Work Text:
Peter wusste, dass er ein Feigling war. Das war er schon immer gewesen. Wenn die drei Fragezeichen in ihren Fällen mit vermeintlichen Geistern oder anderen übernatürlichen Dingen zu tun hatten, war er der erste, der versuchte sich rauszureden, immer der erste der wegrennen wollte, wenn er in stillen Häusern oder dunklen Wäldern ein Geräusch hörte und immer der, über den sich seine Kollegen lustig machten.
Es war also nichts neues für ihn, und selbst die Sticheleien machten ihm eigentlich nichts mehr aus. Doch wenn seine Freunde ihn jetzt sehen könnten, dann hätte er sich wahrscheinlich doch geschämt.
Das Problem war ein üppiger Strauß Blumen, der in einem Wasserglas auf seinem Schreibtisch stand und ihn verspottete. Geschlagene zehn Minuten hatte er ihn jetzt schon angestarrt, hin und hergerissen, was er tun sollte.
Er sah auf seine Uhr. Eigentlich hätte er schon längst auf dem Weg sein sollen, und am besten auch mit den Blumen in der Hand.
Am Vormittag hatte er zufällig vor dem Blumenladen gestanden und dann war ihm plötzlich die Idee gekommen. Vor seinem inneren Auge sah er sich selbst, mit einem Strauß gelber Blumen in der Hand. Und er sah Bob. Noch während er vor dem Schaufenster stand hatte er sich die ganze Szene ausgemalt. Wie er die Blumen hinter seinem Rücken hervorzaubern würde und sie seinem Freund hinhielt. Bobs kurzer verwirrter Blick, dann ein Lächeln auf seinen Lippen. Er würde den Strauß entgegennehmen und ihn dann fest umarmen. Peter seufzte.
Natürlich war er in den Laden gegangen und hatte zusammen mit der sehr hilfsbereiten Verkäuferin einen Strauß ausgesucht.
'Für deine Freundin?' hatte sie gefragt, während sie die Blumen in Papier einwickelte.
'Hm?' hatte er gefragt. 'Achso, nein. Für einen Freund.'
'Oh.' Sie hatte ihm einen seltsamen Blick zugeworfen. 'Das ist ja schön', hatte sie noch schnell hinzugefügt. Peter hatte wohl sehr verunsichert ausgesehen. 'Blumen sind so ein schönes Geschenk. Männer finden sie nur meistens zu…' Sie zögerte. 'Romantisch.'
Peter war sich sicher, dass er rot angelaufen war. 'Naja, er hat Geburtstag', hatte er erklärend gemurmelt. Die Verkäuferin hatte nur noch verständnisvoll genickt.
Aber jetzt stand der verdammte Strauß da und Peter hatte angefangen, alles zu hinterfragen. Dieser unschuldige Kommentar hatte ihn vollkommen aus der Bahn geworfen.
Nicht, dass er es als romantische Geste gedacht hatte. Eigentlich wollte er Bob ja nur eine Freude machen und Geburtstag hatte man schließlich nicht jeden Tag. Allerdings musste er zugeben, dass er sich auch über so ein Geschenk… wundern würde, wären die Rollen vertauscht. Er fluchte leise.
Strauß, oder kein Strauß?
Entschieden sprang er auf und verließ mit großen Schritten sein Zimmer. Doch mit der Klinke der Haustür in der Hand erstarrte er. "Es sind doch nur verdammte Blumen, Peter", schimpfte er leise vor sich hin. "Keine—" Er unterbrach seinen Gedankengang, als ihm die Hitze wieder ins Gesicht stieg.
Dann drehte er sich um und lief die Treppe wieder hinauf, immer zwei Stufen auf einmal. Entschlossen trat er durch seine Tür und auf den Tisch zu. Zurück zum Anfang. Er konnte die Sekunden beinahe verstreichen hören, während er sich zu überzeugen versuchte, einfach nur die Hand auszustrecken und den Strauß aus dem Glas zu nehmen. Es war so einfach. In der Theorie.
Justus und Peter hatten die Feier für Bob auf dem Schrottplatz geplant. Zwischen alten Autoreifen, rostigen Öfen und allerlei anderem Kram, war gerade genug Platz für eine gemütliche kleine Party gewesen. Die Sonne hatte sich bereits verabschiedet, doch die drei Detektive und ein paar ihrer Freunde saßen noch immer draußen und genossen den warmen Abend.
Peter hatte sich zurück gelehnt und seine Blicke folgten jetzt bereits seit einigen Minuten den Wolken, die über den tiefblauen Abendhimmel zogen. Es war ein schöner Abend und Bobs Geburtstagsüberraschung war ein totaler Erfolg gewesen. Und doch nagte etwas an ihm. Er konnte den Gedanken einfach nicht abschütteln, dass er sich mit der ganzen Blumenaktion in etwas hineingeritten hatte. Der Strauß stand in diesem Augenblick in seinem Zimmer und verpasste seinen Moment. Wie… lächerlich.
Störte ihn das wirklich so sehr? Was andere Leute dachten? Was sie in seine Freundschaft hineininterpretierten? Er kaute abwesend auf seiner Unterlippe herum und warf einen verstohlenen Blick zu Bob hinüber. Der sah im Licht des letzten Teelichts auf dem Tisch aus, als würde er seinen Geburtstag in vollen Zügen genießen.
Nein, das war es nicht. Peter machte sich keine Sorgen darüber, was andere Leute dachten. Oder zumindest nicht direkt. Was Bob dachte war ihm wichtig. Und der hätte sicherlich verstanden, dass sein bester Freund ihm nur eine besondere Freude hatte machen wollen und keine anderen Gedanken dabei gehabt hatte, oder? Bestimmt, wäre es nicht als eine plötzliche Liebeserklärung von Peter herüber gekommen, selbst wenn—
"Und über was zerbrichst du dir den Kopf?" unterbrach Justus Peters wildes Gedankenkarussell. Dieser zuckte zusammen, als hätte der Erste ihn bei etwas Verbotenem ertappt.
"Ähhhhh", sagte er langezogen. "Nichts besonderes?" Er bereute direkt, wie er es gesagt hatte. Er klang selbst nicht überzeugt. "Ich hab nur ein bisschen entspannt." Er versuchte es mit einem müden Grinsen als Ausgleich.
Justus grinste, aber so wie er eine Augenbraue ein kleines Stück hob, nahm er ihm das nicht ab. "Du bist nur selten so still, deswegen…" Er musterte ihn forschend.
Peter verdrehte die Augen. Diesen Blick hatte er jetzt oft genug erlebt. Seit er und Kelly sich getrennt hatten, hatten ihn sowohl Justus als auch Bob so oft damit bedacht, bis er zu genervt war, um noch Liebeskummer zu haben.
'Ich versteh wirklich nicht, warum ihr mich behandelt, als würde ich jeden Moment zusammenbrechen. Mir geht's gut', hatte er sich irgendwann beschwert, woraufhin Justus und Bob ihn zweifelnd angeblickt hatten.
'Ich glaube keiner von uns hat dich je so heulen sehen', hatte Bob gemeint. 'An unserer Stelle würdest du bestimmt verstehen, warum wir uns Sorgen um dich machen.' Aber Peter zuliebe hatten sie das Sorgen heruntergefahren. Aber hin und wieder bekam er diesen Blick dann doch noch zu sehen. So wie jetzt.
"Ich glaub, ich werde langsam müde", murmelte er und gähnte wie zum Beweis herzhaft.
Justus schien sich nicht so einfach abschütteln zu lassen. "Du würdest doch was sagen, wenn es dir nicht gut geht, oder?"
Manchmal machte es Peter Angst, wie gut seine Freunde ihn kannten. Da hatte er eine kleine geheime Krise über so etwas lächerliches wie Blumen und Justus bemerkte sofort, dass etwas anders war.
"Ja, klar", sagte er und lächelte zuversichtlich. "Keine Sorge, du wüsstest es als erster." Gezwungenermaßen. "Aber mir geht's gut."
Und für den Rest des Abends schaffte er es sogar, sich das selbst einzureden. Auch als alle anderen bereits gegangen waren und nur noch die drei Fragezeichen unter den Sternen saßen, ließen ihn seine Selbstzweifel noch in Ruhe.
"Ihr seid die besten", sagte Bob leise. Man konnte das breite Lächeln in seiner Stimme hören. "Danke für den tollen Geburtstag." Er schien plötzlich von Freude überrollt zu werden, denn im nächsten Moment war er aufgesprungen und fiel Justus um den Hals.
Dieser schob ihn sanft aber bestimmt von sich. "Das war doch gar keine Frage, Bob", sagte er bescheiden.
Bob ließ sich nur schwer abweisen. "Trotzdem. Es ist lieb von euch." Dann drehte er sich zu Peter um. Das letzte Licht fiel jetzt nur noch aus der Zentrale nach draußen und selbst das reichte nicht mehr aus, um die Details in seinem Gesicht auszumachen, doch Peter wusste genau, wie sein Grinsen aussah. Sein Freund zog ihn an sich und klopfte ihm ein paar mal auf den Rücken. "Bin ich froh, meinen Geburtstag mit euch verbringen zu können." Sofort war der Stein in Peters Magen wieder da. Ganz die Umarmung, die er sich vorgestellt hatte.
"Hatten wir doch irgendwo Alkohol?" flüsterte Justus scherzhaft in Peters Richtung.
Bob ließ Peter los. "Entschuldigt, dass ich euch wertschätze", sagte er ein bisschen trotzig. "Ich dachte, wir wären hier alle selbstsicher genug, um mit Emotionen umgehen zu können."
Justus kicherte im Dunkeln vor sich hin. "Ein Witz, Kollege. Wir haben dich doch auch lieb."
Bob brummte, dann gähnte er zufrieden. "Es wird Zeit… fürs Bett."
Dagegen hatte Peter nichts einzuwenden. Oder zumindest nichts dagegen, sich nach Hause zu verziehen und zu ergründen, warum ihm so unwohl war. Am besten, bevor Bob ihn gleich nochmal umarmte, was gar nicht so unwahrscheinlich war, jetzt, da er so glücklich und gefühlsduselig war.
Als Peter sich schließlich endlich in seinem Zimmer aufs Bett fallen ließ, war es bereits weit nach Mitternacht. Sein Körper schrie nach Schlaf, doch sein Gehirn wollte nicht kooperieren.
Rastlos wälzte er sich hin und her, bis er ihn sein schlechtes Gewissen übermannte und er sich müde aufsetzte. Auf dem Tisch standen die Blumen in ihrem Glas, beschienen von einem kühlen Strahl Mondlicht. Grummelnd schloss er die Augen. Wenn er doch aufhören könnte, seine Stimmung von ein paar Pflanzen kontrollieren zu lassen.
Doch das war eben das Seltsame. Bobs Geburtstag war vorbei, Peter hatte sich damit abgefunden, dass seine Idee mit dem Strauß eine dumme gewesen war, und doch ließ in die ganze Sache nicht los. Zwei Tage lang stand das Glas auf seinem Tisch, dann wanderte es auf einen Schrank.
Obwohl sich Peter jedes mal schämte, wenn er ihn erblickte, brachte er es nicht übers Herz, den Strauß zu entsorgen. Stattdessen blieb er in seinem Zimmer, ein Mahnmal seiner Feigheit.
'Nur Blumen', musste er sich immer und immer wieder erinnern.
'Wirklich?' antwortete eine gemeine Stimme in seinem Kopf. 'Wenn es wirklich nur Blumen ohne Hintergedanken wären, hättest du sie Bob zu seinem Geburtstag gegeben.'
Er ignorierte die Stimme, oder versuchte es zumindest. Wenn er wirklich Hintergedanken bei der ganzen Sache gehabt hätte, oder gar in Bob verliebt war, dann würde er das doch wissen.
Es dauerte ein bisschen mehr als eine Woche, bis die Blumen größtenteils vertrocknet waren. Das leuchtende gelb der Blüten verwandelte sich in ein kränkliches braun und jetzt wurde Peter beinahe jedes Mal schlecht, wenn er sie ansah.
Den Höhepunkte erreichte es jedoch, als er eines nachts aus dem Schlaf hochfuhr, geweckt von einem Flüstern. Erstarrt saß er in seinem Bett und starrte ins dunkle Zimmer. Und lauschte.
Erst glaubte er, das Geräusch doch nur geträumt zu haben, irgendeiner dieser Träume, die sich viel zu real anfühlten. Doch gerade als sich seine Schultern ein wenig entspannten, hörte er es wieder. Leise, wie das Flüstern gespenstischer Stimmen. Oder vielmehr… das Rascheln.
Sein Blick fiel auf seinen Schrank, dorthin, wo ein paar tote Blumen in einem leeren Glas standen. Die vertrockneten Blätter raschelten leise im leichten Luftzug, der vom offenen Fenster her kam.
'Ich muss diese verdammten Dinger dringend loswerden', dachte Peter verärgert. 'Bevor ich vollständig durchdrehe.'
'Das wäre alles kein Problem', gab die gehässige Stimme seines Gewissens zurück, 'wenn du Bob die Blumen einfach an seinem Geburtstag gegeben hättest. Wie ein guter Freund. Wie jemand, der keine Angst haben muss.'
"Wir können so was echt nicht mehr machen", beschwerte Bob sich im Flüsterton. "Ich glaube, wir sind aus dem Alter raus, in dem das keine rechtlichen Konsequenzen hat." Er streckte sich ein Stück, um über eine der Holzkisten zu spähen, hinter denen sie sich versteckten.
"Pscht", machte Peter und zog ihn herunter. Bob warf ihm einen bösen Blick zu. "Ich stimm dir ja vollständig zu", gab der Zweite, ebenfalls flüsternd, zu. "Aber wir sind jetzt schon hier, also sollten wir uns darauf konzentrieren, nicht erwischt zu werden."
"Ja, ja", murmelte Bob und warf einen weiteren Blick über die Kisten.
Die beiden kauerten versteckt in einer Lagerhalle, die größtenteils mit deckenhohen Regalen gefüllt war, und beobachteten eine Mann mit beachtlichem Schnauzbart, ein gewisser Jacques, wenn Justus richtig lag, dabei, wie er ein paar schwere Eimer und kleinere Boxen in seinen Wagen verlud.
"Wo zur Hölle ist Justus?" fragte Bob. Peter wusste es auch nicht. Falls Justus mit seinem Ablenkungsmanöver noch irgendwas erreichen wollte, dann sollte er bald etwas unternehmen, denn so würden seine Freunde nie einen Blick in das Innere des Wagens erhaschen können. Peters Finger trommelten nervös gegen sein Bein. So oder so waren sie in Schwierigkeiten, denn eigentlich war der Zugang zu dieser Halle verboten.
Der Mann knallte die eine Hälfte der hinteren Tür zu, dann schien ihm etwas einzufallen. Sie waren zu weit weg, um zu hören, was er murmelte, doch von ihrem Versteck aus konnten sie beobachten, wie er die Halle durch irgendeine Tür verließ. Peter hörte aufmerksam hin, doch nach ein paar Sekunden, waren die Schritte verklungen.
Bob, der das Gleiche bemerkt zu haben schien, sagte sofort leise: "Das ist die Chance." Und ehe Peter ihn aufhalten konnte, schlich er gebückt zu dem Auto. Er hatte keine andere Wahl als ihm zu folgen. Immer wieder schaute er zurück, doch es blieb vorerst ruhig. Bob streckte seine Kopf in das Auto. "Hä?" erklang seine Stimme gedämpft aus dem Inneren.
"Was ist?" flüsterte Peter angespannt und sah sich wieder um. Als er sich zurück zu Bob drehte, war dieser verschwunden. "Bob?" fragte er erschrocken. Doch zu seinem Schreck erklangen da auch schon wieder Schritte. "Bob, wo bist du?"
Panisch sah er sich nach seinem Freund um, und dann nach einem Versteck, in das er schlüpfen konnte, bevor er erwischt wurde. Stattdessen wurde er am Kragen gepackt und in das Auto gezerrt. Er wollte gerade protestieren, als Bob ihm eine Hand auf den Mund drückte und warnend den Kopf schüttelte.
Jacques hatte den Wagen wieder erreicht und pfiff unbeschwert vor sich hin, während er sich der hinteren Tür nährte. Peter erstarrte. Falls er auch nur einen Blick in das Innere des Autos warf, würde er zwei Detektive erblicken, die dort absolut nichts zu suchen hatten.
Mit zusammengekniffenen Augen erwartete er, dass wieder jemand nach ihm griff und ihn nach draußen schleifte, doch zu seiner Überraschung wurde lediglich die Tür zugeknallt, was das ganze Auto erschütterte. Bob und Peter saßen ihm Dunkeln. Das Auto ächzte, als sich der Mann auf den Vordersitz schob, dann wurde der Motor angelassen.
"Oh… mein Gott", brachte Peter atemlos heraus. "Wir stecken fest." Bob schob ihn ein Stück zurück und richtet so gut es ging auf. Die Decke war zu niedrig um aufrecht zu stehen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis sie sich schaukelnd in Bewegung setzten.
Unsicher, was sie jetzt tun sollten, blieb Peter auf dem Boden sitzen, dann schließlich durchschnitt ein grelles Licht die Dunkelheit. Beinahe hätte er aufgeschrien, doch es war nur Bobs Taschenlampe. Als seine Augen sich an das plötzliche Licht gewöhnt hatten, konnte er Bobs verschmitztes Grinsen erkennen.
"Du findest das lustig?" wisperte er fassungslos. Die Fahrerkabine war vom Laderaum getrennt, aber er wusste nicht, wie gut man sie trotzdem hören könnte.
"Irgendwie schon", gab Bob schulterzuckend zu. "War natürlich klar, dass so was uns passiert und nicht Just, aber wenigstens werde ich nicht wieder allein entführt. Sag mal weißt du, was das hier alles ist?"
Jetzt erst sah Peter sich im Auto um. An die Seiten waren Metallregale montiert, die verblüffende Ähnlichkeit mit ihren Schulspinden hatten, und weiter vorn im Wagen waren die Eimer und Kästen, die sie bereits im Lagerhaus gesehen hatten, gefährlich hoch aufgetürmt.
Angestrengt spähte Peter durch die Metallstäbe, die dafür sorgten, das nichts aus den Regalen fiel. Dann atmete er erleichtert auf. "Pflanzentransport." Er ließ seinen Blick über die mit Erde gefüllten Töpfe gleiten, die dort Seite an Seite standen. "Vielleicht für einen Florist oder so. Aber keine Drogen oder anderes Schmuggelgut, wie Justus meinte."
"Hm", machte Bob und klang beinahe enttäuscht. Noch vor ein paar Minuten war er sauer gewesen, aber jetzt schien ihn Justus' Abenteuerlust doch angesteckt zu haben. "Vielleicht in den Eimern", meinte er und zeigte auf einen der grünen Eimer.
Peter griff sich den obersten und nahm den Deckel ab. "Dünger", stellte er fest. "Ganz normaler Gartendünger. Auch keine Drogen."
Bob seufzte, dann sah er sich weiter um. "Aber wahrscheinlich trotzdem ganz schön teuer das alles. Schau mal, allein die ganzen Rosen." Er zeigte in das andere Regal, dass bis zum Rand mit Bündeln von bunten Schnittblumen in Eimern gefüllt war.
Peters Blick fiel auf einen, der beinahe mit gelben Rosen überquoll und musste unwillkürlich an seinen Strauß zuhause denken. Unauffällig sah er Bob von der Seite an, der mit seiner Lampe das ganze Regal ableuchtete und die unterschiedlichen Blumen inspizierte. Ein Seufzen entwich Peter.
Bob wandte sich besorgt zu ihm um, doch bevor er etwas sagen konnte, nahm das Auto eine besonders scharfe Kurve. Ein paar der Kisten rutschten knirschend über den Boden des Autos, irgendetwas fiel scheppernd um und Peter konnte sich nicht mehr rechtzeitig festhalten. Er stolperte ungebremst und stieß unsanft gegen die Seitenwand, dann traf ihn einer der Eimer wie ein Wurfgeschoss an der Schulter. Außerdem fiel Bob die Taschenlampe aus der Hand und schlitterte über den Boden. Sie blieb irgendwo beim Dünger liegen und sie saßen wieder in beinah vollständiger Dunkelheit.
Peter rieb sich den Hinterkopf und fluchte leise. "Hast du dir wehgetan, Zweiter?" fragte Bob, der anscheinend nicht umgeworfen worden war. Peter machte ein unsicheres Geräusch und untersuchte seine Hand nach Blut. Dann erschien Bob im dämmrigen Licht vor ihm. "Alles gut?" fragte er besorgt.
Peter nickte. Doch irgendwie blieb ihm plötzlich die Luft weg und er brauchte einen Moment um seine Sprache wiederzufinden. Er wollte gerade etwas sagen, als das Auto ruckartig in die andere Richtung abbog und sie wieder herumgeschleudert wurden. Diesmal konnte Peter noch mit einer Hand nach dem Regal greifen, doch Bob riss ihn trotzdem mit sich zu Boden.
"Uff", machte Bob, als er gegen die Wand geworfen wurde. Die Lampe erzeugte jetzt besonders grausige Schatten an den Wänden, doch als Peter besorgt zu Bob blickte, schien der sich schon wieder ein Lachen zu verkneifen.
Und dann traf ihn die Realisation, härter als jeder Dünger-Eimer: Hätte er Bob Blumen an seinem Geburtstag gegeben und dieser hätte es für eine romantische Geste gehalten, hätte er sich nicht beschwert. Wahrscheinlich wäre er sogar erleichtert gewesen. Hintergedanken. Verdammt, die böse Stimme hatte Recht gehabt. Bob war sein bester Freund, aber Peter konnte nicht bestreiten, dass sein Herz schneller schlug und es in seinem Bauch kribbelte, wenn er Bob so ansah.
Bobs Hand hatte sich im Fallen um seinen Arm gekrallt und ihm wurde urplötzlich heiß. Das Rumpeln des Motors und der Verkehrslärm schienen zu verstummen. Wie eingefroren starrte er Bob an, der immer noch grinste, während er versuchte sich wieder aufzurichten.
"Dein Kopf?" fragte er leise. Peter konnte nichts erwidern, nur schlucken. Langsam verschwand die Freude aus Bobs Gesicht. "Peter?" fragte er verunsichert.
Peter versuchte sich wirklich zusammenzureißen, doch sein Blick wanderte unwillkürlich über Bobs Gesicht und blieb an seinen Lippen hängen. 'Scheiße', dachte er, 'ich bin doch wirklich verliebt.'
Dann wurde es plötzlich taghell um die beiden und er kniff schmerzerfüllt die Augen zusammen.
Erschrocken drehte er sich zu der geöffnete Tür um. "Deswegen war das so laut", brummte Jacques, der in der Tür stand und sich verwundert den Bart rieb.
Entgegen Bobs Befürchtung schafften sie doch noch einmal ohne ernsthafte Folgen aus der wirklich sehr verdächtigen Situation zu entkommen.
Justus war zu ihrer Rettung aufgetaucht und seine Erklärung von wegen 'Mutprobe' und sie wären 'zu weit gegangen' schien gezogen zu haben. Er schien zwar frustriert, doch Bobs unerklärlich gute Laune, denn er konnte immer noch nicht aufhören zu kichern, und die Tatsache, dass sie doch noch einmal glimpflich davon gekommen waren, schien ihn schließlich zu beruhigen.
Nur Peter war noch immer erschüttert. "Du siehst, als würdest du unter Schock stehen, Mann", sagte Justus. "Sicher, dass du dir nichts getan hast?"
Peter schüttelte den Kopf. "Äh, also, ja. Alles gut, mir geht's gut", sagte er schnell. "Ich glaub ich sollte nach hause gehen ich bin… erschöpft." Eine glatte Lüge, er fühlte sich, als stünde er unter Strom. Aber er brauchte dringend Zeit um sich über die Tatsache, dass er scheinbar in seinen besten Freund verliebt war, den Kopf zu zerbrechen. Und dafür musste er weg von besagtem besten Freund und dem anderen besten Freund, Justus 'Lügendetektor' Jonas, gleich mit.
"Ist gut, wir nehmen morgen den Faden wieder auf. Irgendwie ist mir dieser Typ trotzdem nicht ganz geheuer." Er schien schon wieder ganz in Grübeleien zu verfallen.
"Okay, cool", sagte Peter matt. "Guter Plan. Tschüss, also." Er drehte sich um, um die Zentrale zu verlassen.
"Peter, warte", sagte Bob da und lief hinter ihm her. "Ich komm mit."
"Äh", machte Peter überrumpelt. Kein guter Plan.
"Mein Rucksack ist noch bei dir", sagte Bob und sah ihn abwartend an.
"Achso, ja", sagte Peter. Bob hatte nach der Schule nicht den Umweg über sein Haus machen wollen und seine Hausaufgaben auf Peters Zimmerboden erledigt.
Der Weg schien Peter länger als sonst. Beinahe so, als würden sie sich mit jedem Schritt weiter von zuhause entfernen. Die rote Alarmleuchte in seinem Hirn blinkte noch immer. Wie sollte er jetzt mit Bob umgehen? Er konnte ja schlecht einfach sagen: 'Hey, nur zur Info: ich glaub, ich bin in dich verliebt, aber du bist mein bester Freund, deswegen bin ich nicht sicher, was ich jetzt machen soll. Achso und: Ich hätte dich vorhin fast geküsst.' Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken.
Bob lief fröhlich neben ihm her und schien sich nicht von seiner schlechten Stimmung anstecken zu lassen. Unbeirrt redete er vor sich hin, wiederholte immer und immer wieder, dass Justus ja gerade noch im richtigen Moment aufgetaucht war. "Ich hätte nämlich keine Ahnung gehabt, was ich da jetzt sagen soll. Irgendwie werden wir immer noch in letzter Minute gerettet." Jetzt wünschte Peter sich wirklich, er hätte die Blumen damals mitgenommen. Romantisch oder nicht, Bob hatte sie allein schon für seinen Optimismus verdient.
Als sie die Haustür erreichten, färbte der Himmel sich gerade orange. "Ich wünschte es wäre nicht schon so spät, sonst könnten wir noch nen Film schauen oder so", sagte Bob hinter Peter auf der Treppe. Der lachte auf und war froh, dass sein Freund die Panik in seinem Gesicht nicht sehen konnte.
Drinnen setzte er sich kraftlos auf die Bettkante, während Bob die verstreuten Bücher und Zettel in seinen Rucksack packte. Während er den Reißverschluss zuzog, hielt er inne. "Wer schenkt dir Blumen?" fragte er und deutete auf den Schrank. "Waren die vorhin auch schon da?"
Peter folgte mit dem Blick seinem ausgestreckten Finger, als wüsste er nicht genau, welche Blumen Bob meinte. "Ja", sagte er, zu müde um zu lügen. "Die waren schon da. Aber die hat mir niemand geschenkt, ich hab sie selbst gekauft."
"Oh." Bob richtete sich auf. "Irgendein… Anlass?" fragte er neugierig. Peter ließ sich mit einem Seufzen rückwärts auf die Matratze fallen. Wie konnte er das erklären, ohne die ganze Situation ringsherum erklären zu müssen?
Bob schwieg einen Moment, dann sagte er: "Okay, ich lass dich erst mal in Ruhe, aber du musst es mir wann anders mal erzählen, ja?" Peter brummte zustimmend. "Super. Bis morgen dann." Bob klopfte ihm im gehen aufs Knie.
"Warte", hörte Peter sich sagen, bevor er wirklich darüber nachdenken konnte. Bob blieb in der Tür stehen und sah ihn erwartungsvoll an. Zögernd setzte Peter sich wieder auf. "Findest du—" Er zögerte. "Findest du, Blumen sind ein gutes Geschenk?"
Bobs Augen blitzten interessiert und Peter bereute direkt, gefragt zu haben. Sein Freund malte sich bestimmt gerade sonst was aus. "Kommt drauf an, für wen", sagte er und lehnte sich gegen den Türrahmen. Peter wusste, unter Bobs Blick war er ein offenes Buch und wenn er ihn weiter so forschend ansah, würde er ihm wahrscheinlich die ganze Wahrheit erzählen, ob er wollte oder nicht. Er war immerhin sein bester Freund. Nur schade, dass es eben um ihn ging. "Willst du irgendwie Kelly zurückgewinnen, oder so?" fragte Bob unvermittelt.
Peter schluckte. Er wandte den Blick ab und rutschte langsam rückwärts bis ans Kopfende seines Bettes. "Vielleicht", sagte er leise. Etwas besseres fiel ihm nicht ein. Eigentlich wollte er einfach nur allein sein um irgendeinen Weg aus diesem ganzen Durcheinander zu finden, aber gleichzeitig wollte er auch, dass Bob versuchte, ihm zu helfen. Auch wenn er das offensichtlich nicht konnte.
Bob seufzte tief und trat wieder ins Zimmer. Er schloss die Tür und legte den Rucksack wieder ab. "Bist du deswegen so…" Er machte eine vage Handbewegung in Peters Richtung. "Abwesend?"
Peter schwieg. Er hatte keine Ahnung, was er sich von seiner Frage erhofft hatte, aber er wollte definitiv nicht über Kelly reden. Bob seufzte noch einmal und setzte sich neben Peter aufs Bett, den Rücken gegen das Kopfteil gelehnt.
"Also ich glaube Blumen sind grundsätzlich ein besseres Geschenk, wenn sie noch nicht vertrocknet sind", sagte er scherzhaft und stieß Peter mit seinem Ellbogen an. "Aber der Grundgedanke ist schon mal sehr romantisch."
Peters Kopf schnellte hoch und er sah seinen Freund erschrocken an. "Der Kontext, oder Blumen generell?" fragte er.
Bob schien verwirrt. "Kontext?" Peter biss sich auf die Zunge. Er grub sich sein Loch mit jedem Wort tiefer. "Ähm, also, ich glaub um jemanden zurückzugewinnen sind Rosen wahrscheinlich die bessere Wahl", sagte Bob zögernd. "Und auch eher rot."
Peter starrte ihn immer noch wie gebannt an. Dunkel erinnerte er sich an einen Vorsatz. Weg von Bob und Justus, zu überlegen, klare Gedanken zu fassen, das alles zu sortieren. Aber das schien gerade viel zu schwer, wenn Bob ihn so lieb von der Seite anlächelte.
"Warum sagst du denn nichts?" fragte er. Peter fühlte sich sofort ertappt. Konnte Bob jetzt auch noch Gedanken lesen? "Über Kelly?" Oh, ja.
Widerstrebend riss Peter seinen Blick los und zuckte mit den Schultern. "Ist sowieso egal. Die Blumen sind tot."
Bobs Blick war wirklich furchtbar durchdringend. Peter sah sich schon aufspringen und rufen: 'Okay, sie waren nicht für Kelly. Es ist viel schlimmer.' Stattdessen verschränkte er die Arme vor der Brust und versuchte normal zu atmen.
"Und dein Plan steht und fällt mit einem Strauß? Sehr überzeugend." Bob lachte leise auf. Peter drehte den Kopf zurück in seine Richtung und lehnte sich gegen die Wand. Ein paar Sekunden sah ihn Bob nur an, dann fragte er leise: "Was ist wirklich los, hm?"
Peter ließ seine Arme wieder sinken. Dann, beinahe von selbst, rutschte er ein Stück an der Wand zur Seite, bis sich ihre Schultern berührten. Die Zeit schien still zu stehen. Mit klopfendem Herzen schloss Peter die Augen und küsste Bob. Als dieser ihn nicht sofort wegschlug, hob er vorsichtig eine Hand und legte sie an Bobs Wange. Ein Kribbeln breitete sich in seiner Brust aus. Sein Herz stolperte über jeden Schlag, bis er langsam seinen Kopf zurückzog und die Hand senkte.
Bob atmete heftig durch die Nase aus und Panik ergriff ihn. Was war aus Denken geworden, aus Plänen und— "Ich weiß nicht, ob dir das Kelly unbedingt wiederbringt", sagte Bob.
"Das hat doch nichts mit Kelly zu tun", brachte Peter erstickt raus. Als er sich traute ihn wieder anzusehen, sah er, dass das wahrscheinlich ein Witz gewesen war, doch jetzt sah auch Bob eher verunsichert aus. Unwillkürlich drehte Peter sich von ihm weg und vergrub das Gesicht in den Händen.
"Ich, äh—", sagte Bob jetzt und seine Stimme schien zu zittern. "Ich bin nicht sicher, ob ich für dich die richtige Person bin um zu… experimentieren."
Langsam hob Peter den Blick und beobachtete Bob dabei, wie er langsam vom Bett aufstand und sich nicht-existenten Staub von der Hose klopfte. Ein wenig steif stand er schließlich da und kratzte sich am Nacken. "S-sorry", sagte er leise.
"Ja, ich—" Peters Stimme klang tonlos und zu weit weg. Er rang mit seinem Verstand um irgendetwas, etwas, das er sagen konnte, um sein unüberlegtes Handeln rückgängig zu machen. Er nahm einen tiefen Atemzug. "Die Blumen waren für dich", sagte er überraschend fest. Zögernd sah er zu Bob, der schon wieder neben seinem Rucksack an der Tür stand. "Zum Geburtstag."
Bob schien zu überlegen, was er darauf antworten sollte. "Das ist lieb von dir", sagte er schließlich, sein Gesichtsausdruck immer noch reichlich verunsichert. "Aber… mein Geburtstag ist schon ein bisschen her, nicht?"
Peter nickte. "Ich— ich weiß, ich hab—" Er brach ab. Er war sich ja selber nicht einmal sicher, was los gewesen war. Oder was jetzt los war. Kurz kam ihm der schreckliche Gedanke, dass er Bob vielleicht wirklich gar nicht so mochte sondern sich selbst nur da hinein geredet hatte.
Aber einen Blick auf seinen besten Freund beseitigte diese Angst. Nein, das war nicht einfach so spontan, er hatte die Gefühle nur vorher nicht richtig zuordnen können. Der Kuss war…
"Es ist kein Experimentieren", sagte er schwach. "Nichts mit Kelly." Er versuchte sich aufrechter hinzusetzen. "Ich hab dir zum Geburtstag Blumen gekauft und die Frau im— im Laden meinte, dass sei romantisch und dann hab ich Angst bekommen." Bob starrte ihn stumm an. "Weil ich— ich weiß nicht, sie hatte recht? Also , denk ich jetzt auf jeden Fall, aber ich hab es anscheinend selber nicht verstanden."
Bob stellte seine Rucksack wieder ab. "Was verstanden?" fragte er und machte einen Schritt aufs Bett zu.
"Dass ich verliebt bin." Ein paar Sekunden starrten sie sich an ohne sich zu bewegen, wie um die Zeit zu stoppen, das Gesagte wirken zu lassen. "Deswegen hab ich dich geküsst, nicht wegen", er schluckte schwer, "irgendwas anderem."
Bobs Schultern entspannten sich langsam, doch sein Gesicht war immer noch skeptisch. "Du meinst das ernst?" fragte er und es klang so fassungslos, dass Peter direkt wieder Angst bekam. Zögernd nickte er.
Bob schien aufzuatmen. Vielleicht irrte Peter sich, aber er schien sogar ein wenig zu lächeln. "Okay", sagte Bob langsam. "Ich dachte nämlich schon, ich hätte mir das heute in dem Auto eingebildet."
"Das— als—", stammelte Peter.
"Du hast mir schamlos auf den Mund geschaut, als würdest du gleich über mich herfallen, ja", sagte Bob und klang fast ein wenig verärgert. Er trat zurück an die Seite vom Bett und ließ sich vor Peter auf die Matratze fallen. "Ich hatte Angst, ich hätte irgendwie… endgültig den Verstand verloren."
"Ja, das— ich—" Peter brachte immer noch keine ganzen Sätze heraus. Er stütze sich mit den Händen auf dem Bett ab damit Bob nicht sah, wie sehr er zitterte.
Bob lachte leise. "Bist du wirklich ganz sicher, dass dein Kopf okay ist?" fragte er und legte den Kopf schief.
"Ja!" sagte Peter, wenigstens da war er sich sicher. "Das hat nichts damit zu tun."
"Gut", sagte Bob und lächelte warm. "Ich fänds nämlich echt schade, wenn das nur… ein Hirngespinst wäre oder so."
Langsam schüttelte Peter den Kopf. "Nichts in der Art", sagte er ein wenig atemlos. Dieses Lächeln…
"Also…", sagte Bob zögernd. "Darf ich dich nochmal küssen?"
Peter nickte so heftig, dass ihm beinahe schwindlig wurde. Immer noch mit dem breiten Lächeln rückte Bob näher. Dann streckte die Hand aus und zog Peter an seinem Shirt zu sich, bis sich ihre Lippen wieder berührten. Diesmal nahm Peter Bobs Gesicht in beide Hände und küsste ihn richtig, ohne die Unsicherheit vom ersten Mal.
Als Bob sich nach einer Weile ein Stück von ihm schob und tief Luft holte, war sein Gesicht gerötet. "Ich muss dir was sagen", flüsterte er vorsichtig.
Peter, dem bis eben noch wohlig warm gewesen war, hatte plötzlich wieder eine Gänsehaut. Und einen Kloß im Hals. "Ja?" fragte er, halb beängstigt, dass Bob es sich vielleicht doch anders überlegt hatte. Oder das das ganze für ihn nur ein Scherz war.
"Das mit dem verliebt sein…" Er blickte zu Boden. "Das beruht total auf Gegenseitigkeit."
Peter schnaubte. "Macht es dir Spaß, mir Angst zu machen?" fragte er und boxte Bob gegen die Schulter.
"Mh hm", sagte Bob leise und nickte. Und küsste ihn wieder.
Dann sprang er plötzlich auf. "Deine, äh, deine Mum ist bestimmt total begeistert, dass du hier am rumknutschen bist, hm?" Er fuhr sich durch die Haare. "Und auch noch mit geschlossener Tür?"
Peter verdrehte die Augen. "Sie wäre wahrscheinlich sehr sauer… wenn sie es wüsste." Er wollte nicht, dass Bob schon ging. Und seine Mutter war ihm gerade auch herzlich egal.
Doch Bob schien den Wink mit dem Zaunpfahl nicht gehört zu haben. "Ich glaub, ich geh lieber, ich bin—" Er sah auf die Uhr. "Ha, äh, viel zu spät auf jeden Fall." Er grinste entschuldigend und schnappte sich seinen Rucksack. Peter beobachtete ihn enttäuscht. Sie hatten doch noch so viel zu bereden. Und…
"Musst du wirklich?"
Bob nickte bedauernd. "Aber", sagte er und blieb an der Tür stehen. Er machte die paar Schritte zum Bett zurück und sagte leise, aber sehr ernst: "Merk dir, wo wir aufgehört haben." Peter zog ihn am Arm zu sich für einen weiteren Kuss, einen Kuss der von ihm aus nicht hätte enden müssen.
"Und versuchs gern nochmal mit Blumen", flüsterte Bob schließlich grinsend, drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen und war zur Tür hinaus, bevor Peter ihn noch einmal zurückziehen konnte.
