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Eine Schwäche für Glühwein

Summary:

Leo und Adam besuchen einen Weihnachtsmarkt und einer hat eine bislang unbekannte Schwäche für Glühwein...daher endet der Abend anders als geplant.

Notes:

Adams Gedanken sind in kursiv geschrieben ;)

Chapter 1: Zu tief ins Glas geschaut

Chapter Text

Adam glaubt, im Paradies gelandet zu sein. Eine wohlige Wärme strömt ihm von den weihnachtlichen Ständen entgegen und es riecht nach Bratwurst, Räucherstäbchen und besonders wichtig…nach karamellisiertem Zucker. 

“Willst du auch was trinken?”, wendet sich Leo an ihn. Seine Augen glitzern im Schein der Lichterketten und wirken wie kleine, funkelnde Sterne.

“Klar.”, antwortet Adam mit einem Lächeln auf den Lippen. Leo sieht seit langem mal wieder richtig befreit und entspannt aus…Als wär´ die Scheiße mit dem Geld nie passiert… 

“Lust auf Glühwein?”, schlägt Leo gelassen vor und reißt ihn aus seinen Gedanken. Verdattert bleibt Adam stehen. 

„Alkohol?!“ wird er plötzlich laut und legt sich mit einem gespielt schockierten Gesichtsausdruck die Hand vor den Mund. “Herr Hölzer, Sie machen mir Angst.”, grinst er amüsiert. 

Es stimmt, Leo trinkt kaum etwas und auch der Industriezucker wird normalerweise eher verteufelt, als dass er konsumiert wird. Daher hat es Adam auch umso mehr überrascht, als Leo ihm den Vorschlag gemacht hatte, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. 

“Ach halt die Klappe.”, lacht dieser auf. Mit wachsamen Augen mustert Leo die verschiedenen Buden. Von Baumstriezeln, über Handbrot und gebrannten Mandeln, gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Sein Blick bleibt jedoch an einer ganz bestimmten und schon ziemlich gut besuchten Bude hängen. 

Ein Blickkontakt reicht und Adam versteht. Die soll´s also sein. 

Leider ist das Schritttempo der drängenden Menschenmasse mit dem einer Schnecke zu vergleichen. Leo hasst es. Er hasst es, wenn langsame Menschen direkt vor seinen Füßen laufen, egal ob er im Zeitstress ist, oder einfach nur einen entspannten Abend auf einem Weihnachtsmarkt verbringen will. Diese Abneigung ist keinesfalls beabsichtigt und trotzdem wird er immer wieder unruhig, wenn er einer schleichenden Person beinahe auf die Fersen tritt. 

Deshalb macht Leo kurzen Prozess und schnappt sich Adams Hand. Was zum-?

So richtig verarbeiten kann Adams Gehirn das ganze Geschehen noch nicht, aber er lässt es einfach über sich ergehen. Die Finger seines Freundes liegen warm um sein Handgelenk und ziehen ihn mit sich. Erfolgreich manövriert Leo sie durch die wenigen Lücken, die sich vor ihm eröffnen. 

An der Bude angekommen, lehnt Adam sich über seine Schulter und mustert die anderen Besucher, welche händeringend nach den heißen Tassen greifen. “Das Hölzerchen hat also ‘ne Schwäche für Glühwein.”

“Och nee, nicht du auch noch.”, dreht Leo sich zu ihm.

“Wieso, gefällt dir Hölzerchen nicht?”, grinst sein Freund ihm frech ins Gesicht. 

“Nicht besonders.”

“Sag das bloß nicht Pia.”, flüstert Adam ihm wieder ins Ohr. 

“Naja, bei Pia hab ich mich irgendwie dran gewöhnt.”, äußert er uninteressiert und wartet auf die zwei bestellten Tassen Glühwein. 

“Ach, aber ich darf das nicht?”, antwortet sein Partner empört. “Vielleicht sollte ich meinen eigenen Spitznamen für dich erfinden…wie wär's mit…Leo Lausemaus?”

Leo stockt. Wenn Blicke töten könnten, wäre Adam wahrscheinlich schon zweimal begraben worden. “Vielleicht solltest du's auch einfach sein lassen.”, antwortet er genervt. 

Sofort bricht Adam in schallendes Gelächter aus und krümmt sich atemlos zusammen. “Ich versuch's, Tiger.”, hebt er verteidigend die Hände und ist noch völlig außer Atem vom Lachanfall. 

“Ja, ja, sehr lustig.” Leo rollt mit den Augen und reicht ihm eine Tasse. 

Adam hält sie fest im Griff und spürt die augenblickliche Hitze, die sich auf seine Handflächen überträgt. Der warme Dampf des Weins zieht den abendlichen Himmel hinauf und hüllt ihn in einen wohligen Schleier. Während sie trinken, reden sie nicht viel…doch das brauchen sie auch nicht. Ruhe kann mit der richtigen Person auch etwas Schönes sein…vor allem wenn Blicke mehr sagen als Worte. 

Nachdem ihre Tassen leer sind, sucht Leos Blick auch schon wieder den Glühweinstand. “Ich hol uns noch zwei, warte einfach hier.”, erklärt er sich bereit und streckt seine freie Hand aus.

“Okay”, lacht Adam amüsiert und reicht ihm seine Tasse. Irgendwas daran gefällt ihm.

Nach nur wenigen Minuten steht Leo wieder vor ihm und übergibt ihm die zweite Tasse Glühwein. Während sie sich an der ersten Tasse deutlich länger aufhielten, scheint Leo die zweite fast zu exen. 

“So, nimmst du auch noch einen?”, fragt er schon wieder, obwohl Adam noch mindestens die Hälfte der zweiten Tasse vor sich hat. 

"Mach mal langsam, wir hatten schon zwei.”, versucht Adam ihm zu erklären. 

“Ach komm, einer noch.”, will Leo ihn überreden, doch sein Freund bleibt standhaft. 

“Nicht für mich, aber hau rein.”, nimmt er einen weiteren Schluck und sieht Leo schon wieder in der Menschenmasse verschwinden. Beim weiteren Nachdenken stellt er jedoch fest, dass es vielleicht gar nicht so schlau ist, Leo so viel Alkohol trinken zu lassen. Er trinkt ja nur selten…Naja, er wird schon wissen, was er macht.

Als Leo wiederkommt und seinen dritten Glühwein trinkt, schmiedet er schon einen Plan für ihr weiteres Vorgehen. “Okay, du holst gleich nen Baumstriezel und ich gebrannte Mandeln.”, bestimmt er zielsicher. “Die Schlangen sind viel zu lang und wenn wir uns aufteilen, sparen wir Zeit.” 

“Schaffst du das denn?”, schnaubt Adam belustigt und beäugt seinen Partner von oben bis unten. 

“Hallo? Ich bin nicht betrunken.”, versichert Leo ihm empört. 

“Aber viel fehlt nicht mehr.”, lacht Adam auf. 

“Haha, na los, bis gleich.”, wimmelt er Adams Anschuldigung einfach ab und entfernt sich von ihm. Auch Adam macht sich auf den Weg. Hoffentlich dauert das nicht zu lange.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist Adam endlich an der Reihe und gibt seine Bestellung auf. Als er die zimtige Spirale in seiner Hand hält, macht er sich auch schon auf die Suche nach einem braunhaarigen Typen mit gebrannten Mandeln in der Hand. Es dauert nur wenige Sekunden, um Leo zu finden, doch schon beim ersten Blickkontakt fällt ihm auf, dass sein Freund ziemlich verdächtig in seine Richtung schwankt. In seiner linken Hand hält er eine kleine Tüte und in der rechten- 

“Leo…woher kommt jetzt die Glühweintasse?”, grinst Adam wissentlich, als er vor ihm zum Stehen kommt und auf den Übeltäter zeigt. “Du wolltest doch nur gebrannte Mandeln holen.”

“Hää?”, tut Leo überrascht und versteckt sie verlegen hinter seinem Rücken. Irgendwie süß. “Achso, neee, is noch die Alte.”, versucht er sich rauszureden. Seine Mimik und Gestik beweist aber genau das Gegenteil. Gott, is der dicht…

“Und ich bin der Weihnachtsmann.”, rollt Adam mit den Augen und krallt sich die Tüte mit den gebrannten Mandeln, um sie in seine Jackentasche zu stecken. Die Tasse nimmt er ihm ebenfalls ab und stellt sie an den Rand der nächsten Bude. “Du bist doch bescheuert…dich aufm Weihnachtsmarkt volllaufen zu lassen.”, schimpft er wie mit einem kleinen Kind. Sie sind gerade einmal eine gute Stunde hier und Leo sieht aus, als wär’ er heute für gar nichts mehr zu gebrauchen. So haben sie sich das beide wahrscheinlich nicht vorgestellt…

“Bist du böseee?”, schmollt Leo reumütig und zupft Adam am Jackenärmel. 

“Hä?”, fragt dieser irritiert. Leo ist plötzlich ganz anders.

“Du bist böse…”, stellt sein betrunkener Freund quengelnd fest. 

“Man, nee, aber was soll das denn?”, klingt Adam nun wieder etwas weicher. 

“Was denn?”, fragt Leo irritiert, als hätte Adam vorher gegen eine Wand geredet. Boah ey…

Hoffnungslos vergräbt Adam sein Gesicht in beiden Händen und atmet tief durch. “Also…wir gehen-”, nuschelt er in seine Haut und schaut wieder zu Leo auf. Doch der steht plötzlich nicht mehr vor ihm.   

Scheiße wo ist er?

Nervös blickt Adam zwischen den fremden Gesichtern hin und her. Scheiße, scheiße, scheiße…

Vor lauter Schreck lässt er den Baumstriezel unbeachtet an der nächsten Bratwurstbude stehen. Minutenlang irrt er umher, in der Hoffnung, seinen Freund schnellstmöglich zu finden. Doch kein Erfolg…So langsam verzweifelt Adam und spürt eine bedrückende Unruhe in sich aufsteigen. 

“Adam!”, ruft eine vertraute Stimme plötzlich seinen Namen. Als er sich suchend nach ihr umdreht, erblickt er Leo auf der künstlich angelegten Eisfläche und hofft, dass er sich die Situation gerade einbildet. Übermütig winkt sein Freund ihm zu und lotst ihn zu sich herüber, in der linken Hand streckt er ein Paar Schlittschuhe in die Höhe. 

“Nicht dein fucking Ernst…”, haucht er in die kalte Abendluft. 

Dieser Vollidiot ist betrunken und steht jetzt ernsthaft, auf Schlittschuhen, in der fahrenden Menschenmenge und wartet auf ihn. Sein Partner ist nicht nur eine Gefahr für Andere, sondern vor allem für sich selbst. Der kann was erleben…

Zielstrebig steuert Adam auf ihn zu und lässt ihn dabei nicht aus den Augen. Wie sich Leo noch auf den Schlittschuhe halten kann, ist Adam ein Rätsel. 

“Du bist doch bescheuert, Leo…Los, raus da jetzt.”, bestimmt er mit liebevoller Strenge.

“Nö.”, antwortet sein viel zu betrunkener Partner unbeeindruckt. 

“Doch, komm, du bist besoffen und verletzt dich nur.”, versucht Adam es jetzt mit ernsterer Stimme. 

Doch Leo schüttelt nur lachend den Kopf. 

“Leo…ich sag das nicht nochmal.”, warnt er ihn ein letztes Mal, ohne wirklich zu wissen, was die Konsequenz sein soll. 

“Okeee, dann halt’ mal die Schuhe.”, gibt er schließlich nach und reicht Adam die Schlittschuhe. Na immerhin…

“Aber wenn du willst, dass ich rauskomme, musst du mich schon holen.”, lallt Leo in seine Richtung, stößt sich von der Bande ab und verschwindet auf einmal in der Menschenmenge.

“Ey-, Leo!”, ruft er ihm verzweifelt hinterher. Doch dieser ist schon längst auf der Eisfläche verschwunden. “Scheiße…”, flucht er leise und blickt auf die Schlittschuhe in seiner rechten Hand. Letztendlich bleibt ihm keine Wahl und er macht sich auf den Weg zum Eingang. 

Nur widerwillig betritt er die Eisfläche. Er mag Eislaufen nicht…aber wahrscheinlich nur, weil er es nicht kann. Er hat es nie richtig gelernt, weil sein Vater nichts von der beliebten Winteraktivität hielt…war ihm zu "unmännlich"...Schwachsinn…Jetzt erst Recht. 

Auf wackligen Beinen gleitet er über das Eis und weigert sich stur, die Bande zur Hilfe zu nehmen. So schwer kann das ja nicht sein

Nachdem er eine gute Runde gefahren ist, erkennt er seinen Freund hinter einem alten Ehepaar. Leo war schon immer gut im Eislaufen, aber nach vier Tassen Glühwein sehen seine Bewegungen dann doch nicht mehr so professionell aus.

Bevor Leo ihn erkennt und vielleicht wieder abhaut, pirscht Adam sich von hinten an ihn heran. Als er unmittelbar hinter ihm ist, packt er Leo an beiden Oberarmen und schiebt ihn an den Rand der Eisfläche. 

“Heyyyy.”, will Leo sich wehren, wird aber schon an die harte Metallbande gedrückt. Adam steht direkt hinter ihm, bevor er ihn herum wirbelt und ihm kritisch ins Gesicht blickt.

"Für die Nummer hier, bezahlst du…”, zischt er leise. 

“Adaaam, du bist hier!”, freut Leo sich und fällt ihm in die Arme. Oh…Das ist schön… Im betrunkenen Zustand ist er also einer von der anhänglichen Sorte. 

“Ja, ich bin hier, du Trottel…und du kommst jetzt mit.”, versucht er, das Grinsen zu unterdrücken.

“Machst du dir etwa Sorgeeeen?”, löst Leo sich ein bisschen aus Adams Griff und stupst seine Nase an. Überrascht zuckt Adam zurück. 

“Ja, um die Kinder, die du überfahren könntest.”, rollt er spielerisch mit den Augen. 

“Und was is mit miiir?”, quengelt Leo fast selbst wie ein Kind. “Auch vielleicht ein klitze, klitze kleines bisschen?”, deutet er mit seinen Fingern an. 

“Vielleicht ein kleines bisschen.”, gibt Adam ehrlicherweise zu. 

“Awww, du bist so süüüß.”, lächelt Leo zufrieden. Er grinst über beide Ohren und sieht mit seinen geröteten Wangen irgendwie niedlich aus. Adam kann seine Mundwinkel jetzt auch nicht mehr kontrollieren. Du bist süß…Äh-. 

“Ich bin nicht süß.”, protestiert er ruhig. Zur Sicherheit legt er einen Arm an Leos Seite und stützt ihn, sodass er sich nicht bei der nächsten Bewegung hinmault und verletzt. 

“Dooooch, sehr süüüß.”, versichert Leo ihm. “Zuckersüß…süßer als die gebrannten Mandeln!”, redet er lauthals weiter. Selbst die vorbeifahrenden Leute merken mittlerweile, dass Leo viel zu tief ins Glas geschaut hat.

“Oh man…”, grinst Adam immer noch. “Was mach ich denn jetzt mit dir?” 

“Was willst du denn mit mir machen?”, fragt Leo neugierig. Oh. Äh. Irritiert starrt er Leo ins Gesicht, der ganz unschuldig vor ihm steht. Augenblicklich schießt ihm die Röte ins Gesicht und versucht, sich aus Leos Blick zu befreien. Das willst du nicht wirklich wissen…

“Ich-, äh- also…ähm-”, setzt Adams Gehirn heute schon zum zweiten Mal aus. 

“Bist du etwa betrunkeeen?”, lacht Leo über seine plötzliche Sprachlosigkeit. 

Musst du gerade sagen…Selbstverständlich gehen die zwei Tassen Glühwein nicht spurlos an Adam vorbei, doch betrunken ist er keinesfalls. Der Grund für seinen Wortverlust und seine weichen Knie ist gerade ein ganz anderer…Scheiße, was machst du mit mir…

“Nein, aber du, also komm, ich bring dich nach Hause.”, Adam will ihn schon in Richtung Ausgang führen, doch Leo kommt ihm zuvor und zieht ihn erneut in eine tiefe Umarmung. “Bleib…bei mir.”, murmelt er in Adams Schulter. Gott, der is wirklich sowas von dicht…

Doch Adam kann nicht verleugnen, dass sein Herz gerade heftig gegen seinen Brustkorb hämmert.

“Ich geh doch nicht alleine, du kommst doch mit.”, lacht Adam und wuschelt Leo kurz durchs Haar. “Oder nicht?”

“Doch! Klar!”, schaut er wieder zu Adam auf. Das ging jetzt doch einfacher als gedacht.

“Na dann…komm mal mit.”, lächelt Adam siegessicher und will ihn wieder in Richtung Ausgang lenken. Als Leo jedoch ein paar Schritte zu weit in die Mitte fährt, wird er von hinten hart nach vorne geschubst. Ohne, dass Adam schnell genug reagieren kann, knallt sein Freund auch schon auf die Eisfläche…Mit dem Gesicht zuerst…

“Scheiße, Leo!”, ruft er schockiert und kniet sich besorgt neben ihn. “Alles gut?” 

“Au.”, stöhnt Leo leise und drückt sich mit beiden Händen nach oben. Adam steht ihm dabei zur Seite und zieht ihn mit ganzer Kraft auf die Beine. Aufmerksam mustert Adam sein Gesicht und sofort sticht ihm das dunkle Rot ins Auge. Scheiße…seine Nase blutet.

Es sieht schlimmer aus, als es ist, da sie nicht gebrochen zu sein scheint, doch seine Sorge lässt dadurch auch nicht nach. Stattdessen baut sich eine unbarmherzige Wut in ihm auf und richtet sich gegen den Täter. 

Dieser steht noch immer an ihrer Seite und fragt schuldbewusst: “Oh man, alles gu-?”

“Verpiss dich!”, unterbricht Adam ihn forsch.

“Tut mir leid, aber falls ich was tun kann-”, bietet der Mann ruhig an. 

“Tu' mir nen Gefallen und verpiss dich, du Idiot!”, giftet Adam ihn ungehindert an. 

Dieser zögert nicht lange und macht sich beleidigt aus dem Staub. Ja hau bloß ab du-...

Leo hingegen nimmt die Situation nicht ansatzweise so ernst und versucht seinen Partner wieder zu besänftigen. “Adaaam, is doch alles gut, das war Absicht-, keine Absicht.”, korrigiert er sich selbst und legt ihm eine Hand auf die Brust. Mit der anderen hält er seine tropfende Nase. 

“Nein, nichts ist gut, hat dieser Pisser keine Augen im Kopf?!”, ruft er dem Typen so laut hinterher, dass er es mit Sicherheit gehört hat. 

“Aaadam, is egal…hast´n Taschentuch?”, tippt er ungeduldig auf seinen Brustkorb. 

“Ja, warte.”, seufzt er noch immer genervt. 

Nur widerwillig wendet sich Adam von dem Eisläufer ab und sucht aufgeregt in seiner Jackentasche. Hinter den gebrannten Mandeln findet er glücklicherweise eine Packung Taschentücher und zieht eines behutsam heraus. Leo greift es sofort und drückt es gegen seine Nase, den Kopf dabei nach vorne gelehnt.

“So, jetzt gehen wir aber wirklich.”, ordert Adam ein letztes Mal an, packt ihn wieder an der Seite und zieht ihn mit sich. Am Ausgang angelangt, verfrachtet er seinen Partner kurz auf die nächstgelegene Bank und hilft ihm die vereisten Schuhe auszuziehen.

“Danke.”, nuschelt Leo ins Taschentuch und sieht liebevoll auf seinen Freund hinab. Dieser sieht kurz auf und schüttelt lächelnd den Kopf. Egal wie absurd ihr kurzer Ausflug war…Leo ist bei ihm und nur das zählt. Was für ein Tag…

Plötzlich spürt Adam eine Hand in seinen Haaren. Äh-. Verwirrt blickt er nach oben und findet sich in freundlichen Augen wieder. Leo streicht ihm sanft durch die Haare, als wäre er sein Hund. Die Lachfältchen zeigen deutlich, dass er ihn anlächelt…obwohl das Taschentuch sein halbes Gesicht verdeckt. Süß…Äh-, also nett, lieb…freundlich halt…oder so…Wieder beschleunigt sich Adams Herzschlag und ihm wird angenehm warm. Was zum Teufel…

Im Handumdrehen steht Leo wieder in seinen eigenen Schuhen neben Adam und hält sich an ihm fest. “Halt mich.”, jammert er in die Schulter seines Freundes. 

“Mach ich doch.”, lacht Adam auf. “Erst Hummeln im Hintern haben und dann wie die Prinzessin auf der Erbse rumheulen.”, scherzt er belustigt. 

“Heyyyy…bin keine Prinzessin und du hast Hummeln in der Erbse.”, labert Leo irgendwelches wirres Zeug. 

“Alles klar.”, akzeptiert Adam es einfach. Jetzt ist der Zug endgültig abgefahren. 

Angestrengt versucht Adam sie beide wieder durch die Menschenmenge zu manövrieren. Leider ist es aber gar nicht so einfach, ein derartig monströses Muskelpaket aufrechtzuerhalten, weshalb er umso glücklicher ist, als er den Ausgang erspäht. Er nimmt alle Kraft zusammen und schleppt seinen sonst so disziplinierten Partner zu seinem Wagen. Er wird sich dafür morgen ganz sicher hassen.

Nachdem er Leo erfolgreich auf den Beifahrersitz geschafft hat, setzt er sich schon ans Steuer und tritt ins Gaspedal. Geschafft…

“Wo fahren wir hin?”, fragt Leo erschöpft. 

“Nach Hause…du gehörst ins Bett.”, fokussiert sich Adam auf sein Ziel. 

“Bleibst du?”, murmelt sein Freund leise weiter. 

“Wo?”, dreht er sich kurz zu Leo. 

“Bei mir…Zuhause.”

“Äh-, also ich weiß nicht-” Leo ist doch überhaupt nicht bei Verstand.

“Bitteeeee.”, fleht er ihn regelrecht an. Wie könnte er da bloß nein sagen. 

“Also, äh-...Na gut.”, gibt er schließlich nach. Vielleicht ist das auch eine gute Gelegenheit, seinen Freund im Auge zu behalten. 

“Jaaa.”, freut sich Leo und will ihn schon wieder umarmen, doch Adam hält ihn noch rechtzeitig auf und hält ihn mit einer Hand zurück. 

“Ich muss fahren, Leo, mach mal die Augen zu und versuch´ zu schlafen…wir fahren noch ein bisschen.” 

“Okeee. Gute Nacht, hab dich lieb.”, flüstert Leo kaum hörbar und lehnt sich in seinem Sitz zurück. 

Was-. Adams Kopf setzt heute wahrscheinlich schon zum hundertsten Mal aus und muss aufpassen, nicht gleich in seinen Vordermann reinzufahren. Wie viel Leo wohl von dem ganzen Abend mitbekommen hat? Egal, das wird er morgen schon herausfinden. 

“Ich dich auch.”, grinst Adam in sich hinein und scheint gar nicht mehr aufhören zu können. Die Bemerkung sollte er eigentlich gar nicht ernst nehmen und doch bekommt er sie einfach nicht aus dem Kopf. Ich bin sowas von am Arsch…