Chapter Text
Basti:
Es klingelte. *Endlich*, dachte Basti. Er legte sein Buch zur Seite und eilte zur Wohnungstür. Ein kurzer Blick durch den Türspion bestätigte es: Kevin war da. Schnell öffnete Basti und sah Kevins Augen aufleuchten. Der Blonde lachte laut los.
„Wieso hüpfst du?“
„Hä, ich freu mich halt, lass mich doch.“
„Bist du elf?“
„Du Opfer … egal, komm rein.“
Kevin:
Nachdem Kevin seine Sachen im Gästezimmer verstaut hatte, nahm er eine Dusche und kam voller Überraschung zurück ins Wohnzimmer.
„Du kochst für uns? Ich dachte, wir bestellen was?“, sagte er verwundert.
„Man muss seine Gäste verwöhnen“, meinte Basti. Er sprach mit solch einer Selbstverständlichkeit. Kevin fand es süß, wie er sich um ihn kümmerte. Das Gästezimmer war blitzblank und schön hergerichtet, im Badezimmer hatte es eine neue Zahnbürste und andere Dinge für ihn bereit, und jetzt wurde er auch noch bekocht. Er schätzte diese kleinen Taten sehr, denn er wusste, dass – obwohl Basti es nicht zugeben wollte und noch seltener sagte – Kevin eine der wichtigsten Personen in seinem Leben war.
Mit seiner Freundin war er schon lange nicht mehr zusammen. Auch Bastis Beziehung hatte vor einigen Monaten geendet. Es wusste nur niemand, weil beide keine Lust auf all die Fragen im Chat hatten. Und auch sonst hatte Basti nicht viel Kontakt mit Leuten außerhalb von Twitch und YouTube. Er bevorzugte es, sein Leben im kleinen Kreis zu halten, wie er selbst sagte.
Die beiden hatten sich in den vergangenen Jahren nur wenige Male gesehen. Nicht nur die Distanz machte es schwer, denn beide hatten immer etwas zu tun. Sie liebten ihre Arbeit, aber sie raubte auch viel Zeit. Nur selten hatten sie ein Wochenende für sich allein.
Umso mehr freute sich Kevin, dass es endlich wieder einmal geklappt hatte, dass er bei Basti zu Besuch war.
Sein schwarzhaariger Freund war immer noch ins Kochen vertieft. Kevin ging zum Kühlschrank, nahm das Wasser heraus und füllte zwei Gläser. Ohne etwas zu sagen, streckte er ihm das Glas entgegen, welches der Größere dankend annahm.
In Momenten wie diesen fiel ihm auf, wie beruhigend Bastis Anwesenheit für ihn war. Seit Monaten hatte er das erste Mal wieder das Gefühl, richtig atmen zu können. Jeder schlechte Gedanke, Zweifel oder Arbeitsstress floss ihm aus dem Kopf, und sein Körper entspannte sich. Ganz automatisch folgte er Basti durch die Küche, bei allem, was er tat. Als dieser schon eine längere Zeit am Herd stand, schlang er seine Arme um seinen Bauch und legte den Kopf auf seinem Rücken ab. Er schloss die Augen und konzentrierte sich nur auf das sanfte Auf- und Abgehen seines Oberkörpers. Die angenehme Körperwärme und das leichte Parfüm versetzten Kevin in so eine komische Stimmung, dass er aufschrak und seinen Griff schnell löste. Schon öfter waren die zwei so nahe beieinander gewesen, hielten sich im Arm oder kuschelten. Das war normal für beste Freunde.
Doch als Kevin bei ihm auf der Schulter lag, schossen ihm auf einmal Gedanken durch den Kopf, die er nur schwer ignorieren konnte.
Die Vorstellung, so über einen Freund nachzudenken, gab ihm einen solchen Schock, dass er zurückfuhr und sich an der Kante halten musste.
Basti hatte sich umgedreht und blickte Kevin besorgt an.
«Ist alles okay, Großer?», fragte er mit besorgter Stimme.
«Uh … nichts, ich hatte grad kurz so ein Stechen im Bauch, voll komisch», antwortete Kevin kaum vernehmbar.
Basti blickte ihn für einige Sekunden an und sagte dann mit Heiterkeit:
«Da hat wohl jemand ein großes Hüngerchen. Wie gut, dass die Pasta Carbonara à la Basti gleich fertig ist!»
Kevin war erleichtert, dass er nicht weiter nachfragte und stattdessen versuchte, die Stimmung aufzulockern. Er wusste immer, wie er reagieren sollte. Die beiden kannten sich lange genug, dass Basti genau wusste, wenn Kevin log. Doch statt herauszufinden, was Kevin wirklich dachte, nahm er einfach an, dass es schon einen sinnvollen Grund für die Lüge gab.
Kevin brachte Besteck, Teller und die zwei Gläser zum Tisch, und Basti kam mit den Pfannen hinterher.
Als sie sich hingesetzt hatten, warteten sie einfach in Stille. Kevin schaute Basti lange an und sagte dann:
«Es bedeutet mir echt viel, dass wir dieses Wochenende gemeinsam verbringen können. Diese Freundschaft ist mir unglaublich wichtig, das weißt du, oder?»
«Das kann ich nur zurückgeben, Kevin. – Doch nun, lass uns essen. Die Speckwürfel sind aus Räuchertofu, ich hoffe, es schmeckt dir», antwortete Basti.
Bald darauf war alles wieder beim Alten. Sie scherzten, lachten und genossen das gemeinsame Abendessen.
«Sag mal, Basti, was willst du eigentlich heute Abend machen? Du hast ja extra früh gestreamt, damit wir frei haben.»
«Sag du, ich will, dass du entscheidest.»
«Wir könnten eine Runde mit deinem neuen Auto machen. Ich habe es erst über Facetime gesehen.»
«Mhm», meinte Basti, der gerade die letzten Spaghetti im Mund hatte. Einen Moment später antwortete er: «Und wohin soll es gehen?»
«Keine Ahnung, du kennst dich hier besser aus als ich. Auf chillig bisschen rumfahren, I guess.»
«Klingt gut, aber nur, wenn ich entscheiden darf, wohin wir fahren.»
