Chapter Text
Adam war nicht sicher, ob er wirklich Lust hatte, Wahrheit oder Pflicht zu spielen. Erschien ihm irgendwie etwas kindisch. Aber seine Mutter war nicht zu Hause und konnte ihm so nicht verbieten, endlich auch mal bei einer der Partys, die seine Mitschüler hin und wieder veranstalteten, dabei zu sein. Er trank noch einen Schluck von dem Mixgetränk, das ihm jemand in die Hand gedrückt hatte, was da drin war wusste er gar nicht so genau. Alkohol hatte er bisher auch fast gar nicht getrunken. Wenn die Mutter immer genau aufpasste was man tat, war das eben einfach schwierig.
"Adam, Wahrheit oder Pflicht?" fragte Danja. Adam schreckte auf.
"Äh, Pflicht", sagte er, ohne zu viel darüber nachzudenken. Danja sah sich im Raum um und überlegte. Er sah es schon kommen, dass er sich gleich richtig blamieren würde. Mariola lehnte sich zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr, worauf beide Mädchen anfingen zu kichern und Adam verdrehte die Augen.
"Na los, was soll ich machen, damit ich's hinter mich bringen kann", sagte er genervt. Er trank noch einen Schluck, spürte den Alkohol warm seine Kehle herunter laufen, er hatte das Gefühl, das würde er brauchen. Sie grinsten beide, schienen sich jetzt einig zu sein.
"Du musst Wiktor küssen", verkündete Danja, sie sah richtig stolz auf die Idee aus. Adam spürte seinen Magen in die Kniekehlen rutschen. Warum denn ausgerechnet Wiktor? Hatten sie was gemerkt? Er hatte seine Gefühle fein säuberlich versteckt, niemand durfte davon wissen. Vor Gott konnte er sie nicht verstecken, das war ein Test, er durfte den Gedanken nicht nachgeben, Gott wollte, dass er widerstand, dass er nein sagte.
"Ach komm schon, Adam, so schlimm ist Wiktor doch auch nicht", sagte Wiktoria. Jetzt erst merkte Adam, dass er Wiktor schockiert ansah. Er sollte gehen, er sollte nicht hier sein, wenn seine Mutter erfuhr, dass er hier war würde er so unglaublich viel Ärger bekommen.
Er wollte Wiktor so unbedingt küssen. So verdammt dringend.
"Küssen, küssen, küssen", riefen die anderen und Wiktor trat auf ihn zu.
"Na komm, bringen wir es hinter uns", sagte er. Sein Lächeln verriet Adam, dass er auch nervös war. Aber er konnte Wiktor nicht küssen. Es war schlimm genug, dass er unchristliche Gedanken über seinen besten Freund hatte, er konnte ihn doch nicht auch noch küssen. Wiktor war noch einen Schritt näher gekommen.
Er würde in die Hölle kommen. Das war sein letzter Gedanke, bevor er sich nach vorne lehnte und Wiktor küsste, ohne dass er darüber nachdachte, legte er seine Hand in Wiktors Nacken und er spürte Wiktor Hand auf seiner Hüfte. Er hatte die Augen geschlossen und spürte, dass Wiktor seine Lippen ungelenk gegen seine bewegte, Adam erwiderte die Bewegung für einen Moment, bis ihm klar wurde, was her hier gerade machte. Er riss sich von Wiktor los, sah sich gehetzt im Raum um und rannte hinaus. Im Flur suchte er seine Schuhe und begann sie sich anzuziehen, dann tauchte Wiktor auf, Adam ignorierte ihn.
"Adam, können wir reden?" Seine Stimme klang leise. Adam wollte nicht reden, Adam wollte weg, Adam wollte ungeschehen machen, was passiert war. Er schnappte sich seine Jacke und verließ die Wohnung. Wiktor war hinter ihm, natürlich war er das.
"Adam, bitte", flehte er. Adam drehte sich um.
"Das gerade ist nie passiert", sagte Adam scharf und er sah Wiktor zusammen zucken. Es tat ihm weh, aber das durfte nicht passiert sein, das durfte nicht real sein. Wiktor sah ihn geschlagen an. Einen Moment blieb Adam noch stehen, bevor er sich umdrehte und sich auf den Heimweg machte.
