Work Text:
Sie stehen zusammen in der Küche und schnippeln Gemüse. Noah und Colin haben ihnen ein paar Stunden Zeit gelassen, um für ihren Halloween-Abend alles vorzubereiten. Sie wollten mit Freddy Gassi gehen und dann ein neues Café auschecken, das in ihrer Gegend eröffnet hat. Love & Latte oder so ähnlich.
„Stell dir vor, die NASA will Süßkartoffeln sogar auf dem Mars anbauen!“, schwärmt Finn ihm vor. Joel kann nicht anders als immer wieder zu ihm rüberzuschauen und zu lächeln. Er könnte Finn stundenlang dabei zuhören, wie er über sein Lieblingsgemüse redet. Genauso wie Finn ihm jedes Mal interessiert zuhört, wenn er über seine Pastinaken redet.
Was für ein wunderschöner Zufall, dass sie sich gefunden haben.
Als sie fertig mit schnippeln sind, reicht Finn ihm ein Messer. Für einen kurzen Moment berühren sich ihre Hände. Als sie es merken, schauen sie sich an und lassen sie mit dem Weiterreichen absichtlich etwas länger Zeit. Dann heizt Finn den Backofen vor und beide beginnen, gruselige Gesichter in die Scheiben Pastinaken und Süßkartoffeln zu schnitzen.
„Das sieht gar nicht gruselig aus“, seufzt Joel und hält Finn die Scheibe hin, „Guck ihn dir an. Der sieht aus wie bekifft!“
Finn kriegt einen Lachanfall und schmeißt dabei fast die Gemüsescheiben vom Schneidebrett.
„Ach, für deinen ersten Versuch sieht der doch ganz okay aus“, sagt er, „Notfalls nehmen wir die Ausstechförmchen und machen vorzeitige Weihnachtssnacks draus. Im Supermarkt geht es ja auch schon im August mit Lebkuchen los.“
Joel gibt nicht auf. Sein zweiter Versuch soll ihm besser gelingen. Dieses Mal schneidet er die Augen als Dreiecke und den Mund als Zickzackmuster.
„Also den könnte Noah bestimmt in seinem nächsten Horrorfilm besetzen“, meint er.
Finn verstellt seine Stimme.
„Süßkartoffeln aus der Hölle!“
„Alle die sie essen werden zu willenlosen Zombies!“
„Und nur ein nahrhafter Pastinakensaft kann sie wieder in Menschen zurückverwandeln!“
Jetzt lachen sie beide.
„Das schlag ich Noah demnächst vor“, meint Joel, „Dann wollen alle meinen Pastinakensaft so sehr wie Rick & Morty Fans die Szechuan-Sauce!“
Finn lächelt.
„Ich will deinen Pastinakensaft auch so.“
„Ich weiß.“
Das Piepsen des Backofens macht sie darauf aufmerksam, dass er fertig vorgeheizt ist. Gemeinsam legen sie die Gemüsescheiben auf das Backpapier, schieben das Backblech in den Ofen und stellen den Timer ein.
Zufrieden schaut Finn zu seinem Freund hinüber.
„Das wird mega“, sagt er.
Joel lächelt ihn an.
„Klar wird es das“, sagt er, „Alles, was wir machen, wird mega."
Auf einmal klingelt sein Handy.
„Colin will mit mir facetimen“, sagt er verwundert.
Was kann denn so wichtig sein, dass sein Mitbewohner es ihm nicht einfach schreiben oder zumindest ein Bild schicken kann?
Er klickt auf Annehmen. Noah und Colin scheinen in einem ziemlich hipstermäßigen Café zu sitzen.
„Joel, du wirst nicht glauben, wem der Laden hier gehört!“, strahlt Colin.
„Keine Ahnung“, sagt Joel, „Chiara? Mikka? Sirius?“
Colin schwenkt sein Handy nach links.
„Hi!“, säuselt Reena.
Joel ist etwas überrascht. Er hätte Reena eher als Unternehmensberaterin bei McKinsey gesehen, aber bestimmt nicht als Eigentümerin eines Cafés. Wobei er zugeben muss, dass sie mit ihrem Organisationstalent bestimmt auch darin aufblüht.
„Hi“, grüßt er zurück.
„Joel, du musst unbedingt hier vorbeikommen!“, sagt Colin, „Die haben deinen Lieblingstee!“
„Und gerade haben wir auch Süßkartoffelkuchen im Angebot“, fügt Reena hinzu.
Joel schaut zu Finn hinüber. Der hat direkt angefangen zu strahlen, als er das Wort Süßkartoffelkuchen gehört hat.
„Morgen?“, fragt er ihn.
Finn nickt.
„Super!“, sagt Reena, „Ich freu mich total dich mal wiederzusehen! Und natürlich, deinen Freund kennenzulernen. Gustav freut sich bestimmt auch.“
„Sagt mal, wie lang braucht ihr noch mit den Vorbereitungen?“, fragt Colin.
Joel schaut auf den Timer.
„35 Minuten. Wir wollten uns jetzt um die Getränke kümmern, während die backen.“
„Okay, dann machen wir uns bald auf den Weg“, sagt Colin, „Bis später!“
„Ich hab zwar keine Ahnung, wer Reena und Gustav sind“, meint Finn, „Aber wer Süßkartoffelkuchen in seinem Café anbietet kann kein schlechter Mensch sein.“
Dann öffnet er den Kühlschrank, um die Getränke vorzubereiten.
