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Category:
Fandom:
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Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 1 of Ungeplanter Nachwuchs
Stats:
Published:
2025-03-01
Completed:
2025-04-10
Words:
31,133
Chapters:
21/21
Comments:
2
Kudos:
52
Bookmarks:
3
Hits:
1,771

Zwei Männer und ein Baby

Summary:

Florian Wirtz wird unerwartet alleinerziehender Vater. Doch zum Glück hat er Xabi Alonso an seiner Seite.

Chapter Text

Xabi Alonso beobachtete die Spieler von Bayer Leverkusen kritisch. Sie waren mitten im Training, machten gerade ein Übungsspiel. Es war Ende August, die Saison hatte gerade erst angefangen. Zwar hatten sie die ersten beiden Spiele gewinnen können, trotzdem war er mit der Leistung seiner Mannschaft noch nicht ganz zufrieden. Vielleicht lag es an dem heißen Wetter, vielleicht an den neuen Spielern, die sich erst in die Mannschaft integrieren und alle Abläufe lernen mussten, vielleicht war auch die Fitness noch nicht bei jedem wieder so wie vor der Sommerpause.

Xabis Blick blieb an Florian Wirtz hängen. Florian war schon immer etwas ganz besonderes für ihn gewesen. Und das nicht nur als Fußballspieler, auch als Mensch. Aber ausgerechnet ihr bester Mann schien seine Form bisher noch gar nicht wiedergefunden zu haben, das machte ihm schon einige Sorgen. Selbst jetzt ließ er sich viel zu leicht ausdribbeln, verlor den Ball und kam gar nicht mehr hinterher, als die anderen auf das Tor zuliefen. Was konnte er tun? Brauchte er ein paar Extra-Übungen? Sollte er mit den Physios reden? Vielleicht hatte er eine Verletzung, die er nicht angesprochen hatte, die ihn so ausbremste. Egal woran es lag, sie mussten etwas unternehmen.

„Tor!“

Xabi sah zu seinen Spielern, die sich lachend abklatschten. Nathan hatte den Ball ins Netz geköpft. Na schön, es war Zeit für eine Pause.

„Trinkpause!“ rief er und die Spieler liefen erleichtert zu den Getränken am Spielfeldrand und griffen nach den Flaschen. Xabi schlenderte ebenfalls hinüber, als er plötzlich einen lauten Schrei hörte. Erschrocken drehte er sich um. Florian stand noch immer auf dem Spielfeld, ging plötzlich in die Knie und ließ sich wie in Zeitlupe auf den Rasen fallen. Er hielt sich den Bauch und jammerte laut. Sofort war Xabi alarmiert und lief zu ihm hinüber. „Flo, was ist los?“ rief er. „Bist du verletzt?“

Florian atmete hektisch ein und aus. „Ich habe Krämpfe“, brachte er gepresst hervor. „Magenkrämpfe.“

„Komm mit, trink was.“ Xabi half ihm wieder auf die Beine, dann stützte er ihn, während sie zusammen zu den anderen gingen, die ihnen besorgt entgegen sahen.

„Ist alles okay, Flo?“ fragte Jonathan. Er gab ihm eine Flasche Wasser.

Florian nickte. „Es geht schon wieder“, sagte er und trank einen Schluck. Schweratmend wischte er sich den Schweiß von der Stirn.

„Setz dich hin und ruhe dich etwas aus“, sagte Xabi.

Florian nickte und ließ sich auf die Bank sinken. Erleichtert schloß er die Augen.

„Okay, eine halbe Stunde Pause!“ rief Xabi. „Wir treffen uns gleich drinnen wieder.“

Die Spieler nickten und schlenderten zur BayArena hinüber. Schließlich stand auch Florian wieder auf und ging mit Xabi hinter ihnen her. Doch kaum hatten sie den kühlen Korridor im Inneren des Stadions betreten heulte Florian wieder laut auf und stützte sich mit einer Hand an der Wand ab.

„Au, verdammt! Das tut so weh!“

Besorgt legte Xabi einen Arm um ihn. „Komm mit, das soll sich der Arzt ansehen.“ Nervös schob er ihn weiter. Es konnte alles von einer Magenverstimmung bis hin zu einer Blinddarmentzündung sein. Hoffentlich war es nichts schlimmes.

„Was hat er?“ Erschrocken kam ihnen einer der Physiotherapeuten entgegengelaufen.

„Ich weiß es nicht“, sagte Xabi. „Er sagt Magenkrämpfe.“

„Bist du gestürzt?“ fragte der Physio.

Florian schüttelte den Kopf. „Nein. Aber es sticht.“

„Wo genau?“

„Hier.“ Florian deutete auf seinen Bauch etwas unterhalb des Bauchnabels.

„Komm mit.“

Sie brachten ihn zur Physioabteilung, wo er sich auf eine Liege setzte und Xabi ängstlich ansah. Er war schweißüberströmt. „Ich habe noch nie so einen Schmerz gespürt“, sagte er mit zitternder Stimme. „Er kommt und geht.“

„Ganz ruhig, ich habe schon nach dem Chef schicken lassen, er wird gleich hier sein“, sagte der Physiotherapeut. Der Chef – das war der Mannschaftsarzt, Dr. Dittmar.

Kurz darauf betrat Dr. Dittmar den Raum und betrachtete Florian, der zitternd vor ihm auf der Liege saß. „Wie lange hast du diese Schmerzen schon?“ fragte er.

Florian schluckte. „Es hat angefangen kurz nachdem wir mit dem Training begonnen haben“, antwortete er. „Aber da war es noch nicht so schlimm.“

„Das war vor fast einer Stunde“, fügte Xabi besorgt hinzu. „Flo, warum hast du nichts gesagt?“

„Ich dachte, es hört wieder auf.“ Florian griff wieder nach der Wasserflasche. „Ich wollte das Training nicht abbrechen, ich bin zur Zeit sowieso schon so schlecht, da wollte ich nichts verpassen. Ich… au, es geht wieder los!“ Er presste sich die Hände auf den Bauch und beugte sich nach vorne.

„Lass mich mal sehen.“ Dr. Dittmar wartete, bis es ihm wieder etwas besser ging, dann bat er ihn sich hinzulegen. „Dein Bauch sieht auch ganz aufgebläht aus. Hast du was schlechtes gegessen?“ Vorsichtig tastete er ihn ab. „Ach du meine Güte.“ Er runzelte die Stirn, tastete weiter.

Florian konnte nicht auf dem Rücken liegenbleiben, automatisch rollte er sich auf die Seite.

„Ist es sein Blinddarm?“ fragte Xabi. „Muss er ins Krankenhaus?“

„Nein, das…“ Dr. Dittmar zögerte. „Flo, gibt es etwas, das du uns sagen möchtest?“

Florian sah ihn verwirrt an. „Nein, was denn?“ Er keuchte. „Kann ich nicht ein Schmerzmittel haben?“

Dr. Dittmar betastete den Bauch weiterhin, der immer wieder verhärtete. Er wirkte plötzlich sehr nervös. „Florian, du bist schwanger“, sagte er. „Und so wie es aussieht, wird das Kind jetzt kommen.“

Florian starrte ihn mit großen Augen an. „WAS?“

„WAS?“ Auch Xabi erstarrte. „Aber…“ Er brachte kein weiteres Wort heraus.

„Na los, zieh das aus.“ Dr. Dittmar zog an Florians Trainingsshorts. Wimmernd half ihm Florian dabei, ließ auch die Boxers folgen. Xabi wandte sich ab, wollte ihm wenigstens etwas Würde lassen, deshalb konnte er nicht sehen, was der Arzt sah, doch der brauchte nicht lange, um den Ernst der Lage zu erkennen. „Wir brauchen einen Krankenwagen, SOFORT!“

Der Physiotherapeut rannte davon. Jetzt waren nur noch Florian, Xabi und der Arzt im Raum. Mit klopfendem Herzen ging Xabi an das obere Ende der Liege, blieb dort neben Florians Kopf stehen.

„Was passiert da mit mir?“ fragte Florian ängstlich. „Warum… ich kann doch nicht…“ Er bekam eine neue Wehe und kniff die Augen zusammen. Xabi griff nach seiner Hand und Florian drückte zu.

„Okay, ganz vorsichtig“, kam die Stimme von Dr. Dittmar. „Ich kann schon das Köpfchen sehen. Jetzt noch nicht pressen, versuch zu atmen.“

Florian tat es, keuchte unkontrolliert vor sich hin. Schon kam die nächste Wehe.

„Jetzt pressen! Na los, pressen, pressen, pressen! Und atmen!“

Florian wusste nicht wie ihm geschah, doch er tat was Dittmar von ihm verlangte. Xabi wich nicht von seiner Seite, hielt auch weiterhin seine Hand und hielt ihm nach jeder Presswehe die Flasche mit Wasser an den Mund. Auch sein Denken hatte vollkommen ausgesetzt. Er konnte einfach nicht glauben was hier gerade geschah. Florian war schwanger, bekam ein Kind? Und keinem von ihnen war etwas aufgefallen? Nicht einmal ihm selbst? Plötzlich rasten seine Gedanken, er überlegte fieberhaft ob es in den vergangenen Monaten irgendwelche Anzeichen für die Schwangerschaft gegeben hatte, etwas, woran er hätte merken müssen, was mit ihm los war, doch ihm fiel nichts ein. Und vor allem: wer war der Vater? War Florian denn in einer Beziehung?

„Ja, weiter pressen! Gleich geschafft!“

„Das tut weh!“ brüllte Florian.

„Weiter pressen, gleich ist der Kopf… da, er ist draußen.“ Erleichtert wischte sich der Arzt den Schweiß von der Stirn. „Okay, nur noch eine Wehe. Xabi, ich brauche Handtücher.“

Jetzt kam Leben in Xabi. Schnell lief er zum Schrank, riß gleich drei Handtücher hervor und brachte sie ihm.

„Jetzt, Flo, pressen! Ja, gut so! Es ist da.“

Florian heulte noch einmal auf und Xabi strich ihm beruhigend durch die Haare, dann sah er zu Dr. Dittmar, der ein winziges Baby in den Armen hielt und in eins der Handtücher wickelte. Vorsichtig schob er dem Kleinen einen Finger in den Mund, befreite die Atemwege vom Schleim. Und dann ertönte ein lautes Weinen. Erleichtert atmete Xabi auf und sah zu, wie der Arzt die Nabelschnur durchtrennte.

„Der Krankenwagen ist gleich da.“ Atemlos kam der Physiotherapeut hereingestürmt und blieb mit großen Augen stehen. „Ach du meine Güte.“

Fasziniert starrte Xabi das Baby an, das sich wieder beruhigt hatte. Es war so klein.

„Oh mein Gott, schnell!“

Im nächsten Moment drückte Dr. Dittmar Xabi das Baby in die Arme, dann sah er zwischen Florians Beine. Erschrocken stellte Xabi fest, dass sich dort eine große Blutlache ausbreitete. Er sah zu Florian, der leichenblass war und die Augen geschlossen hatte. Plötzlich bekam er es mit der Angst zu tun.

„Flo? Flo!“

Plötzlich kamen Sanitäter in den Raum gerannt, versammelten sich um Florian, hoben ihn auf eine Trage. Hilflos sah Xabi ihnen dabei zu, doch dann kam einer der Sanitäter zu ihm und untersuchte das Kind kurz.

„Okay, wir müssen ins Krankenhaus. Kommen Sie mit!“

Xabi wusste später nicht mehr wie er überhaupt nach draußen gelaufen war, doch schließlich saß er im Krankenwagen, hielt das Baby fest in seinen Armen und sah zu, wie die Sanitäter Florian versorgten, der das Bewusstsein verloren hatte. Sie legten ihm eine Infusion und redeten hektisch miteinander, doch er konnte nichts davon verstehen, da der Rettungswagen mit eingeschaltetem Blaulicht über die Straßen raste.

Sie hatten das Krankenhaus schnell erreicht und schoben die Liege mit Florian heraus und verschwanden mit ihm. Etwas unschlüssig blieb Xabi sitzen. Noch immer betrachtete er das Kind in seinen Armen, das die Augen geschlossen hielt. Er wusste noch nicht einmal ob es ein Mädchen oder ein Junge war.

Plötzlich kamen zwei Krankenschwestern und eine Ärztin angelaufen, nahmen ihm das Baby ab. Die Ärztin überprüfte schnell ob alles in Ordnung war, dann legten sie es in ein kleines Babybett mit Plastikwänden und rollten es in das Gebäude.

Xabi blieb wie erstarrt zurück.

„Gehen Sie ruhig hinterher“, sagte der Fahrer des Krankenwagens. „Die brauchen Sie bei der Aufnahme.“

Xabi nickte, dann betrat er mit wackligen Knien den Korridor. Wo waren sie hingegangen? Er sah sich um. Eine Krankenschwester kam auf ihn zu.

„Keine Sorge, dem Baby scheint es soweit gut zu gehen, und der Papa wird auch versorgt.“

„Wird er es schaffen?“ Xabis Stimme zitterte. „Er hat so stark geblutet.“

„Die Ärzte kümmern sich darum, sie werden Ihnen bald Bescheid geben.“ Sie sah ihn tröstend an. „Wir werden unser bestes tun.“ Sie sah auf ihr Klemmbrett und räusperte sich. „Ich nehme mal nicht an, dass Sie seine Versichertenkarte dabei haben, Herr Alonso? Oder ist er privat versichert?“

„Äh…“ Mit ihren Worten konnte Xabi gerade gar nichts anfangen. „Nein… ich weiß nicht…“

„Wissen Sie, in welcher Schwangerschaftswoche er war?“

Er schüttelte den Kopf. „Wir wussten nichts von der Schwangerschaft“, antwortete er. „Er wusste es selbst nicht.“

„Verstehe.“ Sie machte sich eine Notiz. „Sie können in dem Raum dort drüben warten, wir informieren Sie, sobald es was neues gibt.“ Sie drehte sich um und verschwand.

Langsam ging Xabi in den Raum hinüber, den sie ihm gezeigt hatte, und setzte sich auf einen Plastikstuhl. Noch immer raste sein Herz, er war völlig durcheinander. Florian war also Vater geworden. Und keiner hatte es vorher bemerkt.

***