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Entführ mein Herz aus dem Labyrinth von Knossos

Summary:

Basti trifft sich heimlich mit seinem (Not-but-also-definitely)-Lover und schwelgt in Erinnerungen.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Basti schluckte und atmete zitternd aus, trotz seiner Angst lief er weiter unbeirrt aus dem Thronsaal. Die Wachen ließen ihn ohne Probleme durch die große Tür - seiner kleinen silbernen Krone - zu verdanken. 

Hinter ihm knallte die Tür in donnerndem Klang zu. Der Schwarzhaarige schluckte erneut und vergewisserte sich ein letztes Mal, dass keiner der Gäste durch die Gänge schlich.

Seine Schultern entspannten sich und Bastis Schritte wurden schneller und schneller. Er rannte durch das Labyrinth aus Gängen und Türen mit Sicherheit und Geschicktheit, die nur aus Erfahrungen, des jahrelangen Herausschleichens kam. 

Er kannte die Wege im Schloss, als wären sie ein Teil von ihm. In der Ferne dröhnte gedämpft die Musik durch die leeren, einsamen Gänge, sie wurde leiser und leiser, je näher Basti seinem Ziel kam.

Leicht außer Atem blieb er vor einer nicht außergewöhnlich aussehenden Tür stehen. Sie sah aus wie jede andere des Schlosses. Doch genau diese Tür hielt Bastis Karte in die Freiheit, die Karte der Veränderung, die Karte der Revolution - das war, wenn alles nach Plan lief. 

Mit leicht zitternder Hand griff Basti die Klinke und drückte diese hinunter. Ohne große Probleme öffnete sie sich lautlos und gab einen dunklen Raum frei. Basti schluckte, blickte sich noch einmal sicherheitshalber um und verschwand in die Dunkelheit.  

Der Schwarzhaarige schloss die Tür hinter sich so leise wie er konnte und blinzelte mühsam. Er wartete, dass seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen würden. 

Langsam aber sicher konnte er einige der Umrisse der Möbel im Zimmer erkennen, trotz seiner noch teilweise vorhandenen Blindheit lief er gekonnt zur anderen Seite des Raumes und griff den Vorhang. Mit einem Rück gab der schwere, schwarze Vorhang den Balkon frei und sanftes Mondlicht schien auf den Prinzen hinab. 

Ohne zu zögern öffnete Basti die Balkontür und trat ein paar Schritte zurück und setzte sich auf sein Bett.

Während er beobachtete, wie der Vorhang sich leicht in der Nachtbrise bewegte, ließ er seine Gedanken wandern. Er hoffte, die Infiltration des Schlosses war gut gegangen, allerdings war er sicher, dass er etwas gehört hätte, sollte einer ihrer Leute aufgeflogen sein. 

Sein Vater war in letzter Zeit noch paranoider und skrupelloser geworden, überzeugt davon, dass seine Bürger eine Verschwörung gegen ihn planten.

Was nicht fern von der Realität lag, sinnierte Basti leicht grinsend.

Nervös tippte er mit dem Fuß. Hätte er gewusst, wie nervenaufreibend seine eigene Entführung zu inszenieren war, hätte er mehr dagegen gehalten. 

Aber es war nunmal die beste Idee, die sie hatten. 

Wenn sein Vater keinen Nachfolger mehr hatte, wäre das Volk noch einfacher zu beeinflussen. Mit Bastis Entführung würde die letzte Hoffnung sterben, dass, sobald sein Vater abtritt, alles wieder besser werden würde. 

Basti seufzte und blickte auf den Stapel an Büchern neben seinem Schreibtisch. Er würde seine komfortable Wohnsituation zwar vermissen, aber gleichzeitig reizte es ihn auch. 

Er wird endlich nicht mehr in einem goldenen Vogelkäfig leben. Keiner seiner Schritte, Worte oder Entscheidungen werden mehr überwacht und ihren Weg zurück zu seinem Vater finden. 

Keine zeitliche Begrenzung mehr, in der er durch die Wälder und Straßen streifen kann. Keine zeitliche Begrenzung mehr, um mit seinen Freunden Spaß zu haben. Keine zeitliche und feudale Begrenzung mehr, um mit seinem Retter zusammen zu sein. 

Plötzlich realisierte Basti etwas. 

Theoretisch hatte er jetzt die Freiheit, den Blonden zu küssen…Sofort brannten seine Wangen und er schüttelte schnell seinen Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben. Er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren, schließlich musste er ohne Probleme “entführt” werden.

Basti holte noch einmal Luft und– 

Jemand räusperte sich. 

Der Schwarzhaarige zuckte zusammen und sprang von seinem Bett auf. In seinem Zimmer stand nun ein weiterer Mann. 

Die Person hatte ihr Gesicht mit einer dunklen Kapuze verdeckt, die in einem langen Umhang auslief. Darunter konnte Basti das Glänzen von Rüstungsteilen erkennen, allerdings eher rudimentär und unvollständig. 

Der Fremde trug hinzukommend noch einen Schal, um den unteren Teil seines Gesichtes zu verstecken.

Basti entspannte sich langsam, als er das Symbol auf dem Umhang  des “Fremden” sah. Seufzend murmelte Basti leicht verwirrt: “Sollten nicht eigentlich Schmetterling und Stern mich abholen?” 

Der Mann summte und zog seine Kapuze und seinen Schal beiseite. Zum Vorschein kamen dunkelblonde Locken und eine Narbe auf dem Nasenrücken. Zwei Sachen, mit denen sich Basti sehr gut beschäftigt hatte - durch sein stundenlanges Starren.

“Schon, aber es gab eine kurzfristige Planänderung. Eine Wache mehr auf Patrouille am Sammelpunkt.” Gab der Andere spitz zurück. 

Basti nickte, aber seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Es war nie gut, wenn es kurzfristige Änderungen in den Patrouillen gab. Er hoffte, dass sein Vater einfach nur wie immer Paranoid war und nicht, dass er eine Infiltration verdächtigte. 

Doch noch bevor er einen seiner Gedanken äußern konnte, unterbrach ihn bereits sein Freund: “Keine Sorge, wir nutzen einfach Route B und E, kein großer Rückschlag.” 

Basti antwortete und trat näher an den Söldner heran: “Ich weiß, ich weiß - wir haben mehrere Backups aber trotzdem…Mein Vater ist nunmal–” Er brach ab und suchte nach dem richtigen Wort, doch er fand keins.

Sein Freund griff seine Schulter und drückte sie leicht. Seufzend ließ Basti seinen Kopf gegen die Schulter des anderen fallen und fragte leise: “Wie lange müssen wir warten?”

Ein Summen ertönte, bevor der Andere antwortete: “Bis wir das Signal von jemandem hören.” Basti richtete sich wieder auf. Seine eisblauen Augen trafen Lilane und keine Sekunde später wurde er in eine Umarmung gezogen. 

Zwei Arme legten sich um seine Taille und Basti griff die Schulter des Söldners und krallte sich in den Umhang des anderen, als ob sein Leben davon abhing.

Basti seufzte und wünschte sich, für immer dort zu bleiben, gefangen in genau diesem Augenblick. Verloren in den Armen des Mannes, der seinen Vater tot sehen wollte. Der Schwarzhaarige drückte sich enger an den anderen. 

Das erinnerte ihn an ihr erstes Treffen…

“Und worauf freust du dich am meisten?” fragte der Blonde sanft in die stille Nacht und durchbrach Bastis Schwelgen in Erinnerungen. 

Basti zögerte und schloss seine Augen, er befeuchtete seine Lippen, bevor er die nächsten Worte aus seinem Herzen taumeln ließ: “Für immer bei dir zu sein.” 

 

ೃ ✦ ✧ ∗ ❥ ҉

 

Basti starrte gelangweilt die Rosenbüsche an – alles weiße Rosen, unschuldig in ihrer Form. Basti musste fast lachen bei dem Gedanken. 

Die Person, die sie hat pflanzen lassen, war das genaue Gegenteil einer weißen Rose. Die einzige Gemeinsamkeit, die sein Vater und die Blume hatten, waren ihre Dornen. Immer nur Blutvergießen, niemals Liebe – doch nach all den Jahren hatte sich Basti daran gewöhnt. 

Wie hätte er es auch nicht?

Es war schließlich nicht so, als hätte er einfach weglaufen oder gar Nein sagen können.

Basti seufzte und schüttelte leicht den Kopf. Er sollte seinen Tag nicht damit verbringen, über seinen Vater nachzudenken, gerade jetzt, wo eben dieser nicht mal im Schloss war. Es war schon ein Segen im Schlossgarten sitzen zu dürfen. 

Etwas raschelte neben ihm, Basti blieb aber unbeirrt und wartete, dass sich die Wache bemerkbar machte. Wahrscheinlich wollten sie ihn im Schloss haben, damit sein Vater nicht erfuhr, dass sie ihn kurz nach draußen gelassen hatten.

Basti blieb wie ein Statue sitzen und drückte sich etwas stärker gegen die Hecke. 

Selbst wenn er die Wachen verstand – er wollte genauso wenig den Zorn seines Vater gegen sich gerichtet haben –, wollte er nicht zurück ins Schloss. Wenn sie ihn sehen, dann sehen sie ihn, aber er wird es ihnen definitiv nicht einfach machen. 

Es raschelte weiter auf der anderen Seite der Hecke und Basti wartete angespannt. Doch niemand kam herum. Nein, nicht mal Schritte waren zu hören.

Der Schwarzhaarige runzelte die Stirn und lehnte sich leicht nach vorne, um an der großen Hecke vorbeizublicken. Er blinzelte überrascht, niemand war zu sehen, der Weg war leer. 

Langsam stand Basti auf. Hatte er sich das Rascheln nur eingebildet? 

Vielleicht verlor er schon seine Gehirnzellen von der ganzen Zeit, die er im Schloss verbringen musste. Basti schüttelte leicht den Kopf und verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. Nein, es war definitiv da gewesen!

Neugierig machte er einen kleinen Schritt nach vorne. Als plötzlich etwas Lautes in den Baum über ihn knackte und keine Sekunde später, knallte ein Lump aus dunklen Sachen vor ihm zu Boden. 

Basti quietschte leise und nahm panisch einen Schritt zurück. Er schaute sich wild um, doch bis jetzt war der hintere Teil des Gartens weiterhin leer.

Basti schluckte und überlegte, was er machen sollte. Vielleicht eine Wache holen? Dann musste er aber definitiv wieder zurück ins Schloss und würde dort für immer bleiben. So paranoid wie alle waren. 

Doch noch bevor er eine Entscheidung fällen musste, stöhnte der Lump plötzlich und Basti wurde bewusst, dass das kein Haufen aus Kleidern war, sondern eine Person. 

Alarmiert nahm er noch einen Schritt zurück und versteckte sich halb hinter der Hecke. Die Person begann sich langsam unsicher aufzurichten und Basti konnte nicht schnell genug auf seine Lippen beißen um sich seine Worte zu verkneifen:

“Geht es dir gut?”

Der Fremde gefror in seiner Bewegung und Basti tat es ihm gleich. Warum zur Hölle hat er das gefragt? Die Person war komisch gekleidet, nicht wie eine Person, die hier arbeitete, hinzu ist sie aus dem Baum gefallen – alles wies darauf hin, dass der Fremde nicht hier war für ein Kaffeekränzchen. 

Gott, warum hat er seinen Mund geöffnet?!

Bastis Muskeln reagierten endlich wieder und er drehte sich schnurstracks um und rannte in das Heckenlabyrinth. Er wollte auf keinen Fall umgebracht werden! 

Doch zu seinem Übel schien sein Wegrennen den Fremden alarmiert zu haben, denn Basti konnte Schritte hinter ihm hören und zu seinem Beunruhigen definitiv das leise Klirren von Metall. 

Was macht er? 

Er kann versuchen, zu den Wachen zu kommen, die wahrscheinlich am anderen Ende des Gartens sind. 

Hinter einer offenen Fläche… 

Basti wollte nicht herausfinden, ob der Fremde etwas hatte, was er werfen konnte. 

Er biss sich auf die Lippe und nahm so viele Kurven mit wie möglich. Zum Glück ist er als Kind und Jugendlicher immer im Labyrinth vor den Wachen weggelaufen. Er war noch nie so froh, dass er den dummen Irrgarten wie seinen Hinterkopf kannte. 

Basti traute sich und warf einen kleinen Blick über seine Schulter. Doch der Fremde war leider komplett verschleiert. Natürlich warum sollte ein Assassine auch mit seinem freien Gesicht rumlaufen.

Basti legte einen Gang zu, um mehr Abstand zu gewinnen, sodass er sich vielleicht in eine kleine Spalte in die Hecke quetschen konnte und so seinem Verfolger entkommen konnte.

Doch der Moment, als er schneller wurde, hörte Basti ein Fluchen hinter ihm. Okay, sein Verfolger ist ein Mann. Was bringt ihm das? Nicht viel. 

Basti warf erneut einen Blick nach hinten, nur damit ihm sein Herz in die Hose rutschte. 

Der Fremde hielt ein kleines Messer in der Hand. 

Der Schwarzhaarige musste kein Magier sein, um zu verstehen, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, bevor der Fremde ihn abwarf. Basti Kopf schoss wieder nach vorne und ohne zu denken bog er links ab. An ihm zischte das Messer vorbei und flog den nun leeren Weg entlang.

Basti quietschte alarmiert. Das war viel zu knapp gewesen! 

Sein Herz schlug laut und wild in seinen Ohren und die Freude überlebt zu haben, starb so schnell wie sie gekommen war. Er war falsch abgebogen.

Er war geradewegs auf dem Weg zu einem kleinen Rondell. Das kreisförmige Boskett hatte in der Mitte einen großen Baum und eine einzige Bank, ein kleiner geheimer Rückzugsort im Irrgarten. 

Basti versuchte sich zu erinnern, ob einer der unzähligen anderen kleinen Wege wieder zurückführen würde, doch sein Gehirn bleibt leer. 

Alles andere waren Sackgassen…

Seine beste Chance lag noch darin, einmal um den Baum zu laufen und wieder zurück zu rennen, allerdings konnte der Fremde auch am Eingang des Rondells stehen bleiben und Zack wäre Bastis Ausweg versperrt.

Der Schwarzhaarige schluckte und betete, dass er lebend aus der Sache hervorgehen würde. 

Er konnte das Brennen in seinen Beinen spüren, doch noch schien die Angst zu sterben, alles andere hinten dran zu schieben. Trotzdem wusste Basti, dass, wenn er jetzt stehen blieb, es vorbei war, in mehr Wegen als nur einem. 

Das kleine Boskett tauchte nach einer weiteren Kurve vor ihm auf. Basti griff sein Rüschenhemd und konnte das Trommeln seines Herzens durch seine Brust fühlen. 

Keuchend rannte er in den kleinen romantischen Teil des Irrgartens. Vielleicht hatte Sterben auch etwas romantisches an sich? Basti schüttelte den Kopf und drehte sich um und sein Herz blieb stehen.

Der Fremde schien direkt realisiert zu haben, dass es keinen Ausweg für Basti gab, denn er blieb am Eingang stehen. Basti bremste hinter dem kleinen Baum ab, der nicht einmal die Hälfte seines Körpers verstecken konnte. 

Er keuchte und seine Augen und Muskeln brannten. Und zu seinem Entsetzen schien der Assassine unbeirrt und kaum außer Puste.

Basti krallte sich an den Ästen fest. Er vertraute seinen wackeligen Beinen nicht, ihn aufrecht zu halten. 

Der Fremde kam langsam näher, sich seiner idealen Position sichtlich bewusst. Basti fluchte leicht und wich weiter mit brennenden Muskeln zurück. Er versuchte seine Schritte leicht nach links zu lenken, vielleicht hatte er ja eine Chance, an dem Anderen vorbei zu laufen. 

Die beiden waren in einem Spiel aus näherkommen und ausweichen gefangen. 

Doch noch bevor der Fremde eine weitere Waffe ziehen konnte und Bastis langweiliges, eintöniges Leben beenden konnte, donnerte eine brüllende Stimme durch die Stille des Gartens.

“BASTIAN!” 

Basti zuckte zusammen. Plötzlich schien die Bedrohung auf sein Leben gering und unbedeutend im Vergleich zu der Person, die brüllend außerhalb des Gartens wartete. Bastis Hände zittern. 

Warum war sein Vater wieder zurück? Sollte er nicht erst am nächsten Tag kommen? 

Basti starrte seine Hände an. Was genau würde ihn erwarten, wenn er hier rauskommen sollte? 

Plötzlich schien der Assassine die bessere Wahl. 

“WENN DU DA NICHT SOFORT RAUS KOMMST, BRING ICH DICH MIT MEINEN EIGENEN HÄNDEN UM!” 

Basti schluckte. Er konnte die Schritte der Wachen hören, das Klirren der Schwerter und der schweren Rüstung. Alles schien dreimal so laut in seinen Ohren und Basti wurde plötzlich bewusst, wie nah die Wachen schon waren. 

Sein Blick raste zum Eingang, wo noch immer der Fremde stand, doch dieser schien ebenfalls eingefroren vor Schock und wenn Bastis gesamte Existenz nicht bedroht wäre, würde er sicher über die Situation lachen.

Die Schritte kamen immer näher und Basti wurde plötzlich bewusst, dass die Wachen den Assassine bald sehen werden und dieser bewegte sich immer noch nicht. Sobald die Wachen ihn sehen würden, wird Basti ebenfalls entdeckt.

Ohne zu zögern oder nachzudenken, machte Basti ein paar Schritte nach vorne und griff die Hand des Mannes und zog ihn tiefer in das Rondell, an dem kleinen Baum vorbei. 

Mit zitterndem Flüsterton murmelte Basti schnell: “Ich will genauso wenig von den Wachen entdeckt werden. Frieden für jetzt?” 

Der Fremde nickte und Basti atmete leise auf. 

Die beiden rannten zu der kleinen Einbuchtung in der Hecke, wo die Marmorbank stand. Basti hüfte über die Bank, der Fremde tat es ihm gleich und zischte flüstern: “Und was nun!?” 

Doch Basti blieb unbeirrt und drückte den Fremden in die Hecke, der Andere gab einen kleinen Ton von sich, drückte sich aber dann tiefer hinein. 

Basti schluckte und blickte ein letztes Mal zum Eingang, bevor er in die Arme des Fremden sprintete und sich gegen ihn presste. Seine Wangen wurden sofort warm, aber er zwang sich flüsternd zu erklären: “Versteck uns mit deinem Umhang…Ich trage verdammt helle Kleidung.”

Doch nichts passierte, Basti richtete seinen Kopf so, dass er nun fragend in das Gesicht des anderen blicken konnte, in das freie Gesicht des anderen. 

Basti blinzelte. 

Der Assassine war jung. Vielleicht so alt, wie Basti mit intensiven dunklen Augen, einem markanten Gesicht und einer Narbe, die über seinen Nasenrücken lief. 

Er war verdammt attraktiv. 

Sofort wurde Basti unangenehm warm und ihm wurde die Nähe zu dem Fremden sehr bewusst. Etwas flatterte in seinem Bauch. 

Der Andere starrte ihn immer noch perplex an, doch riss ihn die lauten Rufe der Wachen aus seiner Trance. Er fluchte leise und Basti konnte den Atem auf seiner Stirn fühlen. 

Um nicht weiter den Anderen anzustarren und komische Sachen zu fühlen, drückte er sein Gesicht in den dunklen Schal des Anderen. 

Er schloss die Augen und versuchte, sein rasendes Herz zu beruhigen und das Bild zweier verbotener Liebende, die sich im Irrgarten trafen, zu verbannen. 

Der Andere war schließlich nicht mal vor zwei Minuten erpicht darauf gewesen, ihn zu töten!

Plötzlich fühlte er, wie sich zwei Arme um ihn schlängelten und er konnte den Umhang fühlen, welcher sie nun verbag. Etwas Heißes flammte in ihm auf und Basti wollte am liebsten im Boden versinken. 

Die beiden standen still da und lauschten den Wachen, welche durch das Labyrinth irrten. 

Basti hatte keine Ahnung, wie lange sie warteten, aber es war zu lang und gleichzeitig nicht lang genug. 

Schließlich umgab sie eine Totenstille. Keine Schritte, keine Stimmen, nicht einmal der leiseste Vogel zwitscherte.

Basti wollte sich schon weg lehnen, doch die Arme des Fremden pressten sich hart gegen seinen unteren Rücken und verhinderten jede noch so kleine Bewegung.

Basti erstarrte plötzlich, Panik und Angst breiteten sich langsam in seiner Brust aus. 

Was, wenn der Fremde ihn jetzt umbringen würde? Er könnte Basti einfach ein Messer in den Rücken rammen und der Schwarzhaarige wäre hilflos. 

Basti drückte seine Hände energischer an den Lederbrustpanzer des anderen. Er musste hier raus. 

Die Wachen waren längst weg und mit ihnen sein Vater. Er musste die Chance nutzen. Vielleicht schafft er es sogar, sich zurück ins Schloss zu schleichen und unschuldig zu spielen.

Auf einmal ließen ihn die Hände und Arme los und Basti stolperte mit viel zu viel Energie nach hinten. 

Ein kleiner Ton entfloh ihm, doch bevor er komplett umfallen konnte, griff ihn eine Hand und bewahrte ihn vor dem dreckigen Boden. 

Basti keuchte, richtete sich aber wieder und klopfte mit rasenden Herzen seine Kleidung ab. Er brachte ein kleines “Danke” hervor.

Der Fremde gab einen Ton von sich, ließ allerdings immer noch nicht Bastis Handgelenk los. Der Schwarzhaarige schüttelte ein wenig den Arm, um sich zu befreien, doch nichts passierte.

“Hör zu…” Basti Kopf schoss zu dem Fremden, der sich räusperte, bevor er fortsetzte:

"Danke, dass du mich gerettet hast. Ich wüsste nicht, wie ich es dir je zurückzahlen kön–.”

Basti platzte dem Mann dazwischen: “Ich will die Stadt sehen.” 

Sofort nachdem er das gesagt hatte, wurde er rot. Warum hat er das gesagt? Klar, will er einmal die kleine Stadt unten am Fuß des Schlosses sehen, aber einen Fremden zu fragen?

Der ihn vorhin noch umbringen wollte?

Gott, das Schloss hat Basti wirklich die letzten Gehirnzellen geraubt. Der Prinz schüttelte sofort den Kopf und zwang sich zu einem Lachen, in der Hoffnung, seine impulsive Tat zu überspielen.

Doch die Hand des Fremden drückte sich fester gegen Bastis zartes Handgelenk, so dass er leicht zusammenzuckte. Er öffnete schon seinen Mund um den Anderen darauf aufmerksam zu machen, doch dieser kam ihm bereits zuvor:

“Deal. Ich nehme an, nachts ist es am besten für dich?” 

Basti blinzelte und blickte wieder in das immer noch freiliegende Gesicht des Anderen. Er öffnete seinen Mund, aber nichts kam heraus. Der Fremde zog eine Augenbraue nach oben. 

Basti schaffte es schließlich, sich irgendwie aus seinem Schock zu befreien und nickte langsam. Ein kleines Grinsen, das definitiv keine Röte in Bastis Wangen trieb, breitete sich auf dem Gesicht des Anderen aus. 

“In Ordnung eure Hoheit–”, begann der Fremde, und Basti unterbrach ihn sofort. Egal wie tief seine Angst und sein Schock saßen, hasste er nichts mehr, als mit einem Titel angesprochen zu werden, der ihn in diesem Vogelkäfig einsperrte. Selbst wenn es der Fremde mit sehr viel Sarkasmus gesagt hatte. 

“Basti.” Korrigierte er ihn. Der Fremde blinzelte, sichtlich sehr überrascht, und Basti konnte es ihm nicht verübeln. Doch so schnell wie er perplexed war, so schnell fing er sich wieder. 

Diesmal breitete sich ein Grinsen aus, das etwas Gefährliches an sich trug. Und oh, Basti hatte noch nie so sehr etwas gehasst, wie er es geliebt hat. Natürlich war die Person, die ihn umbringen wollte, auch noch genau sein Typ. 

Er wusste nicht einmal, dass er einen hatte! 

“Okay, Basti–”, dem Schwarzhaarigen, lief ein Schaudern durch den Körper, bei seinem Namen aus den Lippen des Fremden. Etwas heißes brannte in seinem Magen und bahnte sich seinen Weg in das tiefste Innere von ihm. 

“-Dann sehen wir uns in drei Tagen hier gegen 10 Uhr nachts.” 

Basti wollte schon etwas einwerfen, doch plötzlich zog ihn der Fremde an seinem Handgelenk nach vorne, so dass Basti plötzlich wieder an die Brust des anderen stieß. Dieser blieb unbeirrt und lehnte sich herunter, sodass sein Atem Bastis rechtes Ohr strich.

“Aber etwas unauffälliger gekleidet, Pretty Boy.” 

Basti schaffte es nicht einmal die Worte zu verarbeiten, da verschwand der Fremde schon. Der Schwarzhaarige atmete zitternd aus und schluckte, sein Mund plötzlich staubtrocken. 

Auf was hat er sich da bloß eingelassen?

 

ೃ ✦ ✧ ∗ ❥ ҉

 

Basti versteckte sein Gesicht tiefer im Schal des anderen. 

Er wollte weder Venis Gesicht sehen, noch eine Antwort hören. Sein Herz raste und jede Sekunde schien länger als eine Stunde. Schließlich bewegte sich der Andere und drückte sein Gesicht in die schwarzen Haare von Basti.

Gedämpft antwortete Veni: "Ja, das ist ebenfalls meine Bestrebung.” Bastis Muskeln entspannten sich und ein sanftes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Erleichterung machte sich in seiner Brust breit.

Ein Kichern entfloh ihm und er drückte sich noch enger an Veni - im Versuch, mit dem Blonden zu verschmelzen. Doch sein Versuch war ergebenst, denn Veni drückte leicht gegen Bastis Schulter, um wieder Abstand zwischen sie zu bringen.

Etwas Unangenehmes machte sich in Bastis Brust breit. Hatte er etwas falsch verstanden? Akribisch suchte der Prinz auf dem Gesicht seines Freundes nach einer Antwort, doch Veni betrachtete den Schwarzhaarigen mit leicht nervöser Miene.

Bastis Hände krallte sich verzweifelt an Venis Kleidung und er versuchte, das Zittern seiner Hände zu minimieren. Sein Hals und Mund waren staubtrocken und etwas Eisiges umschloss sein Herz.

Doch noch bevor er groß weiter alles überdenken konnte, sprach Veni leise: “Stopp mich, wenn ich etwas falsch verstanden hab…”

Basti wollte schon verwirrt fragen, was los war, doch er kam nicht dazu, denn Venis Lippen versiegelten plötzlich seine.

Der Prinz erstarrte, sein Kopf war das erste Mal seit Tagen vollkommen leer. Seine Hände, welche sich vorher an Venis Umhang geklammert hatten, verloren jegliche Spannung. Bastis Beine fühlten sich leicht wackelig an und er versuchte zu verstehen, was passierte.

Wie durch einen Blitzeinschlag, verstand er es.

Veni küsste ihn.

Endlich registrierte der Fakt in seinem Kopf und sofort krallte er sich das zurückweichende Gesicht des Anderen und zog den Blonden in einen erneuten Kuss. Dieser stieß einen überraschten Laut aus, gab sich dem Kuss aber dennoch hin.

Bastis Lippen, sein Innerstes, sein ganzes Wesen standen in Flammen. Die Hände an seiner Taille umklammerten ihn fester und zogen ihn immer näher an den Anderen heran – die kleine Bewegung trieb Lava durch seine Venen. 

Basti fühlte sich wie berauscht von jedem kleinen Geräusch, jeder Berührung und jeder winzigen Bewegung.

In seinem Bauch tummelten sich zehntausende Schmetterlinge, die alle wild umherflatterten. Sein Herz schlug so schnell und heftig gegen seinen Brustkorb, dass er sich nicht sicher war, wie Veni es nicht hörte oder spürte.

Jedes Mal, wenn Veni für den Bruchteil einer Sekunde inne hielt, um Luft zu holen, spürte Basti, wie die heiße Luft seine Lippen und Wangen streifte. Es setzte sie in Flammen, wie ein Feuerwerk, das die Nacht erleuchten ließ. 

Gleichzeitig wünschte er sich, sie müssten gar nicht atmen, er wollte Veni küssen, ohne innehalten zu müssen, er wollte, dass der Blonde das war, was ihn am Leben hielt. 

Vielleicht tat er das bereits.

Bastis Lippen brannten auf Venis rauen, zerkratzten Lippen, aber das hielt ihn nicht auf, nichts würde ihn davon abhalten. Gefangen in den Armen des Mannes, der den Kopf seines Vaters wollte. Seine Lippen, sein ganzer Körper, seine gesamte Existenz gefangen in einem Paar rauer, gnadenloser Hände, die mordeten, um zu leben.

Und Basti hatte sich noch nie sicherer und friedlicher gefühlt.

Genau hier gehörte er hin. 

 

Notes:

Oh mein Gott?! Ist das etwa ein anderer Ship als Bastiplatte??? Ja ja meine Freunde!
(kam zustande weil auf meiner Tomodachi Life Insel Zickzack statt Bastiplatte passiert ist, dont jugde - Basti hatte die Wahl zwischen beiden)

– i'm a sucker für height difference und für mich ist Basti zwar etwas größer als Kevin, aber kleiner als Veni whooops
– erstes treffen und die beiden wollen schon was von dem anderen - that's the greed they talk about in the bible
– ja “Boskett” ist nicht ganz das richtige Wort für so einen Ort im Irrgarten, aber mir ist kein besseres eingefallen/bzw. hab ich kein besseres gefunden (correct me if you know one)

(– wie habe ich es im dritten oneshot schon geschafft mich nicht an meine eigene wortvorgabe zu halten…urgh)

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