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A Sky Full Of Stars

Summary:

Joshua lädt Malik in die Sternwarte ein.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Joshua saß auf dem Dachboden und dachte nach. Der Dachboden war so gut wie der einzige Ort an diesem gottverdammten Internat, an dem man seine Ruhe hatte. Zumindest bisher, denn da hörte er auch schon, wie jemand die Treppe hinaufstieg.

Er drehte sich um und sah Elly. Nach den Ereignissen im letzten Schuljahr kamen sie jetzt deutlich besser zurecht. Und nachdem Chiara das Einstein verlassen hatte, um sich beim Bundesfreiwilligendienst zu engagieren, war seine Schwester die Person am Einstein, mit der er am ehesten über sein Problem reden konnte. Maxi war gerade mit eigenen Problemen beschäftigt und Tahmina würde nach spätestens zwei Minuten nicht mehr zuhören.

„Was ist los?“, fragte Elly und setzte sich neben ihn.

„Nichts.“

„Ey, komm“, sagte Elly, „Ich seh doch, dass dich was beschäftigt. Und außerdem warst du auch für mich da, als Ava nach Köln gegangen ist.“

Ava hatte in den Sommerferien beschlossen, dass sie vorerst kein Abitur machen wollte und war zu ihren Freunden nach Köln gezogen, um dort eine Ausbildung zur Zweiradmechanikerin zu machen. Elly sollte ihr nach diesem Schuljahr folgen.

Joshua schaute seine Schwester an.

„Wie hast du gemerkt, dass du auf Mädchen stehst?“, fragte er zögerlich.

Er hatte zwar schon „Bin ich schwul Test“ gegoogelt, aber keines der Ergebnisse war wissenschaftlich valide.

„Naja, ich hab noch nie verstanden, was an Jungs so toll sein soll“, begann Elly zu erzählen, „Ich hab das einfach nicht gefühlt. Und dann kam Ava.“

„Und weiter?“

„Ich war immer total nervös, wenn ich in ihrer Nähe war. Mein Herz hat total gepocht und so. Ich wollte ständig bei ihr sein und manchmal“, sie zögerte etwas, dann flüsterte sie, „manchmal hab ich mir vorgestellt, sie zu küssen und mich gefragt, ob ihr Lippenpiercing dabei wohl kitzelt.“

Scheiße.

Das war fast genau dasselbe, was Joshua gerade für Malik fühlte.

Bisher hatte er sich keine großen Gedanken um Label gemacht und wenn er sich entscheiden müsste, hätte er wohl aroace gesagt. Es gab für ihn wirklich weitaus wichtigere Dinge als den Austausch von Körperflüssigkeiten mit einem anderen Vertreter seiner Spezies. Das neue Buch der Tarqeq-Kolonie oder ein Einserschnitt auf seinem Halbjahreszeugnis zum Beispiel.

„Aber warum willst du das überhaupt wissen?“, fragte Elly weiter. Dann schien sie es selbst zu merken und grinste.

„Du bist verknallt“, sagte sie.

„Eventuell führt die Anwesenheit einer bestimmten Person in meinem Gehirn zu einer vermehrten Ausschüttung von Neurotransmittern, ja.“

„Wer ist es?“, fragte Elly gespannt, „Dilara? Chiara? Maxi? Tahmi?“

„Malik.“

„MALIK?!“, Elly musste kurz durchatmen. Dann lachte sie, „Willkommen bei den Homobrinks.“

„Der Begriff Homosexualität beschreibt die ausschließliche Anziehung zu Angehörigen desselben Geschlechts. Da ich diese Art der Anziehung bisher nur ein Mal erlebt habe ist es weitaus zu früh, daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen“, bemerkte Joshua.

„Also auf jeden Fall bist du nicht straight“, meinte Elly, „Hast du ihn schon gefragt, ob er mit dir auf ein Date geht?“

„Wohin denn? Soll ich mir nen Survival X Account erstellen und dann farmen wir romantisch zusammen virtuelles Granit?“

„Du hast mir doch gesagt, dass du in die Sternwarte im Ega-Park gehen willst, wenn sie wieder öffnet.“

„Ja, aber ich bin noch nicht dazu gekommen.“

„Sie macht am Samstag wieder auf“, sagte Elly, „Willst du Malik nicht fragen, ob er dich begleiten will?“

„Als ob der sich für Astronomie interessiert“, meinte Joshua, „Der kann doch Jupiter nicht vom Uranus unterscheiden.“

„Dann bringst du ihm das bei. Komm schon, fragen kostet nichts.“

 

🔭

„Ich war noch nie in einer Sternwarte“, sagte Malik, als sie die Treppen hochstiegen.

„Ich auch nicht“, antwortete Joshua, „Aber ich hab ein Teleskop zuhause. Hätte ich gern ans Einstein mitgenommen, aber wo hätte ich das schon aufstellen sollen.“

„Du kennst dich also aus?“

„Natürlich“, sagte Joshua, „Wir sollten zum Beispiel das Sternbild Pegasus recht gut sehen können. Da hat man 1995 den ersten Exoplaneten entdeckt.“

 

Sie waren oben angelangt und Joshua deutete zum Nachthimmel über ihnen.

„Siehst du diese drei Sterne da, die wie ein W aussehen?“, fragte Joshua.

Malik nickte.

„Das ist das Sternbild Kassiopeia. Darunter ist Andromeda und direkt darüber ist Pegasus.“

Malik lächelte, als er hinauf zum Himmel sah und in Joshuas Bauch begann es zu kribbeln. Er mochte es, wenn Malik lächelte.

„Andromeda, hat das was mit dieser Galaxie zu tun?“

„Ja“, sagte Joshua, „Siehst du das Ding, das ein wenig wie eine kleine Wolke aussieht?“

„Ja.“

„Das ist sie. Das entfernteste Objekt, das man mit bloßem Auge sehen kann. In 4 bis 10 Millionen Jahren wird sie mit der Milchstraße kollidieren. Aber wer weiß, ob die Menschheit das überhaupt noch mitkriegt, bis dahin ist nämlich sogar Tschernobyl wieder bewo…Sorry, sag mir bitte, wenn ich dich nerve, bei manchen Themen kann ich einfach nicht aufhören zu reden.“

Malik sah zu ihm rüber und lächelte ihn an.

„Nee, erzähl ruhig weiter“, sagte er, „Ich hör dir gerne zu.“

Joshuas Knie fühlten sich an, als würden sie jeden Moment nachgeben.

Er musste sich irgendwie von dem Gedanken ablenken, dass er Malik jetzt so gerne küssen würde.

Malik hatte seinen Blick schon wieder auf den Sternenhimmel gerichtet, also stellte sich Joshua ein wenig näher an ihn heran.

„Das ist Wega“, sagte er und deutete auf einen funkelnden Stern, „Der hellste Stern am Nordhimmel. In 210.000 Jahren wird er der hellste Stern am ganzen Nachthimmel sein.“

Dann deutete er auf einen weiteren Stern etwas weiter südlich.

„Und das ist Altair.“

„Wie der Typ aus Assassin’s Creed“, bemerkte Malik.

„In China gibt es eine Sage“, begann Joshua zu erzählen, „Wega ist eine Weberin und Altair ist ein Kuhhirte. Sie durften sich nicht lieben, also wurden sie von der Milchstraße getrennt. Nur an einem Tag im Jahr bildet ein Schwarm Elstern eine Brücke und sie dürfen sich treffen.“

„Und wann ist dieser Tag?“

„Am siebten Tag des siebten Monats im Chinesischen Kalender“, erklärte Joshua, „Das ist dieses Jahr der 29. August.“

„Schade, dann haben wir sie verpasst“, sagte Malik etwas enttäuscht, „Meinst du, sie haben sich geküsst?“

„Naja, man kann sie ja nicht wirklich sehen, ist ja nur eine Sage“, sagte Joshua schnell und sein Herz pochte wie wild in seiner Brust.

Ist das normal oder ist das ein kardiologischer Notfall? dachte er.

„Aber wenn sie existieren würden, dann…dann hätten sie sich wahrscheinlich geküsst, ja. Und all die anderen Dinge gemacht, die Verliebte so tun. Was weiß ich. Sich verliebt angucken, sich berühren, Händchen halt…“

Bildete er sich das nur ein, oder hatte Malik gerade seine Hand gestreift?

Bestimmt nur ein Versehen.

Nein.

Ein zweites Mal.

Und als Malik jetzt auch noch seinen Blick vom Nachthimmel abwandte und ihn direkt ansah, fühlte Joshua sich, als würde er jeden Moment in Ohnmacht fallen.

Vielleicht ist das doch ein kardiologischer Notfall. Vielleicht hab ich eine dieser Herzkrankheiten, die man nicht bemerkt, bis man plötzlich umkippt.

Sein Blick sprang zwischen Maliks Augen und dessen Lippen hin und her.

Scheiße, passierte das hier gerade wirklich?

Wie hatte Elly das ausgehalten?

Sollte er etwas sagen?

Sollte er Malik einfach…?

Nein.

Wie viel Zeit war mittlerweile überhaupt vergangen?

Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor.

„Also, wenn du mich küssen willst, dann…“, sagte Malik.

„Ich…darf…“

Er fand keine Worte mehr.

Er wusste doch gar nicht, wie das ging.

Langsam lehnte er sich vor.

Wie war das in den Filmen?

Lippen auf Lippen, so schwer konnte es doch nicht sein.

Oh, und die Augen schließen, das war anscheinend auch wichtig.

Also gut.

 

Wow.

Er hätte nie gedacht, dass es sich so gut anfühlen würde.

Maliks Lippen auf seinen.

Malik, der eine Hand auf seinen Rücken legte und ihn näher an sich zog.

Er wollte nicht, dass dieser Moment hier jemals endete.

Sie lösten sich kurz voneinander und als Joshua die Augen öffnete und in Maliks glückliches Gesicht sah, konnte er gar nicht anders, als ihn direkt wieder zu küssen.

Ja, eigentlich war es nichts anderes als eine Ausschüttung von Neurotransmittern.

Aber die war so, so schön.

 

Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis er auf die Uhr schaute.

„Scheiße, die Nachtruhe beginnt gleich“, sagte er.

„Wenn wir rennen, sollten wir es noch schaffen“, meinte Malik.

 

Hand in Hand rannten sie durch die Nacht.

Es gab so viele Fragen, die in Joshuas Kopf rumschwirren hätten können.

Bin ich jetzt schwul?

Sind wir jetzt zusammen?

Müssen wir dann das Zimmer wechseln?

 

Aber da war nur ein einziger Gedanke:

Wir haben uns geküsst.

Wir haben uns geküsst.

Wir haben uns geküsst.

 

Kurz bevor sie ihre Zimmertür öffneten, nachdem sie sichergegangen waren, dass niemand den Flur entlanglief, küssten sie sich nochmal.

Und es fühlte sich fast noch besser an als beim ersten Mal.

Notes:

Alles begann mit einem Crackship...

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