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An dem Tag, an dem sich die Tragödie zutrug, gab es viel Schmerz.
Mabel war die Erste gewesen, die an diesem sonnigen Morgen über die Leiche gestolpert war und ihr qualvoller Schrei war laut genug gewesen, dass jedermann in der näheren Umgebung des Hauses ihn hören konnte. Dipper war der Zweite, der die Szene erreichte, nachdem er eiligst die Treppen runter gerannt war und als er sah, was seine Schwester so sehr entsetzt hatte, stieß er selbst einen Schrei aus.
Jedermann war von dem Ereignis schockiert. Selbst Wendy, gelassen und gleichgültig wie sie sonst drauf war, war bis auf's Mark erschüttert gewesen und Soos... der arme Soos war komplett untröstlich und hatte sich bei nächstbester Gelegenheit von den Anderen entschuldigt, um frühzeitig nach Hause zu fahren, wo er alleine für sich selbst trauerte.
Die Polizei konnte keine Spuren finden. Es gab keine Fingerabdrücke, keine Verdächtigen, gar nichts. Blubs und Durland hatten geschworen, dass sie nicht eher ruhen würden, bis sie den Täter eingebuchtet hatten, doch niemand hatte viel Vertrauen in ihre Worte gesteckt. Die beiden Polizeimänner waren berüchtigt für ihre Inkompetenz.
Die Zwillinge verbrachten diese Nacht in Wendys Haus, wo sie ihre Eltern anriefen und ihnen von der Tragödie berichteten.
Am ersten Tag nach der Tragödie gab es viel Verleugnung.
Es war schwer zu glauben, dass ihr geliebter Gronkel so früh von ihnen gegangen war und die Zwillinge waren den ganzen Tag über in Trance gewesen, während sie versuchten, die Realität zu verarbeiten. Oft genug hatte einer von ihnen, oder gar beide, fest daran geglaubt, dass sie einfach nur in einem schlechten Albtraum gefangen waren, nur um dann hinterher auf's Neue zusammenzubrechen, als sie sich selbst zwickten und feststellen mussten, dass sie sich noch immer in Wendys Haus befanden.
Wenn die beiden nicht komplett von ihrer Trauer eingenommen waren, blätterten sie verzweifelt durch das Tagebuch in Dippers Besitz, in der Hoffnung, irgendwas zu finden, was Stan zurückbringen könnte. Natürlich fanden sie nichts.
Soos hatte sich den gesamten Tag über in sein Zimmer versteckt, wo er die Außenwelt und die Realität der Situation komplett ignorierte. Niemand hörte einen Mucks von ihm.
Wendy, die bereits mit dem Konzept der Trauer vertraut war, nachdem sie in der Vergangenheit mit dem Verlust ihrer eigenen Mutter klarkommen musste, versuchte ihr bestes, die Kinder zu trösten, indem sie ihnen ihr Beileid aussprach, hier und da Ratschläge gab oder ihnen als Ablenkung auch mal Süßigkeiten anbot.
Gegen Mittag herum erschienen endlich die Eltern der Zwillinge, nachdem sie auf direkten Weg hierher gefahren waren, und befreiten Wendy von ihrer Bürde. Die Familie Pines buchte sich vorerst ein billiges Motel, da die Kinder einfach nicht bereit waren, Gravity Falls jetzt schon zu verlassen, solange der Mörder noch frei herum lief.
Wie erwartet fand die Polizei an diesem Tag keine Spuren.
Am zweiten Tag nach der Tragödie gab es viel Wut.
Die Polizei war noch immer nicht imstande gewesen, irgendetwas brauchbares zu finden und jedermann hatte das Gefühl, dass die Ordnungskräfte einfach nicht genug taten. Motiviert durch Frustration und Ärger über den kaltblütigen Mord machten sich die Zwillinge, zusammen mit Wendy, eigenständig auf die Suche nach Hinweisen in der Stadt. Kurze Zeit später gesellte sich auch Soos dazu, der sich endlich weit genug zusammengerissen hatte, um aus seinem Versteck rauszukommen.
Die Suche ergab keine Treffer.
Niemand in der Stadt wusste irgendetwas und niemand erschien kaltblütig genug, Stan zu ermorden, egal wie wütend sie vielleicht auf die ständigen, geldgierigen Machenschaften des Hochstaplers sein mochten.
Dies feuerte ihre Frustration nur weiter an. Sie waren alle unwillig, die Suche einfach aufzugeben. Jedermann wollte Gerechtigkeit für Stan, weswegen sie sich einstimmig entschlossen, die ganze Stadt noch ein zweites und sogar ein drittes mal zu durchsuchen.
Sie gaben erst auf, als die Nacht hereinbrach und sie von der Müdigkeit überrannt wurden.
Am dritten Tag nach der Tragödie gab es viel Verhandlungen.
Die Eltern der Zwillinge wurden zu Hause gebraucht und sie waren der Meinung, dass es besser für die Kinder wäre, mit ihnen zusammen zurückzukehren, weswegen sie die Rückfahrt nach Piedmont planten. Kaum das Dipper und Mabel von diesen Plänen erfuhren, verbrachten sie den Rest des Tages damit, zu protestieren, zu argumentieren, zu flehen... alles, um ihre Eltern umzustimmen.
Doch Herr und Frau Pines waren resolut in ihrer Entscheidung und ließen sich nicht erweichen.
Blubs und Durland hatten ebenso kein Glück in ihrem eigenen Unterfangen gehabt und wie es so für die inkompetenten Beamten üblich war, verloren sie allmählich das Vertrauen darin, je eine Spur zu finden. Sie fingen an, sich anderen Delikten zu widmen, von denen die Beamten glaubten, dass diese ihre Aufmerksamkeit mehr verdienten, ungeachtet von den Protesten der Kinder.
Da war außerdem noch der Mystery Shack. Nun, wo der Besitzer verstorben war und es keine anderen Verwandten gab, die das Grundstück übernehmen könnten - mit Ausnahme von Herr und Frau Pines, die beide kein Interesse zeigten - sah es so aus, als wenn der Laden permanent geschlossen und das Grundstück zurück an die Stadt gehen würde. Bud Gleeful zeigte bereits ein reges Interesse daran, das Grundstück zu kaufen und einen Freizeitpark darauf zu errichten, welcher seinem Sohn gewidmet war. Doch Soos fand diese Option absolut inakzeptabel und gab sein bestes, dafür zu kämpfen, dass der Shack offen bleiben durfte, selbst wenn er den Laden im Notfall selbst führen musste.
Doch anders als Bud, sah es für Soos finanziell nicht so rosig aus, weswegen seine Chancen schlecht standen.
Wendy wünschte sich, dass sie Soos bei seinem Kampf beistehen könnte. Doch leider gab es nicht viel, was sie tun konnte, zumal ihr Vater erpicht darauf war, sie in einen anderen Staat zu schicken, wo sie für ihren Cousin arbeiten konnte, jetzt da ihr alter Job im Shack vorbei war.
Am vierten Tag nach der Tragödie gab es viel Depression.
Mabels und Dippers Eltern hatten nicht ein einziges mal nachgegeben mit ihrer Entscheidung und so war es offiziell beschlossen, dass die Familie nach Stans Beerdigung zurück nach Piedmont fahren würde. Der Sommerurlaub war bereits vorbei, kurz nachdem er begonnen hatte.
Es gab immer noch keine Anhaltspunkte zum Mord, weswegen die Laune der Kinder an dem Tag besonders tief war. Das Tagebuch schien nicht in der Lage zu sein, zu helfen und die Polizisten schienen unwillig. All ihre eigenen Jagden nach dem Mörder blieben erfolglos und so gab es nichts anderes mehr zu tun, als die Koffer zu packen.
Sie besuchten den Mystery Shack noch ein allerletztes mal, um all die Besitztümer der Kinder einzusammeln, die sie dort vergessen hatten. Mabel hatte geweint, kaum das sie das nun leere Haus betreten hatten und als sie die Wachsfigur ihres Gronkels erblickte, die sie vor wenigen Tagen erst gefertigt hatte, weinte sie nur noch härter.
Am Ende gab es nicht viel in dem Haus, was sie mitnehmen konnten, doch Mabel hatte darauf bestanden, dass sie die Wachsfigur mit nach Hause nahmen. Sie wollte - brauchte - etwas, dass sie an ihren geliebten Gronkel erinnerte und nach einiger Bettelei ließen sich ihre Eltern erweichen.
Soos Kampf derweil hatte im Verlust geendet. In einer Bürgerversammlung, bei der alle Bewohner von Gravity Falls abstimmen konnten, was mit dem nun verlassenen Grundstück passieren sollte, hatte Bud genügend Unterstützung gewonnen, um die Rechte für das Grundstück kaufen zu können. Der Mystery Shack war offiziell vorüber.
Wieder mal schloss sich Soos in seinem Zimmer ein und weigerte sich, rauszukommen.
Zurück in ihrem eigenen Zimmer war Wendy im Kontakt mit ihrem Cousin gewesen und hatte mit ihm den Tag geplant, an dem sie zu ihm ziehen würde. Sie entschied sich, den Kindern und Soos nichts von ihrem bevorstehenden Umzug zu berichten. Sie waren bereits depressiv genug.
Am fünften Tag nach der Tragödie gab es viel Akzeptanz.
Es war der Tag von Stans Beerdigung. Sie alle waren gekommen, um ihn zu sehen und um ihm den letzten Respekt zu erweisen. Soos hatte extra sein Haus verlassen, um dabei zu sein, nur um direkt nach der Beerdigung wieder nach Hause zu fahren und sich erneut einzuschließen.
Es war außerdem der letzte Tag in Gravity Falls für die Zwillinge. Wendy war persönlich vor Ort, um von den Kindern Abschied zu nehmen, während diese ihre Koffer zum Auto trugen und deren Vater damit am kämpfen war, die große Stan-Wachsfigur ins Auto reinzuschieben.
Bevor er ins Auto gestiegen war, hatte sich Dipper zu Wendy umgedreht und ihr felsenfest versprochen, dass er und seine Schwester sie sobald wie möglich in Gravity Falls besuchen würden. Wendy hatte ihm als Antwort nur ein angespanntes Lächeln gegeben. Sie konnte es immer noch nicht über's Herz bringen, den beiden die Wahrheit zu sagen.
Letztendlich wurde der Mordfall als unlösbar deklariert und aufgegeben. Der Mörder wurde nie gefunden.
Und so hatte der kurze Urlaub in Gravity Falls abrupt geendet und die Kinder waren viel zu frühzeitig nach Hause zurückgekehrt, mit gebrochenen Herzen und einer leblosen Kopie ihres Gronkels, welche niemals den Echten ersetzen konnte, den sie verloren hatten.
Mabel stellte die Wachsfigur in ihrem Zimmer aus und starrte diese oft stundenlang an, während sie sich wünschte, dass der Mörder diese und nicht ihren Gronkel erwischt hätte.
