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‘Carving’ unsere Namen in die Piste

Summary:

Kevin und Basti auf Klassenfahrt in einem Skilager.
Kevin möchte doch nur Zeit mit seinem Boyfriend haben, allein. Ist das zu viel verlangt?

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Kevin murrte ungeduldig und starrte auf die sich leicht bewegende Schlange. Vor ihm drängte sich ein Kind mit seinem Elternteil in die Schlange rein. Kevin rümpfte seine Nase und bewegte sein Snowboard, um dem Kind Platz zu machen.

Er hasste es vielleicht am Skilift anzustehen, aber ein Arschloch war er nicht. Der Blonde streckte sich leicht, um zu sehen, warum zur Hölle sich nichts bewegte, doch vor ihm war viel zu viel los. Zudem konnte er nicht in das Gebäude reinschauen.

Er stöhnte und schaute gelangweilt den Leuten zu, die den Berg herunterfuhren. In der Mitte der Piste war eine Skischule zu sehen, die angehalten hatte, weil weiter oben eines der Kindern hingefallen war. 

Kevin unterdrückte sich ein Lächeln, er konnte sich noch zu gut an seine erste Erfahrung mit Skiern erinnern. 

Inzwischen bevorzugte er sowieso sein Snowboard. Während er Gedankenverloren zu den Kinder schaute, drängte sich plötzlich jemand neben ihn und stupste ihn an.

Kevin zuckte zusammen und drehte sich zu seiner Rechten. Neben ihm stand ein etwas größerer Junge, mit einem blauen Helm, dunkelblauer Jacke und Skiern. Sofort begann Kevin zu Lächeln. 

“Basti! Du bist hier! Ich dachte, wir wollten uns oben an der Alm treffen?” Sprach der Blonde aufgeregt. Sein Freund lachte und nickte, bevor erklärte:

“Ja, vor 15 Minuten…Doch bist ewig nicht gekommen, also wollte ich schnell noch einmal runterfahren.” 

“Ah…” Murmelte Kevin. War schon so viel Zeit vergangen? Wie lange steckte er schon in der Schlange?

“Ich schätze, ich weiß warum du nicht gekommen bist…” Witzelte Basti und zeigte mit einen seiner Stöcke in Richtung des Liftes. Kevin stöhnte einfach nur und legte seinen Kopf auf die Schulter seines Freundes.

Ein kleines Lächeln breitete sich bei dem Gedanken aus.

Sein Freund, sein Partner, sein Boyfriend!

Kevin konnte es immer noch nicht glauben, dass die beiden wirklich zusammen waren. 

Seine Wangen wurden ganz warm. Die beiden waren offiziell erst seit knapp zwei Monaten zusammen und doch fühlte es sich schon wie eine Ewigkeit an. Kevin könnte nicht glücklicher sein…nun…vielleicht war das eine kleine Lüge.

Aber auch nur eine kleine. 

Basti war tendenziell eher schüchtern, wenn es darum ging, öffentliche Zuneigung zu zeigen, egal ob es um Händchen halten oder Umarmungen ging. Kevin versuchte sich nicht zu groß daran zu stören, schließlich war dies Bastis erste Beziehung und er hatte dem Schwarzhaarigen versprochen, es langsam angehen zu lassen.

Trotzdem verlangte er manchmal mehr. Aber bis jetzt hat er das für sich behalten und wird es wahrscheinlich auch noch für eine Weile. Keinen Grund, seinen Freund unnötig zu stressen.

“Ich glaub jemand ist vorne hingefallen, zumindest sah es so aus, als ich daran vorbeigefahren bin..”, sprach der Dunkelhaarige plötzlich. Kevin drehte seinen Kopf, so dass sein Kinn jetzt auf der Schulter des anderen lag und er Basti ohne große Probleme anschauen konnte.

“Urgh…wie lange kann das denn dauern?!”, beschwerte sich Kevin. 

Er wollte endlich mit seinem Freund die Piste runterrasen. Bevor einer ihrer Freunde oder Klassenkameraden dazustieß. Es war schon schlimm genug, hier Zeit oder Raum nur für sie zu bekommen.

Kevin wollte also jede Sekunde ausnutzen und nun steckte er hier fest. 

Er und Basti hatten es vielleicht knapp fünf mal geschafft, zu zweit die Piste runterzufahren und das Skilager endete morgen! 

Das war wortwörtlich die letzte Chance, die Kevin hatte! War das zu viel verlangt, dass das Universum mal mitspielt?

Basti zappelte leicht unter ihm und riss so den Blonden aus seinen Gedanken. Kevin fokussierte sich wieder auf seinen Freund, der sich mehrmals umschaute. 

Kevin überlegte amüsiert, was den anderen so angespannte, bis ihn die Realisierung traf.

Er versuchte seine Enttäuschung nicht die Überhand gewinnen zu lassen und lehnte sich wieder weg von Basti. Der Andere entspannte sich merklich in dem Moment, als Kevin nicht mehr auf ihm lehnte.

Basti warf ihm ein kleines entschuldigendes Lächeln zu und Kevin versuchte es ein wenig zu erwidern, auch wenn die Enttäuschung tief in seinem Magen saß. Ein andermal.

Doch noch bevor einer der beiden etwas weiteres machen konnte, ging es plötzlich vorwärts. 

Kevin begann breit zu grinsen. Endlich.

Nach mehreren Hin- und Herrutschen und Einordnen, saßen die beiden endlich in einem Sessellift. Neben Basti saß noch ein eher älter aussehendes Pärchen, aber die beiden Jungs schenkten ihnen keine Beachtung. 

Kevin lehnte sich entspannt zurück und Basti kicherte leicht, bei dem erleichterten Geräusch, das der Blonde von sich gab.

Kevin gab seinem Freund ebenfalls ein Lächeln zurück, bevor er von seinen ersten paar Fahrten erzählte. Irgendwie musste man ja die Zeit überbrücken. Basti für seinen Teil nickte ihm zu und warf ab und zu kleine Sachen ein. 

Eigentlich eine recht entspannte Fahrt, das war jedenfalls bis Basti einwarf: “Ach ja! Dein Bruder hat mich vorhin gefragt, ob wir uns alle gegen 15 Uhr am Funpark treffen wollen.”

Kevin starrte den Anderen an. Manchmal hasste er, wie nett sein Boyfriend war. 

“Warum zur Hölle ist Marcel auf dem Gletscher? Sollte er nicht mit seiner Klasse am Riffelsee sein?”, fragte Kevin ungläubig. Trotz seiner Frage wusste er, dass es nicht so unwahrscheinlich war, dass sich Marcel und seine Freundesgruppe hier hoch gequengelt hatten. 

So sehr sie ihm immer wieder auf die Nerven gingen, musste er ihnen eines lassen, sie hatten ein Talent dafür, sich immer in die Oberstufe zu schleichen. Speziell immer zu seiner Freundesgruppe. 

Basti lachte leise, bevor er antwortete: “Denkst du, das hält sie auf?”

Kevin schnaubte. “Warum tho?”

Basti zuckte nur mit den Schultern und richtete seine Stöcke und Skier. Kevin machte sich auch bereit, runter zu hüpfen.

“Ich glaube als Abschluss? Keine Ahnung, wir konnten doch nicht so viel zusammen machen, wie gedacht… Also, warum nicht noch ein letztes Mal alle zusammen eine Piste runter rasen?"  vermutete Basti. 

Kevin nickte, das klang immerhin plausibel, die Neuntklässler waren immer die Sentimentalsten unter ihnen. 

Kevin setzte sein Snowboard auf die leicht vereiste Fläche und raste neben Basti vom Sessellift. Die beiden blieben kurz dahinter am Rand stehen und blickten auf die Wegkreuzung.

“Schwarz oder blau?” fragte Kevin. Basti neben ihm richtete seine Handschuhe noch einmal, bevor er sich zu ihm drehte: 

“Als ich vorhin die Blaue gefahren bin, war das untere Ende schon vereist, also Schwarz? Ich meine, für später müssen wir eh in die Richtung.” Kevin nickte, er hatte nichts dagegen, die beiden könnten ja vorher schon im Funpark sein.

“Wie spät ist es denn eigentlich?” murmelte Kevin und rutschte gemächlich in Richtung der schwarzen Piste.

Basti glitt neben ihn und antwortete: “Vorhin unten am Lift war es kurz vor um 2? Also wahrscheinlich haben wir noch knapp eine dreiviertel Stunde.”

“Na dann nutzen wir die besser, huh?” fragte Kevin grinsend und begann, kleine Schwünge zu machen. Die Piste war zum Glück bis auf vereinzelte Leute fast leer.

Zeit anzugeben.

 

⸻ ⁎ ⁂ ⁎ ⸻

 

Kevin lachte und betrachtete von seiner sitzenden Position, wie sein kleiner Bruder unsicher auf seinen Skiern die Piste herunter fuhr. Marcel wurde keine Sekunde später von Mike und Hugo brüllend überholt, der Blonde wich quietschend aus und Kevin lehnte sich grinsend zurück. 

Obwohl die drei noch einen ganzen Weg von Kevin und der Gruppe entfernt waren, konnte man sie schon ab der Hälfte der Waveline-Piste hören.

Egal, wie angepisst er doch noch vor einer Stunde gewesen war, weil seine Zeit zu zweit mit Basti kurzfristig beendet wurde, musste er zugeben, dass er die Zeit seines Lebens hatte.

Neben ihm konnte er den Rest seiner Freunde über die neuesten Gerüchte diskutieren hören. Während die Jüngeren ein letztes Mal die Piste herunterfuhren. 

Sie hatten sich alle entschieden, doch die letzte Gletscherbahn nach unten zu nehmen, keiner von ihnen hatte wirklich viel Lust, eine Stunde Talabfahrt zu machen - viel zu erschöpft. 

Dementsprechend mussten sie bald weiter. Zum Glück hatte Heiko sich bereits einen Alarm gestellt, wann sie alle geschwind aufbrechen mussten.

Natürlich, so dass sie alle maximal lange im Funpark bleiben können.

Mike und Hugo kamen ein paar Meter über Kevin zum Stehen und bespritzten ihn mit einer Fontäne aus Schnee, stöhnend und maulend, wischte sich Kevin den Schnee von seiner Jacke und Hose.

“Wichser.” Maulte der Blonde und die beiden begannen zu lachen, bevor sie etwas näher zu Kevin rutschen. 

“Worum geht's?" Murmelte Mike und zeigte mit einem seiner Stöcke auf die Fraktion hinter Kevin.

Hugo pflanzte sich währenddessen ebenfalls in den Schnee und begann Schneebälle zu formen.

Seufzend erklärte Kevin, gelangweilt, das Thema der letzten 5 Minuten: “Stegi hat mitbekommen, dass angeblich irgendwer mit irgendwem in einem Zimmer geschlafen hat–” 

“OHHH! Wer?!” Unterbrach ihn Hugo.

Kevin zuckte nur mit den Schultern, ihn hatte es nicht wirklich interessiert, weil er die Personen nicht kannte. Doch scheinbar schien es Hugo blendend zu interessieren, denn der Blonde rutschte auf seinen Knien weiter nach vorn und unterbrach Bastis Monolog über Stegi. 

Kevin warf seinen Kopf in den Nacken, sein Gesicht verzog sich zu einer leichten Grimasse. Er mochte Bastis Stimme als Hintergrundgeräusch. 

Kevin zonte halb aus, während der Neuntklässler immer invasivere Fragen stellte, welche Stegi aus irgendeinem Grund immer noch beantworten konnte. 

Schließlich kam Marcel neben ihnen leicht unbeholfen zum Stehen. Kevin grinste leicht, bevor er witzelte: “Wow, das erste Mal geschafft stehenzubleiben, ohne auf die Fresse zu fliegen. Glückwunsch.”

Der Jüngere gab ihm nur einen Mittelfinger, bevor er keuchend Heiko nach der Zeit fragte. Doch genau in diesem Moment ging der Alarm des anderen los. 

Murrend richtete sich Kevin mit dem Rest auf. Er ließ allen anderen Vorrang, bevor er hinterher fuhr, neben ihn rutschte Basti, welcher mühsam seine Handschuhe richtete.

Ein kleines Lächeln breitete sich auf Kevins Lippen aus und Schmetterlinge machten sich in seinem Magen breit.

Er und Basti zogen sich wie zwei Magneten in das Umfeld des jeweils Anderen. Wo einer war, blieb der Andere nicht weit. 

 

⸻ ⁎ ⁂ ⁎ ⸻ 

 

Kevin gähnte und lehnte sich an die Wand. Die Gletscherbahn war fast leer bis auf ihre Gruppe. Der Blonde blinzelte müde, der ganze Tag hatte ihn scheinbar mehr ausgelaugt als er bis jetzt gedacht hatte. 

Keiner aus ihrer Gruppe redete. Alle erschöpft und maulfaul, nach fast 2 Stunden, in denen sie ohne große Pausen gesprungen und um die Wette gefahren waren. 

Hugo und Marcel hatten sich beide auf Mike gelehnt, welcher ebenfalls eins davor war einzuschlafen. Neben ihnen hielten sich Faister und Heiko an einem Geländer fest. Die Beiden wechselten ab und zu leise ein-zwei Worte miteinander. 

Kevin seufzte und blickte zu seiner Seite. Neben ihm lehnte Basti - Hinterkopf an der Wand mit fest geschlossenen Augen. 

Kevin kam plötzlich ihr Warten beim Lift in den Sinn. Zögerlich biss er sich auf die Lippe, bevor er seinen Kopf langsam auf Bastis Schulter senkte.

Der Schwarzhaarige zuckte leicht zusammen, aber er entspannte sich wieder. Kevin lächelte leicht, sein Magen kribbelte und er festigte seinen Griff um sein Snowboard. 

Ab und zu rüttelte die Bahn leicht, doch Basti blieb wie eine feste Wand stehen. Kevin entspannte sich immer mehr und versuchte mit größter Mühe wach zu bleiben. Eine gefühlte Ewigkeit standen sie da, obwohl die Fahrt an sich nur 8 Minuten dauerte. 

Doch jede Sekunde zog sich, wie eine Stunde. 

Schließlich unterbrach die Stille eine Frauenstimme, die verkündete, dass sie wieder im Tal waren. Kevin richtete sich seufzend wieder auf. Der Rest ihrer Bande stöhnte ebenfalls, aber trotzdem brach keiner die Stille.

Mühsam schleppten sie sich aus der Bahn durch die Talstation. Kevin trödelte etwas hinter Hugo her, welcher ab und zu schneller und langsamer wurde. 

Der Blonde blickte an dem Jüngeren vorbei, Basti hatte sich zu ihnen umgedreht und lief etwas langsamer, sodass er und Kevin jetzt auf einem Tempo aus der Station trödelten.

An der Haltestelle blieben sie stehen und schauten dem Trubel auf dem Parkplatz zu.

“Der nächste Bus kommt in 3 Minuten!” Sprach plötzlich Heiko mit mehr Energie und Enthusiasmus als die gesamte Gruppe aufbringen konnte. Eine Kakophonie aus Grummeln und schlaffe “Yeah”s und “Wuhu”s kamen zurück. 

Plötzlich stupste ihn Basti an, Kevin drehte sich fragend zu seinem Boyfriend. 

“Wollen wir zusammensitzen?” 

Der Blonde zog eine Augenbraue nach oben und murmelte leicht grinsend zurück: “Du wärst nen schlechter Boyfriend, wenn nicht.” Basti schnaubte und verdrehte seine Augen spielerisch, bevor er seinen Helm auszog.

Kevin starrte unverdrossen dem Anderen zu. Bastis schwarze, sonst so flauschige Haare lagen teilweise verschwitzt an seinem Kopf. Trotz allem sah er wie immer gut aus. 

Gott, Kevin wollte auch solche Gene haben.

Basti warf ihm einen fragenden Blick zu und Kevin hatte scheinbar noch genug Energie, rot anzulaufen. Er räusperte sich und tat es dem anderen mit weniger Eleganz und Energie gleich. 

Sobald frische Luft auf seine verschwitzte Skimaske traf, atmete Kevin leicht auf. Das tat gut.

Doch lange konnte er es nicht genießen, denn jemand kicherte leise neben ihm. Kevin warf seinem Boyfriend einen bösen Blick zu, der allerdings wahrscheinlich eher armselig aussah, denn der Andere begann lauter zu lachen. 

Kevin drehte sich leicht beleidigt wieder nach vorne und starrte auf die Hinterköpfe, Helme und Skimasken der anderen. Doch plötzlich griff eine Hand seinen Anorak und sein Kopf wurde in Bastis Richtung gezogen.

Kevin schaffte es weder seinen Kopf zu drehen noch ein überraschtes Geräusch von sich zu geben, bevor er sanft auf die Wange geküsst wurde.

Holy shit.

Sofort explodierten Schmetterlinge in seinem Bauch und heiße Lava brannte sich durch seine Venen und seine Wangen gingen ebenfalls in Flammen auf. Der Kuss hatte keine 3 Sekunden gehalten, aber Kevin fühlte sich trotzdem leicht schwindelig. 

Jede Faser seines Körpers war wieder hellwach und er fühlte sich plötzlich voller Energie.

Sein Blick schoss zu Basti, der ihn mit ebenfalls roten Wangen betrachtete.Ein zögerliches Lächeln lag auf den Lippen des Anderen. 

Der Blonde starrte seinen Boyfriend an, bevor er strahlend das Lächeln erwiderte. Sein Herz raste immer noch in seiner Brust und seine Gedanken waren ebenfalls immer noch drunter und drüber, aber das war Kevin für den Moment egal.

Basti hat ihm einen Kuss gegeben! 

Vielleicht war das Skilager doch gar nicht so schlimm.

 

Notes:

Cope ich, dass ich dieses Jahr nicht in den Skiurlaub gefahren bin? Nö…definitiv nicht why?
- Ja, das Chapter spielt in einem bestimmten existierendem Skigebiet (war faul, außerdem kenn ich das am besten)

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