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Category:
Fandoms:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 4 of How to train your dragon - Stamm der Wächter AU
Stats:
Published:
2026-05-26
Completed:
2026-06-19
Words:
32,697
Chapters:
14/14
Hits:
120

Die Wächterin

Summary:

Diesmal hatte Violene in Grodans Augen endgültig versagt.
Und das lässt er sie auch deutlich spüren.

Eines Tages bekommt sie die Chance auf einen Neuanfang.
Doch die Götter scheinen nicht auf ihrer Seite zu sein. Und schon bald stellt sie ihr ganzes Leben infrage, ob man ihr jemals die Wahrheit sagte. Oder was überhaupt noch Wahrheit ist.
Ob ihr ganzes Leben nicht eine einzige Lüge ist?

Mittendrin im Kampf von Gut und Böse, immer auf der Flucht.
Oder?

Chapter 1: Prolog

Notes:

Dieses Werk ist die direkte Fortsetzung von "Schatten der Vergangenheit".
Um den Prolog besser zu verstehen und Violene zu kennen, empfehle ich, ihre Vorgeschichte (Schatten der Vergangenheit) zuerst zu lesen.

Chapter Text

Erst eine Woche ist vergangen, seit dem vermeintlichen Kampf auf Berk.
Aber für sie fühlt es sich an wie Monate, qualvolle Monate.

Kaum war sie mit den Drachen von dort verschwunden, hatte sie sich gleich für den nächsten gewaltigen Fehler entschieden. Vorher aber noch entließ sie die wilden Drachen zurück in deren gewohnte Freiheit.
So kam es, das sie wie schon all die Male davor nur in Schockers Begleitung zurückkehrte. Zurück zu dem Mann, der sie dann augenblicklich gefangen nahm.

Vielleicht tat sie dies mit dem Ziel, ihre unzähligen Fragen zu klären. Ihn zur Rede zu stellen.
Doch woher soll sie sich jetzt noch daran erinnern können?

Kaum sind die beiden damals auf dem Marktplatz gelandet, haben seine Männer sie direkt überrumpelt. Augenblicklich haben zwei von denen sie grob an ihren Armen gepackt und eisern festgehalten.
Egal, was sie versuchte, jeder Schlag und jeder Tritt landeten im Nichts und sorgten nur dafür, dass die beiden ihr die Arme auf den Rücken verdrehten. Aber auch Schocker hatten sie nicht vergessen. Der Leuchtende Fluch wollte sich auf die Männer stürzen, seine Reiterin beschützen. Doch sie überrumpelten ihn, zogen ihm einen Maulkorb über und machten ihn so unschädlich.
Er stellte sie zur Rede, genoss es, zu sehen, wie sie es zu spät realisierte. Es verstand.
Nur um dann von ihrem Drachen getrennt und einen langen, ihr schon allzu bekannten, modrigen Gang entlang geschleift zu werden. Hinein in die tiefe Dunkelheit.
Nachdem nur noch einer sie wegbrachte, hatte sie erneut versucht sich zu befreien, was ihr eine schallende Backpfeife einbrachte und dafür sorgte, dass ein erstickter schmerzerfüllter Aufschrei von den kalten leeren Wänden widerhallte.

Nun sitzt sie hier.
Gefangen.
Alleine.

In einer kleinen modrigen kalten Zelle. Nur die etwas weiter entfernten Fackeln im Gang spenden geringfügig dämmriges Licht zur Orientierung. Ansonsten ist es dunkel. Stockdunkel.
Nur ansatzweise kann sie die wilden Schatten von den Flammen an den Wänden und auf dem Boden des Gesteins sehen, welche durch jeden noch so bedeutungslosen Luftzug ausgelöst werden.

Zitternd und zusammengekauert befindet sie sich weiter hinten in ihrer Zelle.
Egal was sie versucht, das unkontrollierte Zittern bleibt.
Ihr Atem geht stoßweise und unregelmäßig.
Ihre Augen haben einen trüben Blick.

Dort, wo ihre Kleidung ihre Haut nicht bedeckt oder nicht mehr bedecken kann, zieren zahlreiche Wunden und Narben sie. Getrocknetes Blut klebt an ihrer Haut, ihrer Kleidung, auf dem steinigen Boden.
Jeder Muskel, jeder Nerv, jede noch so kleine Faser ihres Körpers schmerzt unerträglich. Jede noch so kleine Bewegung kostet ihr unendliche Kraft.

Jedes noch so kleine Geräusch, das sie meint wahrzunehmen, lässt sie zusammenzucken. Lässt sie zusammenfahren. Wecken Erinnerungen der vergangenen Taten, die ihr widerfahren sind.

Sie selbst hat schon längst jegliches Zeitgefühl verloren.
Das Einzige, was sie nur noch kennt, sind Sie.

Sie, mit gehässigen und hämischen Blicken.
Sie, wie sie ihre Zelle betreten, auf sie zukommen und sie packen.
Sie, wie sie zuschlagen, emotionslos. Und dann kam Er.
Dank des schlechten Lichts weiß sie nicht, ob es wirklich Grodan war oder nur ein anderer Mann. Aber sie weiß noch ganz genau, was Er tat. Mit einer Peitsche in der Rechten schlug er auf sie ein. So lange bis sie nichts mehr sagte, sich nicht mehr rührte. Wenn Sie ihr Fragen stellten, antwortete sie nicht. Was ihr nur noch mehr Schmerzen einbrachte. Doch irgendwann, was weiß sie, wie lange das schon so ist, spürte sie nichts mehr.
Nur noch ihre Tränen, die stumm auf den Boden tropften.

Dafür erinnert sie sich.
An jeden Schlag.
Jede Narbe.

Jede Wunde, die man ihr zufügte.

An die Blicke ihrer Peiniger.
An ihre Worte, Drohungen und Taten.

Ein Schaudern durchfährt ihren Körper schmerzvoll.
Erneut tropfen stumm einige Tränen auf den kalten Boden. Waschen dabei verkrustetes Blut und Dreck aus ihrem Gesicht und zeigen, wie es ihr innerlich geht.
Vage kann sie sich noch an ihren Freund erinnern, an ihren Drachen. Aber all das, was jemals davor passierte, all das, was sie davor erlebte, verschwindet immer mehr aus ihrem Leben. Mit ihrer Vergangenheit, die sie noch immer nicht kennt.

Schritte beginnen, von den Wänden widerzuhallen. Leise feine zögerliche Schritte.
Ihr Körper zittert noch stärker, die Angst Sie kommen, macht sich wieder in ihr breit.
Doch etwas lässt eine kleine Hoffnung in ihr aufflammen. Diese Schritte ähneln in keiner Weise denen ihrer Peiniger. Vorsichtig wagt sie es, ihren Blick zu heben und den Gang vor ihrer Zelle zu beobachten.

Die Schritte verlangsamen sich wieder und ein lang gezogener schmaler Schatten wird teils in den Gang, teils in ihre Zelle geworfen. Ihr rasselnder Atem ist nun wieder das einzige Geräusch, das die erdrückende Stille unterbricht.
Auch wenn etwas in ihr meint „Alles ist gut“, sorgt ein Instinkt in ihr dafür, dass sie sich mit aufgerissenen Augen gegen die Wand hinter sich drückt. Mit der Hoffnung es würde sich jederzeit ein Loch in eben dieser öffnen und ihr einen Ausweg aus diesem Horror ermöglichen.

Ein kurzes leises Murmeln ertönt, bevor ein weiterer Schritt getätigt wird und eine zierliche menschliche Gestalt, im Gegensatz zu Ihnen, nun vor der Zellentür steht, dass einzige was die Unbekannte von ihr noch trennt.

»W-wer … bist d-du…?«

Leise versucht sie mit brüchiger Stimme, seit Langem überhaupt wieder, etwas zu sagen. Doch auch das Sprechen schmerzt mit jedem Buchstaben immer mehr und sie lässt es sogleich wieder.
Stattdessen hebt die besagte Gestalt fast schon eindringlich die Hand, um ihr zu zeigen, das Schweigen gerade sinnvoller wäre und behält dabei den Zeigefinger kurz vor ihrem Mund. Bestimmt und hastig sieht die Gestalt sich daraufhin im Gang um, bevor sie etwas zu suchen scheint. Erst als das Klicken vom rostigen Metall, dem alten Zellenschloss, zu hören ist, schleicht sich ein triumphierendes Lächeln auf deren Lippen und das junge Mädchen hebt überrascht den Kopf.
Mit aufblitzender Unsicherheit in ihren Augen beobachtet sie eindringlich die Gestalt, wie diese behutsam lautlos die Tür öffnet und auf sie zugeht.

Erster Schritt.
Nur noch wenige Meter trennen die beiden voneinander.

Zweiter Schritt.
Die Gestalt kommt näher.

Dritter Schritt.
Der letzte Meter, der die beiden voneinander trennt.
Angst krallt sich in ihre Haut, in ihre Knochen und behält das junge Mädchen fest in seinem Griff. Panisch und hilflos zugleich kneift sie die Augen zusammen, in der Hoffnung, die Gestalt würde dadurch verschwinden.

Letzter Schritt.
Ganz sacht, ganz fein nimmt sie den ruhigen und doch angespannten Atem der Gestalt vor sich wahr. Fast schon wie in Zeitlupe bewegt diese ihre Lippen, als eine Stimme ertönt. Ihre Stimme.
Eine sanfte, beruhigende Stimme: »Hab keine Angst. Ich hole dich hier raus.«

Es waren acht einfache Worte.
Acht Worte, die ihre gesamte Situation verändern sollten.

Bis Sie kamen.

Laut.