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Ein Teil von dir

Summary:

Daphne fällt aus allen Wolken, als sie nach dem tragischen Tod ihrer Schwester sieht, wer sie ausgerechnet an Valentinstag besucht. [Beitrag zum Projekt "Die zwei Gesichter des Februars" von Rosethouartsick und Dominitschka von fanfiktion.de]

Notes:

Weder Charaktere noch die Geschichte gehören mir, sie sind Eigentum von J.K. Rowling. Ich leihe sie mir unkommerziell aus.

Work Text:

 

EIN TEIL VON DIR

 

Daphne entwich ein kleines Oh

Erschrocken sah sie von ihrem Buch [style type="italic"]Die Ethik der Magie[/style] auf, als es an ihrer Tür klopfte. 

Langsam legte sie die Lektüre auf den anthrazitfarbenen Beistelltisch und die kuschelig weiche Decke auf die Sessellehne und schritt zur Tür, vorbei an den Kalender, der die Tage magisch umrandete. 

Heute war es der vierzehnte Februar. Ihre graublauen Augen huschten über das Datum und dann traf sie die Realisation. 

Valentinstag?, dachte sie und blieb völlig entgeistert stehen. 

Ihre Gedanken rasten und sie überkam eine Mischung aus Traurigkeit gepaart mit Wut. Ein geheimer Verehrer? Jetzt? Was zum Barte von Merlin… den wird ich aber gehörig die Leviten lesen! Ich trauere und da hab ich für sowas erst recht keine Zeit und Kraft. Ich-

Klopf Klopf riss sie aus den Gedanken.

Daphnes Augen weiteten sich, als sie Draco Malfoy die Tür öffnete.

„Kann ich reinkommen?“, krächzte er, die Stimme angekratzt von der Kälte.

Daphne ließ kurz den Blick über sein Gesicht wandern, es war durch dunkle Augenringe und fahler Haut gezeichnet.

Ihr Herz machte einen Satz und ihre Unterlippe bebte kurz bei diesem Anblick.

Sie schluckte schwer und war wieder einem Heulkrampf nahe. Das spürte sie.

„Natürlich, nur zu.“, sagte sie mit einer einladenden Handbewegung, wobei ihre Hand leicht zitterte, „Hast du Scorpius etwa zuhause gelassen?“ Sie bemühte sich, nicht allzu sorg- und vorwurfsvoll zu klingen. 

Und vor allem nicht allzu deprimiert, was ihr ganz und gar nicht leicht fiel.

Wie auch?

Ihre Schwester war weg. 

Für immer.

Und seit der Beerdigung hatte sie Draco nicht mehr gesehen und hatte sich so manches Male gefragt, wie er all das verkraftet hatte.

Ob er es verkraftete…

Sie selbst hatte es ja kaum verkraftet.

Die Trauer um ihre Schwester hinterließ tiefe Nadelstiche in ihren Herzen.

Vielleicht war nach all den Wochen ganz gut, dass sie sich sahen. Und Dracos Eigeninitiative hatte hohen Stellenwert für Daphne.

Heißt das vielleicht, dass er reden wollte?

Hilfe wollte?

„Er ist bei Narzissa.“, kam es knapp von Draco. Seine Stimme taute langsam auf. 

Anders als er.

Und Daphne nahm all ihre Kraft zusammen, um wenigstens einigermaßen stark zu wirken. Beide konnten sie nicht zusammenbrechen und Daphne rechnete insgeheim damit, dass Draco zusammenbrechen würde.

„Verstehe. … Magst du einen Tee? Du musst doch frieren.“

„Du kennst meine Antwort darauf und meinen Lieblingstee kennst du auch. Also nur zu, bedien mich.“, sagte er mit wedelnder Hand.

Da war sie kurz aufgeblitzt: 

Dracos freche Art

Und diese ließ Daphnes Mundwinkel leicht nach oben zucken und das versuchte sie auch weiter aufrecht zu halten, nur es war schwer. 

Sehr schwer sogar.

Und das nicht nur für sie.

Astorias Tod bedeutete für beide ein riesiger unvorstellbarer Verlust in ihrer beider Leben.

Draco hatte seine Ehefrau verloren und war verwitwet und Daphne hatte ihre Schwester verloren.

Die Trauer war unbeschreiblich.

Mit schweren Schritten ging Draco erst zur Garderobe und schälte sich aus seinem anthrazit farbenen Mantel, ehe er noch schwereren Schrittes zum Küchentisch ging und sich setzte. 

Aber er setzte sich nicht an seinen üblichen Platz. Das konnte er nicht, denn das hieße, er würde sich neben Astorias Platz hinsetzen und das tat ihm zu sehr weh, da sie sich niemals mehr wieder neben ihn hinsetzen würde.

Daphne bemerkte, dass sein Anzug zwar sauber, aber zerknittert war.

„Hier trink. Das wird dir gut tun!“

Draco sog den Duft von Himbeer-Sahne ein und nippte an seiner Tasse, nachdem er die erste Hitze abgepustet hatte und sah gedankenverloren in die Leere. Sein Blick wirkte glasig und er erschrak leicht, als sich Daphne neben ihn setzte und ihre langen Haare aus Versehen sein Gesicht streiften.

„Entschuldige bitte. Sag, willst du reden?“

Draco schüttelte den Kopf. Selbst seine weißblonden Haare hatten an Glanz verloren. Das tat Daphne weh zu sehen.

Eine ganze Weile saßen sie einfach still in der Küche, einzig und allein das Pfeifen des scharfen Windes wahr zu vernehmen und gelegentlich das Knistern des Kaminfeuers im Wohnzimmer.

„Ich hätte nicht herkommen dürfen.“

Daphne fuhr zusammen und wandte den Kopf zu ihm, wartete aber erstmal ab. Vielleicht sprach Draco ja weiter. 

Sie sah ihn direkt an.

Er wich ihren Blick aus.

„Du erinnerst mich an sie.“

Daphne haute plötzlich mit der Faust auf den Tisch, sodass die Tassen klirrten.  „Und warum ist das so schlimm?“, brach es aus ihr heraus. „Meinst du, du bist der Einzige, der trauert? Sie war meine Schwester, du blonder Idiot!“ 

Draco sah sie irritiert an, für einen kurzen Moment war die Trauer vergessen. „Du… bist doch selber blond und… ich-… es tut mir leid, ich- ich habe einfach nicht daran gedacht, dass du auch… ich meine- …“ Seine Stimme brach ab und er ließ mit jedem Wort immer mehr und mehr die Schultern hängen.

Daphne legte eine Hand auf seine, langsam den Kopf schüttelnd. „Es-es tut mir auch leid, ich wollte dich nicht so anfahren… Ich vermisse Astoria sch-schrecklich.“ 

„Ich auch.“

Wieder herrschte eine lange Zeit Stille, bis Daphne sich erhob und mit einem Schlenker ihre Tassen zum Schweben brachte. „Komm mit ins Wohnzimmer, dort ist es wärmer.“

Draco folgte ihr schweigend. 

Vieles in Daphnes Häuschen erinnerte ihn an Astoria und als wäre das nicht genug, sah er ein Familienfoto mit Daphnes und Astorias Eltern und seinen Eltern und sich und Astoria.

Alle lachend und sich umarmend.

Es war eins ihrer Hochzeitsfotos.

Sein Herz verkrampfte sich und seine Kehle schnürte sich zu. Ihn kamen die Tränen. 

Er setzte sich neben Daphne, drehte sich aber weg. Seinen Mund in der Tasse vergrabend, damit sie sein Schluchzen nicht mitbekam, was aber mehr schlecht als recht ging, denn so verschluckte er sich nur und prustete den Tee quer über den Tisch vor dem Sofa aus.

Daphne klopfte ihn sanft auf den Rücken, sodass Draco wieder Luft bekam.

„Und du erinnerst mich auch an Astoria.“, sagte Daphne schließlich, als wäre keine Pause zwischen den Sätzen gewesen.

Ihr Blick wanderte zum Kamin, dessen Feuer sich in ihren Augen spiegelte.

Das Feuer wirkte unruhig und aufgewühlt, so wie Daphnes Inneres. 

Sie lag seit Wochen nächtelang wach. 

Seit Tagen nicht mal mehr weinend, da sie so dehydriert vom Weinen war. 

Draco legte bei ihren Worten unwillkürlich die Stirn in Falten, aber ehe er etwas erwidern konnte, redete Daphne langsam weiter und legte ihre Hand auf ihre linke Brust dort wo ungefähr ihr Herz war.

„Wir tragen beide einen Teil von ihr in uns.“

Heiße Tränen liefen Draco unkontrolliert die aschweißen Wangen hinunter, die sich nun allmählich rot färbten. Er sah nicht, dass Daphne mittlerweile auch Tränen in den Augen hatte.

„Lass die Tränen raus.“, sagte sie nur mit stockender Stimme, ihr Blick wurde immer glasiger.

Mit dem Schwenker seines Zauberstabs zauberte Draco eine große Packung Taschentücher her und beide bedienten sich und tupften ihre Tränen ab, die immer wieder nachkamen.

Das Rascheln des Feuers vermischte sich mit ihren Schluchzern.  

„Du wusstest ja, worauf du dich eingelassen hast. Du wusstest, dass sie diesen Fluch… und trotzdem…“, flüsterte Daphne beinahe tonlos. 

„Ich liebe Astoria!“, kam es von Draco wie aus dem Zauberstab geschossen, „ …Fluch hin oder her! Auch wenn- wenn… unsere Zeit nur kurz war, war sie die schönste meines Lebens.“

Daphne nickte anerkennend. Das waren für sie unglaublich schöne Worte. Tränen rannen ihr die Wangen hinunter. 

„Sie hat mir beigebracht, dass… der Blutstatus nicht alles ist, was einen ausmacht.“

Das waren genau so schöne Worte.

„Sie ist ein toller Mensch.“, erwiderte Daphne, den Kopf schief legend und nach oben schauend, als erinnerte sie sich an eine gute Szene mit Astoria. Schniefend fuhr sie fort: „Wir müssen weiterleben, wir können uns nicht hängen lassen, Draco!“

„Wie kannst du nur so- voller-“, Draco rang nach Worten und versuchte die Tränen zurück zu halten, „...Kraft sein?“

„Daphne hätte nicht gewollt, dass du – ich – wir uns... aufgeben.“

Dieser Satz rüttelte Draco mit einem Male wach. Etwas zumindest.

Sein Gesicht war zwar noch rot vom Weinen, aber ihm klappte augenblicklich der Mund auf. Die Erkenntnis traf ihn sehr tief. 

Und etwas keimte in ihm auf. 

Es war ein vorsichtiger Funken der Hoffnung. 

Schwer seufzte er und schloss kurz die Augen, als würde er es kaum für möglich halten, auch noch etwas anderes als tiefe Trauer zu fühlen.

„Das hätte sie wirklich nicht gewollt…“, flüsterte er, mit tränenden Augen, erst in seine halbleere Tasse starrend und dann Daphne ansehend. 

Diese erwiderte traurig lächelnd seinen Blick.

Sie umarmten sich sehr lange und die Wärme, die sie dabei einander gaben, tat ihnen beiden gut und ließ die eisige Kälte, die Astorias Tod zurückgelassen hatte, etwas schmelzen.

Doch es war für beide noch ein weiter eisiger Weg.

„Lass uns ein Versprechen machen.“, sagte Daphne in Dracos Hinterkopfhaare nuschelnd. Sie spürte sein Nicken. 

„Aber ohne Blutsschwur.“, kam es direkt als Antwort von ihm.

„Keine Sorge, darauf kann ich gut und gerne verzichten. Aber versprich mir, dass wir gegenseitig aufeinander achtgeben, ok?“

„Ok.“, erwiderte Draco und Daphne spürte, wie er wieder dicht machen wollte.

„Ein Ok reicht nicht! Du musst es mir versprechen!“ Daphnes Stimme zitterte und Draco umarmte sie fester.

Und noch bevor Draco anfing zu sprechen, spürte sie dieses Mal ein heftigeres Nicken von ihn. 

Er meinte es ernst. 

Und Daphne war froh. 

Nicht nur für sie und Draco, sondern auch für Scorpius. 

„Was meinst du warum ich hier bin, Daphne?“

 

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VORGABE: Daphne Greengrass, verwitwete Person

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