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Um Kopf und Kragen

Summary:

Späte Abende im Büro, E-Mails ans Drogendezernat und Adams gottverdammte Jeansjacke. Da liegt was in der Luft. Selbstbeherrschung ist es nicht.

Oder: Grenzen sind da, um überschritten zu werden. Adam und Leo machen das, wie so häufig, miteinander.

Notes:

Ohhhhh, hilfe. Sie schreibt was vollkommen anderes. Bin ja ehrlich, hab mich von meinem eigenen Edit inspirieren lassen - diese Geschichte hat zwar inhaltlich nichts mehr mit dem zu tun, aber der Vibe ist da. Und ein völlig anderer, als meine bisherigen Sachen aus der Aftermath-Reihe. Ich hoffe sehr, dass euch das hier trotzdem gefällt - kommt äußerst selten (nie?) vor, dass ich in diese Bereiche abdrifte, also lasst mich sehr gerne wissen, was ihr denkt. Ganz viel Spaß beim Lesen! <3

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Es ist bereits viel zu spät am Abend, als Adam sich zum fünften Mal die Augen reibt, weil ihn das grelle Licht seines Bildschirms blendet und er sich denkt Wer zur Hölle besteht eigentlich um diese gottlose Uhrzeit noch auf eine Mail?

 

Vollidioten, das ist wer. Es würde absolut keinen Unterschied machen, ob Adam die Mail jetzt noch raus schickt oder direkt morgen früh, aber nein, die Herrschaften Drogenfahndung hätten die Informationen zum Umfeld ihres Mordopfers gerne noch heute, damit sie morgen umgehend ihre Razzia vorbereiten können.

 

Adam würde den gesamten Inhalt seiner Snackschublade darauf verwetten, dass von denen sowieso niemand vor sieben Uhr auf der Matte steht. Bock auf Stress mit den Vorgesetzten hat er aber auch nicht, also sammelt er brav alle digitalen Unterlagen zusammen und packt sie nett mit Schleifchen als Anhang in eine Mail, obwohl ihn bereits seit einer Dreiviertelstunde lästige Kopfschmerzen den Feierabend herbeisehnen lassen.

 

Immerhin ist Leo auch noch hier. Findet er eigentlich gar nicht so gut, wenn er mal drüber nachdenkt, denn nur weil sich sein eigener Feierabend verzögert, heißt das ja nicht, dass Leo nicht schon längst gemütlich bei sich Zuhause auf der Couch liegen könnte, um mal abzuschalten. Falls er überhaupt weiß, wie das geht.

 

Der sortiert nämlich auch noch fleißig irgendwelche Papiere und heftet sie fein säuberlich in drei verschiedene Mappen, mit unterschiedlich farbigen Post-Its für den besseren Überblick. Streber. 

 

“Ich werf das hier eben in die Hauspost,” informiert Leo ihn, schnappt sich seine Umschläge und erhebt sich von seinem Bürostuhl. Im dämmrigen Licht der Schreibtischlampen ist Adam kurzzeitig abgelenkt von der faszinierenden Silhouette, die Leos Körper bildet; vom strammen Schulterholster und der Art, wie die Jeans an seinen Oberschenkeln sitzt. Das Pochen hinter seinen Schläfen wird stärker. 

 

Himmel, reiß dich zusammen.

 

Adam blinzelt und blickt angestrengt auf seinen Monitor. Dinge wie eben passieren ihm in letzter Zeit öfter, dass er Leo anschaut und etwas in seiner Lunge schmerzhaft zieht; ihm seinen Atem zurückhält. Je näher Leo ihm kommt, je enger sie beieinander stehen, desto mehr spürt er es, als würde die Luftdichte um sie herum zunehmen und sich wie eine schwere Decke auf seine Haut legen. 

 

Manchmal ist es anstrengend, wenn ein Teil seines Gehirns zu jedem gegebenen Zeitpunkt mit Leo beschäftigt ist. Adam ist sich ständig bewusst, wo sich sein Partner im Raum befindet und was er gerade macht. Das kann im Außendienst unglaublich hilfreich und den Rest der Zeit unglaublich ablenkend sein; wie jetzt gerade, als Leo ins Büro zurückkehrt und direkt hinter ihm zum Stehen kommt. Prompt schließt Adam aus Reflex einen Tab, den er noch braucht. 

 

Leo stützt sich mit den Händen auf der Lehne von Adams Stuhl ab und beugt sich unangenehm weit vor, um einen Blick auf seinen Bildschirm werfen zu können, bis Adams Sinne vollkommen mit Leos Geruch benebelt sind und ihm der wilde Gedanke kommt, dass sich so eine Sucht anfühlen muss. Vielleicht sollte er die Kollegen vom Drogendezernat in seiner Mail vorwarnen.

 

Hey, schon von dieser neuen Droge gehört? Leo Hölzer heißt die, macht hochgradig abhängig. Nehmt euch in Acht.

 

Adam stöhnt und stützt den Kopf auf seine Hände, reibt sich zum sechsten Mal die Augen. Er spürt Leos besorgten Blick von schräg über ihm. „Bin gleich fertig,“ murmelt Adam, bevor Leo was sagen kann und wendet sich wieder seinem Bildschirm zu. Öffnet den Tab erneut, den er gerade heldenhaft geschlossen hat.

 

"Kopf?", fragt Leo leise und Adam summt abwesend in Bestätigung, weil es einfacher ist, als Leo den eigentlichen Grund zu erklären, und eine Lüge ist es ja außerdem auch nicht. Er ist viel zu abgelenkt von den Händen, die langsam von der Stuhllehne auf seine Schultern wandern und dort zu ruhen kommen. “Hast du ‘ne Tablette genommen?”

 

“Nee,” antwortet Adam mit einigen Sekunden Verzögerung und klickt mit der Maus wild umher, um endlich diese verdammte Mail loszuwerden und Feierabend machen zu können. “Keinen Bock mehr auf Tabletten.”

 

Leo macht ein verständnisvolles Geräusch und Adam weiß genau, dass sie beide an dasselbe denken, nämlich an die kleine Packung Ibuprofen, monatelang versteckt in Leos Schulranzen; immer griffbereit, damit Adam den Schultag übersteht. 

 

Adam weiß außerdem ganz genau, dass sich auch jetzt eine Packung in Leos Schreibtischschublade befindet, seit Adam nach der Explosion öfters mit Kopfschmerzen zu tun hat, aber da denkt er ungern zu ausführlich drüber nach. Weder über die Explosion, noch die Kopfschmerzproblematik, noch über Leos selbstverständliche Fürsorge, von der er immer noch nicht weiß, womit er sie verdient hat.

 

Leo drückt mit seinen Fingern sanft in die verspannte Muskulatur seines Nackens und beginnt, mit den Daumen kleine Kreise zu zeichnen. Adam vergisst für einen Moment, an wen er die Mail nochmal schicken sollte.

 

“Bist du denn soweit durch, Chef?” Adams Stimme ist rau und er räuspert sich kurz. “Alles nochmal durchgesehen und den Teamleiterstempel aufgedrückt?”

 

“Yep,” bestätigt Leo; betont das P mit einem Enthusiasmus, den nur der Feierabend hervorrufen kann. “Alles servierfertig für den Gerichtsprozess. Nichtmal diese blöde neue Staatsanwältin kann da was zu meckern haben, das ist alles wasserdicht.” 

 

“Cool. Lass mich nur noch kurz den Kram hier absenden, dann können wir los. Selbst die Heinrich ist schon längst im Feierabend, das sollte uns zu denken geben.” 

 

Eigentlich war Adam davon ausgegangen, dass Leo in der Zeit noch Kleinkram erledigt. Das, was ein Leo Hölzer halt kurz vor Feierabend noch so macht, damit am nächsten Tag alles bereit steht. Neuen Filter in die Kaffeemaschine, alle Stifte in ihren Behälter, Stühle an den Besprechungstisch ranschieben. Den ganzen Scheiß, um den Adam sich für gewöhnlich überhaupt nicht schert, aber Leo zuliebe dann doch zumindest seinen eigenen Schreibtisch halbwegs gerade rückt.

 

Leo bleibt jedoch hinter Adam stehen wie sein persönlicher Schatten. Seine Hände bearbeiten weiterhin seinen Nacken und wandern langsam höher, an den Ansatz der Nackenmuskulatur an Adams Hinterkopf, bis in die empfindlichen Nackenhaare.

 

Adam kann so nicht arbeiten. 

 

Irgendwas hier wirkt unrealistisch. Traumhaft. Es gibt Augenblicke, die existieren auf einer anderen Realitätsebene; hier spät abends im dunklen Büro, mit dem Mond und ihren Schreibtischlampen als einzige, schummrige Beleuchtungsquelle, ist einer davon.

 

Adam kann Leos Körperwärme in seinem Rücken spüren. Würde er seinen Kopf etwas nach hinten kippen, könnte er ihn an Leos Bauch anlehnen. Die vorsichtige Massage hat etwas anderem Platz gemacht, einem federleichten Kraulen, und Adam kann noch nicht beurteilen, ob das Kribbeln, das seine Kopfschmerzen überlagert, besser oder schlechter ist, als der vorherige Zustand. Besser, weil das penetrante Pochen endlich nachlässt oder schlechter, weil Adam hier wahnsinnig wird.

 

Ein Teil seines Gehirns meldet entfernt, dass er mal fragen könnte, was das hier werden soll. Ein anderer Teil flüstert Scheiß mal drauf, genieß es einfach. 

 

Leo ist unter den richtigen Umständen ein unheimlich taktiler Mensch, zumindest mit Adam, auch wenn die Berührungen seit der ganzen Scheiße zwischen ihnen seltener geworden sind, mehr bedacht, was sie für Adam umso kostbarer machen und ihn leider auch immer mehr aus der Bahn werfen. 

 

Ungefähr wie jetzt gerade.

 

“Von alleine verschickt sich die Mail nicht, Adam.” Leo klingt belustigt. Adam zuckt zusammen und nimmt seinen Bildschirm wieder in den Fokus. Verzichtet auf die überflüssigen Scheißfloskeln, klatscht ein Viel Spaß bei der Razzia ins Textfeld und kann sich gerade noch beherrschen, die Mail nicht mit Für Rückfragen stehe ich nicht zur Verfügung, MfG KHK Schürk zu beenden.

 

Zack, gesendet. Offiziell nicht mehr sein Problem. 

 

Leo summt anerkennend, fährt Adam behutsam zweimal kurz am Hinterkopf durch seine blonden Strähnen und entfernt sich aus Adams unmittelbarer Nähe. Augenblicklich fällt Adam das Atmen etwas leichter und er reibt sich beide Arme auf und ab, um die Gänsehaut zu verscheuchen, die sich ausgebreitet hat. 

 

Leos Blick fällt auf die Kaffeemaschine. “Ah Mist, warte, das mach ich noch schnell, sonst gibt’s morgen Ärger von Pia…” 

 

Adam schnaubt amüsiert. Hätte er auch schon eher erledigen können, anstatt mir hier das Leben schwer zu machen.

 

Alibimäßig sortiert er die vereinzelten Papiere auf seinem Schreibtisch und schnappt sich seine Jeansjacke. Aus dem Augenwinkel sieht er, wie Leo mit routinierten Handgriffen einen neuen Filter in die Maschine einsetzt und großzügig Kaffeepulver hinein schaufelt, damit Pia am nächsten Morgen einfach nur auf Start drücken muss und ohne großartig Gehirnzellen anzustrengen abwarten kann, bis ihr Lebenselixier fertig ist. 

 

Adam wirft sich seine Jacke über und seufzt. “Leo, deine Kollegialität in allen Ehren, aber können wir bitte los? Du musst der Heinrich nicht auch noch ihre Kaffeetasse bereitstellen, die wird sie ja wohl noch selber finden.” 

 

Leo verdreht die Augen. “Ja doch. Holen wir unterwegs noch was zu essen?”

 

Adam zuckt gleichgültig mit den Schultern. “Können wir machen. Ehrlich gesagt will ich einfach nur ins Bett.”

 

Leo nickt zustimmend und macht vor Adam Halt, streckt die Hand aus und zupft am umgeklappten Kragen von Adams Jeansjacke, um ihn zu richten. 

 

Die Berührung ist unerwartet und diesmal ist Adams Reaktion viszeral. Ein Schauer durchläuft seinen gesamten Körper, als Leos warme Fingerspitzen seinen Hals streifen, federleicht. Er zittert einmal, heftig und so unübersehbar, dass Leo ihn mit großen Augen anschaut, Augenbrauen überrascht hochgezogen. 

 

Scheiße Schürk, was sollte das denn?

 

Leos Hand schwebt immer noch in der Nähe seines Kragens. Adam wagt es kaum zu atmen, als könnte jede noch so kleine Bewegung hier irgendwas zerbrechen. Es sollte ihm unangenehm sein, eine so unnötig heftige Reaktion auf nicht mehr als eine beiläufige Berührung, aber da ist etwas in der Art, wie Leo ihn ansieht, das Adam nichts anderes fühlen lässt als reine, vibrierende Nervosität.

 

Leo räuspert sich und bei seinen nächsten Worten klingt seine Stimme merkwürdig heiser.

 

“Seit wann bist du kitzelig?”

 

“Bin ich nicht.”

 

“Oh.”

 

Ihre Blicke treffen sich. Die Zeit steht für einen kurzen Moment still und da liegt etwas in der Luft, eine fast greifbare Spannung. Adam fühlt sich eigenartig entblößt unter Leos fragenden Augen.

 

“Okay,” sagt Leo dann, legt beide Hände fest in Adams Nacken und küsst ihn, als hätte er noch nie etwas anderes getan.

 

What the fuck.

 

Adams Hände greifen wie von selbst nach Leos Taille. Ihm wird unerwartet heiß bei dem Kontakt, denn natürlich weiß er, wie Leo gebaut ist, er ist ja nicht blind, aber die harte, unnachgiebige Muskulatur unter seinen Fingern zu spüren ist etwas völlig anderes und es macht ihn verrückt.

 

Leo küsst so, wie er Adam sonst ansieht, mit einer Intensität, die Adams Knie weich werden lässt. Den Kuss zu erwidern ist für Adam wie ein Reflex, natürlicher als Atmen, und der rationale Teil seines Gehirns kann dem puren, verzweifelten Gefühl von ungezügeltem Verlangen nicht folgen, das sich in seiner Brust ausbreitet wie Feuer.

 

Als könnte Leo Adams Dringlichkeit spüren, vertieft er den Kuss und drängt ihn nach hinten, blindlings, bis die Bürotür hinter Adam sie beide stoppt. Adam knallt mit dem Rücken zuerst dagegen und ist sich entfernt der Tatsache bewusst, dass das unter anderen Umständen wohl wehgetan hätte, aber jetzt gerade steht sowieso sein gesamter Körper in Flammen, also was macht da schon so eine Türklinke, die sich ihm in den Rücken bohrt? Gar nichts, nämlich.

 

Leos Becken kollidiert hart mit seinem, als er Adam an die Tür presst und Adam kann nicht anders, als leise zu wimmern. Leo entfernt eine Hand aus seinem Nacken und legt sie sanft an die Seite seines Gesichts, streicht ihm entschuldigend mit dem Daumen über die Wange, ohne den Kuss zu unterbrechen.

 

Diese kleine, zärtliche Geste ist fast zu viel. Adam hat keine Ahnung, wie er noch aufrecht steht - wahrscheinlich allein durch die schiere Breite von Leo so dicht vor ihm, mit diesem muskulösen Kreuz und den starken Armen. Adam zupft etwas an Leos Hüfte und krallt seine Finger in seine Seiten, zieht ihn instinktiv an sich, er braucht ihn näher-

 

Das ziellose Küssen wechselt Kurs. Leo öffnet bereitwillig den Mund, lässt Adams Zunge ohne Protest hinein. Adam kann ihn schmecken und obwohl sie das hier zum ersten Mal machen, ist es ein bisschen wie nach Hause kommen, familiär und vertraut.

 

Und verdammt geil. Adam hält das nicht mehr lange durch.

 

Er fährt mit seiner Zunge über Leos Unterlippe und in dem Moment macht Leo ein Geräusch in seiner Kehle, das Adam tief in seiner Magengegend spürt. “Fuck, Leo,” keucht er gegen Leos Lippen, die sich sorgfältig ihren Weg von seinem Mund über seinen Kiefer bis zu seinem Hals bahnen und überall kleine Küsse verteilen. Leos Hände gleiten tiefer und finden Halt an Adams Brustkorb; ein fester Griff über Adams Rippen und Gott sei Dank, denn sonst wäre Adam schon längst auf dem Boden gelandet. 

 

Als Leo beginnt, eine Hand unter Adams Shirt zu schieben, weiß Adam nicht mehr, wo oben und unten ist. Er kennt Leos Hände; weiß, wie sich seine Fingerspitzen anfühlen, wenn er ihm eine Kaffeetasse reicht; aber die elektrisierenden Spuren, die sie gerade auf der empfindlichen Haut über Adams Hüftknochen hinterlassen, sind ihm neu und lassen seinen Herzschlag unregelmäßig aussetzen.

 

Wenn das hier so weitergeht, passiert gleich etwas, was Adam nur äußerst ungern ausgerechnet im Büro zum ersten Mal erleben würde.

 

Mit einer Selbstbeherrschung, von der er selbst überrascht ist, bringt er eine Hand flach zu Leos Brust und schiebt ihn sanft einige Zentimeter von sich, ein behutsames Signal von Warte mal ganz kurz, bitte, auch wenn das Gefühl von Leos ausgeprägter Brustmuskulatur unter seiner Hand ihn beinahe wieder vergessen lässt, warum genau sie nochmal warten sollten. 

 

Leo hingegen reagiert, als hätte Adam ihn geschubst. Er löst seine Hände von Adams Körper, als hätte er sich verbrannt und weicht zurück; starrt Adam an, als sähe er ihn zum ersten Mal. Da spielt sich einiges ab, hinter den hübschen blau-grünen Augen, und wenn Adam Leo auch nur halbwegs richtig einschätzen kann, ist nichts davon gut.

 

Sie atmen beide schwer, die einzigen Geräusche im stillen Büro. Leo öffnet den Mund und Adam weiß genau, was da jetzt kommt: Eine Entschuldigung, eine Erklärung, eine Bitte um Verzeihung, und Adam will wirklich nichts davon auch nur im entferntesten hören, denn wenn Leo sich dafür entschuldigt, kann Adam das nicht ertragen.

 

Also schüttelt er den Kopf, etwas fahrig, bevor irgendwas davon über Leos Lippen kommen kann. Leos Mund schnappt wieder zu und die Distanz ist Adam viel zu groß, also hakt er eine Hand in Leos Schulterholster und zieht ihn wieder zu sich ran, Brust an Brust, bis er Leos Hitze an seinem ganzen Körper spüren kann.

 

Besser.

 

Mit der anderen Hand fasst er an Leos Kinn und neigt es sanft nach oben, gleicht die wenigen Zentimeter Größenunterschied aus, die sie trennen und küsst Leo mit einem Hunger, den er nicht von sich kennt. Leo steht ihm in nichts nach, lehnt sich schwer gegen Adam und bringt eine Hand zurück in Adams Nacken; an die Stelle, die das ganze hier ausgelöst hat. Wie von selbst legt sich Adams eigene darüber, hält Leos Hand an Ort und Stelle. Seine andere Hand wandert vom Schulterholster langsam tiefer, bis sie wieder an dieser unfassbar schmalen Taille liegt, die extra für Adams Hand gemacht zu sein scheint.

 

Ihre Küsse werden träger, weniger hitzig; dafür schleicht sich ein Gefühl hinein, das Adam aus der Brust heraus die Kehle zuschnürt und ihn gefährlich nah an etwas wie Das hier, für immer denken lässt.

 

Irgendwann ist es Leo, der von Adam ablässt und seine Stirn in Adams Halsbeuge ablegt. Er atmet etwas zittrig aus, aber Adam kann das leichte Lächeln in seinem Gesicht erahnen und er stößt ein atemloses Lachen gegen Leos Schläfe. “Was zum Teufel, Leo?”

 

Für einige Momente ist Leo unnatürlich still, als er zu Atem kommt. Dann zuckt er hilflos mit den Schultern. „Das war vorhin- Ich konnte nicht anders, Adam. Das war so…“

 

Er zwingt seine Stimme zur Neutralität, aber Adam hört den flehenden Unterton deutlich. „Sag mir, dass du das auch gespürt hast?“

 

Adam horcht für einen Moment in sich hinein, denn das erste, was er sagen möchte, wäre gleichzeitig auch eine ziemlich große Sache; eine Offenbarung, die er anderen nie und sich selbst nur selten gewährt. Kommt zu dem Entschluss, dass man das ruhig mal sagen kann zu dem Mann, der einen die letzten Minuten dumm und dämlich geküsst hat. 

 

„Ich spür das immer, sobald du in meinen Radius kommst, Leo, und ich werd langsam bescheuert,“ flüstert er Leo also ins Ohr, dem augenblicklich ein Schauer durch den Körper fährt, den sogar Adam wahrnimmt, so eng wie sie aneinander stehen. Gleichzeitig spürt er, wie da eine Anspannung aus Leos Körper weicht, die nichts mehr mit ihren vorangegangenen Aktivitäten zu tun hat. Als hätte Leo auf diese Worte gewartet, auf eine Bestätigung; als wäre Adams Zunge in seinem Mund nicht genug Versicherung gewesen, dass Adam voll und ganz bei der Sache war und ganz bestimmt nichts an den Geschehnissen auszusetzen hatte. 

 

Leo halt. Adam überkommt ein Gefühl von solch umfassender Zuneigung, ein harter Kontrast zum ungehaltenen Verlangen der letzten Minuten, dass er Leo ohne Nachzudenken einen sanften Kuss auf die Schläfe drückt. 

 

Leo hebt die Augen und sucht Adams Blick. “Da sollten wir vermutlich nochmal drüber reden.”

 

“Vermutlich,” bestätigt Adam und hält automatisch die Luft an, als Leos Augen für den Bruchteil einer Sekunde zu seinen Lippen huschen, bevor er den Blick wieder hebt. 

 

“Was machen die Kopfschmerzen?", fragt er leise, so süß und ernsthaft besorgt, dass Adam nicht anders kann, als wieder zu lachen. “Hab gerade an andere Dinge gedacht als meine verdammten Kopfschmerzen, wenn ich ehrlich bin.”

 

“Tatsächlich? An was zum Beispiel?”

 

“Dass du wirklich mal weniger häufig ins Gym gehen solltest, wenn du willst, dass ich mich hier demnächst noch auf meine Arbeit konzentrieren kann.”

 

Leo betrachtet ihn mit einem spöttischen Blick. Seine Augenbraue zuckt. “Wann hast du dich jemals auf deine Arbeit konzentriert?” 

 

Adam schnalzt zustimmend mit der Zunge. “Fair enough. Aber mal ernsthaft, Leo.” Er senkt seinen Kopf ein wenig, um Leo noch besser in die Augen schauen zu können. “Lass deine Hände bei dir, sonst garantier ich hier für gar nichts.” 

 

Leo summt nachdenklich; so langgezogen und süffisant, dass es nichts Gutes für Adam bedeuten kann. “Dann solltest du aber lernen, dich vernünftig anzuziehen.” 

 

Er greift erneut zu Adams Jeansjacke und klappt das Stück Stoff des Kragens endlich auf die richtige Seite, bevor seine Hand herum wandert, sich frontal um Adams Hals legt und für einen flüchtigen, wahnsinnigen Moment einen kaum spürbaren Druck ausübt.

 

Adam wird kurz schwarz vor Augen. 

 

Dann löst sich Leo von ihm und beginnt, ihre Schreibtischlampen auszuknipsen und seine Tasche zusammenzupacken. Lässt Adam einfach an der Tür stehen, mit dem verhallenden Gewicht einer Hand an seiner Kehle und einem besorgniserregend schnellen Herzschlag. 

 

“Leo,” bringt Adam schließlich hervor und lehnt seinen Kopf atemlos zurück gegen die Tür, Stimme deutlich tiefer als sonst. Leo schaut zu ihm rüber, während er sich seine Jacke überwirft. Adam registriert verschwommen, wie sich Leos Shirt bei der Bewegung über seiner breiten Brust spannt, wie sein Bizeps arbeitet, und plötzlich fühlt er sich unwohl in seiner Haut, unruhig, auf eine herrlich erregende Art und Weise. “Wir reden da später drüber. Erst fahren wir zu dir, und zwar jetzt.”

Notes:

Freue mich wie immer über Kudos und Comments, jegliche Anmerkungen oder Beschwerden auch gerne auf Tumblr (@wintersportism). Danke für's Lesen!