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Deutsch
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Published:
2025-04-18
Words:
1,841
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1/1
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7
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41

Kaffeekatzen

Summary:

Rosa und Jan in einem Wiener Katzencafé.

Notes:

Für Karl zur Aufheiterung <3

Work Text:

"Oooh Rosa, schau mal!"

 

Rosa guck mal hier, guck mal dort. So geht es schon den halben Tag. Rosa findet es ja irgendwie niedlich, dass Jan sich an allem, was er hier in Wien sieht so erfreuen kann - egal, ob an einem Sticker am Laternenmast oder einem Dackel mit Mäntelchen oder dem Menü einer Pizzeria oder einem zartrosa angepinselten Gebäude - aber es wäre schon schön, wenn er auch mal zwanzig Meter gradaus laufen könnte, ohne dass irgendwas ist, was sie angucken muss. Als würds nicht reichen, dass er es anguckt. Er hat eh zwei Augen, wofür braucht er vier?

Seufzend bleibt Rosa stehen und schaut kurz in den leicht wolkenverhangenen Himmel hinauf, ehe sie sich zu Jan umdreht. Sie will schon fragen, was es diesmal ist. Der hundertste 'Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?" Sticker vielleicht. Jedoch beißt sie sich auf die Zunge. Aber aus Irritation. Jan steht nämlich vor einer großen Glasscheibe und tippt mit dem Zeigefinger dagegen und macht schon wieder: "Ohh!"

 

"Was zur Hölle machst du..." murmelt Rosa, während sie näher tritt und sich neben Jan stellt. Und siehe da, er hat nicht den Verstand verloren, sondern eine Katze entdeckt, die da ganz oben auf einem Kratzbaum hinter der Scheibe sitzt. Und da ist noch eine auf dem Fußboden - die ist aber gerade mit Fressen beschäftigt. Und an der Wand sind ganz viele Katzen, aber eben abgelichtet und eingerahmt. Und daneben kleine Metalltafeln mit Miezekatzen, die Kaffeetassen halten, und dazu passenden Sprüchen. Spätestens jetzt begreift Rosa, dass das ein Katzencafé ist.

 

"Können wir da rein? Wir sind doch gut in der Zeit", winselt Jan.

Eigentlich nicht. Eigentlich ist es halb vier und sie wollten noch bei Tageslicht durch den Schlossgarten von Schönbrunn laufen und in den botanischen Garten. Aber dann müssen sie das wohl auf morgen verschieben und stattdessen heute noch den Dom anschauen.

 

"Also gut", ergibt sie sich ihm zuliebe, "damit du endlich aufhörst, den armen Leuten hier ihre Scheibe anzudappen."

 

Jan freut sich wie ein Schneekönig, als er die Pforten der heiligen Hallen betritt. Sofort späht er nach den Katzen, während Rosa sich schonmal die Kuchenauswahl einverleibt. Einen Platz kriegen sie auch. Nur leider im Eck und nicht am Fenster bei den Katzen. Die Tische sind zwar bis auf einen unbesetzt, aber reserviert. An besagtem besetzten Tisch sitzt ein Vater samt seinem kleinen Sohn. Beide verputzen gerade eine Schokowaffel mit Obst. Der Sohn kleckert mit seinem Kakao.

Rosa muss Jan beinahe an ihren Tisch schleifen, weil er so fixiert auf die Katzen ist. Sie überlegt kurz, ob er nicht mal erwähnt hat, dass er eine Katzenallergie hat. Oder Kaninchen? Oder ist das Bönisch gewesen? Egal, jetzt ist es eh zu spät. Wenn er gleich einen allergischen Schock kriegt, wird sie's merken. Ob sie ihn dann reanimiert, überlegt sie sich noch. 

 

Die Kellnerin kommt, Rosa bestellt einen Kaffee und einen veganen Kimchi-Toast, Jan bestellt ein stilles Wasser und eine Waffel, aber mit Zimt und Zucker anstatt Schokolade. Damit er nicht komplett aussieht wie ein Kind. Tut er trotzdem. Spätestens als er sich in seinem Stuhl verrenkt, um die Katze zu sehen, die sich auf einen der reservierten Tische gelegt hat. Zum Pech für die Katze genau hinter den kleinen Jungen, der jetzt aufspringt und zu dem Tier rennt. Erstmal wird der Katze der Kopf betatscht, dann wird das Fell gegen den Strich gestreichelt. Begeistert sieht der grau-weiße Stubentiger nicht aus, ist aber duldsam. Als Zwergnase der Katze dann aber am Schwanz zieht, ist Schluss. Das Tier schnappt Richtung Kinderhand, beißt zwar nicht rein - leider - aber sorgt trotzdem dafür, dass der Junge erschrocken quietscht und dann zahnt.

Rosa verdreht die Augen. Schon auch wegen dem Kind, aber vor allem wegen dem Vater, der sich bis zum Urschrei seines Balgs nicht drum gekümmert hat. Und jetzt faucht er die Kellnerin an, verlangt die Rechnung, gibt keinen Cent Trinkgeld und verlässt dann ratzfatz das Lokal, als Rosa und Jan gerade ihr Essen bekommen.

 

Schmeckt gut, würde aber noch besser schmecken, wenn Jan sich mal an Rosas Monolog, der eigentlich ein Gespräch sein sollte, beteiligen würde, anstatt die Katzen anzustarren. Seine Waffel ist bestimmt auch schon kalt, ehe er überhaupt die Hälfte davon gegessen hat. Das einzig positive ist, dass Rosa ihm ein Stück klauen kann, ohne dass er es merkt.

 

Katze grau-weiß hat sich mittlerweile auf einen Stuhl mittig im Raum gesetzt und putzt sich die Pfoten. Katze getigert liegt noch immer auf dem Kratzbaum und schlät. Jan hat kaum seine Waffel gegessen, da springt er schon auf und nähert sich dann so vorsichtig als würde er auf einer dünnen Eisschicht laufen dem Stubentiger. Als erstes muss die Getigerte dran glauben und wir von Jan aus allen denkbaren Winkeln mit seiner Iphonekamera abgelichtet. Einmal gähnt sie kurz und Jan flippt fast aus.

"Rosa. Rosa. Rosa! Ich hab's drauf. Ich hab das fotografiert, wie sie gähnt!" Schon ist er wieder am Tisch zurück und hält Rosa sein Display unter die Nase. "Schau!"

"Ich schau doch eh", erwidert sie mit hochgezogenen Augenbrauen und begutachtet geduldig die Fotos, die leider zur Hälfte unscharf sind.

 

Jan ist das wurscht. Er tingelt wieder davon und belästigt Miezekatze Nummer 2. Das grau-weiße Tier hockt auf seinem Stuhl und schaut Jan ganz irritiert an, als der sich daneben auf den Boden hockt und eine Reihe Selfies schießt. Rosa vergräbt erst ihr Gesicht in den Händen, dann fotografiert sie Jan beim Selfiemachen mit der Katze. Das muss sie für die Nachwelt festhalten. Oder besser für die Wall of Shame am Kaffeeküchenkühlschrank im Präsidium.

Doch es wird noch besser. Nach dem dritten Selfie hat Katzi verständlicherweise keinen Bock mehr und legt sich nieder, den Kopf demonstrativ von Jan weggedreht. Und Jan? Jan bittet die Katze um Kooperation. Auf Wienerisch. Grottenschlechtem Wienerisch.

 

"Ge, kumm! Ein Foto müss' ma schon noch mach'n. Pspspsss! Kumm, schau hin in die Kamera", bettelt ihr Möchtegern-Österreicher. Sobald Rosas Blick bemerkt und zum Glück ihr Grinsen ignoriert, fängt das Gejammer an. "Rosaaa! Die schaut gar ned her!"

 

"Ich würd auch nicht herschauen, wenn da irgendein komischer Typ ankommt und mich mit seinem digitalen Endgerät beim Mittagsschlaf belästigt", versucht sie's ihm auszudeutschen.

 

"Ah ge Schmarrn!"

 

Versteht Jan nicht. Mist. Vielleicht hätte sie's ihm auswienern müssen.

Oder ihn zumindest darauf hinweisen, dass Katzen auch nur Menschen sind, die irgendwann auch die Nase voll haben und das dann auch kundtun. Mit Krallen und spitzen Zähnen.

Genau das macht die Katze jetzt auch, als Jan ihr gegen die Nase tippt. Sie packt mit beiden Pfötchen seinen Zeigefinger, fährt die Krallen aus und schnappt ihm in den Finger. Und Jan plärrt wie am Spieß. "Aua, aua! Rosaaaaa!" Drei Sekunden und ein angeschlagenes Knie später steht er vor ihr mit tränennassen Augen und hält ihr seinen Finger hin.

 

Sie befürchtet schon das schlimmste. Katzenbisse sind wirklich nicht ohne. Selbst wenn sie den gleich richtig versorgen würde, kann's sein, dass der anfängt zu eitern oder Jans Finger tagelang taub wird oder sonst was. Außerdem weiß sie gar nicht, ob Jan eine aktuelle Tetanus-Impfung hat. Weiß er wahrscheinlich selber nicht.

Leicht panisch packt sie seine Hand und schaut auf den Finger und sieht... nix außer einer kleinen roten Delle. Die Katze hat ja nicht mal richtig reingebissen, nur gequetscht. "Ehrlich jetzt?!" rutscht er ihr raus.

 

"Das tut sooo weh!" jammert er und dann fließen die Tränen.

 

"Oida, Jan..."

 

Theatralisch lässt er sich neben sie auf die Eckbank sinken und jammert so lange, bis Rosa ihn in den Arm nimmt und ein bisschen seinen Rücken tätschelt. Ganz viel schniefen muss er, rotzt ihr wahrscheinlich ihr Oberteil voll, aber so ist das eben, wenn man Aufsichtsperson für Jan Pawlak gibt. Rosa steht da drüber. Gibt ihm sogar ein Bussi nachher, aber nur, damit er aufhört mit seinem Gewinsel.

 

"Ein bissl wehleidig bist du schon", merkt sie an und streichelt ihm durch die Haare. Jan zieht eine Schnute und nimmt einen Schluck von seinem Wasser. Feindselig schaut er zur Katze rüber, die ihn aufmerksam beobachtet. "Die merkt sich jetzt dein Gesicht", scherzt Rosa.

 

"Und ich mir ihrs. Blöde Matz. Ich wollt nur lieb sein zu ihr." 

 

"Och Jan." Rosa muss schmunzeln und drückt kurz seine Hand. "Wie wär's zur Aufheiterung mit einem Stück Kuchen, bevor wir gehen? Hast schon einen Blick in die Vitrine geworfen?"

 

Ein bisschen trotzig schüttelt er den Kopf. "Naa."

 

"Magst?"

 

"Mhm."

 

"Na dann hopp. Machst mir ein Foto?"

 

Macht er. Ganz tapfer marschiert er nach vorne, fotografiert die Vitrine und dackelt zurück zu Rosa. Er überlässt ihr sein Handy und sagt dann, dass er jetzt nochmal nach vorne muss, weil er das auf dem Handy nicht gescheit sieht.

Rosa wundert sich schon, aber dann bemerkt sie, dass Jan auffällig langsam durch das Café geht. Und zu den Katzen schaut. Er wird doch jetzt nicht schon wieder... nein, jetzt kommt er wieder zurück.

 

"Und, welchen Kuchen nimmst du?" will sie wissen.

 

"Ich glaub, den Rübenkuchen oder vielleicht die Sacher."

 

"Ist aber keine Original, das weißt du schon?"

 

"Achso. Hmm... Was nimmst du?"

 

Rosa überlegt kurz. "Das vegane Tiramisu würd ich nehmen."

 

"Hab ich gar nicht gesehen. Ich geh nochmal gucken."

 

Und weg ist er. Trottet auf Umwegen durch das Café und geht tatsächlich wieder zum Katzenstreicheln. Nur diesmal die Getigerte. Die andere ignoriert er. Bis er an der Theke ist und nochmal guckt, vergehen drei Minuten.

Dann kommt er seicht lächelnd wieder und setzt sich neben Rosa. "Ich nehm den Lotus-Cheesecake hab ich entschieden."

 

"Okay."

 

"Okay?"

 

Rosa runzelt die Stirn. "Ja, wieso hast nicht gleich bestellt?"

 

"Ich musst dir doch sagen, was ich nehm."

 

"Wieso denn das?"

 

"So halt." Schulterzuckend steht er wieder auf und geht zurück zur Theke, pausiert natürlich bei der Tigerkatze, bleibt dann noch nachdenklich vor der grau-weißen stehen, macht ein Foto von ihr. Irgendwann bestellt er tatsächlich ihre Kuchen. Beide Teller sind längst am Tisch angekommen, da hängt Jan immer noch bei den Katzen rum.

Irgendwann nimmt Rosa einfach ihren und seinen Teller, setzt sich neben Jan an den mittlerweile freien Tisch am Fenster und siehe da - jetzt hat er auch mal kurz fünf Minuten, um seinen Kuchen zu essen.

Irgendwie teilen sie dann eh, weil Jan Rosas Tiramisu auch ganz toll findet, obwohl er das eigentlich nie mag. Und Rosa lässt sich nicht einfach so ihren Nachtisch wegfuttern - nicht mal von Jan, auch wenn sie ihn ur lieb hat.

 

Inzwischen ist es schon zehn nach fünf. Schloss Schönbrunn kann Rosa für heute eh vergessen, aber auch den Dom wird sie sich wohl abschminken können. Jan ist nicht mehr wegzukriegen von den Katzen. Selbst mit der grau-weißen hat er sich wieder vertragen. Rosa überlegt schon, ob sie ihn einfach hier parken und alleine losziehen soll. Aber das mag sie dann auch nicht.

Also bleibt sie sitzen, beobachtet wohl oder übel ihren Kollegen und kriegt immerhin einen Kaffee frei Haus.

 

"Wieso kriegst du einen umsonst und ich nicht?" will Jan in einem der kurzen Momente, in denen er sich zu Rosa gesellt, wissen. 

 

"Weil ich das verdien, wenn ich dich schon den ganzen Tag beaufsichtigen muss", erwidert sie augenzwinkernd. "Kannst aber bestimmt dein Wasserglas kostenlos am Klo auffüllen."