Chapter Text
Regen bedeutet oft Ruhe. Reinheit.
An diesem Abend waren jedoch nicht einmal die laut fallenden Tropfen des spanischen Sommerregens genug, um die Stimmen, die aus dem großen Haus drangen, zu übertönen. Ebenfalls schafften sie es nicht, das getrocknete Blut von den Händen und Klamotten des Jungen zu waschen, der auf den Stufen vor der geöffneten Tür kniete. Das Wasser, das aus seinen dichten Haaren tropfte, vermischte sich mit den Tränen auf seinen Wangen, als er den Blick zu der Frau hob. Ihr Schatten zeichnete sich schwach vor dem Licht, das aus dem Gang hinter ihr in die dunkle Nacht fiel, ab.
"Es tut mir leid Mamá! Sie sollte nur ein kleines Stück fahren, ich hätte nie gedacht... Ich wollte das alles nicht Mamá, es tut mir so leid!"
Die Stimme des Jungen brach, als würde er keine Worte mehr finden, um die Trauer und Reue, die sich in seinem Gesicht abzeichneten, auszudrücken. Was auch unmöglich gewesen wäre, denn für den Tod eines Teenagers, eines Kindes, gibt es keine Worte. Die Frau hingegen zeigte nicht den Anflug eines Gefühls in ihrem regungslosen Gesicht. Wenn man genau hinsah, konnte man im Zimmer hinter ihr einen weiteren Jungen erkennen, der versuchte, ein völlig aufgelöstes Mädchen zu beruhigen.
"Mamá, bitte!"
Die Frau öffnete den Mund und ihre Worte waren so kalt wie ihre Augen.
"Du hast heute Nacht Schande über diese Familie gebracht. Was sollen wir ihren Eltern sagen? Unseren Freunden?"
"Mamá..."
"Ruhe! Du wirst nie wieder einen Fuß in dieses Haus setzen, hörst du mich? Nie wieder! Und jetzt mach, dass du hier wegkommst! Du bist ab heute kein Teil dieser Familie mehr."
Mit diesen Worten drehte sie sich um und schlug, ohne zu zögern, die Tür hinter sich zu. Das Prasseln des Regens erstickte die Schluchzer des Jungen, der nun alleine auf den dunklen Stufen kniete.
