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Normalerweise hatte Alex wenig Probleme, sich zu orientieren, seine Ohren halfen ihm viel und Niko natürlich, aber zumindest konnte er immer relativ viel anhand von Geräuschen ausmachen. Nur jetzt gerade war es um ihn herum so laut, dass alles ineinander floss, dass er desorientiert war. Sie waren zusammen auf einer Party, zu der Alex eigentlich unbedingt gehen wollte, Niko eher nicht so sehr und jetzt war es Alex, dem alles zu viel war. Niko war kurz was zu trinken holen gegangen, hatte Alex an einem der Stehtische gelassen. Das war ja eigentlich kein Problem, aber jetzt gerade war ihm das zu viel, zu laut, zu verwirrend.
Er krallte sich an dem Tisch fest und versuchte in sich hinein zu hören, alles um sich herum auszublenden, aber es klappte nicht. Er spürte jemanden neben sich, dicht neben sich und zuckte zusammen. Die Person trat sofort einen Schritt zurück.
"Alex?" Was ist los?" Nikos Stimme. Gott sei dank. Alex griff nach ihm, erwischte irgendein Kleidungsstück und zog ihn näher.
"Okay?" sagte Niko verwirrt, ließ sich aber näher ziehen. Alex griff mit seiner zweiten Hand nach Niko, erwischte sein Jackett, das Niko nicht anziehen wollte. Er spürte Nikos Hände auf seinen Armen.
"Alex", sagte er nochmal, diesmal mit deutlich mehr Nachdruck und Alex hörte Sorge heraus.
"Es ist zu viel", sagte Alex. Er wollte näher an Niko sein, trat noch ein bisschen näher, spürte, dass Niko zögerte. Hatte er die Grenze zwischen ihnen überschritten? Die Grenze die sie vorsichtig aufrecht erhielten. Aber dann schlangen sich Nikos Arme um seine Schultern und zogen ihn noch ein bisschen näher.
"Sollen wir raus gehen?" fragte Niko leise. Alex nickte. "Okay, komm." Niko löste die Umarmung und Alex zwang sich, Nikos Jackett loszulassen. Niko griff nach seinem Arm, so wie immer, Alex lief etwas dichter als üblich neben Niko. Er versuchte die Geräusche um sich auszublenden, sich nur auf Nikos Hand zu konzentrieren. Dann wurden die Stimmen leiser, nicht viel leiser aber zumindest etwas, sie waren in der Eingangshalle, die Tür zum Saal war aber offen und ließ eine Menge Geräusche durch. Ihre Schritte hallten und es war schon etwas besser, aber Niko lief weiter, er öffnete die Tür und Alex spürte die leicht kühle Nachtluft. Niko führte ihn noch ein paar Schritte und führte seine Hand zu einem Geländer, Alex legte beide Hände darauf ab. Er legte den Kopf in den Nacken und atmete tief durch. Ganz leise hörte er die Party von drinnen noch, aber das Rauschen der Blätter über ihm war lauter und er begann sich zu entspannen. Niko ließ ihn los und Alex wandte sich zu ihm, griff im selben Moment nach Nikos Arm.
"Nicht", sagte er nur. Niko sagte nichts, griff aber wieder nach Alex' Arm, legte seine Hand aber diesmal auf Alex Unterarm. Für einen Moment standen sie so da.
"Was war los?" fragte Niko nochmal.
"Es war alles zu laut, ich konnte mich nicht mehr orientieren, keine Geräusche mehr auseinanderhalten", erklärte Alex und hoffte, dass das Sinn ergab. Niko machte einen zustimmenden Laut.
"Es ist wirklich laut", sagte er zustimmend. Alex ließ das Geländer los, bewegte seinen Arm ein bisschen, so dass Nikos Hand nach vorne rutschte.
"Danke, dass du da bist", sagte er und war von seiner Ehrlichkeit überrascht. Niko zog seine Hand nicht zurück, im Gegenteil, er schob seine Finger zwischen die von Alex.
"Dafür bezahlst du mich ja schließlich", antwortete Niko mit einer Spur von Humor.
"Und wenn ich das nicht machen würde, würde ich dich nie wieder sehen, weil du mich eigentlich gar nicht leiden kannst", sagte Alex sarkastisch, versteckte dahinter die Angst in seinem Hinterkopf, dass es wirklich so war. Jetzt rückte Niko etwas näher.
"Na klar, ich wäre schneller in Berlin als du gucken kannst", sagte er.
"Na da musst du ja nicht besonders schnell sein." Beide lachten. Alex spürte, wie Niko sich zu ihm drehte und tat das selbe. Noch etwas dichter rutschten sie zueinander. Alex spürte Nikos Atmen gegen sein Kinn. Ihr Lachen erstarb.
"Nee, muss ich nicht", antwortete Niko, aber seine Stimme klang jetzt anders, als ob er mit den Gedanken ganz woanders war. Sie hielten sich immer noch an den Händen, Nikos andere Hand landete auf Alex' Schulter, bewegte sich zu Alex' Hals und blieb in seinem Nacken liegen. Alex legte seine Hand auf Nikos Hüfte und lehnte sich das kleine Stück hinunter, dahin wo er Nikos Lippen vermutete. Er spürte Nikos Bart, er kratzte ein bisschen, Niko bewegte sich und dann trafen sich ihre Lippen und Alex schloss die Augen, schlang seinen Arm um Niko und zog ihn noch etwas näher. Das war es dann mit der Grenze zwischen ihnen.
Sie lösten sich wieder voneinander.
"Und würdest du immer noch nach Berlin abhauen?" erkundigte sich Alex.
"Halt die Klappe, Haller", gab Niko zurück und Alex musste grinsen.
"Hab dich auch lieb", sagte Alex. Niko grummelte und drückte aber gleichzeitig Alex' Hand.
