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Er hätte es nicht so lange rauszögern sollen.
Das ist Leo schon klar, war es eigentlich von Anfang an. Allein schon deshalb, weil es nur fair ist, Adam zu sagen, worauf er sich hier einlässt. Aber als sie dann doch ein Paar geworden sind, war es eine so langsame und natürliche Veränderung, dass Leo gar keinen Punkt festmachen könnte, an dem es endgültig mehr geworden ist. Eines Tages ist er einfach neben Adam aufgewacht und sie wussten es beide.
Und weil alles so aufregend war trotz der Ruhe und Zeit, weil es das immer noch ist, hat Leo einfach nicht daran gedacht, gewisse Dinge anzusprechen. Ein Problem für später. Jetzt ist er doch glücklich.
Ausgerechnet das eine Mal, das er nicht versucht hat, alles im Voraus zu planen, alles unter Kontrolle zu haben, und jetzt fällt es ihm auf die Füße. Wäre er irgendwann in den letzten Wochen mit der Sprache rausgerückt, dann wäre jetzt alles ganz einfach. Dann müssten sie dieses Gespräch nicht führen.
Und dabei hat der Abend so entspannt angefangen. Leo wollte eigentlich noch joggen, Adam wollte auf der Couch bleiben, als Kompromiss haben sie sich auf einen Spaziergang geeinigt. Im Sonnenuntergang sind sie an der Saar entlang geschlendert, und Leo hat sich gefühlt wie auf einem kitschigen Kalenderbild, aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm. Als es dunkel wurde, hat Adam sogar seine Hand genommen, und zurück in der Wohnung auch nicht losgelassen. So sind sie ineinander verschlungen auf dem Sofa gelandet, und jetzt –
Mitten im Luftholen nach einem Kuss fragt Adam ihn plötzlich, ob sie das Ganze nicht ins Schlafzimmer verlagern wollen.
Hä, denkt Leo, noch ein wenig trunken vom Geschmack seiner Lippen. Jetzt schon? Es ist doch gerade erst acht.
Adams Blick trifft seinen, erwartungsvoll, fast ein wenig bittend, und da fährt Leo ein Schauer über den Rücken.
Oh.
Etwas Kaltes plumpst in seinen Magen, ohne dass er es verhindern kann.
Oh.
Instinktiv weicht er zurück, dabei hat Adam ja noch gar nichts gemacht. Aber dieser Blick kommt ihm so bekannt vor. Da sind Erinnerungen, die er lange verdrängt hat, erst nach dem Gespräch mit Pia wieder ausgegraben und in einen Zusammenhang gebracht. Mittlerweile ist ihm klar, warum jeder Gedanke an die Menschen, mit denen er im Bett gelandet ist, im Nachhinein so verschwommen ist. Mit dem ständigen Einreden, das sei schon okay, er wollte das doch, ist sein Kopf irgendwann nicht mehr klargekommen. Aber jetzt ist alles wieder da, und es ist... nicht gut.
Bevor er es weiß, hat er sich schon von Adam losgemacht und rutscht ein Stück nach hinten, zurück in die sichere Distanz. Am liebsten wäre er weggelaufen. Und selbst wenn er bleibt, er kann das hier nicht erklären, wenn Adam ihm dabei so nahe ist.
"Leo?"
Adams Stimme ist ganz leise, irritiert und verängstigt. "Was ist los? Was hab ich falsch gemacht?"
Es treibt einen Stich in Leos Herz. "Nein", sagt er schnell. "Nein, nichts."
Adam schaut ihn einfach an.
Fuck. Jetzt kann er nicht mehr ausweichen. In Leos Brust wird es eng. Er hat sich doch Worte zurechtgelegt, hat so lange gegrübelt, wie er das erklären kann, aber jetzt ist da nur panische Stille. Jetzt weiß er nicht einmal mehr, was es ist, das er sagen will. Dabei hat er darüber doch auch nachgedacht, auf Pias Rat hin. Über seine Sexualität und was das für ihn bedeutet, was okay ist und was nicht. Wo auch immer das alles hin ist, jetzt besteht er nur noch aus Nervosität.
"Ähm", macht er unbeholfen, versucht, wenigstens irgendwas herauszubringen. "Es ist nicht... es ist nur wegen dem, was du gesagt hast."
"Oh", murmelt Adam und hebt das Kinn. "Das war nur ne Idee, vergiss es, ich dachte nur, heute... egal, wir müssen das jetzt nicht machen."
Jetzt nicht.
Aber irgendwann.
Leo schließt die Augen. Sucht vergeblich nach Mut, und findet nur Notwendigkeit. Sie müssen das jetzt klären, sonst wird alles nur noch schlimmer.
Vorsichtig atmet er ein und öffnet die Augen. "Adam. Willst du... nur, damit ich das richtig verstehe. Willst du mit mir schlafen?"
Adam starrt ihn an.
"Äh."
Er beißt sich auf die Lippe und Leo tut es ihm instinktiv nach. Scheiße, er wollte nicht, dass das so unangenehm wird. Er wollte doch nur...
Adams Finger nesteln am Ärmel seines Hemdes herum, den Kopf gesenkt.
"Mmh", murmelt er. "Könnte man so sagen."
Leo möchte im Boden versinken. Hastig öffnet er den Mund, will es einfach hinter sich bringen. "Weil, ähm..."
"Ist okay, ich kann auch gehen."
So schnell, wie Adam das sagt, kommt Leo gar nicht hinterher.
"Was?" Er sieht, wie Adam sich abwendet, und gibt sich einen Ruck. "Nein! Ich wollte nur..." Hilflos streckt er eine Hand aus, doch Adam ist schon aufgestanden, außerhalb seiner Reichweite.
"Bleib hier", fleht er. "Bitte, lass mich das einfach erklären."
Adam dreht sich zu ihm, merkwürdig verschlossen. "Du musst nichts erklären. Das war ne dumme Idee, ich kann einfach-"
"Adam." Leo springt auf, erwischt ihn noch am Arm, bevor er endgültig abhauen kann. "Jetzt bleib doch mal hier. Ich wollte dir nur sagen..."
Sein Herz hämmert, aber er sucht Adams Blick und hält ihn, bis Adam von allein stehen bleibt und ihm in die Augen sieht.
"Ich... bin nicht so wie du", sagt Leo schlicht. "Ich hab das nicht, dieses... wenn man jemanden anschaut und mit ihm ins Bett will." Er zwingt sich, Adams verwirrtem Blick nicht auszuweichen. "Man nennt das asexuell."
Adam blinzelt. Mehrmals.
"...Okay."
In Leos Brust zieht sich alles zusammen. Es kommt ihm vor, als wären alle Teile von ihm zwischen ihnen ausgebreitet, einfach hingeworfen, damit Adam sie inspizieren kann.
Aber Adam schaut ihm nur in die Augen.
"Ähm", tastet Leo sich voran, "Weißt du, was das ist?"
Adam neigt den Kopf. "Ungefähr?" Er schluckt, Leo sieht seine Kiefermuskeln arbeiten. "Also... du willst keinen Sex."
Es klingt nüchtern, nicht abwertend, nicht hinterfragend, und Leo fällt ein kleiner Stein vom Herzen.
"Ja", sagt er hastig. Denkt nochmal nach. "Naja. Nicht ganz. So ungefähr. Das ist auch verschieden. Ich kann dir das erklären."
Ich kann das erklären, nur bitte lauf nicht weg.
Nach einem Moment nickt Adam. "Okay."
Leos Herz taumelt wild gegen seinen Brustkorb. Worte. Er muss jetzt was sagen. Es einfach hinter sich bringen, denn jetzt hört Adam zu, und das hier kann nur funktionieren, wenn sie beide ehrlich sind. Leo öffnet den Mund, und –
Was ist, wenn es doch nicht genug ist? Wenn Adam das einfach braucht und Leo ihm nichts davon geben kann? Wenn Adam doch so ist wie der Rest der Welt, der das einfach nicht versteht? Wenn –
Scheiße, er muss etwas sagen.
"Ich-"
Er sucht Adams Gesicht, versucht zu erkennen, woran er ist. Angespannter Kiefer, seine Augen huschen umher. Leo kennt diesen Ausdruck. So guckt Adam, wenn er etwas falsch gemacht hat.
Aber das hat er nicht. Verdammt nochmal, das hat er nicht.
Leo schluckt und fasst sich ein Herz. Besser durcheinander als gar nicht. "Das ist alles... kompliziert für mich. Ich hab erst vor Kurzem gecheckt, dass ich vielleicht doch andere Dinge brauche, als ich dachte, und... ich bin mir ziemlich sicher, dass Sex nicht dazugehört. Aber... Adam." Vorsichtig macht er einen Schritt auf ihn zu. "Ich mein damit nicht, dass du irgendwas falsch gemacht hast, oder dass du irgendeinen Teil von dir wegdrücken sollst."
Adam fixiert irgendeinen Punkt an seiner Schulter, sieht ihn nicht an. Und weil Leo das doch versteht und ihn jetzt nicht drängen möchte, greift er nur sanft nach Adams Händen.
"Ich will dich so, wie du bist."
Erst, als die Worte ausgesprochen sind, wird ihm bewusst, wie wahr sie eigentlich sind. Und wie lange schon.
Adam nimmt einen zittrigen Atemzug. Drückt Leos Hände zurück.
"Das glaub ich dir", sagt er leise und hebt endlich den Kopf. Seine Augen schimmern.
Leo versucht zu lächeln. "Und, ähm, es ist nur allgemein... Körper – also... nackte Körper... das macht einfach nichts mit mir? So insgesamt?"
Es sollte nicht so sehr wie eine Frage klingen, aber vielleicht ist es eine. Bitte sag mir, dass das irgendeinen Sinn ergibt. Sag mir, dass ich so sein darf.
Adam mustert ihn, etwas Fragendes liegt in seinem Blick. Doch bevor Leo noch etwas sagen kann, irgendeine andere Erklärung finden, die sich vielleicht nicht so dämlich anhört, drückt Adam seine Hände.
"Okay."
Er sagt es mit dem Vertrauen von einem, der nicht vollkommen versteht, aber genug, um daran zu glauben. Irgendwas in Leos Brust wird unglaublich weich. Er schluckt, atmet schwer, hält sich an Adams Händen fest und fuck, wie sehr er ihn liebt. Es gibt keine Worte dafür, keine, die er kennt, aber er muss etwas zurückgeben.
Schließlich blinzelt er nur die Tränen weg und räuspert sich. "Aber... ich will, dass du weißt..." Nochmal holt er tief Luft. "Das alles heißt nicht, dass wir nie irgendwas zusammen im Bett machen können. Wenn du das brauchst, dann finden wir-"
"Leo." Adam lächelt beinahe. "Das ist mir egal jetzt."
Okay...? Leo runzelt die Stirn.
"Egal?"
"Nein, nicht egal, ich mein nur-" Mit einer Hand fährt er sich durchs Haar. "Das ist doch grad nicht wichtig, da können wir auch später drüber reden."
Später. Darüber reden. Das klingt... das klingt eigentlich vernünftig. Das sollten sie tun. Adam ist viel besser darin seit der Therapie und Leo hat auch langsam das Gefühl, ein paar grundlegende Sachen verstanden zu haben. Darüber reden, das werden sie schaffen. Bestimmt.
Als Leo aufsieht, ist da ein so liebevoller Ausdruck in Adams Gesicht, dass es ihm glatt alles Denken verschlägt.
Adam streckt die Arme aus.
"Kommst du einfach mal her? Bitte?"
Es braucht eine Sekunde, bis Leo reagiert, bis er der Schwerkraft nachgibt und gegen Adam sinkt, die Arme um seinen Rücken gelegt. Adam hat das Gesicht in seiner Schulter vergraben, die Arme schlingt er um Leos Hals, drückt ihn so fest an sich, dass Leos Herz kurz aus dem Takt gerät. Das hier ist der einzige Ort, an dem er sein möchte; wenigstens dabei ist er sich sicher, wenn schon alles andere kompliziert sein muss. Adam stößt ihn nicht weg und das ist alles, was zählt.
Seine Augen brennen. Diesmal lässt er es zu. Adam hält ihn einfach, lässt sich von ihm halten, die Zeit spielt keine Rolle mehr. Weil sie immer noch hier sind. Immer noch Leo und Adam.
"Kriegen wir das hin?", murmelt Leo in den Stoff von Adams Pullover, schließt erschöpft die Augen.
Adams Hände streichen über seinen Rücken, immer noch ganz nah. Seine Stimme ist fest, warm an Leos Ohr.
"Wir kriegen das hin."
○○○
"Also... Umarmungen sind okay?"
Leo schiebt die Bettdecke noch ein Stückchen beiseite, sodass nichts mehr zwischen ihnen liegt. Dann nickt er.
"Immer."
Adam lächelt. Die Frage ist eigentlich unnötig, aber Leo ist ein bisschen froh, dass sie so einfach beginnen. Das hier war Adams Idee, und er ist noch nicht ganz sicher, wie das funktionieren soll, aber versuchen will er es.
"Und küssen?", fragt Adam jetzt, stützt den Kopf auf seinen angewinkelten Arm. Sie sind beide schon in Schlafsachen, was in Adams Fall eins von Leos alten T-Shirts heißt.
"Sehr okay", sagt Leo und nickt noch einmal.
Langsam streckt Adam eine Hand aus. "Auch... am Hals?"
Ein wohliges Kribbeln steigt in Leo auf.
"Ja."
Adams Finger streichen am Saum seines Shirts entlang, dann über seine Arme; es ist immer noch ein wenig unreal. Dass sie das dürfen. Dass sie das beide wollen. Adams Hände sind viel sanfter, als Leo je gedacht hat, und wenn sie ihn berühren, fühlt Leo sich irgendwie... gesehen.
Er schließt die Augen, lässt den Kopf ins Kissen sinken, während Adams Fingerspitzen über seine Arme tanzen. Hinunter bis zu seinen Händen und dann langsam wieder hinauf. Zögernd. Als Adams Hand sich schließlich an seine Wange schmiegt, blinzelt Leo sich wach.
Adam schaut ihn fragend an, lässt den Blick ein bisschen tiefer gleiten.
"Und woanders?"
"Ich glaub... am Oberkörper ist alles okay?"
Ein kleines Schmunzeln kommt zurück. "Ist das eine Frage oder eine Antwort?"
Leo seufzt. Irgendwie weiß er das selbst nicht so genau. Er weiß eigentlich gar nichts mehr über diese Dinge, seit ihm klar geworden ist, dass er Sex nicht wie die meisten Menschen erlebt. All das, wovon er dachte, es sei normal, hat sich plötzlich auf den Kopf gestellt während des Gesprächs mit Pia.
Langsam stützt er den Kopf in seine Hand und versucht, aus den wirren Gefühlen irgendwie einen kohärenten Satz zu basteln.
"Es ist nur... ich kenn das. Ich weiß, wie sich das alles anfühlt, aber nur... nur, wenn es zu Sex führt. Und das kann ich nicht. Nicht jetzt. Aber mit dir ist es anders. Du... du kannst eigentlich alles machen. Kann sein, dass ich mal komisch reagiere, du weißt ja – keine schönen Erinnerungen – aber das ist nicht so schlimm."
Adams Finger legen sich an sein Kinn, drehen es sanft in seine Richtung.
"Ich versuch aber grade rauszufinden, was sich gut für dich anfühlt. Nicht nur nicht so schlimm."
Leo schluckt. "Ich – ich weiß nicht..."
Da wird Adams ganze Miene so weich, dass es eine unaufhaltsame Welle an Zuneigung in Leo lostritt. Es ist immer noch selten, Adam so zu sehen, auch wenn es in den letzten Monaten häufiger geworden ist, und Leo liebt es, er liebt ihn, liebt ihn so verzweifelt, dass er nicht weiß, was er sagen soll.
"Ach, Leo." Adam lächelt zaghaft. "Deswegen machen wir doch das hier. Um es rauszufinden." Er seufzt und senkt den Blick. "Ich hab auch... für mich ist das auch manchmal nicht leicht. Aber ich glaub, das weißt du ja. Das mit dem Alten und alles. Und ich hab das Gefühl, ich weiß so wenig über dich, wenn es um sowas geht. Das fühlt sich nicht fair an. Deswegen wollte ich... keine Ahnung. Ich hab ein bisschen recherchiert, seit du mir gesagt hast, dass du asexuell bist. Aber so wie ich das verstanden hab, ist das ziemlich verschieden, und ich muss ja wissen, was für dich in Ordnung ist, bevor ich irgendwas... mache."
"Du hast – recherchiert?", ist das Erste, was Leo hervorbringt.
Adam grinst ihn verlegen an. "Ähm. Pia hat mir so ne Seite geschickt, und dann dachte ich, es wäre gut-"
Leo hat die Arme um ihn geschlungen, bevor er zu Ende sprechen kann, drückt ihn so fest an sich, dass Adam überrascht die Luft einzieht.
"Leo, was-"
"Danke." Leo vergräbt das Gesicht in seiner Halsbeuge. Denn die Sache ist... Adam hasst Rechercheaufgaben auf Arbeit. Viel zu oft ist er zu ungeduldig, stellt alle möglichen Fragen zwischendurch, und – und jetzt, jetzt hat er das für Leo gemacht. Niemand hat das je für ihn gemacht. Er hat ja selbst das halbe Internet durchforstet, jeden Artikel gelesen, der sich irgendwie mit Asexualität befasst, bevor er sich ganz sicher war.
Sanft nimmt er Adams Gesicht in seine Hände, drückt ihm einen zarten Kuss auf die Lippen. Adam blinzelt verwirrt, aber er lächelt. Und Leo küsst ihn gleich nochmal. Einfach so.
"Sorry", murmelt er dann. "Ich hab dich unterbrochen."
Adam lacht unvermittelt. "Ist okay."
"Was wolltest du sagen?"
"Äh. Weiß nicht. Also einfach... dass wir zusammen gucken, was für uns funktioniert?"
Leo braucht einen Moment, schluckt seine Rührung hinunter, sammelt sich. "Okay", sagt er dann. "Ja. Vielleicht... probieren wir einfach irgendwas, und ich sag dir, ob sich das gut anfühlt? Und du auch?"
Adam mustert ihn einen Augenblick. Dann lehnt er sich vor, bis seine Lippen Leos Hals streifen, ganz vorsichtig. Leos Herz taumelt. Instinktiv legt er die Hände um Adams Kopf, fährt durch seine Haare, hält ihn dicht bei sich.
"Gut?", murmelt Adam gegen seine Haut. Leo kann das Lächeln hören.
"Sowas von", erwidert er leise, und dann verfangen sich seine Finger in Adams Haar, ziehen ganz leicht. "Wie ist das?"
Adam macht ein ersticktes Geräusch. Sein Atem ist heiß. "Ein bisschen zu gut."
"Oh."
Adams Kopf taucht wieder auf, sodass sie einander ins Gesicht blicken. "Nein. Wirklich gut. Nur..." Verlegen gestikuliert er auf sich selbst. "Mein Körper sieht das als 'n anderes Signal. Sorry."
"Nein, nicht entschuldigen. Nicht dafür. Es ist okay, wenn du lieber..."
"Ich will aber nichts lieber." Adams Finger schieben sich zwischen Leos, halten ihn fest. "Ich will jetzt nur hier sein."
Leo horcht nach Panik, nach Unbehagen. Irgendwas ist da, ein letzter Rest, aber damit kommt er zurecht. Dann nickt er. Sie sind sich einig.
Adam zögert. Dann hebt er die freie Hand, lässt sie sachte unter Leos T-Shirt gleiten.
"Ist das hier auch okay?"
Leo zuckt zurück. Verdammt, er hat gar nicht daran gedacht, dass es noch andere Dinge gibt, die Adam wissen sollte.
"N-nein, stopp."
Erschrocken zieht Adam sich zurück. Und jetzt muss Leo fast lachen, denn er wollte doch nicht, dass Adam sich gleich Vorwürfe macht, es ist ja gar nicht schlimm, nur eben –
"Da bin ich echt kitzelig."
Adams besorgte Miene löst sich langsam in ein Grinsen auf. "Ach, so ist das."
Leo hebt die Brauen. "Und du?"
"Ich bin nicht kitzelig. Nirgendwo."
"Sicher?"
"Leooo", fleht Adam lachend, aber er hat keine Chance. Leo ist längst überall. Sie wälzen sich herum, Adam windet sich vor Lachen, und er ist so schön, dass Leo es gar nicht begreifen kann.
Er will das auch. Einfach hier sein. Einfach machen, was immer sie wollen. Und so unwahrscheinlich ihm das vorkommt – das können sie.
