Work Text:
„Hat deine Oma nen Weihnachtsladen überfallen, oder was?“, stöhnt Joel, als er den mittlerweile schon vierten Karton Weihnachtsdeko aus dem Keller schleppt. Vor ein paar Wochen sind sie zusammengezogen und als Finn meinte, sie würden das Haus jetzt „weihnachtlich dekorieren“, hatte er an ein paar Lichterketten und Staubfänger gedacht.
„Meine Oma hat Weihnachten geliebt“, erklärt Finn, „Sobald es irgendwo Weihnachtsdeko gab, musste sie sie sofort kaufen. Am liebsten hätte sie wahrscheinlich schon im Oktober mit dem Dekorieren angefangen.“
Er stellt den Karton auf den Wohnzimmertisch, öffnet ihn und zieht etwas heraus.
„Nein“, sagt Joel sofort, als der kleine Schneemann Jingle Bells anstimmt, „Bitte nichts, das irgendwelche Töne von sich gibt.“
„Okay, Moment“, sagt Finn und wendet sich einer anderen Kiste zu, „Wie wär’s hiermit?“
Joel zieht eine Augenbraue hoch. „Ist das der Weihnachtsmann, nachdem er von einem 40-Tonner überfahren wurde?“
Finn lacht.
„Nein“, erklärt er, „Den muss man aufblasen.“
„Auf Lebensgröße?!“
"Der ist nur zwei Meter groß!", betont Finn, "Kann ich dich wenigstens für Lichterketten begeistern?"
"Kommt drauf an", antwortet Joel, "Solange sie normal groß sind und nicht singen."
„Tun sie nicht“, sagt Finn und hält Joel eine hin, „Hilf mir mal beim Aufhängen. Warte kurz, ich such noch die Zeitschaltuhr.“
Wieder kramt er in einer Kiste. Dann lächelt er. „Oh, die haben meine Oma und ich immer getragen, wenn wir die Deko aufhängt haben!“
Er zieht zwei rote Haarreifen mit Rentiergeweih aus dem Karton und setzt sich eines auf.
„Na, wie seh ich aus?“, fragt er.
„Bescheuert“, antwortet Joel, muss aber gleichzeitig lächeln, „Aber auch irgendwie süß.“ Das kann er einfach nicht verleugnen. „Hast du auch noch ne rote Nase zum Aufsetzen?“
„Leider nicht“, sagt Finn, „Aber die Moral von Rudolph, the Red-Nosed Reindeer ist moralisch sowieso höchst fragwürdig.“
„Aha und warum?“, fragt Joel, während Finn ihm den zweiten Haarreif aufsetzt.
„Abweichungen von der Norm werden bestraft, außer, wenn man sie ausnutzen kann.“
Jetzt muss Joel lachen.
„Sorry, Berufskrankheit“, sagt Finn nur, „Übrigens siehst du mit dem Geweih auch süß aus. Oh, warte, ich hab das Beste vergessen!“
Er greift zuerst an Joels, dann an seinen Haarreif. „Die blinken!“
Einen Moment lang strahlen sie sich an. Und Joel kann nicht anders, als seinen Freund zu küssen.
Es ist so süß, wie er sich freut.
