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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Characters:
Language:
English
Series:
Part 2 of Der Hexer Rumo
Stats:
Published:
2016-07-21
Updated:
2016-07-23
Words:
2,535
Chapters:
2/?
Kudos:
3
Hits:
73

Der Wunsch

Summary:

...Oder wie ein harmloser Angelausflug ein ganzes Dorf in Schutt und Asche legt.

Chapter Text

Rittersporn folgte Rumo auf seiner Stute die schweigend durch den Wald ritten. Schweigen saß nicht gut mit Rittersporns redseliger Natur, er plapperte fröhlich vor sich hin bis Rumo die Pfote hochhielt und um Ruhe bat

"schhh"
Rittersporn flüsterte "hörst du was? Monster?" und seine kleinen Augen zuckten nervös von einer Seite zur anderen
Rumo hielt einen Finger an die Lippen und Rittersporn bemühte sich beim laufen nicht allzuviel Lärm zu machen. Eine ganze Weile später, als das Adrenalin aus Rittersporns Blut gewichen war seufzte er
"war wohl doch nichts, ga?"
"Nein"
"Ga... Was dachtest du, hättest du gehört?"
"Nichts"
"...Ga?"
"Es war nett, zur Abwechslung mal nichts zu hören"

Rittersporn dämmerte was Rumo getan hatte "Du hättest auch einfach... ga fragen können..."
Rumo zuckte mit den Schultern. Das ungleiche Paar ging einige Zeit schweigend nebeneinander her

"Ich bin müde, ga. Und dein Pferd bestimmt auch. Wie heißt es überhaupt"
"Plötze"
"Ga, seltsamer Name – warum?"
"Weil alle meine Pferde so heißen"
"Ga, aber warum?"
"Weil es einen Namen braucht und dieser ist so gut wie jeder andere"
Rumo wollte nicht zugeben, dass er seine erste Stute von einem winidigen Händler gekauft hatte, der die alte Mähre so genannt hatte und er ein halbes Jahr gebraucht hatte um herauszufinden, dass man in dem Örtchen Rotaugen Plötzen nannte. Zottig und stur wie sie gewesen war, war sie ein gutes Pferd und starb einen unnötig frühen Tod weil Rumo nicht aufgepasst hatte und sie zu nahe an der Höhle der Gorgo angebunden hatte. Das sture Ding hatte nichtmal versucht zu fliehen sondern der Gorgo ordentlich eins mit den Hinterläufen verpasst. Seitdem nannte er alle seine Pferde nach ihr, zur Erinnerung oder so ähnlich.
Die Geschichte war aber zu dramatisch und Rumo wollte vermeiden dass der Barde ein Drama über eine Stute und seine Dummheit verfasste.
"Was hat eine Stute mit einem Fisch zu tun und warum nennst du sie dann nicht nach etwas, was weniger grätig ist, ga, Hecht oder so?"
"Ich soll meine Stute Hecht nennen."
"Ga! Du hast sie Plötze genannt."
Rumo rollte mit den Augen
"Ga ein Teich, wir können uns ein Paar Plötzen Angeln, vielleicht finde ich ja auch eine zum drauf reiten! Oder noch besser ich benutze die Plötze um mir ga, einen Reithecht zu angeln" Rittersporn warf einen Blick in die braunen Augen der Stute "nicht du – du gibst einen schlechten Köderfisch ab, ga."
Rumos Mundwinkel zuckten nach oben, er beeilte sich sein Gesicht unter Kontrolle zu bringen, bevor Rittersporn es sehen konnte.
"Eigentlich keine schlechte Idee – da du offenbar so versessen darauf bist, mich zu begleiten könnten ein Paar mehr Vorräte nicht schaden. Geh und versuch dein Glück, ich mache ein Feuer um den Hecht zu räuchern." Damit glitt Rumo von Plötzes Rücken, überließ das Tabakhütchen seinem Anglerglück und begann Holz zu sammeln.
Als er mit einem Bündel Reisig zurück kam war Plötze angebunden und kaute. Rittersporn saß am Ufer mit der Rute in der Hand und ließ die Leine durchs Wasser gleiten – er versucht wirklich einen Hecht zu angeln, Großmaul Rumo wand sich wieder dem Holz zu und ließ es mit Igni aufflammen. Kaum hatte er sich hingesetzt hörte er Rittersporn aufgeregt trappeln "Ich hab was, ga, ich hab was!"
"Ga, das wehrt sich aber – hilf mir mal!"
Rumo rollte mit den Augen, stand aber doch auf um dem Tabakhütchen zu helfen. Was auch immer am Haken war, es leistete vehement Widerstand. Die beiden stemmten die Pfoten in den Uferschlamm und plötzlich gab die Leine nach und ein Krug kam aus dem Wasser geflogen.
Rumo grinste Rittersporn spöttisch an, Rittersporn schien sich das nicht bieten lassen zu wollen, reckte die haarige Nase empor und verkündete
"das ist noch viel besser als ein Hecht, ga. Vielleicht ist Schnapps drin!"
Und schon begann er mit seinen dicken Fingern am Siegel herumzupicken, als er es gelöst hatte ließ er es sogleich fallen und begann sich dem Korken zuzuwenden. Rumo hob das Siegel auf und betrachtete es, es sah nicht nach einem üblichen Schnappsbrennersiegel aus, die Zeichen darauf kamen ihm seltsam bekannt vor. Er steckte es ein als er ein lautes *Plopp* hörte, das von Rittersporns erfolgreichem Kampf mit dem Korken zeugte. Rittersporn versenkte fast komplett seine übergroße Nase in der Öffnung des Krugs
"Ga, das müffelt aber... wenn mal Schnapps drin war, ist er schlecht"
Er hielt den Krug von sich und wedelte mit seiner Pfote vor seiner Nase.
Und entweder war der Schnapps wirklich gekippt oder in dem Krug war niemals etwas Verrzehrbares gewesen. Und Rumo vermutete stark letzteres wenn er das vibrieren des Medallions um seinen Hals in die Rechnung mit aufnahm.
Nebelschwaden stiegen aus dem Gefäß, wirbelten um Rittersporn und Rumo, waberten über den Teich und verfestigten sich über dessen Mitte zu einer halbdurchsichtigen, schemenhaften Gestalt
"Ein Flaschengeist, ga!" schrie Rittersporn über das Tosen um ihn herum hinweg und klammerte den Krug noch fester an sich.
Rumo hätte nichts anderes erwarten sollen, aber war erstaunt über die Geschwindigkeit in der der Mund des Tabakhütchens arbeitete, während sich sein Zeigefinger gen Himmel erhob.
"MeinersterWunschistReichtum,ichwill,dassichdasBernsteinzimmerfinde!MeinzweiterWunschistUnverwundbarkeit,ichwillniekrankwerdenundunverletzbar ... chrrrgg"
Rumo kam noch dazu sich zu wundern, was in aller Welt Rittersporn mit dem Bernsteinzimmer anfangen wollte, als der Flaschengeist von der Mitte des Sees ans Ufer geweht kam und zwei Rauchfäden um Rittersporns Hals materialisierte.

Rumo zog sofort Löwenzahn aus seiner Scheide über seinder linken Schulter und zog es mit einer fließenden Bewegung durch den Wabernden Nebel-Leib des Flaschengesites. Er wagte nicht mit Aard eine Druckwelle auf den Geist loszulassen, der Geist und Rittersporn standen zu eng beieinander. Leider hatte Rittersporn zu viel Atem auf seine albernen Wünsche verschwendet, so dass er nun schon nicht mehr röchelte und schlapper wurde.
Rumo entschied sich, einen Bannkreis mit Yrden auf den Boden zu legen, mit etwas Glück würde das den Geist schwächen. Und tatsächlich, der Nebel um Rittersporns kurzen Hals schien flüchtiger zu werden, Rumo nutzte die Zeit um Geisteröl auf Löwenzahn aufzutragen, das fast weiße Metall der Silberklinge bläulich verfärbt traf das Schwert tatsächlich auf Widerstand, als er den Geist erneut damit behakte. Allerdings trotzdem nicht mit dem gewünschten Effekt. Rumo fluchte "nun lass ihn schon los, du verdammtes Monster!" Zwei weitere Hiebe mit dem Silberschwert und der Geist schien sich aufzulösen, der Halt um Rittersporn wurde schwächer, bis das Tabakhütchen am Boden zusammensackte und der Geist sich in Luft auflöste. Rumo verstand nicht ganz wie der Geist so schnell aufgegeben hatte, aber ein Röcheln zu seinen Füßen ließ ihn den Gedanken fallen lassen. Er hob das haarige, viel zu schlappe Bündel vom Boden auf und hiefte es auf Plötze. In der ferne war ein Dorf zu sehen. Rumo schwang sich hinter dem Tabakhütchen auf den Sattel und presste seine Fersen dem Pferd in die Flanken, jetzt wünschte er sich tatsächlich ein Pferd das dem Namen Hecht entsprach, aber es half nichts – er ritt so schnell er konnte den Pfad ins Dorf hinunter, Rittersporn hatte aufgehört zu röcheln und war beängstigend blass und still geworden als er an den ersten Häusern des kleinen Torfbrenner-Dorfes vorbei ritt.