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Characters:
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Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Notaufnahme
Stats:
Published:
2022-06-20
Words:
2,078
Chapters:
1/1
Comments:
11
Kudos:
73
Bookmarks:
1
Hits:
627

Nachher im Streifenwagen

Summary:

Esther ist ganz begeistert von ihrer Idee. Leo hasst die Idee (und Esther). Adam findet es gar nicht so schlecht.

Oder: Leo und Esther sind in einem neuen Streifenwagen unterwegs.

Notes:

Die gesamte Schuld dafür, dass das hier existiert, geht an apfelhalm - danke dafür 😅 und natürlich an den Post, auf dem das Ganze basiert. Adam und Leo zusammen im Mini oder im Smart würde ich übrigens trotzdem noch sehr gerne sehen :D

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Leo war von Anfang an nicht begeistert, zu diesem Tag der offenen Tür zu fahren und dort die Arbeit der Polizei vorzustellen. Abgesehen davon, dass er mit solchen wichtigtuerischen Firmenleuten nichts anfangen kann, bezweifelt er, dass die sich besonders für ihre Arbeit interessieren. Doch weil mal wieder jemand irgendwo jemanden kennt, der jemanden kennt, sollen sie jetzt stellvertretend für die Polizei des Saarlandes hinfahren und den ganzen Nachmittag und Abend auf einem Firmengelände rumstehen und sich in möglichst gutem Licht präsentieren.

Esther wirkt ebenso schlecht gelaunt, als sie sich auf dem Parkplatz vor dem Präsidium begegnen. Sie hält sich nicht mal eine Hand vor den Mund, während sie laut und herzergreifend gähnt und murrt den ganzen Weg nach oben vor sich hin. Leo hört nicht genau hin, aber er kann sich denken, dass sie viele der Dinge ausspricht, die auch in seinem Kopf herumspuken. Allen voran, wie bescheuert es ist, dass sie das hier heute machen müssen.

Während Leo alle vorbereiteten Unterlagen wie Flyer und Werbematerial abholt, kümmert sich Esther um ihr heutiges Gefährt. Leo geht davon aus, dass sie den gleichen Streifenwagen bekommen wie immer. An sich unterscheiden sich die Polizeifahrzeuge nicht sinderlich, aber trotzdem hat Leo sich mittlerweile so daran gewöhnt, dass er sich einbildet, dass sich dieses Auto am besten von allen fährt.

Entsprechend enttäuscht ist er, als er schon von weitem erkennt, dass Esther mit einem anderen Autoschlüssel herumwedelt, als sie sich in der Eingangshalle wiedertreffen. „Wir haben heute etwas besonders Gutes erwischt“, verkündet sie stolz.

Eigentlich hätte Leo schon misstrauisch werden müssen, weil sie auf einmal viel besser gelaunt wirkt als vorhin. Das kann garantiert nicht daran liegen, dass sie einfach nur mehr Zeit hatte wach zu werden. Was genau dahintersteckt, erfährt er leider viel zu bald.

„Auf keinen Fall“, sagt er und bleibt wie angewurzelt stehen.

Esther hat schon die Fahrertür des Autos geöffnet, hält aber jetzt noch mal inne, bevor sie einsteigt. „Oh, doch. Der vom Fahrdienst meinte, was anderes ist heute nicht verfügbar.“

„Sagt er mir das auch, wenn ich gleich noch mal runter gehe und frage?“ Leo bezweifelt, dass Esther so blöd wäre, sich so etwas einfach so andrehen zu lassen. Also bleibt nur noch die Alternative, dass sie das mit voller Absicht gemacht hat. Um Leo zu ärgern, oder die Businessleute auf der Veranstaltung nachher, oder alle zusammen.

„Natürlich. Außerdem ist er jetzt schon ausgeliehen. Na los, lad dein Zeug ein und dann fahren wir.“ Sie geht noch mal ums Auto herum, um den Kofferraum zu öffnen und Leo mit einer einladenden Handbewegung zu überzeugen, seinen Papierkram dort abzulegen.

Leo würde dieses Auto nicht einmal als Streifenwagen bezeichnen. Einen Zweck erfüllen tut es auf jeden Fall nicht. Sie könnten keine Verdächtigen mitnehmen und auch für Equipment ist kein Platz. Mit seinem Karton voller Unterlagen ist der winzige Kofferraum schon fast voll.

Leider weiß Leo, dass er verloren hat, spätestens als Esther noch einmal auf das Dach des Smarts klopft. „Na los, steig‘ ein!“

Natürlich fährt Esther. Normalerweise wäre das Leo egal, gerade bei längeren Fahrten überlässt er ihr gerne das Steuer. Heute bedeutet das aber, dass er sich auf den Beifahrersitz quetschen muss, der noch enger wirkt als der Platz hinter dem Lenkrad. Wenn Blicke töten könnten, könnte er gleich seine erste Mordermittlung mit Esther als Opfer starten.

Mühsam faltet Leo sich in den Sitz. Beim Einsteigen stößt er mit dem Kopf gegen den Türrahmen und mit dem Knie gegen das Armaturenbrett. Drinnen wird es auch nicht viel besser, weil er keinerlei Möglichkeit hat, seine Beine auszustrecken. Die Verrenkungen, die er machen muss, um sich anzuschnallen, verbessern seine Laune auch nicht gerade.

„Na also, geht doch“, sagt Esther. Sie hat sich natürlich längst bequem auf dem Fahrersitz eingerichtet. Für ihre Größe wirkt das Auto wie geschaffen, aber Leo hat die Befürchtung, wenn er das ausspricht, würde die Mordermittlung genau anders herum ablaufen. Deshalb hält er lieber den Mund, obwohl er jetzt schon spürt, wie ihm die Beine einschlafen und wartet stumm darauf, dass Esther endlich losfährt.

 

Die Veranstaltung ist eine absolute Katastrophe. Leos Lächeln wird immer schmerzhafter, während er immer wieder erklärt, was für wichtige Arbeit die Polizei leistet. Er bemüht sich krampfhaft, dabei nicht hinter sich zu schauen, wo der Smart mit dem blauen Streifen und dem POLIZEI-Aufdruck geparkt ist.

Die Reihe an Menschen, die allesamt aussehen, als hätte jemand Business Casual gegoogelt, bricht einfach nicht ab. Als der Nachmittag endlich in den Abend übergeht, ist Leo schon total fertig und würde sich am liebsten ins Bett verkriechen, aber leider ist ihr Job hier immer noch nicht erledigt. Dass der Smart draußen stehen bleiben muss, während Esther und er sich drinnen zum Netzwerken unter die Leute mischen, ist nur ein kleiner Trost.

Vor allem, weil Leo deshalb später am Abend erneut mit dieser schrecklichen Realität überrumpelt wird. Denn die furchtbare Veranstaltung ist zwar vorbei, aber das bedeutet, dass sie jetzt mit dem Smart wieder nach Hause fahren müssen. Leo starrt das Auto, falls man das denn überhaupt so nennen kann, wütend an, während er auf Esther wartet.

Am liebsten würde er selbst fahren, aber leider hat sie den Schlüssel nicht rausgegeben, obwohl er beinahe angefangen hat zu betteln. Sie hat sich jedoch nicht erweichen lassen, nicht einmal jetzt, als Leo es noch einmal versucht. Am Ende landet er erfolglos wieder auf dem Beifahrersitz.

Die ganze Rückfahrt über schweigt er Esther aus Protest an. Nicht dass sie viele Versuche unternimmt, ein Gespräch anzufangen. Wahrscheinlich ist sie sogar froh, dass sie nach dem vielen Stress und Smalltalk heute nun ihre Ruhe hat. Der Plan, es Esther durch beharrliches Schweigen heimzuzahlen, geht also wahrscheinlich nicht auf.

Erst als sie die Stadtgrenze schon längst passiert haben, meldet Esther sich zu Wort. „Es ist schon fast zehn“, bemerkt sie.

Leo brummt nur vor sich hin. Die Uhrzeit ist ihm herzlich egal. Er will einfach nur noch raus aus diesem Auto.

„Du weißt ja, wenn unsere Schicht unerwartet so lange geht, dürfen wir mit dem Wagen nach Hause fahren und ihn morgen zu Dienstbeginn zurückgeben.“

Leo ist sich ziemlich sicher, dass das nur für zivile Fahrzeuge gilt und nicht für Streifenwagen. Wobei er dieses Auto ja sowieso nie als Streifenwagen bezeichnen würde. Aber trotzdem wird er sich keine Dienstpflichtverletzung zuziehen, indem er dieses Gefährt mit nach Hause nimmt. „Ich fahre noch eben im Präsidium vorbei“, entgegnet er.

„Ach was, ich hab schon gefragt“, widerspricht Esther natürlich, weil sie Leo nicht einmal diesen kleinen Ausweg lassen kann. „Reicht, wenn wir den morgen zur Frühschicht wieder mitbringen.“

Leo stellt sich schon darauf ein, dass er dann wohl morgen mit dem Bus zur Arbeit fahren muss, wenn Esther ihn heute Abend zuhause absetzt. Bis…

„Den kann ich aber nicht einfach bei mir an der Straße parken. Du weißt ja, aus Versicherungsgründen. Aber zum Glück hast du ja einen privaten Stellplatz.“

An diesem Punkt hat sich Leo irgendwie schon in sein Schicksal abgefunden. Esther fährt zu sich nach Hause, wo Leo sich vom Beifahrersitz faltet, um stattdessen hinter dem Steuer Platz zu nehmen. Es bietet minimal mehr Beinfreiheit, aber noch lange nicht genug und den Kopf stößt er sich trotzdem. Dass er Esther beim Wegfahren noch einmal schön einen Mittelfinger zeigt, hat sie eindeutig verdient. Sie hebt aber nur grinsend die Hand, gibt ihm die gleiche Geste zurück und verschwindet dann im Haus.

 

Zuhause stellt Leo den Smart auf seinem Parkplatz ab. Es hat ihn noch nie gestört, dass seine Wohnung einen dazugehörigen Stellplatz hat, im Gegenteil. Heute wünscht er sich allerdings, dass dem nicht so wäre. Dann wäre dieses Auto jetzt nicht hier.

Wahrscheinlich liegt es an seiner eh schon miesen Stimmung, dass er fast in Adam reinstolpern muss, bis er ihn bemerkt.

Adam lehnt neben der Eingangstür an der Hauswand. Leo ist sich ziemlich sicher, dass er nicht die ganze Zeit hier auf Leo gewartet hat. Auf jeden Fall hat er sich eine von Leos Jacken übergeworfen und trägt die Schlappen, die normalerweise in Leos Flur stehen, falls er nur mal eben runter geht, um die Post zu holen. Alles Indizien dafür, dass Adam eigentlich oben in der Wohnung auf ihn gewartet hat und jetzt nur hier unten steht, weil…

„Schickes Auto.“ Adam grinst ihn an und Leo weiß sofort, dass Esther ihm irgendwas gesteckt haben muss. Wahrscheinlich hat er gerade ganz genau beobachtet, mit wie viel Mühe sich Leo aus dem Wagen ins Freie gekämpft hat.

„Dein Ernst?“ Leo verschränkt die Arme vor der Brust. Grundsätzlich findet er es schön, dass Adam hier auf ihn wartet und normalerweise würde das seine Laune sofort immens steigern. Wenn Adam mit so etwas ankommt, lässt die antizipierte Stimmungssteigerung allerdings auf sich warten.

Adam nickt bedächtig. Es wirkt, als würde er das Auto genauestens in Augenschein nehmen. Es fehlt noch, dass er währenddessen darum herumläuft und sich über den nicht vorhandenen Bart streicht. „Weißt du, ich wollte ja schon immer mal Sex in einem Streifenwagen haben. Ist bestimmt heiß.“

Leo kann nicht anders, als Adam fassungslos anzustarren. Irgendwann wandert sein Blick zum Auto, ob Adam da tatsächlich das Gleiche vor sich sieht wie er. Dann landet er wieder bei Adam, der ihn noch immer so anlächelt wie vorhin. „Auf gar keinen Fall.“

Adam hat allen Ernstes den Nerv, enttäuscht auszusehen. Er verzieht sein Gesicht zu seinem besten Hundeblick. „Aber das wäre doch jetzt die perfekte Gelegenheit.“

Normalerweise könnte Leo nicht nein sagen, wenn Adam ihn so anschaut. Normalerweise sagt er auch nicht nein zu Sex mit Adam. Aber alles an diesem Auto, vom bloßen Aussehen bis hin zu den logistischen Gegebenheiten, dass er ja schon alleine kaum hineinpasst, schreit ihm ein großes, fettes Nein entgegen. Dass es ein Dienstfahrzeug ist und Leo sich sehr sicher ist, dass ihn in so einem Fall auch sein Beamtenstatus nicht vor einer Entlassung schützen würde, wird dabei fast zur Nebensache.

„Bist du dir sicher?“

Leo kann nicht fassen, dass Adam die Idee immer noch nicht begraben hat. Er ist noch größer als Leo und müsste doch einsehen, dass so etwas absolut unmöglich wäre. „Ja. Wir haben oben ein Bett, das viel besser geeignet ist“, versucht er es deshalb. „Meinetwegen auch die Couch. Oder jede andere Oberfläche in der Wohnung, die nicht dieses Auto ist.“ Nicht dass er nicht grundsätzlich gerne bereit wäre, etwas Neues auszuprobieren, aber nicht das. Er hätte wahrscheinlich schon in einem Kombi genügend Probleme damit, sich entsprechend zu verrenken, aber in diesem Smart will er gar nicht erst darüber nachdenken.

Erst dann bemerkt Leo, dass Adams Mundwinkel zu zucken beginnen. Im nächsten Moment fällt seine Maske und er bricht in ein breites Grinsen aus. „Sorry, aber ich konnte einfach nicht anders, nachdem Esther meinte, du wärst den ganzen Tag sauer auf sie gewesen wegen des Autos.“

„War ich auch.“ Was Esther angeht, wird sich das wohl auch nicht so schnell ändern. Leo schiebt das aber liebend gern für heute Abend beiseite, wenn Adam ihn endlich mit diesem blöden Auto in Ruhe lässt. „Können wir dann reingehen?“ Um seinen Vorschlag noch etwas überzeugender zu machen, lehnt er sich zu Adam hoch, um ihm einen Kuss auf den Mund zu drücken.

„Darf ich mich vorher mal reinsetzen?“

„In das Auto??“ Leo ist kurz davor, Adam einfach hier draußen stehen zu lassen und ihm das Zutrittsrecht zu seiner Wohnung zu entziehen. Vielleicht lässt er ihm dafür den Autoschlüssel da, einfach nur um zu sehen, ob Adam immer noch so begeistert davon ist, wenn er eine Nacht darin schlafen musste.

„Ja, das ist so süß winzig. Fast wie Miniatur. Ich wollte ja schon immer mal in so ein Miniaturland mit Eisenbahnen…“

Leo verkneift sich den Kommentar, dass das überhaupt nicht mit einem Smart vergleichbar ist. „Das schenk ich dir zum Geburtstag“, sagt er stattdessen. Und dann muss er Adam küssen, nur damit er endlich die Klappe hält. Gleichzeitig nebenbei die Haustür aufzuschließen und sie in den Hausflur zu manövrieren, ist alles andere als einfach, aber irgendwie bekommt Leo es trotzdem hin.

Sobald sie drinnen sind und der Mini-Streifenwagen außer Sichtweite ist, ist Adam auch wieder voll bei der Sache. Und Leo ist einfach nur erleichtert, dass Adam das Auto den ganzen Abend lang kein einziges Mal mehr erwähnt.

Dafür darf er am nächsten Morgen, bevor Leo zur Arbeit fährt, auch mal Probesitzen.

Adam stößt sich beim Einsteigen den Kopf am Türrahmen und haut sich das Knie am Lenkrad an. Und Leo muss sich sehr bemühen, nicht allzu schadenfroh zu grinsen, während lautes Fluchen durch die Straße hallt. Dass Adam den Smart nachher nie wieder erwähnt, ist im Nachhinein nur noch ein positiver Nebeneffekt.

Notes:

Eigentlich sollte der nächste Teil in dieser Serie ja ein throwback zum ersten Date sein, da wollte ich nur mal drauf hinweisen...

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