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Ummantelt

Summary:

Ein Teamabend im Biergarten, ein unerwarteter Wetterumschwung und eine Pia ohne Sportjacke.

Notes:

Ich hab mich von den Sommerdrabbles zu Esther/Pia leiten lassen, die in den letzten Tagen aufgetaucht sind. Ich freu mich, dass es aktuell so viel Kommissarinnen Content gibt :)
(Ich bin überrascht, dass ich puren Fluff geschafft hab!)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

„Entschuldigt“, keuchte Pia fast als sie sich auf den typischen Stuhl aus Holzstreben fallen ließ, der an ihrem Vierertisch mit weiß-rot-karierter Tischdecke noch frei war. Es gab sie zu Hauf, diese kleinen Tische, hier in diesem Biergarten unten an der Saar, der in der Abendsonne leuchtete und später im dämmrigen Licht hipper Ketten aus Glühbirnen erstrahlen würde. An solch einem Frühsommerabend wie heute waren sie fast alle besetzt. Pias Platz war ein wenig länger leer geblieben, hatte auf sie gewartet so wie Esther es getan hatte.

Esther Baumann betrachtete, wie ihre Kollegin sich auf den harten Stuhl fallen ließ, sich anlehnte, zurechtrückte, ein paar verirrte, schwitzige Haare aus dem Gesicht pustete und schließlich erst Leo, dann Adam, dann ihr zunickte. Ihr Blick ruhte ein wenig länger auf ihr selbst als auf ihren beiden Kollegen, das bemerkte Esther. Fast hatte sie die Sekunden gezählt, um es zu beweisen. Sie war nicht mehr an dem Punkt ihr Suchen nach Hinweisen zu leugnen.

Keine Sportjacke, dachte Esther, ungewöhnlich, schaute dabei an Pia hinab, die nun der Kellnerin am Nebentisch zulächelte. Wäre Esther ein Magnet, hätte sie das Lächeln gern auf sich gezogen. Für einen kurzen Moment stellte sie sich vor, die Kellnerin zu sein, nur um das Lächeln einfangen zu dürfen. Die Hitze stieg ihr definitiv zu Kopf, entschied sie schnell und trank einen großen Schluck von dem Bier vor sich. Ob es das besser machen würde, ob es das Gedankenkarussel nicht eher antrieb, sie wagte es nicht zu hinterfragen.

Im goldenen Licht der Abendsonne spiegelte sich ein zarter Schweißfilm auf Pias Schultern. Das Thermometer am Baum hinter Pia zeigte fast dreißig Grad und sie schien sich wahnsinnig beeilt zu haben vom Präsidium zum Teamtreffen zu kommen. „Ich musste noch schnell was nachschauen.“, schob Pia erklärend hinterher nachdem sie ihr Getränk bestellt hatte. In ihrem Ton lag etwas betont Unschuldiges, schwang ein ‚Ich hab keine Dummheiten gemacht’ mit. Unter dem Tisch streckte sie ihr Bein aus, so wie sie es immer tat, wenn sie es von Zeit zu Zeit noch auslockern musste. Flüchtig berührte es Esthers zwischen den Tischbeinen aus Metall.

Das Bier für Pia kam dann, landete vor ihr auf einem Bierdeckel, erschien geliefert mit dem wiederholten Lächeln der Kellnerin und diese bekam wieder eins zurück. Schmale Lippen vor hellen Zähnen, ein Lächeln - nicht breit oder grinsend, sondern weich, frei, offen - ein wenig müde vielleicht, aber nicht erschöpft. Esther nestelte am Bierdeckel vor sich herum, lachte und lächelte bei ihren Gesprächen und verlor den Kopf immer wenn Pia dasselbe tat. Sie würde ihn an diesem Abend noch häufig zurechtrücken müssen.

Schürks Blicke, sein Schmunzeln, all das entging Esther nicht. Er sah es. Doch es war zu spät, es zu verstecken, zu spät dagegen anzukämpfen. Trotzdem errötete sie und Schuld war nicht die noch immer warme, schwüle Luft. Auch wenn es das war, was sie laut sagte, laut am Tisch behauptete, damit Schürk wegsah: „Puh, noch immer warm, nicht wahr!“

Würde es doch nur regnen heute Nacht, dachte Esther dann für einen kurzen Augenblick und träumte davon in luftiger Schlafkleidung unter ihrem offenen Schlafzimmerfenster zu liegen, die frische Luft nach einem Regenguss zu nutzen um ihre wirren Gedanken abzukühlen, zu löschen.

Dass ihr Wunsch an diesem Abend noch erfüllt werden würde, auf die ein oder andere Art, hatte Esther nicht für möglich gehalten. Es war spät gewesen, sie hatte nicht auf die Uhr gesehen, hatte die Biere nicht genau gezählt. Schürk und Hölzer hatten sich aufgemacht, aber Pia hatte nur gelacht und hatte gesagt, dass sie noch nicht müde sei - eine Aussage, bei der sich Esther nicht zweimal bitten lassen konnte. Sie wollte Pias Ausgelassenheit für immer konservieren - oder zumindest für die Dauer eines weiteren Biers, eines weiteren schallenden Lachens.

Ihr Rückweg an der Saar verlief leiser. Sanfte Gespräche, kaum hörbares Auflachen begleitet vom aufkommenden Abendwind, der ein Sommergewitter anzukündigen vermochte. Pia schüttelte sich, legte ihre Hände um die eigenen, gänsehautbedeckten Oberarme. Shorts und Trägertop hatten ihren Dienst quittiert, die Sportjacke schien schmerzlich vermisst zu werden.

„Hier, nimm.“, murmelte Esther dann von der Seite, konnte Pia nicht richtig ansehen. Ihr war noch immer warm in Schlaghose und schwarzem Shirt und der dünne Trenchcoat in ihrer Hand wanderte nun zu Pia hinüber. Einen Trenchcoat im Juni, so mancher hätte Esther für verrückt gehalten, doch er gehörte zu ihrem Outfit wie ihr tiefdunkler Bob zu ihrem Gesicht und gerade jetzt baute dieser Trenchcoat eine Brücke.

Die ersten Tropfen fielen auf Pias nackte Schultern, trafen sie da wo ihr Schulterknochen leicht kantig hervorstand. Esther unterdrückte den Impuls sie wegzuwischen. „Wirklich?“, fragte Pia leise und blieb stehen. Esther tat es ihr gleich, hielt immer noch den Arm mit dem hellbraunen Mantel ausgestreckt. Sie nickte, fühlte sich fast schüchtern.

Als Pia danach griff streiften ihre Fingerspitzen Esthers und sie konnte dem Drang nicht widerstehen, sich der Berührung entgegenzulehnen, einen Schritt auf Pia zuzutun. Ein Windstoß wehte gegen die Frauen, hart und rau, warm und kalt zugleich. Er erinnerte Esther an ihr Vorhaben. Der Mantel wechselte die Trägerin.

Pia schlüpfte etwas zögerlich in die Ärmel, erst links, dann rechts und richtete den Mantel nach vorne aus. Esthers Blick fiel auf ihre freiliegenden Handgelenke - natürlich war der Mantel ihr zu kurz - die schimmernden Adern dort, wo Hand und Arm aufeinandertrafen, die schlanken Finger, die jetzt zum Kragen wanderten, ihn zurechtlegen wollten.

„Warte, ich-“, setzte Esther an. Dann überbrückte sie die letzten Zentimeter mit ihren eigenen Händen. Diese griffen nach dem vertrauten Stoff an der fremden, fernen Schönheit. Als sie den Kragen hochzogen und Pias Haare unter dem Mantel hervorholten meinte Esther, in einen Traum hineinzufallen. Sie räusperte sich auffällig laut, taumelte zurück, schob es auf den Wind. Ihre Hände reagierten einen Bruchteil später, lösten sich erst nach ihr vom Mantel.

Der Regen fiel dann in dickeren Tropfen, legte ihre Umgebung in den feuchten Geruch von Sommernässe, mischte den Geruch, der an Esthers Mantel haftete mit dem fast verloren gegangen Parfüm von Pia Heinrich. Orange-Bergamotte. Esther atmete tief ein und aus, registrierte die Verblendung aus sich selbst und der Frau, die ihr viel zu nah gegenüberstand.

„Na komm.“, sagte Pia nichtsahnend, lachte und hielt eine Hand nach oben, wollte den Regen fangen. Sie grinste jetzt, steckte ihre sommersprossige Nase dem kühlen Nass entgegen. Ihre Hände vergrub sie in Esthers Manteltaschen.

Esther bildete sich ein, das wäre fast als hielte sie ihre Hand.

Notes:

freu mich von euch zu hören, was ihr denkt!