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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-06-28
Completed:
2025-06-28
Words:
3,658
Chapters:
9/9
Comments:
33
Kudos:
42
Bookmarks:
2
Hits:
270

Parallelen

Summary:

Seite an Seite und nicht Tür an Tür

Notes:

Dies ist generell meine erste Fanfic, aber vielleicht gefällt sie Euch.

Mir fehlte etwas nach der Episode Fiderallala. Ich musste mein TM Brainrot also verschriftlichen.
Die Chapter sind durch die wechselnden POVs teilweise recht kurz, aber für mich macht es so Sinn.

Danke an Dunkler_Engel für die Beta, die Motivation und die Messer <3

Chapter 1: Die Kündigung

Summary:

Thiels Erinnerungen und Gedanken, als er die Kündigung von Boerne liest.

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

„Da steht mein Name drauf!“

In dem Moment erkannte er die Handschrift. Das geschwungene F und das geschwungene T. Boerne hatte seinen Namen auf den Umschlag geschrieben. Mit Tinte. Nicht nur Thiel oder Herr Thiel. Sondern Frank Thiel. Thiels Herz überschlug sich. Die Detonation, der Knall, die Angst, dass Boerne etwas passiert war… Als er ihn rußverschmiert vor den Briefkästen stehen sah – er verstand erst nicht.

„Ach, der ist von Ihnen, ja?!“
„Eben. Deswegen gehört er mir.“

Boerne versuchte Thiel den Brief zu entreißen. Sein Gesicht, sein Hals und seine Hände, alles war dreckig von der Detonation.

Was zum Teufel hat Boerne sich dabei gedacht? Wieso wollte er den Brief… Den Brief… DIESEN BRIEF. Thiels Gedanken rasten. Was hatte Boerne da verfasst? Wieso ausgerechnet jetzt? Und wieso sprengte er seinen Briefkasten, um zu verhindern, dass er ihn bekam? Was stand in diesem Brief?

Bilder der vorletzten Nacht schossen Thiel durch den Kopf. Boerne umgeben von seinen Studierenden, singend, tanzend. Das Hemd halb geöffnet, die Krawatte gelöst. Zerzauste Haare. Boerne auf den Knien vor ihm, ihn anflehend, noch bleiben zu dürfen. Thiel, der hartnäckig blieb und Boerne mehr oder weniger zum Ausgang schleppte. Wie er sich an ihn lehnte, kaum mehr fähig zu stehen, seine Haare schweißnass an seiner Stirn. Wie er ihn ansah, als er ihm seine Brille geraderückte. Dieser Bruchteil einer Sekunde. Boerne, der seine Hände festhielt und sich vorbeugte. Und wie er es selbst einfach geschehen ließ, dass Boerne ihn küsste. Er zuckte nicht weg, er bewegte sich kaum, aus Angst es zu unterbrechen. Er lehnte sich vor und erwiderte den Kuss. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit. Es war all das, was er immer wollte. All das, was er sich nie getraut hatte, auszusprechen. Die aufgestaute Sehnsucht der letzten Jahrzehnte… Boerne konnte nicht mehr aufrecht stehen und fiel gegen ihn. „Das war schön“, murmelte er gegen Thiels Hals. Er konnte sein Lächeln spüren und selten zuvor hatte Thiel so eine Wärme in sich gespürt.

Boerne tatschte erneut nach dem Brief und unterbrach Thiels Erinnerung.

„Mal sehen, was hier drinsteht.“ Thiels Hände zitterten, seine Stimme überschlug sich.
„Das würde ich nicht tun, das ist ein großer Fehler, Herr Thiel. Das ist ein gro… großer…“

Boerne blieben die Worte im Hals stecken. Thiel starrte ihn an. Sein Hirn war blank. Was auch immer er dachte in diesem Brief zu finden: DAS war es nicht.

„Sie werfen mich aus der Wohnung?!“ Kündigungsschreiben. Ein ausgedrucktes Kündigungsschreiben.

Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass Boerne ihn noch derart überraschen konnte. Er hätte mit allem in diesem Brief gerechnet. Aber nicht damit. Nicht nach der Feier, nicht nach letzter Nacht. Nicht nach all der Sehnsucht und all den Gefühlen.

Boerne schaute ihn an. Verzweiflung lag in seinem Blick. Und Angst. Boerne hatte Angst.

Thiel spürte Wut in ihm hochsteigen. Gemischt mit Enttäuschung, Unverständnis und Traurigkeit. Die Emotionen überwältigen ihn und er stapfte die Stufen hoch zu seiner Wohnung.

„Herr Thiel, bitte warten Sie doch. Das ist alles ein großes Missverständnis!“ Boerne stand schon hinter ihm, bevor er selbst einen Schritt in seine Wohnung machen konnte. Er wollte nicht mit ihm diskutieren, er wollte keine fadenscheinige Ausrede. Er wusste selbst nicht, was er wollte.

„Jetzt hören Sie mich doch bitte an, Herr Thiel!“ „Was in aller Welt haben Sie sich dabei gedacht?! Sie kündigen mir die Wohnung? Nach all den Jahren? Nach all der Zeit, nach all dem… zwischen… uns?!“

Thiel starrte Boerne aus der Küche heraus an. Dieser stand wie ein begossener Pudel in der Diele, Haare zerzaust, in seinem dreckigen Anzug. Boerne redete weiter, doch Thiel verstand ihn kaum. Die Enttäuschung ließ seine Ohren sausen. Er wandte sich ab und goss Kaffee aus der Kanne in seine Tasse. Kalten Kaffee. In eine dreckige Tasse. Hauptsache er schaute nicht zu Boerne.

„Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass unsere Freundschaft…“

„PFFFF, FREUNDSCHAFT!“

„…unsere Freundschaft an Tiefe verloren hatte. Und dass ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass Sie mir in der Stunde der Not beistehen und eben nicht dem öffentlichen Gelächter preisgeben.“

Thiel rauschte an Boerne vorbei ins Wohnzimmer. Er konnte das nicht ertragen. Rechtfertigte er gerade die Kündigung damit, dass er sich vor seinen Studierenden lächerlich gemacht und sich so betrunken hatte, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte?

Thiel hatte plötzlich Unterlagen in der Hand. Er war so vollkommen neben der Spur, dass er nach etwas gegriffen hatte, um sich daran festzuhalten. Das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, war einfach zu groß. Er ging auf Boerne zu.

„Mein lieber Professor Boerne. Freundschaft, ja, hat etwas mit Augenhöhe zu tun.“
Er stand jetzt dicht vor ihm. Sie schauten sich an. Thiels Magen verkrampfte sich, er hatte Mühe seine Gesichtszüge zu kontrollieren. Er wollte ihn schütteln, ihm sagen, wie enttäuscht er war. Dass er nicht verstand, dass er dachte, es wäre anders zwischen ihnen.

Boerne schaute ihn an… und ging leicht in die Knie. Er ging buchstäblich auf Augenhöhe. Thiel verstand die Welt nicht mehr. Er schluckte hart und musste sich zusammenreißen diesen Mann, den er seit 23 Jahren in- und auswendig kannte, als Kollegen schätzte und bewunderte… und mit dem er seit 23 Jahren Tür an Tür wohnte, lebte und den er liebte… nicht anzuschreien. Er konnte seine Enttäuschung kaum noch kontrollieren.

„Herr Thiel, ich-“ Weiter kam Boerne nicht.

„RAUS HIER! SOFORT!“ Thiel machte einen Schritt auf Boerne zu, der zuckte zurück.

Wie konnten sie hier landen? Wie konnte das passieren, wegen einer dämlichen Feier? Wegen Boernes Absturz auf einer ansonsten großartigen Party?

Boernes Einwand, dass er sich nicht genug gekümmert, nicht verhindert hatte, dass er sich singend und tanzend vor seinen Studierenden lächerlich machte. Er hatte sich doch dafür entschuldigt und Boerne hatte es angenommen. Sie hatten den gestrigen Abend zusammen verbracht, gemeinsam den Wein getrunken, den er besorgt hatte. Er war leicht angetrunken gegen Boernes Schulter gelehnt eingeschlafen und war am Morgen auf dessen Couch aufgewacht. Zugedeckt. Es war doch alles geklärt. Es war doch alles so wie immer. Auch wenn keiner den Kuss erwähnte und Boerne sich anscheinend nicht einmal daran erinnerte. Damit konnte Thiel leben. Schwer, aber so war es doch auch die letzten Jahrzehnte gewesen. Er war an die Sehnsucht gewöhnt.

„Herr Thiel, bitte-“ Thiel packte ihn am Oberarm und schob ihn aus der Tür.

„Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit. Ich hätte alles andere, Ihre Worte oder Gefühle… Ich… ich meine, ich hätte alles andere erwartet, aber nicht das.“ Thiel biss sich auf die Zunge. Er musste aufpassen, dass sich seine Enttäuschung nicht Bahnen brach und sein Mund Dinge ausspuckte, die er nicht zurücknehmen konnte.

Er schaute Boerne direkt in die Augen. Er zwang sich zu seiner üblichen Fassade. Die Fassade der letzten 20 Jahre. Sein Blick wurde hart, dennoch kämpfte er mit der Enttäuschung und er spürte, dass seine Augen anfingen zu brennen.

Boerne setzte nicht erneut an. Er zögerte, starrte nur zurück. Sein Blick wurde fragend, weicher. Er streckte seine Hand aus und Thiel wich einen Schritt zurück. Wie konnten sie in diese Situation geraten? Dass der eine vor dem anderen zurückwich.

„Herr Thiel, ich… Bitte. Herr Thiel.“

Thiel ging einen weiteren Schritt zurück und schloss die Tür.

Er atmete schwer aus und ließ sich seine Stirn gegen die Tür sinken.

Er hörte Boerne nicht weggehen.

„Herr Thiel. Bitte.“

Thiel drehte sich um und ging ins Badezimmer. Er schloss die Tür und heiße Tränen schossen in seine Augen.

Notes:

Der Dialog der Szene wurde teilweise 1:1 aus der Episode Fiderallala übernommen