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Das grelle Licht der Lampen im Feldlazarett blendete Madara, als er die Augen wieder öffnete. Der Geruch von Blut und Desinfektionsmittel brannte in seiner Nase. Er war nicht tot, noch nicht. Sein Körper fühlte sich schwer an, jede Bewegung wurde von einem stechenden Schmerz begleitet, aber er ignorierte ihn, wie er es immer tat. Immerhin war er ein Soldat, und Soldaten hatten keine Zeit für Schwäche. „Endlich wach?“, kam eine tiefe Stimme aus der Nähe. Ruhig, aber mit einem Hauch von Ungeduld.
Madara blinzelte, sein Blick klärte sich langsam. Er erkannte die Silhouette eines Mannes, dessen Uniform zwar ordentlich war, aber den Spuren des Krieges nicht entkommen konnte. Butsuma Senju - aut seinem Namensschild auf der Brusttasche - trug einem abgetragenen Arztkittel. Die Ärmel hatte er hochgekrempelt und die Hände blutig, aber ruhig. Der brünette Arzt wischte sich die Hände mit einem Tuch ab und desinfizieret sich danach ordentlich. Madaras Blick verfolgte jede seiner Bewegungen. „Wo bin ich?“ murmelte Madara, die Kehle war trocken und seine Stimme klang rau.
„Feldlazarett, hinter der Frontlinie.“ Der Arzt musterte ihn mit kühlem Blick. „Das ist eine schöne Wunde die du dir zugezogen hast, Soldat. Du hast Glück, dass du es überhaupt bis hierher geschafft hast.“ Madara versuchte sich aufzurichten, doch ein stechender Schmerz durchzog seine Seite, und seine Muskeln versagten. Bevor er sich weiter bewegen konnte, legte Butsuma eine Hand auf seine Schulter, fest, bestimmend, und wärmer, als Madara erwartet hätte. Butsuma drückte ihn ohne Mühe wieder auf die Liege.
„Bleib liegen“, sagte Butsuma, seine Stimme ruhig, aber bestimmend. „Die Kugeln haben nur knapp wichtige Organe verfehlt.“ Madara schnaubte. „Knapp reicht.“ Butsuma hob eine Augenbraue. „Knapp bedeutet, dass ich dich jetzt zusammenflicken muss, anstatt dass du tot auf dem Schlachtfeld liegst.“ Madara sagte nichts, sein Blick ruhte auf dem Arzt. Er konnte nicht verhindern, dass seine Augen den Mann vor ihm musterten. Die sanfte Strenge seiner Hände, die Präzision in seinen Bewegungen, Butsuma war kein gewöhnlicher Arzt. Er war ein Mann, der sich an das Chaos gewöhnt hatte.
Es war seltsam, dass er an sowas dachte … seltsam, dass er sich überhaupt für etwas anderes als den Krieg interessierte. Doch da war etwas in Butsumas ruhigen Bewegungen und der Mischung aus Konzentration und Gelassenheit in seinem Gesicht, die Madara faszinierte. „Du bist ziemlich direkt“, murmelte Madara, während Butsuma die Wunde wieder freilegte. „Direktheit spart Zeit“, erwiderte Butsuma, ohne aufzusehen. Der schwarzhaarige Soldat wendete kurz seinen Blick von seinem behandelnden Arzt ab um sich im Lazarett umzusehen. Es war wohl spät denn sie meisten andern Patienten schliefen oder waren vielleicht auf Grund der schmerzen ohnmächtig.
Madara beobachtete ihn weiter, seine Augen glitten über die scharfen Linien von Butsumas Gesicht, die Art, wie sein Haar ihm in die Stirn fiel, und die Stärke in seinen Händen. „Du bist anders als die anderen Ärzte“, sagte Madara schließlich. Butsuma hielt kurz inne, sah ihn an und zog eine Augenbraue hoch. „Ist das ein Kompliment?“ Madara zuckte mit den Schultern, ein schwaches Lächeln auf seinen Lippen. „Vielleicht.“ Butsuma schüttelte den Kopf. „Du bist schwer auszuhalten, Soldat.“ Madara lachte leise, aber es war kein amüsierter Laut, eher ein müder Laut eines Mannes, der zu viel gesehen hatte.
Als Butsuma begann, die Nadel vorzubereiten, spürte Madara den Druck der Fingerspitzen auf seiner Haut. Es war ein Moment, ein Atemzug, ein Augenblick der Ruhe inmitten des Wahnsinns. „Das wird wehtun“, warnte Butsuma. Madara lächelte müde. „Ich bin nicht gerade empfindlich.“ „Gut“, sagte Butsuma und stach die erste Naht. Madara presste die Lippen zusammen, ließ den Schmerz durch sich hindurchfließen. „Du bist sehr gut darin“, stellte Madara fest. Butsuma zuckte mit den Schultern. „Zu viele Jahre Krieg. Zu viele Männer, die glauben, sie seien unbesiegbar.“
Madara schwieg während Butsuma die restlichen Stiche setzte. Der Arzt griff nach einem sterilen Verband nach dem er die Nadel zur Seite gelegt hatte. „Warum bist du Arzt geworden?“ fragte Madara schließlich, seine Stimme nun leiser. Butsuma hielt inne, seine Hände ruhten auf Madaras Haut. „Weil ich es kann. Und weil jemand es tun muss.“ Madara nickte langsam, seine Augen ruhten auf Butsumas Gesicht und verweilten dort länger als sie sollten. Es war nicht nur die Effizienz des Mannes, die ihn beeindruckte, sondern auch die unerwartete Wärme in seinen Berührungen.
„Wie lange bleibt ein Soldat im Lazarett?“ fragte er schließlich. Butsuma arbeitete weiter. „Kommt darauf an. Wer schlau ist, bleibt länger als nötig.“ Madara schloss die Augen. „Ich bin nicht schlau.“ Butsuma lachte leise. „Das dachte ich mir.“ Aber seine Hände arbeiteten mit der Sorgfalt eines Mannes, der wusste, wie man Leben rettete. „Du bist seltsam“, murmelte Madara. Butsuma lächelte schwach. „Das kann ich nur zurück geben.“
Madara sagte nichts. Aber als Butsuma den Verband festzog, berührte Madaras Fingerspitzen für einen Moment Butsumas Hand. Flüchtig, fast zufällig … aber nicht ganz. Butsuma hielt kurz inne. „Was?“ fragte er, ein leicht belustigter Ton in seiner Stimme. Madara sah ihn an, und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er sich nicht wie ein Soldat, nicht wie ein Werkzeug im Krieg, sondern einfach nur lebendig. „Nichts“, erwiderte er. Aber sein Blick blieb. Und Butsuma ließ ihn.
