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Malerisch, hell und grün war es dort. Große Bäume, Vogelzwitschern, und dann waren da natürlich Blumen, frisch gepflanzte, daraufgestellte und verwelkende.
Ingrid ließ seine Hand los, als sie durch das kleine Gatter kamen, rannte ein Stück über den sandigen Platz, der hellblaue Regenmantel leuchtete in der Sonne auf, um die Wette mit ihren feinen blonden Haaren mit den kleinen Wirbeln.
"Nicht weglaufen!", sagte Adam lächelnd und verschloss das Gatter hinter ihnen.
Ingrid sah über die Schulter zu ihm und kam dann zurück. Sie sah zu ihm hinauf, verzog das Gesicht gegen die Sonne und Adam bot seine Hand an, die sofort ausgeschlagen wurde. In einem Bogen lief Ingrid los in Richtung der Bäume und Adam folgte ihr, froh darüber, dass der Stein in seinem Magen, der sich auf dem Parkplatz geformt hatte, sich in Bläschen aufzulösen schien.
Ingrid schabte den Sand mit den Füßen auf und drehte sich beim Laufen im Kreis. Vor dem ersten kleinen schwarzen Granitgrabstein blieb sie angewurzelt stehen, schaute.
"Wir besuchen Opa. Opa ist schon tot", sagte Adam leise und Ingrid näherte sich dem Stein. "Das ist noch ein Stück weiter."
Ihr Mund schien zu versuchen, den Namen auf dem Stein zu formen. Dann ruckte ihr Kopf zur Seite und sie reckte den Arm nach seiner Hand.
Die Luft war klar, schmeckte nach Erde. Ingrid deutete auf ein Eichhörnchen, das über den braunen Sandweg flitzte. Sie drehten sich beide um, beobachteten, wie es sich um den dicken Baum neben ihnen wickelte und irgendwo in der Krone verschwand.
Auf dem letzten Stück, nahm er Ingrid auf den Arm, nicht weil sie es wollte, sondern, weil er es brauchte. Sie legte den Arm um seine Schulter und ihren Kopf an seine Schulter. Der Stein kam zurück in Form eines dicken Kloßes in seinem Hals.
Der Grabstein war unscheinbar schwarz, keine Blume stand davor, nicht mal eine eingetrocknete. Er hatte sich vorgestellt, dass seine Mutter vielleicht welche bringen würde. Da war nur der Stein, Kies und ein Name. Ingrid zappelte und er ließ sie auf den Boden rutschen. Dann stand sie neben ihm.
"Opa?", sagte sie.
"Ja", sagte Adam. Jetzt hatte er es auch hier hingeschafft. Das sollte doch etwas bedeuten.
Ingrid stieg über das kleine Holzstück am Boden weg auf den Kies. Es knirschte unter ihren kleinen glitzernden Schuhen mit den Schnallen. Adam hatte das Bedürfnis sie wegzuziehen.
Ingrid legte die Hände auf den Stein. Sie malte das große R bedächtig mit dem Finger nach, dann sah sie ihn an. Eine kleine Falte erschien auf ihrer Stirn.
Adam hockte sich hin.
"Ich bin traurig", sagte er und spürte als er das sagte, wie ihm Wasser in die Augen stieg.
"Opa", sagte Ingrid nochmal.
"Ja", sagte er. Sie drehte den Kopf zu dem Stein, patschte die Hand darauf und Adam schnaubte unglücklich, wischte sich über die Augen. Er richtete sich wieder auf. Das Gefühl kam in seine Beine zurück. Wärme breitete sich in seinem Bauch aus.
Er empfand Genugtuung darin, dass Roland Schürk sein Kind nie sehen würde, dass das auch nicht passieren würde, würde er noch leben.
Ingrid stieg auf den Rasen und sah ihn erwartungsvoll an.
"Wollen wir jetzt Eis essen gehen, ja?"
"Ja!" Ingrid reckte den Kopf. Adam konnte auch wieder lächeln.
"Na komm!"
Er bot ihr die Hand an, die sie natürlich ignorierte und ein Stück vorrannte.
