Meredith entschuldigend an, doch sie zuckte nur gelassen mit den Schultern und wandte sich stattdessen in Bobs Richtung.

„Ich bin Bob“, sagte dieser nun und strich sich eine Haarsträhne hinter sein Ohr, während er sie schmal anlächelte.

„Seid ihr auch Business Majors?“

Sofort verzog Bob sein Gesicht und schüttelte den Kopf, als wäre diese Annahme absolut anmaßend.

„Nein, ich studiere Komparatistik. Alles, was in eine wirtschaftliche Richtung geht, ist tendenziell eher ein rotes Tuch für mich.“

„Fair“, sagte Mere mit einem unbekümmerten Achselzucken und wandte sich dann an Justus, der allerdings noch immer komplett auf seinen Computer fokussiert war und augenscheinlich alles andere um sich herum erneut erfolgreich ausgeblendet hatte.

„Justus studiert Informatik und Physik“, fügte Peter an seiner Stelle hilfreich ein und Mere nickte anerkennend in Justus‘ Richtung.

„Informatik und Physik, Respekt. Ich fand’s schon schlimm genug, dass ich eines dieser Fächer in der High School belegen musste.“

Justus zuckte daraufhin gleichmütig mit den Schultern und lächelte Meredith schließlich zumindest für eine Sekunde an. „Ich habe noch nicht ganz entschieden, ob ich nicht doch noch ein paar Kurse in Psychologie hinzufüge. Aber da bin ich aktuell noch in einer aktiven Diskussion mit der Universitätsleitung. Anscheinend sind sie der Meinung, dass bei so vielen Kursen die Gefahr auf Burnout sehr hoch wäre.“

„Wo sie vermutlich recht haben“, sagte Bob trocken und blickte seufzend in Richtung des riesigen Stapels an Büchern, den er neben sich auf dem Rasen aufgetürmt hatte und der anscheinend seine Leseliste für den ersten Monat des Semesters darstellte. Den ersten Monat.

Peter wusste nicht einmal, wann er das letzte Mal überhaupt ein einziges Buch zu Ende gelesen hatte, geschweige denn mehr als fünfzehn.

„Zumindest, wenn es um uns Normalsterbliche geht“, fügte er dann grinsend hinzu und legte Bob einen tröstenden Arm um die Schultern. Sofort ließ dieser sich ein wenig in die Berührung sinken und schmiegte sich an Peters Seite wie eine Katze, die darum bettelte, gekrault zu werden. Anstatt ihm diesen Wunsch allerdings zu erfüllen, wuschelte Peter ihm durch die Haare, und Bob drückte sich mit einem beleidigten Gesichtsausdruck wieder von ihm weg und begann sofort damit, seine Frisur zurück an die richtige Stelle zu sortieren. Grinsend beobachtete Peter ihn dabei, bis er sich erneut an Meredith wandte, die sie beide amüsiert anlächelte.

„Wie war deine erste Woche bis jetzt?“

Prompt holte Meredith Luft, als ob sie sofort eine der eingeübten, unverbindlichen Antworten geben wollte, mit denen man so eine Frage normalerweise kommentierte. Dann schien sie sich allerdings eines Besseren zu besinnen und wog ihren Kopf nachdenklich von links nach rechts.

„Gut, im Großen und Ganzen“, sagte sie schließlich, doch die leichte Anspannung, die sich nun auf einmal zwischen ihren Augenbrauen gebildet hatte, ließ sofort Peters Detektivinstinkt anspringen. Und sogar Justus, von dem er eigentlich das Gefühl gewonnen hatte, dass dieser der Unterhaltung gerade so überhaupt nicht gefolgt war, blickte nun wieder interessiert von seinem Laptop-Bildschirm auf.

„Im Großen und Ganzen?“

Meredith zuckte mit den Schultern. „Naja. Ich war letztes Wochenende bei einer von diesen berüchtigten Sigma Chi Frat-Partys und irgendwie hatte ich da nicht die allerbeste Experience.“

„Wie meinst du das genau?“, hakte Peter nach, da er mit ihren vagen Andeutungen nicht besonders viel anfangen konnte. Die SigChi-Partys waren ihm zwar auch schon ein Begriff, da es ein offenes Geheimnis am Campus war, dass diese Partys erstens komplette Abriss-Feten waren, bei denen die verrücktesten Sachen passierten und dass es zweitens ziemlich schwierig war, zu einer solchen Party eine Einladung zu erhalten. Besonders, wenn man noch im ersten Uni-Jahr war.

Mere blies ihre Wangen auf und pustete die Luft dann langsam wieder aus.

„Also am Anfang war es eigentlich noch ganz cool. Es war halt auch die erste, große College Party, auf der ich war, und ich war sofort ein bisschen erschlagen davon, wie sehr es sich nach einem Film angefühlt hat. Also ihr wisst schon: Rote Plastikbecher, Bier-Kegs, Skinny Dippen im Pool und so weiter.“

Peter nickte. Er konnte sich diese Art von Party gut vorstellen. Immerhin hatte Jeffrey ihn das ein oder andere Mal zu einer der College-Partys seines Bruders mitgeschleppt, als sie noch an der High School gewesen waren.

„Ich gebe gerne zu, dass ich vermutlich am Anfang ein bisschen zu schnell zu viel auf einmal getrunken hab“, fuhr Meredith fort und verschränkte dabei ihre Arme vor der Brust, als ob ihr kalt wäre, obwohl sie gerade mal wieder einen dieser kalifornischen Sommer hatten, der sich am liebsten bis in den November durchziehen wollte. „Aber es ist jetzt auch nicht so, als ob ich noch nie zuvor Alkohol getrunken hab, normalerweise kann ich mich da ganz gut einschätzen. Aber dann war ich irgendwann trotzdem plötzlich super betrunken und an die nächsten vier Stunden kann ich mich dann überhaupt nicht mehr erinnern, bis ich um fünf Uhr morgens im Zimmer von einem von den SigChi-Typen wieder aufgewacht bin.“

Entgeistert blickte Peter sie an und stellte aus dem Augenwinkel fest, dass auch Bobs und Justus‘ Gesichter ähnlich besorgte Ausdrücke zierten.

„Das klingt schrecklich“, sagte Peter mitfühlend und legte ihr vorsichtig eine Hand auf den Unterarm. Für einen Moment zuckte sie unter seiner Berührung zurück, lächelte ihn dann aber entschuldigend an, als sie realisierte, dass es nur Peters Hand war, die sie erschreckt hatte. Bob blickte sie mit nachdenklich zusammengezogenen Brauen an.

„Denkst du, dass dir jemand etwas in dein Getränk gemischt haben könnte?“

„Keine Ahnung“, sagte Mere und man konnte die Frustration deutlich aus ihrer Stimme heraushören. „Eigentlich kann ich mich nicht erinnern, dass ich meinen Drink mal irgendwo hab rumstehen lassen. Immerhin bin ich schlau genug, da vorsichtig zu sein.“

„Mit Intelligenz hat das wenig zu tun“, konterte Justus trocken. „Wenn jemand mit bösartigen Absichten auf so einer Party unterwegs ist, dann findet diese Person auch ihren Weg.“

Wieder schmunzelte Meredith, obwohl Justus‘ Antwort nicht besonders höflich formuliert, geschweige denn taktvoll gewesen war. „Ich interpretiere das jetzt mal so, dass du mir sagen willst, dass es nicht meine Schuld wäre, falls ich tatsächlich gedrugged wurde?“

„Das wäre die korrekte Interpretation, ja“, nickte Justus und klappte nun tatsächlich seinen Laptop vollständig zu. „Hast du dich denn ansonsten schon an die Universität damit gewandt? Oder die Polizei?“

Meredith schüttelte ihren Kopf.

„Ich wollte nicht unnötig Panik schieben. Und keine Ahnung, ich hab auch eigentlich das Gefühl, dass nicht mehr passiert ist. Wenn ihr wisst, was ich meine.“ Sie seufzte schwer. „Was würdet ihr denn an meiner Stelle tun?“

Betreten blickten sie in die Runde. Peter war natürlich klar gewesen, dass solche Dinge passierten, doch solange es nicht im direkten Umfeld geschah, schien es irgendwie immer seltsam weit entfernt.

„Nur du kannst die richtige Entscheidung für dich persönlich treffen“, antwortete Justus ernsthaft. „Aber falls du dich doch dazu entscheiden solltest, etwas zu sagen, und dabei Unterstützung brauchen solltest – Wir sind wir auf jeden Fall für dich da. Stimmts, Kollegen?“

Bob und Peter nickten artig und Meredith lächelte sie ein wenig traurig an.

„Danke, Jungs, aber ich glaub so richtig viel könnt ihr da nicht ausrichten.“

Als wäre dies sein Kommando gewesen, begann Justus sofort in seiner Hemdtasche zu kramen und zog schließlich triumphierend eine ihrer Visitenkarten hervor. Meredith las interessiert die Karte und gab wider Peters Erwarten keinen spöttischen Kommentar dazu ab.

„Ihr seid also Detektive?“, fragte sie stattdessen, als sie von dem kleinen Stück gestärktem Karton wieder aufblickte.

Justus nickte und der Stolz in seinem Gesicht, während er Meredith daraufhin einen knappen, aber präzisen Umriss ihrer Tätigkeiten der letzten paar Jahre gab, ließ ein warmes Gefühl in Peters Körper aufsteigen. Auch wenn es ihm manchmal ein bisschen unangenehm war neuen Bekanntschaften von ihrem Jugendhobby der besonderen Art zu berichten, war er trotzdem irgendwie stolz darauf, was sie in den letzten Jahren so erreicht hatten. Wie viele Jugendliche konnten sowas schon von sich behaupten?

„Kanntest du den Typ denn eigentlich, in dessen Zimmer du aufgewacht bist?“, fragte Bob schließlich, als Justus seinen Vortrag beendet hatte.

Meredith zuckte mit den Achseln. „Also kennen ist jetzt mehr als übertrieben, aber ich weiß zumindest, wie er heißt. Jace.“

Bob rümpfte die Nase. „Der Name klingt ja schon so, als ob der Kerl nichts Gutes im Schilde führt.“

„Sowas lässt sich schwer von einem Namen ableiten, Dritter“, belehrte Justus ihn sofort.

„Das ist mir auch klar, Just.“ Bob verdrehte seine Augen. „Aber das ist doch einfach so ein typischer Name für den Bad-Boy in einer smuttigen Romanze. Einfach ein ziemliches Klischee eben.“

Peter hatte keine Ahnung, was genau eine smuttige Romanze sein sollte, doch Meredith schmunzelte darüber amüsiert, als würde der Begriff für sie deutlich mehr Bedeutung haben.

„Ich finde, Bob hat damit schon irgendwie Recht. Aber ich kann euch auch einfach mal sein Instagram-Profil zeigen, vielleicht kennt ihr ihn ja.“

Meredith kramte ihr Handy aus ihrem Rucksack hervor, entsperrte es und tippte ein wenig herum, bevor sie es an Bob weiterreichte. Ein Profil mit dem User-Namen „ja_re0904“ war auf dem Bildschirm geöffnet. Peter schaute Bob über die Schulter und erkannte die neuesten drei Fotos als Shots, die ihm vage bekannte Gebäude und Orte zeigten. Vermutlich waren sie irgendwo am Universitäts-Campus aufgenommen worden. Bob betrachtete jedes Foto einen Moment lang, bevor er weiterscrollte.

Dann blieb er schließlich an einem Bild länger hängen als den vorherigen.

Ein schwarz-weißer Filter war über das Foto gelegt worden und es zeigte zwei junge Männer, die oberkörperfrei auf einer Mauer saßen. Beide trugen Schwimmshorts und waren barfuß und im Hintergrund konnte man einen wolkenlosen Himmel erkennen. Die Gesichter der beiden wurden von Lichtreflexen der Kamera verschluckt, doch man konnte trotzdem erkennen, dass ein gewisses Vertrauen zwischen ihnen vorzuherrschen schien. Eigentlich war nicht wirklich etwas Besonderes an dem Foto, besonders, da die Gesichter der beiden Männer nicht einmal zu erkennen waren. Nichts Besonderes also – wenn man mal davon absah, dass das Foto zwei gut trainierte, und perfekt in Szene gesetzte männliche Oberkörper zeigte.

Und dann machte es bei Peter Klick. Daher wehte also der Wind.

Er wollte gerade einen neckischen Kommentar dazu abgeben, dass Bob so lange auf genau diesem Foto verweilte, als dieser sich kaum merklich schüttelte und anschließend weiter durch die Timeline scrollte.

„Ich kenn ihn glaub ich nicht. Ihr?“, fragte Bob in die Runde und Peter schüttelte seinen Kopf. Bob reichte das Handy an Justus weiter, der genauso planlos durch die Posts scrollte.

„Ich kenne ihn auch nicht. Aber wir werden auf jeden Fall die Augen offenhalten“, versprach Justus. „Und falls du doch noch deine Meinung änderst, oder dir oder uns noch irgendwas anderes zu Ohren kommen sollte, können wir gerne nochmal re-evaluieren.“

„Das klingt gut“, sagte Meredith mit einem dankbaren Lächeln und nahm ihr Smartphone wieder von Justus entgegen. Dann erhob sie sich mit eleganter Leichtigkeit vom Boden und schulterte ihren Rucksack, den sie zuvor neben sich abgelegt hatte.

„Wie auch immer, Jungs. Ich muss jetzt los, aber danke, dass ihr mir eure Hilfe angeboten habt. Ich komme auf jeden Fall darauf zurück, wenn sich noch mehr entwickeln sollte.“ Dann grinste sie mit einem Augenzwinkern in Peters Richtung. „Und wir sehen uns dann in der Vorlesung.“