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Language:
Deutsch
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Published:
2026-02-06
Words:
2,558
Chapters:
1/1
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6
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23
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120

Von längst bekannten Enthüllungen und rechten oder linken Ohrlöchern

Summary:

Thiel hatte endlich verstanden. Er hatte endlich verstanden, dass er… das Thiel in den Professor, also in Boerne, also naja, dass er eventuell... ein klein wenig... in Boerne verschossen war. Und um mit dieser Erkenntnis und den dazugehörigen Gefühlen irgendwie umzugehen, beschließt er, das wohl oder übel seinem Vater zu erzählen.

"Und das ist alles?", kam es von Herbert.

Notes:

Am Anfang fand ich es einfach nur sehr witzig mir dieses Gespräch zwischen Thiel und seinem Vater vorzustellen.

Am Ende bin ich daran hängengeblieben, dass ich immer ein wenig drauf gewartet habe, dass man Herbert auch mal eine kleine Andeutung zu einer Affäre mit einem Typen gibt, aber mir dann sein Ohrring bewusster aufgefallen ist.

Viel Vergnügen beim Lesen! <3

Work Text:

"Nimm dir 'n Bier, Junge", begrüßte Herbert seinen Sohn.

Thiel hatte vorhin angerufen. ‚Kann ich vorbeikommen? Ich äh- ich würd‘ gerne über was quatschen‘, hatte der gemeint. ‚Klar, ich hatte eh morgen-‘, wollte Herbert antworten, doch es wurde nur noch ein: ‚Super, ich bin in einer Stunde bei dir!‘ ins Telefon gebrüllt und dann aufgelegt. Es hatte 47 Minuten gedauert, bevor es an seiner Tür geklopft hatte und jetzt beobachtete er seinen Sohn, wie der etwas unbeholfen zwei Bier aus dem Kühlschrank holte und dann fast in ein Regal rannte.

„Frankie, was is’n los mir dir?“

„Was meinst du?“ Thiel blickte ihn groß an und Herbert nahm ihm Bier mitsamt -öffner aus der Hand. *Kling Pfft* klackten die beiden auf.

„Erst kann dir dieses Gespräch ja anscheinend nicht schnell genug kommen und jetzt stolperst du mir hier nervös rum. Raus mit der Sprache, was gibt’s?!“

Thiel hatte endlich verstanden. Er hatte endlich verstanden, dass er… Naja, dass der Professor, also Boerne, dass der… oder viel eher, dass Thiel… Ach.
Dass es einen Grund gab, dass Thiel doch ziemlich häufig in der Rechtsmedizin aufzufinden war.
Also, einen Grund, der über die pragmatische Aufklärung von Mordfällen hinausging.
Und einen Grund für die - wenn er jetzt so drüber nachdachte - sich häufenden gemeinsamen Abende, um eben diese Mordfälle zu besprechen. Also die gemeinsamen mit Boerne. Wo sie gemeinsam aßen… und redeten... Und die für Thiel inzwischen so substanziell in seinen Alltag gehörten, dass er nicht mehr ohne wollte.

Meine Güte, warum hatte Thiel so lange gebraucht, um das zu kapieren. Er war verknallt. Ein wenig.

Oder. Naja.


Ja.
Er war verliebt.

In Boerne.

Scheiße.

Geplagt von dieser neuen Erkenntnis, die ihn vor ein paar Stunden wahllos überfallen hatte, wollte ihm das jetzt erstmal keine Ruhe mehr lassen.
Und irgendwann hatte Thiel dann eingesehen, dass er diesen Schwachsinn aus seinem System bekommen musste, sonst erstickte er noch an all den Gefühlen und Gedanken, die sich seither in seinem Kopf und seinem Magen überschlugen. Leise erinnerte sich Thiel, dass jemand mal zu ihm gesagt hatte, dass sich sowas durch‘s „Drüber reden“ lösen ließ. Vermutlich war das sogar Boerne selbst gewesen. Und er hatte seufzten müssen.

Dann war da aber die Frage, mit wem zum Teufel er da drüber sprechen sollte. Notgedrungen war Thiel seine innere Liste an Personen durchgegangen, zu welchen er genug Vertrauen pflegte und bei denen er das Gefühl hatte, dass sie ihm auch bei ernsteren Gesprächen zuhören würden.

Als erstes war ihm da ironischerweise Boerne selbst eingefallen. Ganz toll. Dieser fiel hier natürlich kategorisch raus. Das wär ja das Allerletzte sofort damit zu Boerne zu rennen, damit dieser dann-
Thiel schnürte sich der Hals zu. Das ging nicht, ne ne ne.

Als nächstes fiel ihm Vaddern ein, aber auch das schien ihm auf den ersten Blick eine ganz blöde Idee zu sein. Nicht, dass Thiel vermuten würde, sein Vater hätte ein Problem damit, dass er sich in einen Typen verliebt hatte – das mit Sicherheit nicht. Nur würde ihn sein Vater auslachen, dass es ausgerechnet Boerne war. Er konnte das amüsiert hämische, heisere Lachen schon fast hören. Und ohnehin, was sollte sein Vater denn mit dieser Information anfangen außer ihn dann ständig damit aufzuziehen?

Nadeshda kam ihm als nächstes in den Sinn. Inwiefern er zu ihr ein rein kollegiales zu freundschaftliches Verhältnis pflegte und inwiefern das in dieser Beziehungsdynamik angebracht war, dem wollte er an der Stelle auch erstmal gar nicht näher nachgehen.
Thiel konnte sich vorstellen, dass sie ein ehrlich offenes und empathisches Ohr für ihn hätte, aber irgendwie... Wenn er so drüber nachdachte - sie warf ihnen jetzt schon genügend skeptisch amüsierte Blicke zu, sobald er mit Boerne auch nur im selben Raum stand. Da brauchte er es nicht auch noch, dass sich ihr Blick bei jeder Kleinigkeit zwischen Boerne und ihm in seinen Nacken brannte. Thiel hatte auch so schon wirklich genug damit zu tun, möglichst normal auf Boerne und dessen ständige Grenzüberschreitungen zu reagieren. Nadeshda wissend hinter sich zu spüren war da wirklich keine sonderlich verlockende Vorstellung. Und am Ende verplapperte sie sich vielleicht auch noch oder brachte Boerne mit irgendwelchen Andeutungen auf dumme Ideen. Ne ne, was sie sich über ihn und Boerne zusammenreimte - oder was auch nicht - war so zumindest nur begrenzt sein Problem.

Weiter dachte er an Frau Haller - und auch, wenn er sehr viel Vertrauen in die Rechtsmedizinerin an sich und insbesondere an ihre Verschwiegenheit besaß, so schien sie dennoch rein strukturell zu nah an Boerne situiert zu sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde er – genau wie im Falle von Nadeshda - von dem steten Wissen geplagt werden, dass sie jetzt davon wusste - und das dann jedes Mal, wenn Thiel wieder persönlich in der Rechtsmedizin vorbeischaute, um nach Ergebnissen zu fragen, wenn ein Telefonat oder ein Blick in die Akten vollkommen ausgereicht hätten. Nein, bei dem Gedanken wurde ihm auch nur wieder so komisch zumute. Damit war Frau Haller also auch raus.

Wann hatten sich eigentlich fast alle seine sozialen Kontakte auf die Arbeit beschränkt? Oder auf die Abende mit Boerne. Obwohl die irgendwo auch eigentlich Arbeit waren. So offiziell zumindest, meistens. Wenn sie nicht anfingen mit der zweiten angebrochenen Flasche Wein über Gott und die Welt zu quatschen. Und wenn Boerne dann plötzlich so ganz nah bei ihm saß und Thiel so gerne… Und wie war er jetzt schon wieder gedanklich bei Boerne gelandet?

Irgendwann war er schließlich wieder bei seinem Vater gelandet. Der war scheinbar doch die beste Wahl unter den Kandidierenden, wenn der Rest so eng mit der Arbeit verknüpft war. Und mit der Arbeit verknüpft hieß auch immer mit Boerne verknüpft, was es hier prinzipiell zu vermeiden galt.

Naja, und jetzt stand er eben hier vor seinem Vater, um all das irgendwie loszuwerden. Aber jetzt war auch wieder etwas Zeit vergangen – wenn auch nicht viel, aber das drängende Gefühl, sich jemandem mitteilen oder sonst platzen zu müssen, war wieder aus Thiels Körper gewichen. Jetzt klang ‚mit jemandem da drüber zu reden‘ nur nach einer verdammt idiotischen Idee. Und vielleicht hatte Thiel sich ja auch einfach vertan. Oder das mit Boerne und diesen ganzen Gefühlen ging auch ganz von selbst wieder weg... Vielleicht.

„Ach… vergiss das wieder“, seufzte Thiel also, um sich aus der Affäre zu ziehen. „Mir war nur irgendwie nach… Ich weiß auch nicht. Mir fällt zu Hause einfach ein wenig die Decke auf den Kopf.“

„Sohn, bist du so einsam, dass du jetzt schon unter Vorwand deinen alten Herrn besuchen kommst? Du solltest dir wirklich eine Frau suchen…“

Thiel lächelte gedankenabwesend mit müden Mundwinkeln.

„Oh, geht es darum? Hast du Frauenprobleme?“

„Wenn man so will“, brummte Thiel mehr zu sich selbst.

„Na komm, rück schon raus! Du bist nicht an deinem freien Tag hier aufgekreuzt, nur um jetzt so geheimtuerisch rumzudrucksen und Trübsal zu blasen!“

Thiel blickte auf - eines der wenigen Male, seitdem er hier war, in denen er dem Blickkontakt mit seinem Vater nicht direkt auswich. Dann seufzte er.

„Ok ok, es ist…“ Er hatte gehofft, wenn er seinen Körper einfach überrumpelte und sich in den Satz stürzte, dann würde das schon irgendwie ganz von alleine gehen, aber plötzlich verkrampfte sich nur wieder alles in ihm.

"Ich- Ach, verdammte Scheiße, warum ist das so schwer!"

"Na spuck's schon aus!" Sein Vater machte einen ungeduldigen (aber gutmütigen) Eindruck.

"Ich bin in Boerne verknallt", platze es aus ihm heraus. Erst starrte er an die Decke, dann an irgendeinen Fleck an der Wand hinter seinem Vater.
Warum gab es dafür eigentlich keine besseren Bezeichnungen? Das klang ja, als wäre er wieder 14. Naja, zumindest fühlte er sich inzwischen auch wieder so.

"Und das ist alles?", kam es von Herbert.

"Wie, was meinst du 'das ist alles'?" Thiel klang fast ein wenig eingeschnappt. Er öffnete seinem Vater hier sein Herz und dann wurde da gar nicht mal mit angemessenem Schock reagiert... Da hätte er zumindest schon ein wenig die Augen aufreißen und dramatisch die Luft anhalten können… oder so.

„Meine Güte, du hast mir ja regelrecht Angst gemacht mit deiner Rumgestammelei. Auch schon am Telefon: 'Ich muss dir was sagen'. Ich dachte, die Ärzte haben doch irgendwas gefunden bei diesem Check-Up, zu dem du mich neulich geschleift hattest. Und dann haben dir die Ärzte einfach früher Bescheid gesagt als mir, was weiß ich!"

Die Check-Up Idee war natürlich auch von Boerne gekommen. Er lag schon seit Ewigkeiten Thiel und bei Gelegenheit auch Thiel Senior damit in den Ohren und dass das „bei einem Mann in Ihrem Alter, ich möchte Ihnen ja nicht zu nahetreten, aber doch ziemlich angebracht wäre.“ Nachdem Vater und Sohn den stetig währenden Mahnungen müde wurden, hatte sich Herbert sogar tatsächlich zu der Routineuntersuchung schleppen lassen.

"Und du hast all die Jahre gebraucht, um das zu realisieren?! Oder hast du beschlossen mir aus irgendwelchen Gründen ausgerechnet jetzt, an einem x-beliebigen Sonntagvormittag, davon zu erzählen? Oder habt ihr euren Schwachsinn doch endlich auf die Kette bekommen und du nimmst einfach die lange Route, um mir davon zu erzählen, dass ihr zusammen seid?!“

„Nein, Vaddern, ich hab' wirklich- Warte was? Zusammengekommen? Warum sollten wir denn- Wie kommst du denn auf die Idee!? Boerne hat doch gar kein Interesse an mir!“

Dafür starrte Herbert seinen Sohn zumindest jetzt schockiert an.

„Oh Gott, er meint das ernst. Der arme Professor...", murrte er dann zu sich selbst und schüttelte den Kopf.

"Was?"

"Ach, nichts, nichts.“ Dazu wedelte er mit seinen Händen in der Luft rum. „Da kommst du hoffentlich auch noch selbst drauf..."

„Und die lassen dich bei Polizei arbeiten?“, schob sein Vater aber dann doch noch hinterher. „Und dann auch noch ausgerechnet in der Mordkommission? Für so Detektivkram? Als Oberkriminalkommisar?! Ich war ja eh schon immer der Überzeugung, dass die bei der Polizei alle- naja, du weißt schon. Aber die müssen ja wirklich Fachkräftemangel haben, dass du da-"

"Ich hab's ja verstanden, Vaddern, vielen Dank auch!"

Für einen Moment wurde es still zwischen ihnen.

"Und das war's jetzt? Das war deine große Beichte? Der Grund, dass du hier bist und mit mir reden wolltest?"

„Du hättest schon ein wenig schockierter sein können…“, grummelte Thiel leise.

"Ich kann auch nochmal auf überrascht tun, wenn dir das lieber wäre." In albern gespielter Dramatik zog Herbert seine Augenbrauen hoch und fuchtelte in großen Gesten mit den Händen in der Luft herum. „Was?! Mein Sohn?! Steht auf Männer?! Und dann auch noch auf den Typen, mit dem er ständig zusammen rumhängt und von dem er ununterbrochen redet?! Oh mein Gott, wie-“

"Danke Vaddern, dafür ist es aber jetzt wirklich zu spät."

Grinsen musste Thiel trotzdem, wie sein Vater zufrieden feststellte.

Dass ihn das so nervös gemacht hatte, dachte Herbert kopfschüttelnd. Er hätte doch meinen können, dass sein Sohn mit allem zu ihm kommen konnte und gerade bei sowas war doch klar, dass das kein großes Ding wäre. Dass Frankie aber auch so verdammt verklemmt sein musste, manchmal…

"Wie ähm... wie ist das eigentlich bei dir so?", fragte Thiel zögerlich nach einem Schluck aus der langsam warmwerdenden Bierflasche.

"Was meinst du, Sohn?"

"Naja, ich meine, in euren Kommunen und so..."

"Fragst du mich, ob ich schwul bin?"

"Scheinbar…", antwortete Thiel sichtlich über seine eigene Frage irritiert.

"Neee, bin ich nich", antwortete Herbert in beiläufigem Tonfall.

"Nein?" Thiel schien ehrlich überrascht.

"Nur, weil ich 'n Hippie bin, soll ich gleich auf Männer stehen oder was soll das heißen?"

"Nein, naja, ich dachte ja nur-"

Herbert zeigte unvermittelt zu seinem Ohrring.

"Siehst du? Bin hetero."

"Was hat das den jetzt damit zu tun?", fragte Thiel irritiert. "Ein Ohrring is ja - jetzt Mal ganz klischeehaft gesprochen - wirklich nichts, was vor Heterosexualität strotzen würde..."

"Naja, aber er is ja auf der linken Seite!", präsentierte Herbert, als ob das nun alle Fragen beantwortet hätte. Sein Sohn blickte ihn nur verständnislos an.

"Meine Güte, Junge, hat die jüngere Generation den schon alles vergessen... rechtes Ohrloch heißt schwul, linkes Ohrloch heißt hetero!"

"Aha."

"So war das damals, als ich noch jung war. Da war das gesellschaftlich ja noch nicht so akzeptiert wie heute – auch, wenn wir immer noch meilenweit davon entfernt sind, dass-

„Ich hab ja verstanden“, unterbrach Thiel ihn, bevor das hier noch in eine dreistündige Geschichtsstunde ausuferte. So ein klein wenig angespannt war er dann doch noch mit dem allem hier.

„Dafür haben wir ja schließlich gekämpft und sind auf die Straße gegangen! Aber man hatte damals halt so diese Kennzeichen untereinander." Noch einmal zeige Herbert zu seinem Ohrring.

"Hmh.“ Thiel nickte brav. „Und du hast wirklich nie...?"

"Mit 17 hat Mal 'n Freund von mir… also, naja, Freund, Bekannter… wir waren damals nicht so eng mit so Begriffen wie ihr heute. Du hast dich ja auch lange genug davor gesträubt den Professor überhaupt als-“

„Ja, Vaddern!“

"Jedenfalls, 'n Bekannter von mir hat versucht mit mir rumzumachen, hab dabei aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Und auch so grundsätzlich… ich war ja offen für alles, aber ne. Hatte einfach nie viel für Kerle übrig, zumindest sexuell und so.“

Thiel nickte erneut, zu mehr fühlte er sich gerade nicht mehr imstande. Er hatte die Frage sowieso sofort bereut, sobald sie seinen Mund verlassen hatte, aber da war es schon zu spät gewesen.

Herberts Blick schwang aus seinen Erinnerungen zurück zu seinem Sohn und ein versöhnliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

"Ich bin stolz auf dich, Junge."

"Ach komm, lass stecken, Papa. Ich bin wirklich nicht hier, um mir-"

"Ne, im Ernst.“ Lachend beobachtete Herbert, wie sein Sohn neben ihm ein wenig unangenehm berührt auf seinem Platz hin und her rutschte.

"Na, komm her!" Herbert zog ihn mit einem Arm an sich und drückte sich gegen seine Schulter. Thiel versuchte erst alles abzuwehren, aber ließ es dann doch ein klein bisschen gerührt von der Geste zu. Sein Vater meinte es ja nur gut mit ihm und irgendwie war er ja tatsächlich erleichtert darüber, wie entspannt sein Vater das aufgenommen hatte. Nur hatte er es nun wirklich nicht mit diesem ganzen Gefühlskram.

"Auch, wenn es nicht unbedingt der Professor hätte sein müssen...", ergänzte Herbert ein wenig amüsiert.

Thiel stieß ihm grimmig dreinblickend in die Rippen, musste aber dann auflachen.

"Na, ausnahmsweise sind wir da dann doch derselben Meinung."

"Aber deinem armen, gebrechlichen Vater erstmal den Ellenbogen in die Rippen jagen, ja ja, so ist das also."

„Das ich nochmal erleben darf, dass du sich selbst als gebrechlich bezeichnest. Hatte die Untersuchung, die Boerne dir aufgequatscht hat, doch noch ihre Nebeneffekte?“

„Natürlich musst du mir sofort damit anfangen von Boerne zu reden!“, triumphierte Herbert über die viel zu einfache Vorlage.

Prompt wurde Thiel rot und sein Vater verfiel in haltloses Gelächter.

„Meine Güte, Junge, dich hat’s ja wirklich richtig erwischt!“

„Jaja, Vaddern, war schön und so, aber ich muss dann auch wieder.“ Thiel war aufgesprungen und steuerte zielstrebig die Haustür an.

„Und jetzt will er sofort 'nen Rückzug machen, is ja mal wieder typisch!“

„Tschühüss!“, rief Thiel nur fröhlich hinter sich und stürmte auf sein Fahrrad zu, dass im Vorgarten parkte.

„Das nächste Bier geht auf deine Kosten!“, brüllte Herbert ihm noch hinterher.

Vielleicht war es ja doch gar nicht mal so schlecht, dass er mit seinem Vater drüber gesprochen hatte, dachte Thiel, als er mit einem erleichterten Grinsen und etwas weniger Druck in der Brust davon radelte.

Naja, er dachte es zumindest so lange, bis sein Vater bei ihrem nächsten Treffen anfing jedes Mal mit den Augenbrauen zu wackeln, wenn er in einem Nebensatz Boerne erwähnte. Aber damit musste er sich jetzt irgendwie arrangieren.