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Dreamers With Empty Hands

Chapter 7: As Though You Were Here

Chapter Text

 

 

7

Close to you I will always stay
Close to you, though you're far away
You'll always be near, as though you were here by my side
No matter where in my dreams, I'll find you there

  • Close To You von Jerry Livingston, Carl Lampl und Al Hoffman, 1943.

     

Steve kommt nach Hause und findet ihn auf dem Tisch. Ein Befehl, sich zum Wehrdienst zu melden, adressiert an James Buchanan Barnes. Er kann hören, wie Bucky sich im anderen Zimmer übergibt. Steve kann's verstehen - ihm ist selbst ein bisschen schlecht. Sie hatten keine Zeit, sich darauf vorzubereiten, zu Atem zu kommen. Er hatte nicht erwartet, dass es so schnell passiert. Er legt den Brief mit zitternden Händen zurück und geht ins Wohnzimmer, gibt Bucky so viel Privatsphäre, wie's ihr Schuhkarten-Apartment zulässt.

Bucky kommt ein paar Minuten später zitternd und grau raus, aber er besteht wütend darauf, dass es der verdammte Hot Dog war, den er zum Mittag hatte. Steve kauft's ihm nicht ab, keine Sekunde lang, aber er tut so. Für Bucky.

 

 

Schlimazel, das bin ich. Das ist das, was Ma zu mir sagen würde“, sagt Bucky später, nach ein paar Whiskeys. Er ist jetzt entwirrt, keine Täuschungen. Er ist nicht der Goldjunge der Nachbarschaft, der er mal war, nicht der fleißige aufmerksame junge Mann, der er für Nonnen und Lehrer war, und nicht der herumstolzierende Frauenschwarm, der er beim Tanzen ist. Er ist nur Bucky, Fäden zerschnitten und Locken, die vom gegelten Kopf wegstehen, kein richtiges Hemd an, Hosenträger gelockert. Nur Bucky.

„Dachte, das sei ich“, sagt Steve. Er hat in einer Hand ein Glas Whiskey, das er noch nicht angerührt hat. Bucky hasst es, allein zu trinken, aber Steve will nicht betrunken werden, also ist der Whiskey rein dekorativ. Er wird ihn später Bucky zum Leertrinken geben. So kann Bucky sich so viel betrinken wie er will und Steve bleibt nüchtern genug, um sich um ihn zu kümmern und niemandes Stolz wird zu sehr verletzt.

„Nah, du bist kein schlimazel, du bist ein schlemiel.

„Wo ist der Unterschied?“

„Sind beides Mistkerle, die Pech haben, aber verschiedene Arten von Pech. Ein schlemiel -“, er stupst Steves Zeh mit seinem eigenen, „- verschüttet seinen Kaffee. Direkt in den verdammten Schritt eines armen schlimazels.“ Bucky deutet auf sich selbst, pompös in seiner Trunkenheit.

Steve versucht, es lustig zu finden, aber …. er kann nicht.

Er dachte, er würde eifersüchtig sein, aber das ist er nicht. Stattdessen fühlt er eine Art heftigen Drang, Buckys Platz einzunehmen, nicht für sich selbst, sonder für Bucky. Um es ihm zu ersparen.

Bucky würde ihm für den Gedanken allein auf den Kopf schlagen.

 


 

Gleich am Morgen des 21. Septembers macht Bucky seine Schultern breit und bringt seine Karte zur Einzugsbehörde. Er kommt mit einer Seriennummer und Anweisungen, sich zum Basistraining in Camp McCoy zu melden, zurück.

 


 

Steve geht mit ihm zum Bahnhof, nachdem sie sich vom Rest der Barnes' verabschiedet haben. Das Gleis ist voll von kräuselndem Dampf und küssenden Paaren und Kerlen wie Bucky, die versuchen, zu verbergen wie nervös sie sind.

James Buchanan Barnes, 32557038, lächelt Steve wacklig an und sagt „He, ist nicht der Grand Canyon, aber ich hab immer gesagt, dass ich reisen will.“

„Ja, genieß' die prächtigen Ausblicke in Wisconsin, Kumpel“, sagt Steve ihm. „Vergiss' nicht zu schreiben, sonst bringt deine Ma mich um und dann bringt sie dich um, wenn du zurück kommst.“

„Das wollen wir ja nicht. Und he -“ Bucky schlägt Steve gegen die Schulter, „vergiss' nicht, was ich dir beigebracht hab. Jab, Jab, Cross. Ziel' nicht auf den Kiefer, ziel' auf den Hinterkopf, richtig?“

Steve verdreht die Augen, aber da ist was Intensives in Buckys Gesichtsausdruck. Er macht sich Sorgen um Steve. Nicht dass das was Neues wäre, aber … Vielleicht waren die Boxstunden nicht nur dafür, wenn Steve einberufen werden sollte. Vielleicht waren die Boxstunden auch dafür, wenn Bucky einberufen werden sollte.

Der Gedanke daran gibt ihm ein mulmiges Gefühl. „Ja, ja“, sagt Steve. „Geh' schon. Mach, dass du hier wegkommst, du Blödmann.“

Bucky kichert über den alten Witz. „Wir sehen uns, Idiot.“ Und dann schultert er seine Tasche höher und steigt in den Zug.

 


 

Die Tage sind seltsam und hohl, wenn Bucky nicht da ist. Das Apartment ist plötzlich zu groß, zu leer und gleichzeitig zu klein und die Wände werden um ihn enger, ohne dass Bucky da ist, um sie zurück zu halten. Es ist armselig, wie sehr er Buckys Gegenwart vermisst. Es ist armselig, wie sehr er atemlos auf Buckys Briefe wartet. Steve ist allerdings erbittert daran gewöhnt, armselig zu sein. Er weiß, wie er weitermachen muss, als ob er's nicht wäre.

Ausbildungslager ist viel Lärm, sagt Bucky in seinem ersten Brief. Du weißt ja, wie gern ich's hab, wenn mich 'n Arschloch mit großer Klappe die ganze Zeit anschreit. Jetzt werd' ich wenigstens dafür bezahlt, dass ich's aushalte.

Ich hab keine Ahnung, wovon du redest, schreibt Steve zurück. Ich werd' gar nicht so tun, als ob ich verstehe, worauf du anspielst. Ich werd' nur sagen, dass ich großes Mitleid mit jedem hab, der dein Schnarchen jetzt aushalten muss. Werden die dafür bezahlt?

 


 

Die Barnes' fangen an, ihn sonntags zum Braten (oder was dafür durchgeht, wenn man sparen muss) einzuladen. Steve hat einen Verdacht. Er denkt, dass er fühlen kann, wie Bucky dort die Fäden zieht.

 

 

(Später, an der Front, an einem der seltenen freien Sonntage, bemerkt Steve, dass er verdammt Heimweh hat, nicht nach dem Colcannon seiner Mom, sondern nach Mrs. Barnes' Hühnerbraten. Er erinnert sich dran, Bucky dafür zu danken, dass er ein Wort für ihn eingelegt und seine Ma gebeten hat, nach Steve zu sehen. Steves Stolz ist lange nicht so reizbar, jetzt wo er groß ist; es ist einfacher, zuzugeben, dass er verdammt einsam war, dass die Sonntage bei den Barnes' geholfen haben. Bucky haut ihm auf den Hinterkopf und sagt ihm, dass er sie nie darum bitten musste. Mrs. Barnes hat die Einladung ganz von allein ausgedehnt und Bucky einen Vortrag gehalten, dass er nicht früher daran gedacht hat, Steve einzuladen.)

 

 

Steve lernt Buckys Schwester auf eine neue Art kennen. Becca kannte er schon ziemlich gut, weil sie und Bucky so eng sind. Sie wohnt bei ihren Eltern, während Scott eingesetzt ist. Steve hilft Becca ein bisschen aus, als sie aus dem Krankenhaus nach Hause kommt, aber womit sie wirklich Hilfe braucht ist das Baby und Steve ist schrecklich mit Kindern. Becca geht wirklich freundlich damit um, als Steve Judith fallen lässt, als er sie das allererste Mal halten darf, aber sie entscheidet auch, dass Steve bei buchstäblich allem anderen von größerem Nutzen wäre.

Steve ist irgendwie davon erschreckt, dass Jeanie und Susan keine kleinen Mädchen mehr sind. Sie sind groß geworden, während Steve nicht aufgepasst hat: achtzehn und neunzehn Jahre alt.

Jeanie gesteht, dass sie ganz schrecklich für ihn geschwärmt hat, als sie etwa sechs war. Sie macht sich schonungslos über ihn lustig, weil er's nicht gemerkt hat. Steve merkt, dass er Jeanie mag – nicht auf die Art, aber er mag sie einfach. Sie hat immer eine Stichelei und sie nimmt sich selbst nie zu ernst.

Auf der anderen Seite ist da Susan, die süß und freundlich ist, aber auch intensiv und fokussiert. Sie hört Radio und liest Zeitungen und wird mit jedem Tag immer leidenschaftlicher. Sie würde im Krieg kämpfen, wenn irgendwer sie lassen würde. (Steve kennt das Gefühl.) Aber sie hat nicht vor, in der Zwischenzeit rum zu sitzen und nichts zu tun. Und wo Susan hingeht, folgt auch Jeanie. Was der Grund dafür ist, dass sie sich schließlich Arbeit in der Munitionsfabrik suchen und montags mit ihren dunklen Locken zurückgesteckt und unter Tüchern verdeckt zur Arbeit gehen. Keine offenen Wellen mehr. Es ist alles streng aus ihren eckigen, sturen Gesichtern zurückgekämmt.

Eine seltsame Routine entwickelt sich. Steve kommt sonntags für den Braten rüber, bleibt am Ende über Nacht und schläft öfter als nicht auf der Couch, weil sie viel zu lange aufbleiben, um über Politik zu reden. Und am Morgen findet er sich am Ende einer Kette von Frauen wieder – Becca, die Judith hält, während sie ihre Haare von Susan gemacht bekommt, die ihre Haare von Jeanie hochgesteckt bekommt, während Jeanie ihre langen dunklen Locken von Steve hochgesteckt bekommt, der überraschend gut in solchen Dingen ist, wie sich herausstellt.

„Wenn irgendwer von euch Bucky davon erzählt, werd' ich das ewig zu hören kriegen“, sagt Steve.

„Hoch und heilig versprochen“, sagen die Barnes Mädchen zusammen im Chor.

 

He, Stella, sagt Bucky schon in seinem nächsten Brief. Hab gehört, du wirst 'nen Salon eröffnen. Vergiss' nicht, mir vom neuesten Klatsch zu berichten, Schätzchen.

Ich hasse dich so sehr, schreibt Steve zurück .

 


 

Es ist fast, aber nicht genau so, als ob Bucky da wäre. Es ist anders.

Es ist anders, weil Bucky gut darin ist, Zeug zu verheimlichen, besser als Steve es ist. Wenn Steve sein Gesicht sehen kann, kann er's normalerweise zumindest erkennen. Aber jetzt hat Steve nur seine Worte: die Sachen, die Bucky sagt und die riesigen leeren Räume dazwischen, voller Schatten und Unsicherheiten.

 

 

Etwas später, in einem der Briefe: tut mir leid, dass der hier so kurz ist, Kumpel. Schätze, ich bin müde. Ausbildung läuft gut und so, aber es ist als ob sie versuchen es gibt viel zu tun. Einige Kerle sind echte Fühlt sich an, als ob's nie 'ne Pause davon gibt, denk ich. Mach dir um mich keine Gedanken, mir geht’s gut.

 

 

Das sagt er immer mehr, als der Oktober kälter wird.

Mir geht’s gut.

Mach dir um mich keine Gedanken.

Mir geht’s gut, alles gut.

Erzähl mir von Brooklyn.

Das sagt er von allem am meisten:

Erzähl mir von Brooklyn, Stevie.

Und Steve ist kein Idiot. Er kann da zwischen den Zeilen lesen und obwohl Bucky niemals sagt Ich vermiss dich, ich vermiss zuhause, ich hasse es hier, kann Steve es in der Stille hören. Er kann es hören.

 

 

Aber die Sache ist: auch wenn er hört, was Bucky nicht sagt, hört er jeden Sonntag von Buckys Eltern etwas anderes.

„Bucky sagt, er hat die besten Noten in seinen Eignungstests.“ Also ist es nicht so, als ob Bucky sich nicht gut macht.

„Bucky sagt, er hat in seiner Gruppe als bester Scharfschütze abgeschnitten.“ Also ist es nicht so, als ob er nicht sein Bestes geben würde oder so.

Und dann, an einem Sonntag, als sie alle um den abgenutzten Esstisch der Barnes' herum sitzen: „Bucky sagt, sein Sergeant hat ihn für Sondertraining zur Seite genommen.“

Sie sind stolz auf ihn, selbstverständlich – das sind sie alle, Steve ist keine Ausnahme – aber es ist auch eine Erleichterung. „Mehr Training ist gut“, sagt George und starrt etwas an, das nicht dort ist. „Er ist noch nicht so weit.“

„George“, sagt Winnie und legt ihre Hand auf seine große Pranke.

„Nicht dass man's je ist“, sagt er mit mehr Verbitterung als Steve je in seiner großen, grollenden Stimme gehört hat. „Aber mehr Training ist gut.“

Das wissen sie alle, aber niemand sagt es... Je länger sein Training dauert, desto länger muss er nicht an die Front.

 


 

An einem Sonntag Ende November geht Steve nach der Kirche zu den Barnes' und merkt, dass außer Becca und Judith niemand zuhause ist. Becca muss auf ihn gewartet haben, weil sie die Tür aufreißt, bevor er anklopft. Sie schwenkt einen Brief und einen Moment lang denkt Steve oh Gott, bitte nicht, aber Becca grinst breit von Ohr zu Ohr.

„Bucky hat im Dezember eine Woche Freigang“, sagt sie. „Er sagt, er denkt, sie werden ihn für mehr Training wegschicken!“

„Nicht an die Front?“, sagt Steve, atemlos durch das emotionale Schleudertrauma. Keiner von ihnen ist wirklich sicher – Bucky ist so ausweichend und unbekümmert damit, Details zu nennen und keiner weiß wirklich, wie dringend die Armee Leute an der Front braucht.

„Nicht an die Front!“, bestätigt Becca und ihre blauen Augen glitzern.

Sie umarmen sich und fallen durch die Wucht darin fast um, durch die Erleichterung zu wissen, dass es mehr Training geben wird, mehr Zeit um zu wissen, dass Bucky in Sicherheit ist, in Ordnung ist, dass nicht wirklich auf ihn geschossen wird.

Steve keucht, als sie sich aus der Umarmung lösen, weich in den Knien durch die Erleichterung und den Luftmangel. Becca reibt ihm den Rücken. „Komm schon, komm schon. Tee.“ Sie zieht ihn nach drinnen und drückt ihn auf einen Stuhl am Küchentisch. Er stützt seine Ellenbogen auf die Knie. Atmen, denkt er. Es wird alles gut werden.

Becca läuft herum, kocht Tee und überprüft abgelenkt die Wiege, wann immer sie daran vorbeikommt, aber Judith schläft friedlich. Sie ist winzig, denkt Steve. Sie ist erst einen Monat oder so aus dem Krankenhaus und sie macht sich gut und Scott hat auch bald Urlaub und jetzt das... Becca sieht aus, als ob sie davon schwebt; als ob alle guten Neuigkeiten ihr Auftrieb verleihen. Sie reicht ihm den Brief zusammen mit einer Tasse Tee und Steve setzt sich auf, um ihn zu lesen.

 

 

 

 

Hallo Brooklyn Barnes',

ich schätze mal, das Erste, was ihr wahrscheinlich wissen wollt, ist, dass ich die erste Woche im Dezember Freigang habe. Also werd' ich endlich das kleine Proctor Mädchen richtig kennenlernen können. Ich erwarte das komplette Empfangskomitee, wohlgemerkt. Tusch und Trompeten. Der ganze Schnickschnack.

Das Ausbildungslager ist echt gut gelaufen. Ich schätze, ich hab ziemlich ordentlich abgeschnitten: der Sergeant gibt mir 'ne besondere Empfehlung, also werde ich verschifft – nicht an die Front, noch nicht. Irgendeine Art Sondertraining. Sollte eine Herausforderung sein. Kann noch nicht sagen, wo sie mich hinschicken – sogar wenn's nicht klassifiziert wäre, ihr wisst ja, wie gut ich mit Karten bin.

Jedenfalls geht’s mir echt gut, außer dass ich euch vermisse. Schickt mir 'nen schön langen Brief mit allen Neuigkeiten und Geschichten.

Bis bald!

Bucky

 

Steve liest es nochmal durch, runzelt die Stirn. Das ist überhaupt nicht so wie die Briefe, die er bekommt. Es ist ordentlich und aufpoliert und munter. Da ist nichts durchgestrichen, nichts von dieser dünnen Fassade von 'gut', die über Elend gemalt wurde.

„Ist das nicht wunderbar?“, sagt Becca und dreht sich strahlend zu ihm um. Sie sieht erschöpft aus. Natürlich tut sie das. Sie hat ein drei Monate altes Kind.

„Ich versteh's nicht“, ist alles, was Steve zu sagen gedenken kann. Der Ton das Briefs ist nicht, gar nicht so wie die Briefe, die er von Bucky bekommen hat.

„Was versteht man da nicht?“, fragt Becca und lässt sich auf den Stuhl neben ihm fallen.

„Ist nur …“ Er sieht zu Becca rüber, aber sie grinst nur. „Die Briefe, die er mir schickt, sind … nicht so“, beendet er lahm.

Becca ist kein Trottel und sie kennt Bucky so gut wie sonst niemand, außer vielleicht Steve. Sie runzelt die Stirn ein wenig. „Ja? Wie sind die denn?“

Steve zieht die Augenbrauen zusammen. „Da steht alles … zwischen den Zeilen. Er sagt es nie direkt, aber er … Er ist nicht glücklich. Er klingt elend.“

„Hm.“ Sie hält inne und denkt darüber nach, ihr Ausdruck wird ernst und düster. „Bist du sicher?“, sagt sie leise und bestimmt, klingt wie ihr Vater, wie Bucky.

Steve denkt drüber nach. Er zieht seine Unterlippe zwischen die Zähne und dann nickt er. „Ich kenn' ihn, Becca. Ich bin sicher.“

Becca wirft ihm dann einen Blick zu, Augenbrauen etwas zusammengezogen. Dann schüttelt sie's sichtbar ab. „Nein“, seufzt sie, Augenbrauen wieder normal. „Das ergibt Sinn.“

„Tut es das?“

Sie nickt. „Er ist bei verschiedenen Leuten verschiedene Dinge, war er schon immer. Erinnerst du dich, wie er sich bei den Nonnen eingeschleimt hat? Jeden Lehrer der Schule um seinen kleinen Finger gewickelt. Er hat gesagt, das sei anstrengend.“

Steve hat nicht so darüber nachgedacht. Klar, Bucky war ein Schauspieler. Steve hat das beneidet; Buckys Fähigkeit, einen Raum zu lesen und sich selbst so zu ändern, dass er hinein passt. Steve war nie in der Lage gewesen, irgendwer anderes als Steve zu sein. Er konnte nicht mal anständig lügen. Und dann war da Bucky, der anmutig nachgegeben, sich hier und da ein bisschen verbogen und das Leben für alle um ihn herum etwas leichter gemacht hat. Steve hat das Leben nie für irgendwen leichter gemacht. Deshalb hatte er früh den Ruf als Unruhestifter, während Bucky der Goldjunge blieb, der Lieblingssohn. Es schien ihm so natürlich zu liegen. Er hat es so mühelos aussehen lassen. Steve hat immer angenommen, dass es das war.

Becca beobachtet ihn. „Das wusstest du nicht?“, sagt sie.

Steve schüttelt den Kopf.

„Naja, schätze, dass würdest du auch nicht. Er führt 'ne gute Vorstellung auf, mein Bruder“, fügt sie hinzu. „Aber wenn's ihm elend geht, bist du die einzige Person, vor der er das nicht verstecken würde. Außer vielleicht mir, aber … ich war etwas beschäftigt.“

Steve kann fühlen, wie seine Ohren rot werden, aber Becca sieht jetzt nicht hin. Sie rührt ihren Tee um, langsam und bewusst. „Ma und Pa, andererseits?“ Sie schüttelt den Kopf. „Was würd's ihnen bringen, wenn sie das wüssten?“

Steve spielt mit den Ecken des Briefs herum, runzelt die Stirn. „Ich mach mir nur Sorgen um ihn, schätz' ich.“

Sie nimmt seine Hand und drückt sie. „Das tun wir alle. Aber das hier sind gute Nachrichten. Wenn er Sondertraining bekommt, bekommt er vielleicht eine Beförderung. Je mehr er tun kann, um sich selbst für die Armee wertvoll zu machen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie ihn nur … du weißt schon.“

Vor die nächste Kanone werfen, denkt Steve und ihm wird ein bisschen schlecht von dem Gedanken, aber … „Du hast recht“, sagt er. „Du hast recht. Das sind gute Nachrichten.“

„Das sind wunderbare Nachrichten.“

Es ist wunderbar. Bucky kommt nach Hause und auch, wenn es nur für eine Woche ist, ist das nicht Nichts.

 


 

Steve weiß, dass Bucky sich verändert hat, sobald er aus dem Zug steigt. Es ist nicht so, als Bucky als anderer Mensch zurückkommt oder so was. Er ist immer noch James Buchanan Barnes, aber es ist ein bisschen so, wie Sonnenlicht durch ein Fenster was anderes ist als Sonnenlicht durch eine Lupe. Es ist nur Sonnenlicht, das durch Glas dringt, aber es verhält sich anders, wenn es konzentriert wird.

Er steigt aus dem Zug und grinst bereits sein breites Grinsen. Er winkt begeistert, als er sieht, dass die ganze Familie da ist, sogar die kleine Judith, die winzig ist und in Decken gewickelt, aber ihre Lungen sind jetzt viel besser und sie wächst echt schnell. Er kommt zu ihnen rüber und Steve kann nichts dagegen tun, dass er katalogisiert, wie er sich verändert hat. Es ist die Art wie er sich bewegt; die Art wie er sich selbst bewegt. Sein Gang ist anders. Irgendwo zwischen Marschieren und Stolzieren, alles Beschwingte daraus entfernt. Es ist der Gang eines Soldaten, nicht der eines Tänzers.

Steve bleibt im Hintergrund, während Bucky seine Ma und dann seine Schwestern umarmt und dann die kleine Judith auf die Stirn küsst.

„Judith Buchanan Proctor“, sagt Scott ihm.

Bucky stöhnt laut auf. „Nein. Warum?“ Aber er freut sich darüber, insgeheim. Steve kann's ihm ansehen, genau wie die anderen. Becca lacht. „Tut mir so leid, Kleines“, sagt Bucky zum Baby. „Das hast du nicht verdient.“

Steve bleibt zurück, Hände in den Taschen. Neid ist ein hässliches, hässliches Ding, aber er kann nichts dagegen tun. Bucky sieht so aus, als ob er sich in seiner Haut wohlfühlt und er ist umgeben von seiner Familie und sie alle sind erst damit dran, ihn zu umarmen. Also ist Steve voll von Eifersucht – große schwere Portionen davon auf jeden, den er ansieht.

„Wo ist -“ Bucky reckt seinen Hals und das Grinsen kommt zurück, als er Steve sieht. Es macht Steve atemlos. „Steve! Komm hier rüber!“

Und, Gott, als Bucky ihn in eine Umarmung zieht und da neue Muskeln sind. Viele davon. Sein Rücken ist dadurch breit, seine Arme dick damit. Er ist wärmer, wie ist das überhaupt möglich? Bucky drückt ihn, ein großes schallendes Lachen schwingt durch sie beide. Bring mich gleich um, das wäre freundlicher, denkt Steve benommen.

 


 

Sie gehen alle zum Haus der Barnes' und dort gibt es Kaffee für alle und etwas Whiskey zur Feier und einen Braten und Musik aus dem Radio. Alles ist warm und eng und laut, alle lachen über Buckys scheinbar endlosen Reserven an lustigen Geschichten aus dem Ausbildungslager.

Steve fängt an zu glauben, dass er sich vielleicht das Düstere in Buckys Briefen nur eingebildet hat. Bucky ist nur glücklich und lächelt und steht aufrecht. Hier ist nichts Dunkles.

Die Nacht geht weiter und nach dem Abendessen geht Bucky nach draußen, um mit Scott zu rauchen. Die zwei Soldatenjungs. Mrs. Barnes nimmt gerade den Nachtisch aus dem Ofen und schickt Steve, um sie zu holen.

Er geht gerade raus in den Flur, der zum Hinterhof führt (obwohl es nicht viel mehr als ein Betonviereck mit Wäscheleine und Unkraut in den Fugen ist), als er Buckys Stimme hört, leise aber angespannt. „Aber so sollen wir nicht sein, oder?“, sagt Bucky. Steve reckt sein gutes Ohr näher und geht ein bisschen langsamer und leiser. „Unsere Seite... ich weiß nicht, es fühlt sich nicht richtig an, so zu reden, auch nicht über die Krauts. Nicht mal über die Japsen, weißt du?“

„Die machen nur großes Gerede, weil sie Angst haben“, sagt Scott still. „Nur verängstigte, dämliche kleine Kinder, die groß reden.“

„Ich bin 'n verängstigtes dämliches Kind“, zischt Bucky, „und mich hört auch keiner drüber reden, wie ich jemandem 'n Loch in den Kopf schieß' um rein zu f-“ Bucky schneidet sich selbst das Wort ab und Steve kann hören wie er 'nen langen Zug nimmt, kann hören wie sein Fuß mit nervösem Rhythmus gegen die Stufe wippt. „Ich hasse es. Gott. Schlimm genug, dass wir Menschen umbringen werden müssen, es ist Krieg. Aber können wir wenigstens nicht … Das sind immer noch Menschen.“

„Bucky“, sagt Scott leise. „Das ist nicht … Du würdest wahrscheinlich besser aufhören, so zu denken. Die Leute, gegen die du im Einsatz sein wirst … die haben sich entschieden, für die Nazis zu kämpfen. Wenn's nach mir geht, haben die damit jedes Recht aufgegeben, Menschen zu sein. Sieh mal, ich war schon da drüber, du nicht. Was die Nazis anstellen … Das ist nicht menschlich. Die sind nicht menschlich.“

„Das sind sie“, beharrt Bucky. „Schlechte Menschen sind immer noch Menschen, ich will nur -“

Steve kann's nicht länger hinauszögern. Er widersteht dem albernen Drang anzuklopfen und steckt nur den Kopf durch die offene Hintertür raus. „He.“ Die beiden zucken ein bisschen zusammen und drehen sich zu Steve um, starren Steve mit passenden Gesichtsausdrücken zwischen Überraschung und Verärgerung an. Steve fühlt sich schrecklich wie ein Eindringling, ein Außenseiter. Die zwei sind Soldaten, die die Kameradschaft von Waffenbrüdern teilen. Es ist ein Club, von dem Steve kein Teil ist und die Eifersucht droht, ihn bei lebendigem Leib zu verzehren. Er zwingt sich zu lächeln. „'tschuldigung. Winnie hat Nachtisch für uns. Kommt schon.“

 


 

Bucky kommt danach mit zurück ins Apartment.

Er hatte darauf bestanden, weiter Miete zu bezahlen. „Ich will 'n Ort haben, wo ich bleiben kann, der nicht der Wohnzimmerboden meiner Ma ist, verdammt“, hat er gesagt, brüsk und stur, als ob es nicht nur darum ginge, sicherzustellen, dass Steve in einer warmen und nicht zu beschissenen Wohnung bleibt. Steve hat diskutiert, aber Bucky wollte nicht weichen und so ging ein Teil seines Gehalts weiter auf den gemeinsamen Mietscheck, obwohl Bucky gar nicht mehr dort war. Und da Becca und Judith und Scott alle bei den Barnes' wohnen, ist es allgemein 'ne ziemlich enge Unterkunft. „Ein Mensch braucht Platz“, hat Bucky seiner Ma gegenüber beharrt. „Ich seh' euch alle morgen wieder.“ Und dann ist er mit Steve nach Hause gegangen und Steve hat sich dadurch gefühlt, als ob … naja, egal wie Steve sich dadurch gefühlt hat.

Bucky lässt seine Tasche auf den Boden fallen und tritt sich die Schuhe aus. Er wirft seinen Hut auf Seite, lockert seine Krawatte. Er lässt sich in seinen dreibeinigen Sessel fallen. Die Ecke ist jetzt mit Zeitungen gestützt. Er fährt mit den Fingern über den Stapel Detektivromane neben dem Sessel. Er lächelt halb. „Trautes verdammtes Heim.“

„Weißt du, ich hab mich echt dran gewöhnt, dass meine Ohren nicht die ganze Zeit angegriffen werden, in den letzten paar Monaten“, murrt Steve und sieht weg. Gott, diese Uniform. Sie steht Bucky gut.

„Denkst du ich bin schlimm? Lass dir gesagt sein, Kumpel, ich hab viel neue Scheiße gelernt und es ist nicht alles Scharfschießen, weißt du?“

„Ist das extra Training dafür?“, sagt Steve und setzt sich auf das Bett, das auch als Sofa dient, und zieht die Knie hoch, als ob sie wieder Kinder wären und Bucky Geschichten aus den Magazinen vorliest. „Ausgewiesener Scharfschütze?“

Bucky leckt seine Unterlippe. „Ich sollte's dir nicht erzählen. Es ist … nicht streng geheim, aber definitiv irgendwie klassifiziert.“

„Naja. Du musst es mir nicht sagen, wenn es die Kriegsanstrengungen komprimieren würde“, versichert Steve mit riesigem Grinsen.

„Halt die Klappe“, stöhnt Bucky. Er lächelt noch immer. Er hält einen Moment inne, nachdenklich. „Weißt du, ich dachte es würde alles nur 'lauf dort hin, heb' das auf, schlag das' sein und versteh mich nicht falsch, da ist auch viel davon, aber das Schießen – weißt du, die haben mich ausgesucht, weil die wissen, dass ich Ingenieurswesen studiert hab? Ich musste über die Gewehre lernen und es ist nicht so einfach wie zielen und schießen, weißt du? Ich muss Mathe können.“ Bucky grinst wie ein Idiot.

Steve stöhnt. „Nur du würdest dich darüber freuen, du Fleischklops.“

Buckys Grinsen wird breiter. „Ja, ja.“ Er lehnt seinen Kopf zurück. „Mann, ich bin durch, Kumpel.“

„Du wirkst aber zufrieden“, sagt Steve und deutet mit dem Kinn auf Bucky. „Bist du glücklich?“

„Klar.“ Das Lächeln verschwindet von Buckys Gesicht, aber nur ein bisschen. „Stellt sich heraus, dass ich … echt gut darin bin.“

Ein kleines Stirnrunzeln verzieht Steve das Gesicht, weil Bucky wirklich überhaupt nicht glücklich darüber klingt, aber …

Er denkt an Bucky und Scott, wie sie im Hinterhof geredet haben, die Art, wie sie beide sich zu Steve umgedreht haben, als ob er nicht dazu gehören würde. Er denkt an Becca, wie sie darüber geredet hat, dass Bucky für verschiedene Leute verschiedene Dinge ist. Er denkt – mit einem tiefen Schmerz des Bedauerns – daran, wie sie gesagt hat, dass Bucky vor Steve nie etwas verstecken musste.

Aber die Dinge ändern sich.

Vielleicht ist es nicht Steves Aufgabe, Bucky dazu zu drängen, über das zu reden, was in seinem großen dämlichen Kopf vorgeht. Vielleicht ist das nicht mehr Steves Recht. Vielleicht wird Bucky anfangen, auch ihm gegenüber etwas vorzuspielen.

Neid ist eine Sünde, erinnert Steve sich. Er schluckt. Er räuspert sich. „So bescheiden“, stichelt er.

Bucky öffnet ein Auge. „Idiot“, sagt er liebevoll.

 


 

Es ist allerdings nicht nur Bescheidenheit. Bucky ist gut in dem, was er tut. Wirklich gut.

Er bekommt nochmal sechs Monate Sondertraining. Er kann anscheinend nicht sagen, wofür sie ihn trainieren. Er kann nicht mal sagen, mit wem er trainiert. Aber einige Briefe scheinen von weit weg zu kommen, wenn man davon ausgeht, wie lange sie brauchen, bis sie Steves Tür erreichen. Bucky erwähnt Fallschirme und Tarnausrüstung und Messer. Er erwähnt, dass einer der Trainer einen Britischen Akzent hat und sie ihn Dracula nennen, weil er die ganze Zeit so grimmig aussieht. Er hat die besondere Empfehlung von seinem befehlshabenden Offizier bekommen und es sieht so aus, als ob er eine weitere bekommen wird. Er hat als PFC Barnes angefangen, aber wenn er so weitermacht wird er als Sergeant an die Front kommen. So viel erzählt er ihnen, als er im März für Freigang nach Hause kommt, nah genug an seinem Geburtstag, dass sie feiern können.

Es ist Mai, als Bucky seine zweite besondere Empfehlung bekommt und Steve zu den Barnes geht, um den neuesten Brief und die neusten Nachrichten von Bucky zu teilen. Mr. Barnes, der am Ende des letzten Kriegs Lieutenant war, zieht die Augenbrauen hoch. Er summt, ein tiefes Grollen. „Zu meiner Zeit haben sie das nicht für jeden gemacht.“

„Wie ich meinen Bruder kenne, bezaubert der dort alle zu Tode“, sagt Becca mit liebevollem Frust. Sie hat eine kleine Furche zwischen ihren dunklen Augenbrauen, eine einzige Linie, eine winzige senkrechte Falte vor Sorge. Sie könnte wegen Bucky sein, der vielleicht der Sache nicht gewachsen ist. Aber wahrscheinlicher ist es, weil Scott jetzt an der Front ist und sagt, dass es ihm gut geht, aber … Sie lässt Judith hüpfen, die leise 'nen Aufstand macht, und die Furche zwischen ihren Augenbrauen wird tiefer.

Mr. Barnes hat dieselbe senkrechte Falte zwischen seinen Augenbrauen, aber länger. Seine ist dauerhaft, aber sie ist jetzt tiefer und Steve ist ziemlich sicher, dass das alles wegen Bucky ist, oder vielleicht wegen seiner finsteren Erinnerungen an den letzten Krieg. Wahrscheinlich beides.

„Vielleicht“, sagt Mr. Barnes. „Aber sie würden ihn nur so aufstellen, wenn sie ihn fürs Kommando vorbereiten. Er muss ein echt verdammt guter Anführer sein.“ Jetzt ist da eine ordentliche Portion Stolz gemischt mit der Sorge.

Steve spitzt die Lippen und sieht runter. Ein guter Anführer? Bucky? Gewissermaßen. Bucky könnte dich aus Ärger raus holen – Steve weiß das aus erster Hand – aber er würde dich nicht hinein führen. Er war faul wie 'ne Katze, die meiste Zeit. Steve war derjenige, der Ärger gemacht hat, der Bucky dazu überredet hat, ihm zu folgen. Steve war derjenige, der 'nen Angriffsplan erarbeitet und sie frontal dabei geführt hat.

Aber alle haben Bucky geliebt. Alle haben sich ihm zugewendet, wie Blumen zur Sonne. Er hat Loyalität und Ergebenheit bei allen um sich herum geweckt. Das war seine seltene Eigenschaft. Egal was Bucky über Inspiration gesagt hat, niemand hat Steve wirklich gemocht, der klein und gemein und kompromisslos war. Naja – Bucky mochte ihn und die Barnes' mochten ihn, größtenteils für Bucky, dachte Steve. Aber die anderen Barnes' würden nie dämlich genug sein, um Steves Führung bei irgendwas zu befolgen. Niemand außer Bucky würde Steve je irgendwohin folgen.

Aber Bucky? Menschen würden ihm ins Feuer folgen. Bucky würde dich niemals hinein führen, aber er würde absolut einen Weg finden, um dich wieder raus zu holen.

Aber ja. Steve kann erkennen, warum die Armee das schätzen würde.

 


 

Steve geht zurück zum Apartment, aber es fühlt sich nicht nach Zuhause an. Es ist, als ob Bucky das mit sich genommen hat, als er gegangen ist, als ob er Steves Wurzeln mit raus gezogen hat, als seine ausgerissen wurden. Ohne Bucky hier ist das Apartment nur Zimmer. Leer. Ausgehöhlt. Ohne Bucky hier sind die Erinnerungen nur Echos, bedeutungslos. Ohne Bucky sind Steves kleine Karikaturen nur Papierstücke.

Es ist nicht so, als ob Steve in den letzten paar Jahren, wo sie zusammen gelebt haben, vergessen hat, was er für Bucky fühlt. Es ist nicht so, als ob er aufgehört hat, Dinge für Bucky zu fühlen, ganzen im Gegenteil. Er wird es Bucky nie sagen, was es ihm paradoxerweise leichter macht, es sicherer macht, ihn weiter zu wollen. Er kann nie zurückgewiesen werden, kann nie verletzt werden, weil er diese Grenze nie überschreiten wird. Bucky zu wollen ist ein wunder Punkt, den er nicht heilen will. Es ist nie abgehärtet, er hat nie aufgehört, den Schmerz davon zu fühlen. Aber es ist Teil von ihm geworden: dieses Stechen durch Wollen, der vertraute Schmerz vom Zurückhalten, der Trost in seinem persönlichen Schweigemandat.

Er ist Steve Rogers. Er ist zehn Liter Kampf in 'nem Schoppenglas. Er ist ein zerbrechlicher Behälter voll Schmerz und Leid. Er liebt Bucky Barnes und er wird es niemals laut sagen. Das ist die dritte Säule seiner Existenz. Es ist jetzt ein wesentlicher Teil von ihm, ein lebenswichtiges Organ.

Also fühlt er Buckys Abwesenheit, so wie du das Messer fühlt, das dich ausweidet.

 

 

Später diese Woche versucht er sein Glück als Steve aus Queens und kassiert weitere 4F. Er wirft's weg, Kiefer angespannt. Es spielt keine Rolle. Er wird es weiter versuchen. Sie können nicht ewig nein sagen. Entweder wird er einen faulen Einberufungsoffizier finden, jemanden, der bereit ist, über seine Untauglichkeit hinwegzusehen, oder der Krieg wird lang genug andauern, dass die Armee ihre Anforderungen runterschrauben wird. Armeen brauchen immer Kanonenfutter. Das kann Steve sein.

Bucky hat im Juni nochmal Freigang. Steve wird’s dann nochmal versuchen. Ihm gehen allerdings die Orte aus, von denen er behaupten kann, dass er dort herkommt.

 


 

Jetzt bis du also aus Paramus?
Du weißt schon, dass man im
Meldeformular nicht lügen darf.
Und mal ehrlich, Jersey?

 


 

Es geht hier nicht um mich.

Genau. Weil du nämlich
nichts zu beweisen hast.

 


 

Ist das ein Test?

Ja.

 


 

Steve unterschreibt etwa eine Million Geheimhaltungsabkommen und bekommt einen Vortrag über Streng Geheim und Klassifiziert und Erskine sagt, dass er nur zwei Dinge wissen muss:

Erstens: er wird für einen experimentellen Vorgang in Erwägung gezogen. Sie sind echt undeutlich damit, welche Art von Vorgang das ist und wie er dafür qualifiziert ist.

Zweitens: er kann niemandem die Wahrheit sagen. Jemals. Sie geben ihm eine Geschichte als Deckung – weil er ein Künstler ist, sagen sie ihm, dass er seinen Freunden erzählen soll, dass das Kriegsministerium Leute für Gestaltungsarbeit braucht und er ausgewählt wurde, um zu helfen. Es ist geheime Arbeit und seine Nachbarn werden wahrscheinlich denken, dass er Zeug mit Fehlinformationen und Flugblättern macht, um über Deutschland abzuwerfen, aber das kann er ihnen nicht sagen.

Um ehrlich zu sein, weiß er nicht so wirklich, wofür er unterschreibt und er fragt auch nicht wirklich. Alles, was Steve wichtig ist, ist dass es eine Chance ist. Endlich eine Chance, um alles zu sein, was er sein ganzes Leben lang sein wollte. Eine Chance, um etwas Gutes zu tun.

 

 

(Viel, viel später starrt Tony ihn an, sprachlos. „Du wusstest es nicht? Du wusstest es nicht? Gott, Cap. Das ist …“ er verstummt.

„Das ist.... ziemlich krank“, unterbricht Bruce mit einem fast entschuldigenden Schulterzucken.

„Hatten die Einverständniserklärungen noch nicht erfunden?“, schwafelt Tony. „Weißt du eigentlich, auf wie viele Arten das hätte schiefgehen können? Und du …“ Er wirft die Hände mit einem übertriebenen Schulterzucken in die Luft. „Wusstest es einfach nicht.“

Steve starrt sie an und fühlt sich etwa eine Million Jahre alt und gleichzeitig ungefähr zwölf. „Es war Krieg“, sagt er einfach.)

 

 

Steve schwirrt mit den Neuigkeiten, als er zurück zum Apartment kommt, aber er muss einen Weg finden, um seine Klappe zu halten. Er hat keine Ahnung, wie er das ausgerechnet vor Bucky geheim halten soll.

Am Ende ist es leicht.

Steve hat noch wach in seinem Bett im Wohnzimmer gelegen, an die Decke gestarrt und konnte nicht schlafen, aber er setzt sich auf, als er hört, wie Bucky lange nach Mitternacht hinein gestolpert kommt. Steve kann auf einen Blick erkennen, dass er sternhagelvoll ist, flüsternd vor sich hin fluchend und sein Schienbein reibend, das er sich grade an der Wanne in der Küche gestoßen hat. Er dreht sich langsam und schwankend, fast umkippend um. Er sieht Steve. Sein Gesicht klart mit diesem dämlichen Bucky Grinsen auf. „Sonnenschein!“ An seinem Kragen ist Lippenstift.

Steve verzieht das Gesicht. Er hasst diesen Spitznamen. „Oh Buck“, sagt er, aber er kann das Lächeln nicht ganz aus seinem Gesicht fernhalten. Er steht auf und geht auf Bucky in der Tür zum Wohnzimmer zu. „Kumpel. Du bist 'n Chaos.“

Buckys Lächeln tut etwas sehr Seltsames, verzerrt sein Gesicht. Plötzlich sieht er aus, als ob er weinen will und Gott, das kann Steve nicht zulassen.

Er räuspert sich. „Gut, komm schon, Kumpel, am besten legst du dich bevor du umfällst.“

Wie aufs Stichwort verliert Bucky das Gleichgewicht und stolpert zu Steve. „Whoa!“ Steve legt seine Arme um Buckys Taille und versucht, ihn festzuhalten. Bucky lehnt sich schwer auf ihn und er zittert ein bisschen, zuerst mit Gekicher. Er klingt etwa fünf Sekunden vom Heulen entfernt.

„'tschuldigung“, murmelt Bucky. „Scheiße – 'tschuldigung, Stevie.“

„Mach dir keinen Kopf“, sagt Steve. „Nimm das Wohnzimmer, du musst früh raus und ich muss ja nicht wieder bei meinem Schönheitsschlaf gestört werden, ja?“

Es ist ein ziemlich durchsichtiger Versuch, um Bucky dazu zu kriegen, im wärmeren Zimmer zu schlafen und normalerweise würde es nicht klappen. Bucky verdreht die Augen und sagt damit machst du keinem was vor. Aber Bucky ist gerade dicht, und er murmelt nur irgendwas ohne Zusammenhang.

Steve muss Bucky mit seiner Uniform helfen, weil Bucky von den ganzen Knöpfen und dem Gürtel etwas gehindert wird, aber sobald er nur noch Unterwäsche anhat, kippt er einfach um ins Bett, Gesicht ins Kissen gepresst. Seine Haar sind ein Desaster, die Strähnen lockern sich aus dem Gel. Sie sind jetzt kürzer wie sie es waren, als die beiden noch jünger waren, aber sie sind immer noch so dick und ungebändigt wie damals.

„Das wirst du auf dem Schiff morgen bereuen“, sagt Steve ihm.

Bucky grunzt nur ins Kissen.

Steve klopft Bucky auf die Schulter. „Nacht, Buck.“

Er will grade ins andere Bett gehen, das im anderen Zimmer, als eine Hand schwerfällig nach seinem Handgelenk schnappt, es verfehlt und stattdessen seine Hand nimmt. „St've“, murmelt Bucky.

„Schlaf, Kumpel“ sagt Steve und versucht, sich zu befreien, aber Bucky verschärft seinen Griff und zerrt fester, zieht Steve zurück bis er sich auf die Bettkante setzen muss. Bucky tappt mit seiner anderen Hand herum, greift nach Steves Hemd und zieht sich selbst hoch, nutzt Steve wie eine Wand. Steve muss sich abfangen, damit er nicht am Ende noch umfällt. Er ist nicht wirklich stark genug, um Buckys Gewicht so zu stemmen.

„Steve“, sagt Bucky nachdrücklich, deutlich.

„Buck?“, sagt Steve jetzt unsicher. Buckys Gesicht ist nur Zentimeter entfernt. Er riecht nach Whiskey und Damenparfum und Schweiß und Rauch: der Gestank von Tanzsälen.

„Ich weiß. Ich weiß, wie's ist. Was zu beweisen. Was beweisen zu müssen.“ Er öffnet ein Auge, dann das andere. „Denkst du, ich bin Messdiener geworden, weil ich die katholische Kirche so geliebt hab? Denkst du, ich tanz jede Nacht mit 'nem andern Mädchen, weil ich's so will?“

„Bucky“, setzt Steve an, sein Hals verengt, erstickt.

„Ja, bin 'n echter schmuck, bin es immer am vorspielen“, rast Bucky nur weiter. „Aber du. Du hast nix zu beweisen“, sagt Bucky und starrt ihn an, als ob's echt wichtig ist. Seine ganze Miene ist offen gelegt: die Verzweiflung, die Angst und der intensive Bucky Fokus, all das auf Steve begrenzt, als ob sonst nichts existiert. „Hörst du mich? Du bist mehr wert als zehn Kerle an der Front, weil die wollen... nur weil die Mörder sind. Du bist besser als das. Du bist besser als wir, hörst du?“

„Komm schon, Mann“, sagt Steve und seine Stimme bricht. „Das is' nicht so.“

„Das ist so, Steve, du weißt nicht, du weißt nicht wie wir sind, in Ordnung? Die Scheiße, die die uns erzählen, die Scheiße, die wir machen... Die Scheiße, die ich machen werde...“ Seine Faust zittert in Steves Hemd. „Versprich' mir was, Kumpel.“

„Was denn versprechen?“, sagt Steve vorsichtig.

„Hör' auf zu versuchen einzutreten“, sagt Bucky. „Bitte. Ich kann nicht – ich hasse den Gedanken daran, von dir im Ausbildungslager und die ganze Scheiße, die sie – sogar, wenn's dich nicht umbringen würde, würd's dich verändern und ich kann nicht -“

Buckys ganzes Gesicht ist offen; verwundbar. Er versteckt nichts mehr. Es ist alles da, aber es verfliegt so schnell, dass Steve es nicht lesen kann, die Gefühle laufen wie einzelne Filmbilder vorbei, flackern zu schnell zum Folgen.

„Ich könnt's nicht aushalten, wenn du jemand anders werden würdest, Kumpel. Ich könnte nicht -“

„Ach Gott“, sagt Steve, weil Bucky nicht wirklich ein weinerlicher Besoffener ist, normalerweise, aber jetzt laufen die Tränen los.

Buckys Gesicht verzerrt sich und seine Augen sind blutunterlaufen. Er schnieft laut. „Du bist alles, was ich hab, Kumpel. Du bist alles, was ich hab, das echt ist.“

„Das stimmt nicht. Du hast deine Ma und deinen Pa. Du hast Becca und Susan und Jeanie. Du hast Scott, Herrgott nochmal. Und jetzt ist da noch Baby JB, oder? Du hast auch Baby Judith, vergiss das nicht.“ Steve schluckt. Er seufzt. Dafür wird er später bezahlen, er kann fühlen, wie der Kummer an ihm knabbert, aber Bucky braucht ihn jetzt. Er legt einen Arm um Buckys zitternde Schultern und zieht ihn zu sich. „Die gehen nirgendwo hin“, sagt er. Du bist der, der weggeht, denkt Steve und schluckt die verbitterten Worte runter.

„Die sind nicht du. Die sind nicht mir“, sagt Bucky, seine Stimme belegt und undeutlich und gedämpft.

Steve hat Stiefel in den Bauch bekommen, die ihm weniger den Atem geraubt haben, als diese vier Worte.

„Nicht dass du …“ fügt Bucky schnell hinzu, dreht die Klinge nochmal um. „Scheiße. Du weißt, was ich mein'.“

Das tut Steve. Gegenseitig in den Taschen, hat seine Ma immer gesagt. Seit sie zwölf Jahre alt waren, seit Steve nachgegeben und sich selbst lächeln gelassen hat, der Schmerz von seiner geplatzten Lippe scharf und der Geschmack von Blut auf seiner Zunge. Seit über einem Jahrzehnt jetzt, für mehr als die Hälfte ihres Lebens. Sie gehören zueinander.

Nur … nicht so, wie Steve manchmal will.

Er legt den Kopf zurück und schluckt. Gott gib mir Kraft, denkt er mit einer Art Aufrichtigkeit, die er mittlerweile nicht mehr immer aufbringen kann. Er reibt Buckys Rücken, als ob Bucky derjenige ist, der Atemprobleme hat. Er atmet ein, er atmet aus. Bucky ist im Moment ein Chaos und er steht kurz davor, in den Krieg zu ziehen und, naja. Er braucht Steve. Er braucht Steve in Sicherheit, in Beständigkeit. Also sitzt Steve nur da und reibt mit seiner Hand Buckys Rücken hoch und runter, während Bucky sich gegen ihn lehnt und schnieft.

Steve ist ein schrecklicher Lügner und er will Bucky nicht anlügen, aber er kann Bucky auch nicht alles erzählen. Er kann Bucky nicht sagen, was er will. Er kann Bucky nicht sagen, was er fühlt. Er kann Bucky nicht von der Chance erzählen, die er bekommen hat, die kleinen 1A in der Ecke des Formulars, der komische kleine Wissenschaftler, der etwas in Steve gesehen hat, etwas, das er wert ist, eine Chance zu bekommen.

Also sagt Steve etwas anderes. Etwas, das wahr ist.

„Du wirst mich nie los, Barnes“, sagt Steve mit Nachdruck. Bucky ist ihm seit Jahren gefolgt, ihm zu Schlägereien in Gassen und Kämpfen auf Schulhöfen nachgelaufen. Jetzt ist Steve mit Folgen dran. „Das ist versprochen, hörst du? Du wirst mich nie los.“

Bucky versteckt sein Gesicht in Steves Schulter und zittert. „Veränder' dich nicht, Stevie. Veränder' dich nie. Veränder' dich nie.“

 

 

Bucky schläft mit seiner Hand so fest in Steves Ärmel gekrallt wie 'n Schraubstock, so wie er nicht mehr geschlafen hat, seit sie Kinder waren, so wie er's früher mit Teddybären und Kinderdecken gemacht hat. Das ist auch gut so, weil wenn Steve nicht da gewesen wäre, hätte Bucky vielleicht bis mittags geschlafen und sein Schiff verpasst. Tatsächlich muss Steve ihn buchstäblich rausschmeißen, seine Uniform schief und seine Haare noch nass, blass und mulmig.

„Oh mein Gott, ich hasse dich so sehr“, stöhnt Bucky, als ihn das Sonnenlicht ins Gesicht trifft.

„Hass' dich auch, Kumpel“, sagt Steve.

Sie wissen beide, dass sie das Andere meinen.

 

 

(Aber später und später und später bereut Steve immer –

Nein, er brauch ein stärkeres Wort als Bereuen. Es ist nicht nur einfaches Bereuen, es ist etwas viel Mächtigeres als das. Es ist Wut. Kochende, ohnmächtige Wut, wie ein blockierter Schrei, wie ein Topf, der versucht überzukochen, ohne Ausweg. Wenn er zurückdenkt, will er sich selbst ins Gesicht schlagen. Er will diese mageren Schultern greifen und schütteln und schütteln und schütteln.

Das ist das letzte Mal, du scheiß Schwachkopf! Das letzte Mal, dass du ihn so siehst, wie er war, das letzte Mal, dass er dich so sieht, wie du warst, also schluck' deinen gottverdammten Stolz runter und sag es ihm, sag es ihm bevor es zu spät ist, sag ihm –)

 

 

Koda

- Opus No. 1 von Sy Oliver, 1943.


 

Was morgen auch passiert,
Du musst mir eine Sache versprechen.
Dass du bleibst, wer du bist.
Kein perfekter Soldat, sondern ein
guter Mensch.

 


 

Steve hat keine Angst, als er in die Maschine geht.

Er denkt, dass er das wahrscheinlich sollte und er wartet ständig darauf, dass ihn die Angst überkommt. Er hasst Spritzen: er hat genug davon für zwölf Leben gekriegt. Er hasst enge Räume: ein besonders sadistischer Mistkerl hat ihn mal in 'ner Holzkiste eingesperrt und von Särgen geredet, bis Bucky ihm die Zähne ausgetreten hat. Er hasst es, kein Hemd anzuhaben und von Leuten angestarrt zu werden, er weiß, wie er aussieht und er kann nicht so tun, als ob er sich dessen nicht bewusst sei. Also erwartet Steve irgendwie, Angst zu haben, aber die Angst kommt nie.

An dem Punkt hat er nichts zu verlieren. Er kann Witze reißen, kann die leichte Demütigung ertragen, ohne Hemd in einem Raum voll Menschen zu stehen, weil er nur … er hat keine Angst. Er hat keine Illusionen: er weiß, dass er hier vielleicht stirbt, aber das ist in Ordnung. Er hat keine Angst vorm Sterben.

Und dann fangen die Schmerzen an. Und an dem Punkt kann er keine Angst mehr fühlen, weil alles, was er fühlen kann, Schmerzen sind.

Steve kennt Schmerzen. Schmerz ist ein langjähriger Kumpel von ihm, ein Begleiter, den er nie abschütteln konnte, die eine gottverdammte Konstante in seinem erbärmlichen Leben. Er ist ein Kenner von Schmerzen – hat Proben davon genommen, in ihrer Unzahl von Formen. Vom engen zerquetschenden Panik-Schmerz beim Asthma zur feurigen Qual von Magengeschwüren zum knackenden Schmerz in seinem schlimmen Rücken. Er dachte, er würde alles kennen, was Schmerz anzubieten hat.

Das hier. Ist anders.

Es ist rein. Unverfälscht. Das ist Schmerz, veredelt und gebündelt in seine extremste Form und er ertrinkt darin. Es ist, wie angezündet zu werden, während jeder Knochen in deinem Körper zerschmettert, während der ganze Körper verkrampft, während dein Inneres auf jedem Zentimeter Blasen aufwirft. Sogar sein Gehirn tut weh – die schlimmsten Kopfschmerzen, die er sich vorstellen kann. Er erinnert sich daran, sechs Jahre alt zu sein, glühendes Fieber zu haben und Spinnen zu halluzinieren, die ihn in einen Kokon einspinnen und zu Suppe auflösen. Er hat sich zu der Zeit nicht vorgestellt, dass aufgelöst werden so sehr wehtun würde. Er kann nicht drum herum denken, kann nichts denken. Steves Sicht wird weiß.

Aber Schmerz ist ein alter Freund und auch wenn er's noch nie so gefühlt hat, weiß Steve wie er damit umgehen muss, wenn es schlimm wird.

Er schreit.

 


 

Steven?

Abschalten!

Steven?!

Abschalten!

Reaktor stoppen, Mr.
Stark! Schalten sie aus!
Los! Reaktor anhalten!

Nein! Nicht! Ich halt das aus!

 


 

Er kommt aus der Maschine raus und nimmt tiefe, schlingende Atemzüge. Tiefes, klares Schlingen. Er ist plötzlich benommen, fühlt sich betrunken. Betrunken durch Luft. Die Welt bewegt sich um ihn herum, sein Körper summt und ist warm. Er hebt den Kopf und – und er kann sehen, keine Brustkörbe und Schultern, sondern deutlich über alle Köpfe hinweg und er fühlt sich erneut benommen. Schwindel. Agent Carter ist da direkt vor ihm und –

Das... das ist rot, denkt er und starrt ihre Lippen an. Das ist so... leuchtend. Es ist wie nichts, was er je zuvor gesehen hat. Nichts. Und er kann sie reden hören, kann jeden reden hören, kann plötzlich jedes einzelne Wort von jeder einzelnen Person im Raum hören und sein Kopf fühlt sich schief an, auf beiden Ohren hörend statt nur auf einem. „Wie fühlen Sie sich?“, fragt sie.

Er fühlt sich wie Dorothy in Oz und er fragt sich, warum sie ihre Augen zukneift, sich die Ohren zuhält und schreit.

„Größer“, sagt er. Er nimmt seine Hand von Erskines Schulter, als ihm auffällt, dass er die Hilfe nicht braucht. Es ist nicht das, was er fühlt, was ihn stolpernd und schwach macht. Es ist das, was er nicht fühlt.

Zum ersten Mal in seinem Leben tut nichts weh.

Absolut kein einziger Teil von ihm hat irgendwelche Schmerzen.

Für fast sechs ganze Sekunden.

 

 

 

Notes:

Das hier ist Kapitel 1 (von 7) von Teil 1 (von mindestens 6, sowie den Extras in Die B-Sides). Sie können in irgendeiner Reihenfolge gelesen werden, aber das hier ist, genau genommen, der Anfang von allem.

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