Chapter Text
Xabi Alonso stand gähnend von seinem Schreibtisch auf und streckte sich. Es war schon spät, er sollte endlich schlafen gehen. Er befand sich seit einem Tag mit Bayer Leverkusen im Trainingscamp, und der erste Trainingstag war für alle anstrengend gewesen. Vermutlich schliefen die Spieler schon alle.
Er ging ins Badezimmer hinüber und machte sich für die Nacht fertig. Mit seinen Gedanken war er schon am nächsten Tag, bei den Übungen, die er mit den Spielern machen wollte. Die nächsten Tage würden sehr intensiv werden.
Müde verließ Xabi das Bad wieder und legte sich in sein Bett. Er löschte das Licht und schloss die Augen. Endlich schlafen.
Doch gerade als Xabi am Einschlafen war, hörte er plötzlich wie seine Zimmertür geöffnet wurde. Erschrocken öffnete er die Augen, blieb ganz still liegen. Er hatte nicht abgeschlossen gehabt, sie waren hier schließlich unter sich. Wer hatte sein Zimmer betreten? Oder hatte er sich das eingebildet? Vorsichtig drehte er den Kopf, sah im Dunkeln Richtung Tür. Der Mond schien hell und erhellte den Raum trotz des Rollos vor dem Fenster so weit, dass er Einzelheiten erkennen konnte. Doch, da war jemand. Er konnte einen Schatten sehen, der langsam durch sein Zimmer ging und schließlich vor dem Schreibtisch stehenblieb, das Gesicht Richtung Fenster gedreht. Dann rührte sich die Gestalt nicht mehr.
Xabi setzte sich auf. Verwirrt runzelte er die Stirn. War das… Florian? Er stand auf, trat zu ihm. „Flo?“ fragte er leise. Die Gestalt vor ihm rührte sich nicht. Xabi trat neben ihn, betrachtete sein Gesicht im Mondlicht. Doch, das war Florian Wirtz. Reglos stand er da und starrte ins Leere. „Flo? He, was ist los?“ Wieder keine Reaktion. Plötzlich verstand Xabi: Florian schlafwandelte. Ungläubig sah er seinen Spieler an, der noch immer zum Fenster starrte. Wie war das, man sollte Schlafwandler nicht wecken? Xabi dachte nach. Ach ja, nicht wecken, sondern einfach zurück zum Bett führen. Das würde er schaffen. Er räusperte sich. „He, Flo, komm mit.“ Er griff nach seinem Arm.
Auf einmal drehte sich Florian zu ihm um, starrte Xabi an ohne ihn wirklich zu sehen. Xabi lächelte.
„Komm mit, du musst wieder ins Bett.“
Florian setzte sich in Bewegung, ging durch den Raum. Xabi folgte ihm, wollte ihn bis zu seinem Zimmer begleiten, um sicher zu gehen, dass er auch wirklich dort ankam. Doch plötzlich drehte Florian ab, ging nicht zur Tür, sondern zu Xabis Bett. Er legte sich hin und zog die Decke über sich. Xabi sah überrascht auf.
„Moment, nicht da.“ Er sah auf ihn herab, doch Florian hatte seine Augen schon wieder geschlossen und atmete tief und gleichmäßig. Für einen Moment blieb Xabi unschlüssig stehen. Und jetzt? Sollte er ihn doch wecken? Irgendwie brachte er das nicht über sich. Er wartete noch einen Moment, doch nichts geschah, Florian schlief. Seufzend legte er sich neben ihn und deckte sich mit einer zweiten Decke zu. Kurz darauf war er ebenfalls eingeschlafen.
***
Am nächsten Morgen erwachte Xabi, als er neben sich eine Bewegung spürte. Er öffnete die Augen, erkannte Florian, der sich verwirrt umsah, und erinnerte sich daran, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Innerlich musste er lächeln. Florian sah zu ihm und bekam große Augen.
„Xabi? Was machst du in meinem Zimmer?“
Xabi setzte sich auf. „Nichts. Du bist in meinem Zimmer.“
Florian schüttelte den Kopf. „Blödsinn, warum sollte ich…“ Er sah sich um und brach ab, als er erkannte, dass das hier wirklich nicht sein Zimmer war. „Das ist dein Zimmer?“
Xabi nickte. „Ist es.“
„Aber… warum bin ich hier? Warum liege ich in deinem Bett?“
„Gute Frage.“ Xabi betrachtete ihn. „Letzte Nacht bist du in mein Zimmer gekommen und hast aus dem Fenster gestarrt. Ich wollte dich dann zurück in dein Zimmer bringen, aber stattdessen hast du dich in mein Bett gelegt und bist eingeschlafen. Ich wollte dich nicht wecken und habe dich einfach weiterschlafen lassen.“
Florian starrte ihn ungläubig an. „Was? Warum hätte ich das tun sollen?“
Xabi legte beruhigend seine Hand auf Flos Arm. „Sag mal, bist du in deinem Leben schon einmal geschlafwandelt?“
Florian starrte ihn an, noch immer verwirrt. „Naja, als ich jünger war, aber das ist lange her. Und auch nur bei Vollmond.“
„Wir haben zurzeit Vollmond.“
Automatisch sah Florian zum Fenster, wo allerdings inzwischen die Sonne schien. „Oh. Du meinst, ich bin geschlafwandelt?“ Er spürte, wie er rot wurde. „In dein Zimmer?“ Er war ihm ja so peinlich!
Xabi lachte auf, dann verließ er das Bett. „Ist doch nicht schlimm. Du hattest einen stressigen Tag gestern, dazu kommt der Vollmond und die neue Umgebung. Da kann sowas schonmal passieren. Denk nicht weiter darüber nach. Solange du dabei nicht das Haus verlässt und dich in Gefahr bringst, ist doch alles in Ordnung.“ Er holte sich frische Wäsche aus dem Schrank.
Florian nickte und stand ebenfalls auf. „Okay. Bitte erzähl niemandem davon, das ist mir unangenehm.“
„Keine Sorge, ich werde schweigen.“ Xabi ging ins Badezimmer, um zu duschen, während Florian aus dem Zimmer flüchtete und in sein eigenes zurückging.
***
Auch an diesem Tag wurde fleißig trainiert, gesund gegessen und am Ende regeneriert. Zuerst fühlte sich Florian noch etwas unwohl in Xabis Gegenwart, doch da sein Trainer die vergangene Nacht nicht mehr ansprach wurde auch er lockerer und versuchte es zu vergessen.
Am Abend saß Xabi wieder an seinem Schreibtisch in seinem Zimmer, sah sich Spielsequenzen auf dem Tablet an und machte sich Notizen. Der Vollmond schien wieder durch das Fenster und er bemerkte kaum, wie die Zeit verging. Er hatte nur die Schreibtischlampe brennen und achtete gar nicht auf die Zeit.
Plötzlich hörte er wie sich seine Zimmertür wieder öffnete. Er drehte sich um und sah, wie Florian hereinkam. Für einen Moment runzelte Xabi die Stirn. War er wach? Oder wandelte er wieder im Schlaf? „Flo?“
Florian war mitten im Zimmer stehengeblieben und starrte geradeaus. Seufzend erhob sich Xabi und trat zu ihm. Florians Augen waren nur halb geöffnet und unfokussiert. Er schien zu schlafen.
„Flo“, sagte Xabi leise und berührte ihn am Arm. „Hörst du mich?“
Florian drehte den Kopf, sah Xabi an, blieb aber stumm.
„Na los, Flo, du solltest dich wieder hinlegen.“ Xabi wollte ihn zurück zu seinem Zimmer führen, doch Florian nahm seine Worte sehr genau und legte sich auf den Fußboden. Er rollte sich zusammen und schloss die Augen. „Flo! Nein, nicht hier.“ Xabi kniete sich neben ihn und versuchte ihn vergeblich wieder auf seine Beine zu ziehen. Schließlich gab er es auf und dachte nach. Was sollte er nur tun? Egal, wenn er unbedingt auf dem Boden schlafen wollte, dann sollte es eben so sein. Xabi holte eine Decke und legte sie Florian über, dann ging er zurück zu seinem Schreibtisch und ging wieder an seine Arbeit.
Als Xabi eine halbe Stunde später zu Bett ging, lag Florian noch immer tief und fest schlafend auf dem Fußboden. Xabi legte sich in sein Bett und löschte das Licht.
Als Xabi am Morgen erwachte, lag Florian neben ihm im Bett und schlief. Für einen Moment sah er ihn nur an. Irgendwann in der Nacht musste Florian wohl vom Fußboden ins Bett gekommen sein. Seufzend stand Xabi auf und ging ins Badezimmer.
Als er frisch geduscht und angezogen wieder zurückkam, war Florian gerade aufgewacht und sah ihm mit großen Augen entgegen.
„Schon wieder?“ fragte er panisch und setzte sich auf.
Xabi nickte. „Schon wieder.“ Er berichtete ihm, was in der letzten Nacht vorgefallen war. Stöhnend ließ sich Florian zurück auf die Matratze sinken.
„Oh Mann, das tut mir leid“, sagte er. „Ich habe nichts davon bemerkt.“
„Macht doch nichts.“ Xabi betrachtete ihn. „Vielleicht solltest du deine Zimmertür abschließen?“
„Vielleicht.“
Xabi dachte nach. „Ich hoffe nur, dass du dann nicht versuchst aus dem Fenster zu klettern.“
Florian verließ das Bett. „Das wird schon nicht passieren“, brummelte er.
„Heute ist die letzte Vollmondnacht“, versuche Xabi ihn aufzumuntern. „Vermutlich wird es danach wieder besser.“
Florian ging zur Zimmertür. „Hoffentlich.“ Er öffnete sie und trat nach draußen. Erschrocken blieb er stehen, als er sah, dass Jonathan Tah gerade den Flur entlangkam und ihn überrascht ansah. Kein Wunder, schließlich kam er gerade nur in Unterwäsche und noch völlig verschlafen aus dem Zimmer seines Trainers. „Es ist nicht so, wie es aussieht“, murmelte er, dann lief er schnell an ihm vorbei zu seinem eigenen Zimmer, den fragenden Blick seines Teamkameraden ignorierend.
An diesem Tag spürte Florian ständig Jonathans Blicke auf sich. Was er wohl denken mochte? Natürlich hätte er ihm erklären können, was wirklich passiert war, doch das mit dem Schlafwandeln war ihm ziemlich unangenehm.
