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Fool me once... (German/Deutsch)

Summary:

Ford macht einen Deal mit Bill. Bill hält seinen Part nicht ein.

Notes:

Dies hier ist die deutsche Übersetzung meiner gleichnamigen Fanfiktion.

Ich hab mich entschlossen, alle meine Fanfiktions nach für nach auf deutsch zu übersetzen. Der Grund wieso ich meine Storys ursprünglich auf englisch geschrieben habe, war der, dass ich mich mehr in englisch versuchen wollte - und weil ich Gravity Falls nur auf englisch gesehen habe (ich bevorzuge fast immer die originalen Versionen bei Serien und Filmen).
Dementsprechend bin ich auch nur mit den original englischen Namen und Begriffen wirklich vertraut. Ich werde versuchen, alles so gut es geht ins deutsche zu übersetzen, bloß manche original englischen Begriffe wie Weirdmageddon (= Seltsamageddon) oder Waddles (= Schwabbel) werde ich im englischen Original belassen, um es mir einfacher zu machen. Ich hoffe, dass stört euch nicht.

Work Text:

Nein! Nein!! NEIN!! Nein. Nein... NeinneinneinneinneinNEINNEINNEINNEINNEIN!!......nein...

Sein Hirn war nur auf dieses einsilbige Wort fixiert und wiederholte es wieder und wieder und wieder in seinem Kopf, nicht in der Lage, irgendwas anderes zu begreifen. Dies... konnte nicht real sein. Dies musste eine Illusion sein, ein Albtraum, ein Trick. Es war unmöglich, dass sie - dass sie...

Gelächter drang aus der Ferne an seine Ohren, schrill und grausam. Er glaubte, dass er auch einen Schrei vernehmen konnte. Er konnte nicht sagen, ob es sein eigener war oder der seines Bruders.

Dies konnte nicht real sein...

Seine Hände verkrallten sich in den Boden - wann war er auf seine Knie gefallen? - und seine Fingernägel schabten schmerzhaft über den kalten Steinboden. Ihn kümmerte der Schmerz nicht. Auf eine gewisse Art hieß er den sogar willkommen. Immerhin war er derjenige, der es mehr verdiente, als... als... als...

„Mabel...“, hauchte Dipper, langsam und kratzig und mit diesem Wort öffneten sich endlich alle Schleusen. Ford ließ seinen Kopf hängen und seine Sicht verschwamm, was ihm den Anblick seiner Großnichte - seines eigenen Versagens - ersparte. Trauer und Selbstverachtung übermannten ihn.

Dumm, DUMM!! Er war so dumm! Wie konnte er ihm nur vertrauen; nach dem Betrug, nach dem Portal; hatte er gar nichts gelernt; wie konnte er nur so dumm sein, so naiv, so -

„Ach, nimm es nicht so hart, Fordsie. Wir alle machen mal Fehler. Nun, manche mehr als andere, hab ich Recht?“

Das grausame, höhnische Gelächter kehrte zurück und Ford kümmerte es nicht mal. Denn immerhin, es war die einzigste Antwort zu seiner eigenen Überheblichkeit, die er überhaupt verdiente. Das er jemals gedacht hatte, dass er die Welt verändern könnte, dass er der Menschheit eine Ära der Erleuchtung liefern würde mit seinem Portal, dass er allein von einem höheren Wesen auserwählt wurde...

Das er je gedacht hatte, dass er in irgendeiner Position war, mit Bill zu verhandeln...

Gott, er war schon mal von dem Dämon betrogen worden! Wie konnte er nur in irgendeiner Weise glauben, dass es sich nicht wiederholen würde? Das Bill nicht nochmal sein Wort brechen würde?

Ford wünschte sich nur, dass es nicht Mabel wäre, die den Preis dafür bezahlen musste.

Es kam nun Gebrüll von Stanleys Seite. Mit rauer, wütender und gebrochener Stimme warf dieser Beleidigungen und Drohungen in die Richtung des Dämons. Ford auf der anderen Seite war noch zu sehr in Trance, um wirklich zu reagieren, erschüttert von dem ganzen Ereignis. Er hob benommen seinen Kopf, nur um Dipper zu erblicken, wie dieser über der Leiche seiner Schwester trauerte und sein Herz brach bei dem Anblick auf's Neue.

Alles seine Schuld...

Er hatte seine Großnichte mit seinen leichtsinnigen Taten gekillt. Wenn er doch nur damals nicht Bill geglaubt hätte... Wenn er doch nur auf Fiddlefords Warnungen gehört hätte... Wenn er doch nur Stanley seine Situation besser erklärt hätte, bevor dieser ihn ins Portal gestoßen hatte... Wenn er doch nur von Anfang an seiner Familie gegenüber ehrlich gewesen wäre, wie gefährlich Bill wirklich war... Wenn er doch nur diesen interdimensionalen Riss sofort repariert hätte, kaum das er den Alien-Kleber besaß, oder nicht den Schuss vergeigt hätte, oder Stanley nicht über seine Grammatik korrigieren musste... Wenn er doch nur, wenn er doch nur...

Wenn er doch nur nicht diesen zweiten Deal mit Bill eingegangen wäre. Jetzt hatte der Kerl die Formel, um die Barriere um Gravity Falls zu brechen und er hatte trotzdem Mabel umgebracht, einfach nur aus... Rache? Sadismus? Es machte keinen Unterschied mehr. Nichts machte einen Unterschied mehr.

Mabel war tot.

Ford hatte sie nicht retten können.

 

Aber vielleicht war es noch nicht zu spät, die anderen beiden zu retten.

Er nahm einen tiefen, langen Atemzug. Und dann noch einen. Und noch einen, während er all seine Gedanken und Emotionen runter schluckte. Er war ehrlich überrascht, wie beständig er seine Stimme klingen ließ, viel beständiger, als er sich in Wahrheit innerlich fühlte.

„Bill... Du kannst mich erneut foltern, wenn du willst.“

Dies brachte den Dämon tatsächlich dazu, sein Lachen einzustellen und all seine Aufmerksamkeit auf Ford zu richten, neugierig über dessen Angebot.

„Du kannst mich wieder mit Strom foltern. Du kannst mich ermorden. Du kannst mich für dich arbeiten lassen, was auch immer, nur... bitte... verschone die anderen beiden. Ich - ich werde mich dir nicht mehr widersetzen, so bitte...“

Er wusste, dass er mittlerweile am betteln war und das sein Unterfangen recht nutzlos war. Bill war niemand, der für seine Gnade bekannt war - oder dafür, sein Wort einzuhalten, wie eben gerade demonstriert - und da der dreieckartige-Dämon bereits die Formel von Ford bekommen hatte, hatte der Wissenschaftler nun nichts anderes mehr, was er ihm im Austausch anbieten konnte. Trotzdem versuchte er es weiterhin. Wenn es nur irgendeine geringe Chance gab, dass Stanley und Dipper überleben könnten, würde er alles dafür tun und ertragen.

Und überhaupt, was für eine andere Option blieb ihm noch?

Bill machte eine Show daraus, indem er mehrere, lange Minuten lang so tat, als würde er angestrengt über Fords Bitte nachdenken, währenddessen er die offensichtliche Pein des Wissenschaftlers deutlich genoss.

Als er dann endlich sein Schweigen brach, war es nur, um Ford weiter zu verspotten: „Wow. Du stehst wirklich auf Bestrafungen, oder?“

Ford zuckte bei den Worten zusammen, was den Dämon nur weiter anspornte: „Ganz ehrlich, ich hatte echt geglaubt, dass du endlich mal ein ein wenig schlauer geworden wärst und nicht mehr so leichtgläubig, aber du scheinst wirklich darauf versessen, es noch ein drittes mal zu versuchen. Ich meine, wie oft muss ich dich noch betrügen, bis du es endlich kapierst? Aber gut, wir können es gern noch einmal versuchen.“

Der Dämon gab ein gleichgültiges Schulterzucken von sich, ehe er zu Dipper runter schwebte. Er legte seine Hand auf die Schulter des trauernden Jungen, was diesen dazu brachte, zusammenzuzucken und in Terror zu erstarren.

„So, was hältst du von diesem Deal? Du listest mir im großartigen Detail all die verschiedenen Wege auf, in denen du ein kolossaler Versager und mir deutlich unterlegen warst und ich werde im Gegenzug nicht das Hirn dieses Jungen braten. Klingt fair?“

„Bastard!“, spuckte Stanley aus, seine Stimme immer noch heiser von all dem vorherigen Gebrülle. Dipper war nach Bills Worten leichenblass geworden und Ford konnte nichts anderes tun, als die Zähne zusammenzubeißen und die Fäuste zu ballen.

Bill spielte nur mit ihm und folterte ihn mit Absicht. Und das schlimmste daran war, dass es nichts, absolut gar nichts, gab, was er dagegen tun konnte. Er hatte keine weiteren Pläne oder Geräte mehr über. Er konnte entweder nur mitmachen... oder Dipper ebenso verlieren.

Die Wahl war offensichtlich. Der Wissenschaftler schloss seine Augen in Scham und begann, langsam seine Liste abzuarbeiten.

„Ich bin ein Versager, weil... weil ich in der Vergangenheit dickköpfig und hochmütig gewesen war. Weil ich meine Freunde und Familie unzählige male missachtet habe... Weil ich dachte, dass ich die Dinge selbst in die Hand nehmen könnte......“

„Fahr fort~“, sprach Bill und wedelte seine Hand als Zeichen, dass der Andere fortfahren sollte. Der Dämon war erpicht darauf, den Rest zu hören. Ford seufzte.

Dies war alles für Dipper, um ihn zu beschützen. Er musste sich einfach nur ein wenig selbst erniedrigen, um Bill zu unterhalten. Dies war nichts.

„Ich war jeden gegenüber eine schlechte Person. Ich hatte meinen Eltern den Rücken zugewandt, kaum das ich aus deren Haus ausgezogen war. Ich hatte meinem Bruder den Rücken zugewandt, als er mich am meisten brauchte und sein Leben dadurch soviel schwerer gemacht. Ich hatte Fiddleford den Rücken zugewandt und all seine Sorgen missachtet... und ihn dazu gebracht, sich selbst zu zerstören...“

Wieso war dies so schwer für ihn? Es waren nur Worte. Dies war immerhin für Dipper. Und dennoch fühlte er sich, als würde ihm sein Hals zugeschnürt werden, als er all die Dinge auflistete, die er sich vorher nie selbst zugestanden hatte, aber immer tief im Unterbewusstsein wusste.

„Ich war... sogar unfair den Kindern gegenüber. All die Abenteuer, in die ich Dipper hineingezogen habe und die viel zu gefährlich für ihn waren und ihm aufzutragen, Geheimnisse vor den anderen zu bewahren... Ma-... Mabel einfach zu missachten als... als jemand, die ihren Bruder nur zurückhält......“

Der letzte Part war nur gewispert, doch es war laut genug, dass jedermann im Raum es hören konnte. Ford konnte Stanleys Blick im Rücken spüren.

„Ich... Ich hab wirklich gedacht, dass ich all dies managen könnte. Ich dachte, dass ich die Isolation ertragen könnte. Alleine zu arbeiten. Ich dachte, ich könnte das Portal managen. Ich... hab wirklich gedacht, dass ich der Menschheit damit helfen würde. Das ich, nachdem es fertiggestellt wäre... für jedermann zum Helden werden würde. Genauso, wie ich mich selbst... schon immer gesehen habe...“

Die Worte kamen mittlerweile von ganz allein, ohne großes nachdenken. Es war, als hätte jemand den Wasserhahn aufgedreht und alles floss einfach raus.

„Doch ich bin kein Held. Ich hab so viele Warnungen ignoriert. Von Fiddleford, von der Handflächenleserin, von meinem eigenen, gesunden Menschenverstand. Ich war zu dumm - zu hochmütig - um die Wahrheit zu sehen. Über deine wahren Absichten, deine wahre Natur. Über den wahren Zweck dieses Portals. Über all die Opfer, die Stanley für mich aufgebracht hat. Darüber, wie großartig Mabel wirklich gewesen war.“

Seine Stimme brach bei dem letzten Satz und er versteckte eilig sein Gesicht hinter seiner Hand, als er von einer neuen Welle der Tränen und Trauer überrannt wurde.

„Ich hab sie umgebracht.“, gestand er schließlich, leise und heiser. Es war immerhin die Wahrheit. All seine Aktionen hatten zu ihrem Tod geführt. Er hatte sie im Stich gelassen.

„Du hast gewonnen, Bill... Du hast gewonnen... Du bist der - der Bessere zwischen uns...“

Er konnte das Zittern nicht stoppen. Er konnte die Tränen nicht stoppen. Er war vage bewusst darüber, wie eine tröstende Hand auf seinem Rücken lag und ihm in Kreisen über den Rücken strich und er war innerlich froh über Stanleys Beistand.

Mehrere lange Sekunden zogen vorbei, in denen der Wissenschaftler mental zusammenbrach, bevor Bill endlich seine Hand von Dippers Schulter erhob, offensichtlich zufrieden mit Fords Darstellung.

„Hm, gut genug.“, sprach der Dämon und trotz der Tränen gab Ford einen kleinen Seufzer der Erleichterung von sich. Dipper war sicher... für diesen Moment.

Doch wie lange würde „dieser Moment“ anhalten?

„Okay, Sixer. Da ich gerade in solch guter Laune bin, werde ich dich und die zwei anderen Streber heute nicht killen. Stattdessen werde ich euch einfach eurem eigenen Elend überlassen, während ihr alle einen Platz an der ersten Reihe bekommt, zu der Neuerrichtung dieser Welt. Wie hört sich das an, ey? Komm schon, dies ist eine einmalige Gelegenheit!“

Der dreieckartige Dämon war geradezu ekstatisch, ganz im Gegensatz zu der hoffnungslosen Einstellung seiner Geiseln. Er war sogar so „zuvorkommend“, Dipper in denselben Käfig zu teleportieren, in dem dessen Gronkels sich befanden, woraufhin Stanley den traumatisierten Jungen sofort in eine enge Umarmung zog. Doch Dippers Augen waren noch immer auf die Leiche seiner Schwester fixiert.

„Mabel...“, wisperte er mit gebrochener Stimme und Bill schaute nonchalant zu ihr rüber, als wenn dieser ihre Existenz komplett vergessen hätte und sich nicht mal darum scherte.

„Oh, sie?“, fragte der Dämon wegwerfend und Ford überkam auf einmal das wütende Verlangen, dem Bastard in die Schnauze zu schlagen, einfach nur wegen der Tonart, mit der Bill über sie sprach. „Psh, mach dir keine Sorgen um den Körper, der ist komplett sicher dort drüben... Nun, es sei denn einer meiner Gefolgsleute entschließt sich spontan, den als Snack zu verputzen. Oh, was soll's.“

Bill gab nur ein Schulterzucken von sich, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder seinen Geiseln widmete, Mabel komplett vergessen.

„Nun, wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich hab eine Welteroberung, der ich mich zuwenden muss. Lauft mir ja nicht weg!“, scherzte Bill und zeigte spielerisch mit den Fingern auf seine eingesperrten Gefangenen, bevor er sich selbst aus dem Raum teleportierte und die anderen zurückließ. Dipper fing an, sich endlich in Stanleys Armen auszuweinen und Ford spielte mental all die Dinge ab, die in den letzten Tagen geschehen waren.

Er schloss seine Augen und blockte einen Moment lang die Außenwelt ab, während er sich mit der fürchterlichen Realität abfand, die vor ihnen lauerte: Bill hatte gewonnen. Es gab nichts mehr, was zwischen dem Dämon und totaler Zerstörung stand, dank Ford. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Welle der Zerstörung auch ihn und seine verbleibende Familie treffen würde.

Die Menschheit war verloren. Es war gut möglich, dass sie schon seit einer langen, langen Weile verloren war, als Ford das allererste mal Bill heraufbeschwor, indem er den Text von der Höhlenwand rezitierte - oder vielleicht auch noch viel früher, als die alten Urahnen das allererste mal Kontakt zu der mystischen Kreatur aufbauten. Wer weiß, vielleicht, wenn Ford es gelungen wäre, Bills Pläne zu durchkreuzen, hätte sich der Dämon einfach in seine Albtraum-Dimension zurückgezogen und seine Pläne in zehn, hundert oder gar tausend Jahren nochmal versucht - und möglicherweise dann gewonnen. Niemand konnte es mit Gewissheit sagen.

Aber die genauen Fakten spielten keine Rolle mehr.

 

Mabel war tot.

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