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Bis Träume wieder sprechen

Summary:

Nach seiner Flucht aus Germa hat Sanji eines verlernt: zu sprechen, zu vertrauen und an seine eigenen Träume zu glauben.

In der Baratie findet er bei Zeff zum ersten Mal einen Ort, den er Zuhause nennen kann. Zwischen dampfenden Töpfen, neuen Rezepten und kleinen Schritten zurück ins Leben lernt er, dass Stärke nicht bedeutet, niemals zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen.

Als eines Tages Monkey D. Luffy die Baratie betritt, begegnet Sanji einem Menschen, der Träume behandelt, als wären sie selbstverständlich, und der ihn nie danach fragt, warum er schweigt.

Begleite Sanji auf einer leisen Reise über Vertrauen, Heilung und den Mut, das Meer nicht nur zu fürchten, sondern ihm entgegenzusegeln.

Notes:

Vorab:

Ich möchte vorab erwähnen, dass ich den One Piece-Anime bisher nicht gesehen habe. Mein Wissen, und damit auch diese Geschichte, basiert hauptsächlich auf der Live-Action-Serie sowie auf verschiedenen Fanfictions, die ich gelesen habe und die mir einen Einblick in die Handlung und die Charaktere gegeben haben.

Deshalb seid bitte nachsichtig mit mir, falls sich im Verlauf der Geschichte Fehler in der Handlung oder der Chronologie einschleichen. Ich gebe mir große Mühe, alles möglichst stimmig und zeitlich nachvollziehbar zu gestalten.

Viel Spaß beim Lesen! :)

Chapter 1: Schweigen

Chapter Text

Sanji war ein stiller Junge geworden. Am Anfang war er laut gewesen und hatte gemerkt, dass laut zu sein, ihm zwar Aufmerksamkeit von seinen Brüdern brachte, aber nicht die gute Art von Aufmerksamkeit.

Stattdessen hatte er gelernt, dass seine Brüder schnell das Interesse verloren, sobald er weder protestierte, versuchte zurück zu kämpfen, noch anfing zu weinen. Das letzte war das Schwerste gewesen. Ihm gelang es nicht immer.

Aber das er ruhiger war, bedeutete nicht, dass seine Brüder vollkommen aufgegeben hatten, ihn zu verprügeln. Sie hatten bloß nicht mehr ganz so viel Spaß dabei, wenn man das, was seine Brüder empfanden, Spaß nennen konnte. Vielleicht vertrieben sie sich einfach bloß ihre Langeweile. Sanji wusste es nicht.Schmerz war ein Teil seiner Existenz geworden und langsam hatte er es vollkommen aufgegeben, die Anerkennung, das nicht vorhandene Mitleid, seines Vaters zu suchen.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der eisernen Maske hatte er angefangen, zu schweigen. Wenn sein Vater ihn für Tod erklärt hatte, musste er schließlich auch nicht mehr sprechen. Tote sprachen schließlich nicht, auch wenn er es eigentlich nicht war.

Einzig und allein, wenn niemand da war, erlaubte er sich, zu weinen oder seinen Schmerz zu zeigen.

Bloß wenn Reiju vorbeikam, verlor er ein paar Worte. Nie besonders viele, aber er sprach. Sie war die Einzige, die nett zu ihm war. Sie brachte ihm ab und zu Verbandszeug und hier und da ein Buch, was er in seiner Zelle versteckte oder ihr wieder mitgab, damit es niemand seiner Brüder wegnehmen könnte.

Aber mehr tat auch sie nicht. Sanji wollte seine Mutter zurück, aber wusste, dass das unmöglich war. Und er wusste auch, dass Reiju keinen Ersatz für sie darstellte, sie war auch nur drei Jahre älter als er und vermutlich ließ ihre emotionale Kapazität dies auch gar nicht erst zu.

Irgendwann, er wusste nicht ganz, wie viel Zeit vergangen war, half sie ihm zu entkommen.

Er dachte, dass es ab jetzt vielleicht etwas bergauf gehen würde. Er sprach immer noch nicht, Worte bewirkten fast nie Gutes, nur, wenn man einer Person absolut vertraute und das tat er nicht.

Er arbeitete in der kleinen Küche als Hilfskraft, um sich seinen Unterhalt auf dem Schiff zu verdienen. Befehle ausführen konnte er, besonders, wenn ihm klar gesagt wurde, was er tun sollte und danach alle zufrieden mit seiner Arbeit waren. Das war nicht immer der Fall.

In der Zeit in der Zelle, hatte er seine anfänglichen Kochkünste nicht weiter ausbauen können und so gab es viele Gerichte, von denen er noch nie gehört hatte oder die er noch nie gemacht hatte. Aber er wurde langsam besser.

Kochen half ihm, abzuschalten oder vielmehr seine Gedanken auf etwas anderes zu richten als auf seine Vergangenheit und seine unbestimmte Zukunft.

Und dann lernte er Zeff kennen. Nicht nur das, kurz darauf landete er mit Zeff gemeinsam auf einem einsamen Felsen im Meer.

Er war sich unsicher, was der Pirat von ihm hielt. Sicher, er hatte sein einziges Buch gesehen, was er mitgenommen hatte, das über den All Blue, seinen großen Schatz, und das Buch nicht weggeworfen, wobei das nun nicht relevant zu sein schien, wo es irgendwo auf dem Meeresgrund liegen musste.

Er hatte ihm Essen gegeben und eingesehen, dass er nicht mit ihm reden würde.

Sanji hatte nicht protestiert, dass er den kleineren Sack abbekommen hatte, schließlich war er auch kleiner und es gewohnt, Hauszuhalten mit dem wenigen, was ihm in seiner Zelle gegeben worden war.

Aber nach dem zwanzigsten Tag, begann er sich, seine Zelle zurückzuwünschen. Nicht die Maske, die er dort hatte tragen müssen, sonders das Wasser, den Schatten und nach Tag dreißig auch das Essen, denn seines ging langsam zu neige und was noch da war, war teilweise verschimmelt.

Vielleicht wollte ihm das Schicksal sagen, dass er sich seine beiden Träume niemals würde erfüllen können: Er würde nie das All Blue finden und er würde nie ein richtiger Koch werden.

Er wusste nicht, was er falsch gemacht hatte, außer, dass er geboren wurden war. Vielleicht war das genug als Grund? Er war schwach, ja, das war auch ein Punkt. Er war nutzlos und schwach. Er würde es nie schaffen.

Das lächelnde Gesicht seiner Mutter tauchte vor seinem inneren Auge auf. „Es tut mir leid“, dachte er, als er weiter auf Wasser hinausstarrte. „Ich habe es versucht. Ich habe mich versucht zu ändern, aber ich bin immer noch schwach und kann nichts tun.“

Als sein Vorrat leer war und der Hunger fast schon unerträglich, spielte er mit dem Gedanken, zum anderen Ende des Felsens zu gehen und zu gucken, ob der alte Mann noch etwas übrig hatte von seinem Essen.

Am Ende stand er vorsichtig mit wackeligen Beinen auf. Wenn nichts mehr übrig war, dann bloß, um Gesellschaft zu haben, Ablenkung von seinen Gedanken, eine Person, vor der er sterben konnte oder die ihn töten würde und ihn so den restlichen Leidensweg ersparen. Dieses endlose vor sich hin hungern.

Würde er je von hier wegkommen, würde er dafür sorgen, dass unter seiner Nase, nie jemand verhungern würde müssen. Wenn. Die Chancen standen schlecht.

Als Sanji am anderen Ende des Felsens angekommen war, war er überrascht, den Sack noch vollständig gefüllt zu sehen.

Er war verzweifelt, ja, aber er würde den alten Mann nicht bestehlen, dazu hatte er kein Recht.

Also machte er auf sich aufmerksam, indem er einmal lauter aufstampfte.

Als sich Zeff umdrehte, lief Sanji ein kalter Schauer über den Rücken. Schnell deutete er auf das fehlende Bein und dann auf den scheinbar noch ungeöffneten Sack. Wieso hatte der alte Mann sein Bein geopfert, wo er doch noch Essen hatte?!

Er sah müde aus, schien aber Sanjis Nachfrage zu verstehen, denn er meinte kurz darauf: „Ich musste ja etwas Essen.“

Sanji lief es kalt den Rücken herunter, als ihn etwas klar wurde: Was auch immer in dem Sack war, es war kein Essen, Vorsichtig nährte er sich dem großen Sack und auf einen fragenden Blick Richtung des Mannes, den dieser mit einem leisen Seufzen und einem Nicken erwiderte, öffnete Sanji den Sack. Gold, Juwelen und andere funkelnde Dinge purzelten heraus.

Das konnte nicht sein.

Der alte Mann hatte ihm alles Essen überlassen. Schwindel überkam Sanji, als er sich auf einen der kleineren Felsen fallen ließ. Wieso? Wieso würde jemand so etwas für ihn tun? Zeff kannte ihn nicht einmal.

„Sieh mich nicht so an. Du hast Talent im Kochen, Junge und das Buch, dass du hattest. Den All Blue. Ist das dein Traum? Es eines Tages zu finden?“

Woher wusste der alte Mann das? Schnell nickte Sanji, weil ihm eine Frage gestellt wurden war.

„Es war einst auch mein Traum, aber ich fürchte, ich bin zu alt geworden. Falls wir das hier überstehen, Kleiner, werde ich es wohl ruhiger angehen lassen. Vielleicht ein Restaurant eröffnen. Es ist an der Zeit meinen Traum jemand anderen zu überlassen. Jemand jüngeren.“ Dabei sah er Sanji ernst in die Augen.

Er verstand noch immer nicht so ganz. Wieso war der Mann bloß so nett zu ihm? Es konnte doch nicht nur sein, weil sie sich einen Traum teilten? Sanji war schwach. Er wurde nie etwas aus seinem Traum machen können. Er war jünger, ja, aber mehr auch nicht. Zeff war erfahrener. Er war mutig, er war ein Pirat.

Sanjis Augen hatten zu brennen begonnen und er war sich sicher, dass er angefangen hätte, zu weinen, hätte er noch Tränen übriggehabt. Wieso war ein fremder Pirat netter zu ihm als der Großteil seiner Familie? Er verdiente es nicht. Er verdiente das Essen nicht. Wenn er gekonnt hätte, hätte er die Zeit zurückgedreht und Zeff den Sack hinterlassen. Dann wäre er einfach vom Felsen ins Wasser gesprungen, um Zeff jeglichen Gedanken an Proteste abzunehmen. Er war es nicht Wert, dass etwas so Wichtiges an ihn verschwendet wurde. Aber das ging nicht. Also musste er am Leben bleiben. Es war Zeffs Wunsch. Er musste ihn ehren. Zeff hatte sein Bein für ihn geopfert. Saji würde alles geben, um das wieder gut zu machen, wenn es überhaupt möglich war.

„Der Blick gefällt mir schon eher als der erste, Junge. Komm ja nicht auf komische Gedanken.“

Sanji sah Zeff mit großen Augen an. Waren seine Gedankengänge wirklich so offensichtlich?

„Wir schaffen das, Kleiner, du wirst schon sehen.“

Und sie schafften es. 85 Tage auf dem Felsen.

Danach verbrachten sie beide einige Zeit in einer Krankeneinrichtung, um wieder auf die Beine zu kommen.

Es dauerte, aber schließlich erholten sie sich beide und Zeff eröffnete, wie er es angekündigt hatte, ein Restaurant, die Baratie.

Und er stellte Sanji ein. Sanji wollte protestieren, Zeff hatte schon zu viel für ihn getan, aber Zeff hatte jeglichen Protest im Keim erstickt. Sanji habe kein Zuhause und er würde ja auch für seine Unterkunft arbeiten müssen.

Und arbeiten tat er. Er versuchte, der beste Koch jemals zu werden, hörte auf alle Anweisungen und wenn er sich besonders mutig fühlte, probierte er neue Rezepte aus, die er sich ausdachte. Er sprach nie.

Er beschwerte sich nicht, auch wenn Zeff seine neue Kreation zwar als einen: „Guten Ansatz, aber dennoch für die Tonne“, bezeichnete, eine höfliche Version von ihm, die er extra für Sanji verwendete, denn Sanji hatte die Vermutung, dass Zeff nicht wollte, dass er mit seinen Experimenten aufhörte. So hatte Zeff ihm einmal anvertraut, dass er es schätzte, wenn er etwas mehr von sich selbst zeigte und dies immer willkommen sei.

Dennoch sprach Sanji erst nach drei Jahren, die er Zeff kannte, sein erstes Wort.

Es war ein ganz normaler Tag, bis auf den Moment, als einer der Köche, die Umgangssprache in der Küche war immer etwas rauer, was Sanji hier und da zusammenzucken ließ, aber normalerweise ansonsten nicht weiter mitnahm, ihn anschrie, er habe die Suppe total versalzen. Dabei fasste er ihm ans Gesicht und drückte zu, als er fragte, ob er seinen Fehler verstanden habe, da dieser im schon einmal mit genau derselben Suppe passiert sei. Sanji war erstarrt. Über seine Gedanken legte sich ein panischer Schleier.

Da war wieder die Maske an seinem Gesicht und seine Brüder, die ihn anschrien. Es gab kein entkommen. Er musste ruhig sein, still. Sie sollte weggehen. Er durfte keinen Schmerz zeigen, keine einzige Reaktion. Dann würden sie weggehen irgendwann.

Die laute wütende Stimme wurde lauter, aber in Sanjis Ohren rauschte es und er verstand kein Wort. Eine andere Stimme mischte sich dazu. Waren das seine Brüder? Beschimpften sie ihn? Würden sie ihn bald schlagen?

Noch war kein Schmerz da, aber es war nur noch eine Frage der Zeit.

Auf einmal wurde er leiser. Dunkler. Eine tiefe Stimme schien mit ihm zu reden, viel tiefer als die Stimme seiner Brüder, aber er verstand die Worte nicht. Jemand berührte ihn am Arm, er zuckte zusammen, bevor er verhindern konnte, die Hand verschwand wieder. Die Stimme kehrte zurück. Merkwürdig ruhig. Auf einmal fiel Sanji auf, dass er viel zu schnell atmete, alles drehte sich, aber der Druck auf seinem Gesicht war verschwunden. Keine Maske.

Verschwommen, glaubte er, Zeff zu sehen vor ihm, die ruhige Stimme begriff Sanji, aber das half nichts gegen die Panik, die sich in ihm breit gemacht hatte und jetzt stärker wurde, da er keine Luft mehr zu bekommen schien.

„-atme mit mir“, drang Zeffs Stimme zu ihm durch und Sanji versuchte es, aber es wollte nicht so recht gehen. Er zwang sich dazu, langsamer zu atmen, obwohl alles in ihm dagegen protestierte. Langsam begriff er, dass dieselbe unkontrollierbare Angst, die ihn schon einmal erfasst hatte, zurückgekehrt war. Damals hatte Zeff ebenfalls geholfen.

„Was siehst du hier im Raum?“, fragte Zeff ruhig. Sanji versuchte sein Bestes. Aber sein Blick war so verschwommen. Zitternd zeigte er auf Zeff, dann auf seine Hand, den Boden, die Decke, die langsam klarer zu werden schien, auch wenn sich immer noch alles zu drehen schien, und dann den Schrank und das Bett. Wie war er in sein Zimmer gekommen? Er wusste es beim besten Willen nicht.
Verwirrt sah er sich um.

„Sehr gut. Jetzt spür den Boden unter dir mit deinen Händen. Mit deinen Beinen. Er ist fest. Aus Holz, richtig?“ Sanji nickte nach kurzem fühlen der einzelnen Holzkonturen. Dabei spürte er auch ein leichtes Pochen in seinem Handgelenk, wo er anscheinend seine Fingernägel hineingegraben haben musste in seiner Panik. Er sah kleine, leicht blutende Ränder, als er an seinem rechten Arm hinunter sah.
Zeff verzog kurz das Gesicht, was Sanji nun wieder besser sehen konnte.

Dennoch ließ Zeff sich nicht beirren.

„Hörst du das Wasserrauschen vor dem Fenster und die anderen in der Küche?“
Sanji lauschte.

Ja, er konnte weit entfernt die Köche hören und das Brutzeln von Essen, dass gebraten wurde. Das Blubbern von kochendem Wasser. Es wurde fast übertönt durch seinen Herzschlag, der laut, in seinen Ohren wiederhalte, auch wenn es langsamer schlug als vorhin. Das Meer rauschte leise im Hintergrund von allem und er musste sich anstrengen, es zu hören über all die anderen Geräusche. Nach einem kurzen Moment nickte Sanji.

„Sehr gut. Kannst du auch die Gerüche hier im Raum wahrnehmen? Wonach riecht es?“

Essen. In Sanjis Zimmer roch es so gut wieder immer nach Essen, schließlich war es nicht weit von der Küche entfernt und manchmal experimentierte er in seinem Zimmer mit neuen Rezepten, die keinen Herd oder Ofen verlangten. Es roch außerdem nach Minze und Rosen, die er in sein Fenster gestellt hatte, da er sie hübsch gefunden hatte.

Er deutete in Richtung Fenster.

„Du bist wieder da“, kommentierte Zeff das Offensichtliche.

Sanji nickte erneut und er wusste nicht, was ihn ritt, aber auf einmal erschien es ihm einfach, etwas zu sagen. Er wollte es sagen.

„Danke“, es war bloß ein Hauch, vermutlich weil Sanji so lange nichts mehr gesagt hatte und seine Stimmbänder benutzt hatte. Aber dennoch hallte es scheinbar in seinen Ohren wider.

Zeffs Augen wurden riesig. Er öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen, aber Sanji zog sich schon wieder in sich selbst zurück, hatte er das gerade wirklich getan? Ein Wort gesagt?

Doch statt die Tatsache zu kommentieren, dass Sanji doch sprechen konnte, erwiderte Zeff nur: „Gern geschehen. Ruh dich etwas aus. Ich werde ein ernstes Wörtchen mit Gerd reden. Wenn du dich wieder in der Lage fühlst, weiterzumachen, bist du jederzeit willkommen.“

Sanji wollte schon aufstehen und ihm folgen, da legte Zeff ihm vorsichtig, aber bestimmt eine Hand auf die Schulter.

„Ruh dich erst einmal aus.“ Sein Blick ließ kein Wiederspruch zu, auch wenn Sanji gerne protestiert hätte. Es ging im wieder gut. Er wollte nicht allein mit seinen Gedanken sein. Er wollte in Ruhe kochen. Aber er wusste, dass ein Protest zwecklos sein würde, also gab er nach. Vielleicht fand er etwas Schlaf, bevor ihn der nächste Albtraum verfolgte. Ob von dem Felsen im Meer oder seiner Familie, kaum eine Nacht blieb er von ihnen verschont.

Sanji ließ sich etwas niedergeschlagen auf sein Bett fallen. Er fand lange keine richtige Ruhe, auch wenn er erschöpft war.

Zeff kommentierte es nicht, als er nach zwei Stunden in der Küche auftauchte, um weiter zu kochen, runzelte nur die Stirn.

Die Tage danach begann Zeff, Sanjis Grundausbildung zu erweitern, damit Sanji sich „verteidigen konnte und Grenzen setzen gegen dieses Pack“, wie Zeff es ausgedrückt hatte.
Sanji lernte einen Kampfstil, bei dem er seine Hände kaum beschädigte, denn sie waren das Wichtigste an ihm, wie er gelernt hatte.

Er lernte immer mehr Gerichte kennen, die er probierte, zu kochen. Immer extravaganter und er versuchte sich mehr. Die meisten Köche hatten inzwischen gelernt, entweder einen Bogen, um ihn zu machen oder aber, ihn nicht anzuschreien oder zu berühren. Es war eine Sonderbehandlung, die Sanji unangenehm war, aber über die er gleichzeitig auch erleichtert war.

Er redete nicht viel, aber ab und zu, wenn er mit Zeff alleine war, rutschte ihm das ein oder andere leise Wort heraus. Nie viel und er war froh, dass Zeff ihn nie fragte, warum er zuvor nie geredet hatte und jetzt nur so wenig. Er konnte den Grund schlecht erklären. Es war einfach besser so.

Stattdessen schien Zeff sich zu bemühen, dass Sanji mehr in seiner Nähe sprach, selbst wenn es bloß ein, zwei Worte am Stück waren, um ihm eine bestimmte Sicherheit zu geben. Es funktionierte.
Sanji wurde älter und Gespräche mit Zeff leichter. Es waren immer noch keine besonders langen Gespräche. Zeff fragte ihn, wie er geschlafen hatte, er antwortete ehrlich, dass er wieder Albträume gehabt hatte. Zeff bot an, über sie zu reden, Sanji verneinte das Angebot, bedankte sich aber oder sagte nur: „Der Felsen“. Er verlor nie ein Wort über seine Familie. Zeff fragte nie weiter nach.

Sanji wurde immer besser darin, zu kochen. Er wurde sicherer in seinen eigenen Kochstil und Zeff, obwohl es nicht seine Art war, fand hin und wieder ein gutes Wort, was Sanji noch mehr Freude bereitete.
Als Patty an einem Tag sein Filet lobte, rutschte Sanji glatt ein leises „Danke“, heraus, was sowohl ihn als auch Patty kurz erstarren ließ.
Dann rief Patty laut zu Zeff durch die halbe Küche: „Sanji hat einen neuen Liebling! Jetzt redet er auch mit mir!“

„Bilde dir ja nichts darauf ein, mit mir hat er zuerst gesprochen, das bleibt auch so!“, kam die Antwort. Sanji war das Ganze peinlich und er konzentrierte sich lieber schnell wieder auf seinen Cremepudding, den er zubereitete. Dennoch zierte ein kleines Lächeln seine Lippen, auch wenn seine Wangen brannten. Was Worte bewirken konnten. Es war ihm immer noch ein Rätsel, wie sie genau funktionierten, aber er begriff langsam, dass die Personen um ihn herum ihn genauso mochten, wie er war, egal, ob er sprach oder nicht. Zumindest bei Zeff war es so.

Sanjis Kampftraining ging nur langsam voran, aber er wurde stetig besser und seine Kampfpartner gaben langsam mehr Komplimente als Verbesserungsvorschläge.#Als er achtzehn war, besiegte er Patty zum ersten Mal in einem Zweikampf. Es blieb vorerst ein einmaliges Erlebnis, aber dennoch wurde es am späten Abend, als die Gäste der Baratie schon wieder auf ihren Schiffen waren, gefeiert unter den Köchen und Kellnern.

In der Küche fühlte er sich sicher, etwas, was er seitdem seine Mutter verstorben war, nicht mehr getan hatte. Ein vertrautes Gefühl, wenn auch etwas nostalgisch.

Mit Zeff unterhielt er sich immer wieder über ihren gemeinsamen Traum, das All Blue. Sanji wusste, eines Tages müsste er losziehen, um Zeffs Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Aber er wollte ihm auch aushelfen in der Baratie und er wollte nicht die einzigen Personen verlassen, die ihm etwas bedeuteten, denen er wichtig war und die ihm wichtig waren. Der einzige Ort, der ihm Sicherheit gab, auch wenn hin und wieder ein Besucher Unruhe stiftete. Meistens kamen keine Fremden in die Küche, aber wenn doch, so hatte Sanji gelernt, nicht zusammen zu zucken. Er konnte schließlich kämpfen. Er war stärker als je zuvor.

Aber selbst einen Streit anzufangen konnte er nicht. Er gab jedes Mal nach, etwas, wo Zeff versuchte, ihn Selbstbewusstsein einzubläuen. Aber was bei den anderen Köchen so leicht aussah, war in Realität so schwer. Es gelang ihm bloß, wenn jemand ihm sagte, sein Essen würde wie Abfall schmecken, denn er wusste inzwischen, dass das nicht stimmte. Bloß, wenn er ein neues Gericht ausprobierte, mit dem er noch unsicher war, wankte sein Vertrauen in seine Fähigkeiten.

Aber als das eine Mal ein Überfall auf die Baratie versucht wurde, hatte er es geschafft, sich erfolgreich zu behaupten und drei der Angreifer selbst fertig zu machen. Niemand griff sein Zuhause an oder verletzte die Menschen, die ihm alles bedeuteten. Viel eher wollte er verletzt werden.

Zeff war zwar auch mit einem Bein noch stark, aber Sanji wusste, dass er bloß ein schwaches Abbild seines alten Ichs war und wollte ihm deswegen jegliche Verletzung ersparen. Schließlich hatte Zeff schon sein Bein freiwillig geopfert für ihn, was waren da ein paar Schrammen, die er abbekam? Zeff war jedes Mal nicht begeistert und sagte ihm das auch, aber in dieser einen Tatsache konnte Sanji ebenfalls stur sein. Er würde ihn beschützen, solange er da war.

So verstrichen die Tage bis auf einen, besonderen Tag, an dem Sanji Monkey D. Luffy kennenlernte.