Chapter Text
Für den Fall, dass ihr den Überblick über meine Figuren verloren habt, oder meine anderen Geschichten nicht gelesen habt, habe ich etwas gebastelt:
Übrigens hat Dickon Alester enterbt und da Lyonel auf Dauer im Norden bleibt, hat er Talla zu seiner Erbin erklärt. Auf sie wird dann ihr Sohn Gawan folgen.
******************************************************************************************************************************************
Lyanna sah sich ihren Rat an. Ihre Tante Arya war noch immer Meisterin der Flüsterer und sie hatte erklärt, sie wolle das bleiben solange Lyanna das wollte, denn in dieser Position konnte sie ihre Familie beschützen.
Lyannas Cousin Adian saß an der Seite seiner Mutter. Sie hatte überlegt, ihn zu ihrer Hand zu berufen, aber sie wollte ihn nicht von seiner Familie im Tal fernhalten. Vielleicht würde sie ihn eher zum Meister der Münze machen, wie vor ihm Yohn Rois, den Großvater seiner Frau.
Zu Lyannas Rechter saß ihr Bruder Ned. Es fiel ihr schwer etwas anderes in ihm zu sehen, als den kleinen Jungen, der schon mit drei Jahren erklärt hatte ihr Ritter sein zu wollen, obwohl er inzwischen selbst vierfacher Vater war. Jedenfalls glaubte sie nicht, dass er sich in dieser Position wohl fühlen würde. Nein, er würde ihr Ritter bleiben.
Lyanna gegenüber saß Sam, der Großmaester der Nördlichen Königreiche. Er hatte ein quirliges junges Ding aus den Flusslanden unter seine Fittische genommen um „einen Nachfolger an der Hand zu haben, wenn ich abtrete“, womit er nach eigenen Angaben jede Minute rechnete. Doch dazu mussten sie sie früher oder später zur Zitadelle schicken. Sie. Genau das war das Außergewöhnliche. Kastaya war ganz unzweifelhaft ein Mädchen. Aber Lyanna würde sie nicht aufgeben. Wenn die Zitadelle in Altsass ein Problem mit der Vorstellung eines weiblichen Maesters hatte, dann würde sie eben in Zukunft im Norden nichts mehr zu sagen haben. Sam hatte durchaus schon erste Schritte unternommen, um die Maesterausbildung komplett in den Norden verlegen zu können. Nicht zuletzt hatte er die letzten Jahrzehnte damit verbracht in Winterfell die umfassendste Bibliothek nach der Zitadelle selbst aufzubauen.
Blieb noch Sams Tochter Alysanne. Sie saß zwischen ihrem Vater und ihrem Mann. Als Lady von Letzter Herd in räumlicher Nähe und auch ein wenig wegen ihrer Herkunft, hatte Lyanna sie gebeten im Rat für die Belange des Freien Volkes zu sprechen. Aber sie war noch immer so lieb und zart. Lyanna glaubte nicht, dass sie ihrer Freundin die Position als Hand der Königin aufbürden wollte. Vielleicht Meisterin des Rechts? Sie konnte sich niemanden vorstellen, der gerechter war als Alysanne. Aber noch hatte Lyanna Mormont diesen Titel und sie wünschte sich von ganzem Herzen, dass ihre Namensschwester noch lange lebte.
Lyonel stand ein wenig abseits. Lyanna schätzte den Rat ihres Ehemannes, aber sie hatten beschlossen, dass er vorerst keine offizielle Position an ihrem Hof einnehmen sollte. Sie wollten den Eindruck vermeiden, dass die Königin im Norden von einem Mann aus dem Süden kontrolliert wurde. Nicht, dass irgendjemand, der ihn kannte, ihn noch so bezeichnen würde. Er hatte den Norden in sich aufgenommen, als wäre er in Winterfell geboren worden.
Lyanna seufzte und setzte sich. Sie würde die Frage, wen sie zu ihrer Hand machen wollte, oder besser gesagt wem sie das antun würde, noch eine Weile verschieben. Jetzt ging es erstmal darum, zu klären, ob sie denn überhaupt die Königin der drei Nördlichen Königreiche war. Nach dem Tod ihres Vaters … bei dem Gedanken spürte Lyanna, wie ihr die Tränen kamen. Sie erinnerte sich selbst daran, dass er ein langes Leben gehabt hatte. Und als er ging, tat er es friedlich, umgeben von den Menschen, die ihn liebten. Sie blinzelte die Tränen weg. Nach Jons Tod hatte Lyanna die Lords und Ladys des Nordens nach Winterfell eingeladen. Als sie in die Große Halle getreten war, um ihren Bannerträgern vom Tod ihres Königs zu berichten, hatte sie sich von Freunden umgeben gesehen. „Unser König ist tot.“ hatte sie gesagt und dabei geweint. Keiner hatte deshalb etwas gesagt. Tatsächlich hatten ein paar der Männer selbst Tränen in den Augen. Und dann hatten sie sie ohne zu Zögern zur Königin im Norden ausgerufen, am lautesten von allen ihr Bruder Ned. Es war der stolzeste Moment in ihrem Leben gewesen und auch der traurigste, denn es bedeutete, dass ihre Eltern gegangen waren.
Damit war die Sache jedoch keineswegs abschließend geklärt. Als man Lyannas Vater zum König im Norden ausgerufen hatte, hatten das auch die Ritter des Grünen Tals getan, die sich schon zuvor für ihre Mutter erklärt hatten. Nachdem Jon und Sansa geheiratet hatten, hatte sich auch ihr Großonkel Edmure und mit ihm die Flusslande dem Norden angeschlossen. Doch galt das automatisch auch für sie? Und wenn nicht, was würde das bedeuten? Lyanna würde sicher nicht gegen das Tal oder die Flusslande in den Krieg ziehen. Der Norden hatte zu lange und zu hart um die eigene Unabhängigkeit gekämpft, als dass er unter ihrer Herrschaft zum Unterdrücker werden würde. Sie sah sich nochmal ihre versammelten Ratgeber an, ihre Freunde, ihre Familie. Sie vertraute jedem von ihnen und zwar bedingungslos. Also konnte sie sie auch in ihre Überlegungen miteinbeziehen.
„Ihr habt mich zu eurer Königin gewählt. Aber ich liebe euch alle und deshalb will ich euch nochmal verzeihen.“
Jeder einzelne im Raum lächelte sie an. Sie alle verstanden sie. Naja, eigentlich verstand sich das von selbst. Keiner hier war so dumm, selbst nach dem Thron zu streben, denn Dummköpfe hätten in Lyannas Rat nichts zu suchen.
„Die Frage ist jetzt, ob auch das Grüne Tal und die Flusslande mich als Königin haben wollen.“
Lyanna bemerkte, dass sich ihre Tante Arya entspannt zurücklehnte. Offenbar hatten ihre Spione nichts Besorgniserregendes zu berichten. Adian ergriff das Wort.
„Das Tal steht voll und ganz hinter dir.“
Lyanna lächelte ihn an.
„Es ist lieb von dir das zu sagen, aber das hast nicht du zu entscheiden, oder?“
Adian war zu Besuch gewesen, als Jon starb und war folglich auch bei Lyannas Ausrufung zur Königin im Norden anwesend, aber es war nun mal Nerissa die Lady des Grünen Tals. Er wurde ein bisschen rot und murmelte seine Antwort.
„Naja, nein. Aber ich werde doch meine Frau kennen.“
Arya lachte und ergänzte.
„Lady Nerissa trifft schon die Vorbereitungen um nach Winterfell zu kommen und ihrer Königin zu huldigen.“
Lyanna brauchte nicht zu fragen, woher die Meisterin der Flüsterer das wusste. Sie störte sich nur ein wenig an dem Wort huldigen. Aber im Tal war man nun mal etwas formeller.
„Also schön. Aber was ist mit den Flusslanden?“
„Oh.“ kam es von Sam. „Ich hatte da was. Moment, wo habe ich es denn hingetan?“
Mit einem Grinsen griff Kastaya in eine seiner Taschen und zog einen Pergamentstreifen hervor, um ihn Sam vor die Nase zu halten.
„Ah ja, danke, Liebes.“
Sam kniff die Augen zusammen und hielt das Pergament weit von sich gestreckt.
„Lass es doch mich vorlesen, ja, Papa?“
Alysanne tauschte ein Grinsen mit Kastaya aus, das Sam entweder nicht bemerkte oder ignorierte. Er reichte die Nachricht an seine Tochter weiter und die las vor.
„Meine teuerste Nichte,
mit tiefster Trauer habe ich die Kunde vom Tod meines Vetters, unseres Königs Jon vernommen. Leider wird es mir nicht möglich sein, bald nach Winterfell zu kommen, denn selbst in diesen Zeiten der Trauer gibt es Glück. Meine geliebte Myrcella trägt erneut ein Kind unter dem Herzen und ich habe ihr versprochen bis zu ihrer Niederkunft an ihrer Seite zu bleiben. Sobald das Kind geboren ist, werden wir alle ohne zu zögern zu Euch kommen, meine Königin. Seid bis dahin der Liebe und Treue all Eurer Untertanen in den Flusslanden versichert.
Euer ergebener Freund und Onkel Brynden Tully“
Alysanne blickte auf und sah mit einem Lächeln in die Runde. Auch Lyanna lächelte. Brynden war der Cousin ihrer Mutter und nur ein paar Jahre älter als Lyanna, aber sie mochte es, wenn er sie Nichte nannte, genauso wie er es wohl mochte Onkel genannt zu werden. Es erinnerte ihn an den Mann, dessen Namen er trug. Adian ergriff erneut das Wort.
„Nun, das klingt so, als müssten wir uns um die Flusslande auch keine Sorgen machen.“
Lyanna runzelte die Stirn.
„Nein, aber ich mache mir Sorgen um Myrcella und das Baby. Mit einem Neugeborenen sollte man keine solche Reise unternehmen.“
„Was schlägst du vor?“ fragte Lyonel.
„Ich finde wir könnten genauso gut nach Schnellwasser reisen.“
Sie wollte ohnehin die Heimat ihrer Großmutter kennenlernen. Sie wusste, dass Catelyn ein sehr angespanntes Verhältnis zu Jon gehabt hatte, aber sie wusste auch, dass sie ihre Kinder sehr geliebt hatte. Und sie war ein Teil von ihr. Keiner im Raum schien Einwände zu haben, also fuhr sie fort.
„Sam, kannst du Brynden schreiben und fragen, was er davon hält? Und vergiss nicht, auch an Nerissa zu schreiben, nicht dass sie hierherkommt und keiner daheim ist.“
„Ja. Ja, das ist eine gute Idee.“
Lyanna lächelte Kastaya zu. Sie würde schon dafür sorgen, dass es ihr Lehrmeister nicht vergaß. Aber sie schien auch noch eine andere Frage zu haben.
„Was ist mit der Schenkung? Sollten wir vor der Abreise nicht sicherstellen, dass das Freie Volk keine Schwierigkeiten macht?“
Lyanna tauschte einen wissenden Blick mit Alysanne aus. Kastaya war eben doch noch nicht lange genug im Norden um ihn wirklich zu verstehen. Auch wenn Lyanna es ihr hoch anrechnete, dass sie ganz selbstverständlich das Wort Wildlinge vermied.
„Das Freie Volk wird sicher keine Schwierigkeiten machen, aber du hast Recht. Ich sollte sie besuchen und unsere Freundschaft erneuern.“
Sie erntete allgemeine Zustimmung und entließ ihren Rat mit einem Nicken. Ein paar Momente später war sie mit ihrem Bruder alleine zurückgeblieben. Ned sah sie bewundernd an.
„Das kannst du gut, weißt du?“
„Was?“
„Regieren.“
Lyanna lächelte und gab Ned einen Kuss auf die Wange.
„Nur weil ihr alle mir helft.“
