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Cotta fühlte sich ungefähr so frisch und geistesgegenwärtig wie ein toter Hund in einem Müllcontainer. Nicht nur, dass die Fortbildung Zeitverschwendung gewesen war, das Pärchen im Zimmer nebenan hatte auch noch ein bewundernswert aktives Sexualleben gehabt, und zu allem Überfluss hatte der Dienstwagen auf dem Heimweg den Löffel abgegeben. Zunächst hatte es so ausgesehen, als müsste er bis zum nächsten Morgen warten, doch ein freundlicher Geschäftsmann hatte ihn zumindest bis Los Angeles mitgenommen.
Von dort war er mit einem Taxi weiter. Inzwischen war es fast Mitternacht und er seit zwanzig Stunden auf den Beinen. Nach einer wenig erholsamen Nacht.
Das Haus war dunkel. Die Haustür ging leise, seine Tasche machte nur ein dumpfes Geräusch, als er sie absetzte. Dann bemerkte er den Lichtschimmer aus dem Wohnzimmer.
Offenbar war Caroline doch noch wach – er sollte ihr zumindest sagen, dass er es doch noch nach Hause geschafft hatte.
Er schlurfte zum Durchgang. Blieb stehen.
Es dauerte ein paar Sekunden länger, als ihm lieb war, bis er begriff, was er sah.
Zwei Frauen auf dem Sofa, Caroline und eine seltsam vertraut aussehende Blondine, deren Rock nach oben gerutscht war. Ihre Hand zwischen Carolines Beinen, und mehr wollte Cotta darüber gar nicht wissen. Beide starrten ihn an wie eine Erscheinung.
Noch drei Sekunden Verzögerung, dann gelang es ihm endlich, den Rückwärtsgang einzulegen.
„Ich, äh, bin wieder da“, erklärte er vollkommen unnötigerweise. Suchte mit gerunzelter Stirn nach den richtigen Worten und entschied sich für: „Wir sehen uns dann morgen zum Frühstück.“ Pause. „Oder auch nicht.“
Schließlich wusste er nicht, ob Carolines Besuch so lange bleiben würde. Erst jetzt fiel ihm ein, woher er die Blonde kannte – Monique Carrera. Hatte seine Schwester sich doch tatsächlich einen Popstar geangelt.
Ohne auf eine Reaktion zu warten, nahm er die Treppe in Angriff, in Gedanken schon bei seinem Bett.
