Chapter Text
Und hier fängt die Geschichte an...
Rumo lenkte Plötze den schlammigen Pfad empor. Das herbstliche Regenwetter hatte die laubbedeckten Strassen die sich an den Bergen entlang wanden in Morast verwandelt. Aus dem Wald kommend führte der Weg durch ein kleines Tal mit Kuhweiden und einen Abhang hinauf in das kleine Dorf Fränckisch-Crumbach. Auf den Strassen war kaum jemand zu sehen, die Bauern waren mit damit beschäftigt das letzte Heu einzubringen. Nur in kleiner Junge, der vor der Dorfkirche mit einem Stock spielte sah den Hexer kommen. Als Rumo von Plötze abstieg flüchtete der Junge. Rumo ignorierte das verängstigte Kind, schlang die Zügel um einen Pfosten beim Rathaus und öffnete die Tür.
Das Missgefallen im Gesicht des Büttels war unübersehbar.
"Ich habe gehört ihr habt Arbeit für einen Hexer?" Rumo ließ sich nichts anmerken, er brauchte diesen Auftrag.
"hmpf, vielleicht." der griesgrämige Büttel nickte widerwillig
"Und? Kann ich mit dem Vogt sprechen?" drängte Rumo
"Ja, aber nicht jetzt. Wartet bis der Vogt Zeit dafür hat, er ist gerade bei der Landvermessung."
"Dann warte ich" Rumo seufzte
"Draußen." Der Büttel wies mit seiner schmutzigen Pranke auf die Tür
Rumo ersparte sich weitere sinnlose Konversation und verließ das Rathaus. Er wäre gern ins Gasthaus gegangen, aber sein leerer Geldbeutel verhieß, dass er auf dem Platz warten würde. Er setzte sich in den Schatten einer großen Eiche auf eine Bank und sah dem Laub beim Fallen zu. Der Junge war zurück und stocherte mit seinem Stecken im Sand vor der Kirche herum. Rumo seufzte, zog die Kapuze seines Umhangs über sein Geweih und versuchte in der Wärme der Nachmittagssonne ein Nickerchen zu halten. Es schien ihm gelungen zu sein, denn er erwachte vom Geräusch sich nähernder Schritte.
Es schien ihm gelungen zu sein, denn er erwachte vom Geräusch sich nähernder Schritte. Der Junge stand vor ihm, zielte mit seinem Stecken auf Rumos Brust und fragte "wer bist du?"
ohne den Kopf zu heben antwortete er "ich bin Rumo"
"Und was machst du hier?" fragte der Junge, auf seinen Fersen wippend
"Ich bin Hexer, ich habe gehört, ihr habt hier einen Gespensterzug" Er hob seinen Kopf und sah dem Jungen in die Augen "Wenn euer Vogt nicht dumm ist, musst du nachts keine Angst mehr haben, dass sie dich mitnehmen" Rumo versuchte sich an einem Lächeln, verschreckte den Jungen aber wohl nur, als er seine Zähne zeigte.
Der Junge machte einen Schritt zurück "... du bist ein Wolpertinger" Rumo nickte. "Warum hast du Schwerter auf dem Rücken?"
"Weil ich ein Hexer bin, du musst besser zuhören" Rumo zwinkerte.
"Beim Hof vom Alten Kromek haben sie auch Wolpertinger, aber die haben keine Schwerter" der Junge schob seinen Stock vor und sah Rumo herausfordernd an
Rumo packte den Stock, der jetzt seine Rüstung berührte und schob ihn langsam beiseite "es gibt zwei Sorten Wolpertinger, die einen sind gefährlich, die anderen..." er lehnte sich vor" können gut kämpfen" er ließ den Stock los. Der kleine Fherhache bekam es wohl mit der Anst zu tun und floh, sobald sein Stock frei war. Rumo lehnte sich wieder zurück, aber er konnte am anderen Ende des Platzes schon den Büttel aus dem Rathaus und einen Natifftoffen sehen, vermutlich der Vogt. Dass das Beamtenvolk sich selbst dazu herabließ solch ein kleines unbedeutendes Örtchen zu verwalten verhieß nichts gutes. Rumo erhob sich von der Bank und kam den zweien entgegen. Der Natifftoffe wackelte abwertend mit den sensiblen Ohren und wedelte mit seinem dürren Ärmchen in Richtung Rathaus "bitte, wir sollten solche Angelegenheiten drinnen besprechen"
Sie überquerten den Platz und den Vorraum des Rathauses, Rumo sah sich gewohnheitsmäßig im Besprechungszimmer um, zählte Eingänge und Fenster, als er einen Blick auf sich spürte drehte er sich zu einer schmächtigen Fherhachenzwergin um, die verschämt den Blick senkte. Der Vogt nahm hinter dem großen Eichenschreibtisch platz, der Büttel bezog Stellung neben der Tür und forderte Rumo auf, seine Waffen abzulegen, sehr zu seinem Missfallen, der vor dem Schreibtisch stehen blieb. Missmütig legte er erst Löwenzahn und dann Grinzold ab "passt darauf auf"
"Bitte, setzt euch" der Vogt zeigt mit einer blass bepelzten Hand auf den Stuhl sich gegenüber.
Widerwillig nahm Rumo platz "ihr könnt euch denken, warum ich hier bin?" Der Nattifftoffe nickte "Unser wohlgeborene Graf Georg Wilhelm hat die Sichtung des Geisterzugs aktenkundig gemacht, seitdem treffen hier Taugenichtse ein und wollen das Problem gegen Bezahlung beheben. Wie Ihr ausseht habt ihr ähnliche Pläne?" Der Nattifftoffe machte sich nicht dei Mühe seine Nase zu senken und sah Rumo unter halb geschlossenen Lidern an.
"Wenn der Preis stimmt." Rumo streifte die Kapuze nach hinten und sah dem Vogt in die Augen. "Wie ihr seht bin ich kein dahergelaufener Taugenichts"
"Das wird sich zeigen" Der Nattifftoffe öffnete eine Schublade und zog ein Pergament heraus "Der Graf hat ein Kopfgeld ausgesetzt, bringt einen Beweis, dass das Problem erledigt ist und ihr erhaltet 200 Orens"
"Ich habe nicht vor euch den Kopf eines Geistes zu bringen, falls euch entgangen sein sollte, dass das nicht möglich ist, und ich bin mir ziemlich sicher, dass in den Aushängen die Rede von 250 Orens ist"
"Löst das Problem. 200 und nicht mehr, besonders nicht einer solchen Abscheulichkeit wie euch"
Rumo zog die Mundwinkel hoch in einer gefährlichen Abart eines Lächelns, das zu viele zu spitze Zähne zeigte. "Die Hälfte im Vorraus" er lehnte sich vor, immernoch die Zähne zeigend
Der Nattifftioffe legte die Ohren an und wich zurück "In Ordnung"
Ohne die Augen von Rumo abzuwenden griff er in die Schublade und zog einen kleinen Beutel heraus. Er schien seine Fassung und Arroganz wiedergefunden zu haben als er den Beutel achtlos auf die Tischplatte warf.
Rumo senkte den Blick in einer Geste, die unterwürfig erschien, aber nur verbergen sollte, dass er selbstzufrieden lächelte. Wenn er schon nicht den vollen Preis erhielt so konnte er mit einem Vorschuss doch wenigstens eine Nacht in einem Bett verbringen. Er zog die Kapuze wieder hoch, forderte Grinzold und Löwenzahn vom Büttel zurück und verließ das Rathaus eiligen Schrittes.
Die Herbstsonne war schon hinten den Bäumen verschwunden und warf lange gold-rote Strahlen über den Platz vor dem Rathaus. Rumo band Plötze los und führte sie an den Zügeln zum Gasthaus am Ende der Dorfstrasse. Er führte Plötze in den Stall im Nebengebäude, schlug das Angebot des Stalljungen aus und brachte sie selbst in einen Pferch, löste sein schmales Gepäck vom Sattel und überließ den Rest dem Gesinde. Sein Gepäck unterm Arm betrat er das Gasthaus, hinter der Theke stand ein verhältnismäßig kleiner Blutschink, dem ein Auge fehlte. Er schien sich nicht sehr für sein Äußeres zu grämen, er trug keine Augenklappe und bemühte sich nicht im geringsten sein abstoßendes Äußeres zu verbergen.
"Ich brauche ein Bett und ein Abendessen. Und ich habe ein Pferd im Stall"
Der Wirt warf die fettige Stirn in Falten und kniff sein Auge zu "Das dritte Zimmer rechts, Essen gibts wenn du runtermḱommst und wenn du Ärger machst, fliegst du raus, Geld gibts nicht zurück!"
Rumo schob das Geld über den Tresen und drehte sich zur Treppe ins Obergeschoss, die ängstlichen Blicke der anwesenden Fherhachenbauern ignorierend. Gut, die friedliebenden Fherhachen würden ihn zwar meiden, aber keinen Streit anfangen.
Er ging in das gemietete Gastzimmer, platzierte sein Gepäck auf deim einsamen Stuhl und begann auszupacken. Die schmutzige Wäsche wanderte auf einen Haufen, die saubere aber klamme legte er offen auf den Tisch, damit sie trocknen konnte. Seine Tasche mit den alchemistischen Zutaten und Geräten schob er unter das schmale Bett an der Wand. Zum Schluss nahm er seine Zahnpflegeutensilien aus der Tasche und begann, sich zu waschen und die Zähne zu putzen.
Der Abend verlief ereignislos, die anwesenden Bauern mieden ihn, er aß allein in einer Ecke der Wirtschaft sein einfaches Mahl. Nachdem er seinen Humpen Dampfbier geleert hatte fragte er den Wirt nach einer Bedürfnisanstalt, was ihm nur ein verächtliches Naserümpfen auf Seiten des Blutschinken einbrachte. Rumo verließ also das Wirtshaus um sich draußen zu erleichtern. Die stinkende, dunkle Hintergasse war schmal, das Gasthaus stand dicht an das Nachbarhaus gedrängt Als ob hier nicht genug Platz wäre in dieser verdammten Einöde Aus den Augenwinkeln sah Rumo zwei große, massige Gestalten auf der Strasse entlanglaufen, definitiv keine Fhernhachen Er betrat den Schankraum wieder durch die Seitentür, deren Klinke ekelhaft feucht war, Rumo verdrängte den Gedanken warum und schlug den Weg zur Treppe wieder ein. Es war früh am Abend, aber er langweilte sich, also konnte er auch genausogut nach oben gehen und sich auf den morgigen Tag vorbereiten. Er bedachte noch das für und wieder als die zwei Gestalten deren Umrisse er aus der Nebengasse gesehen hatte die Schenke betraten. Zwei Schweinsbarbaren. Sie schienen den Wirt zu kennen, denn sie verfielen gleich in ein herzhaftes Schulterklopfen und lautes Brüllen, als Sie an der Theke ankamen.
"Wie gehts, altes Haus?"
"Was machen die Holzfinger, alter Knabe?"
Der Wirt, offenbar nicht wirklich über den Besuch erfreut, füllte zwei Humpen und schob sie über dei Theke.
"Komm, setzten wir uns zusammen an den Kamin, wir haben dir was zu erzählen" Die Schweinbarabaren drehten sich um und gingen zum Kamin in dem der Rest des Sumpfschweins brutzelte, von dem Rumo vorhin gegessen hatte. In der Drehung fiel ihr Blick auf Rumo, der noch immer sinnlos neben der Tür stand.
"He, Kromek, was ist denn das für einer?"
Der Wirt, Kromek, zuckte mit den Schultern "Weiß nich, is mir auch egal, hat bezahlt"
"Das is doch son Monsterjäger!" Der etwas kleinere Schweinsbarabar deutete mit so viel Schwung mit seinem Humpen auf Rumo, dass das Bier überschwappte. "Der will bestimmt auch den Kopf von dem Schnellertsgeist – und ich wette der Vogt, der alte Sesselpupser, bezahlt den besser als uns"
Bevor die beiden weiter reden konnten entschloss Rumo, dass es doch eine gute Idee wäre, sich zurückzuziehen, er betrat die Treppe. Offenbar legten die Beiden es auf Streit an, der größere ging zur Treppe, legte eine ungewaschene Hand auf Rumos Schulter und fragte "Sag mal, was kriegste?"
Rumo presste die Lippen zusammen um den stinkenden Schweinsbarabaren nicht anzuknurren, drehte den Kopf leichte und sagte leise "200" er hoffte, dass er richtig geraten hatte und der Vogt ihm nicht den vollen Preis zahlen wollte.
"pfft, hast Recht, nur weil er ne widerliche Abscheulichkeit ist, kriegt er mehr" blaffte der mit der ungewaschenen Hand auf Rumos Schulter zu seinem Kumpan.
Rumo legte die Ohren an.
Der kleinere begann Zahlen zu murmeln "ich kriege 125... 200 weniger 125... sind..." er schien sich der Aufgabe nicht gewachsen zu sehen und verlegte sich auf etwas, das er konnte.
Rumo hörte das klacken und drehte sich sofort um, die Hand des ungewaschenen Schweinsbarbaren abschüttelnd. Er sah die Sehne der Armbrust nach vorne schnellen, sah die Flugbahn des Bolzen vor sich. Aus den Augenwinkeln sah er den großen neben sich zu der Keule an seiner Seite greifen.
