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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-08-31
Updated:
2025-04-06
Words:
75,575
Chapters:
59/?
Comments:
228
Kudos:
883
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20
Hits:
13,240

mach's dir gemütlich

Summary:

„Mach es dir ruhig bequem“, murrt Leo so leise, dass er nicht einmal davon ausgeht, dass Adam es hört.

Tut er aber doch. Oder er entscheidet einfach so, dass jetzt gerade der richtige Zeitpunkt ist, sich quer über Leos Schreibtisch hinzulegen.

Oder: ganz viele Orte, an denen Adam es sich gemütlich macht (und Leo damit mehr und mehr in den Wahnsinn treibt)

Notes:

Danke, dass ich wegen dir das Bild von Adam, der auf Leos Schreibtisch liegt, nicht mehr losgeworden bin. Das musste jetzt einfach schriftlich verewigt werden :D

Chapter Text

Leo hasst alles an diesem Fall. Er hasst die Berge von Akten, die sie in den letzten Tagen durchgearbeitet haben und die ihnen keinerlei neue Erkenntnisse geliefert haben. Er hasst die Zeugen, die alle widersprüchliche Aussagen machen und sie auf wilde Reisen quer durch das Saarland geschickt haben, bei denen nichts passiert ist, außer dass all ihre Spuren im Sande verlaufen sind.

Aber vor allem hasst er, dass Adam und er sich schon seit dem Leichenfund ständig in die Haare kriegen, weil sie unterschiedlicher Auffassung sind, wie sie das hier angehen sollen. Ihre Uneinigkeit scheint sich durch alle Ermittlungsschritte zu ziehen und Leo fragt sich schon, warum sie es nicht wenigstens bei einer klitzekleinen Kleinigkeit mal hinbekommen, einer Meinung zu sein.

Und vor allem fragt er sich, wieso Adam diesmal völlig aufgebracht in sein Büro gestürmt kommt, sodass die Tür laut hinter ihm zuknallt.

„Der Richter hat den Durchsuchungsbeschluss abgelehnt.“

Ach ja, daher weht also der Wind. Diese Nachricht ist nichts Neues für Leo, weil er Adam die E-Mail mit dem Ergebnis ihrer Anfrage vor fünf Minuten erst weitergeleitet hat. „Ich weiß.“

„Dann weißt du auch, dass das völliger Bullshit ist! Der Onkel hat Dreck am Stecken, das ist doch klar, aber wenn die da oben uns ständig Steine in den Weg liegen, bekommen sie nie eine Lösung für ihren scheiß Fall.“

Leo lässt seine Hand ganz ruhig auf dem Schreibtisch vor sich liegen, damit er nicht damit anfängt, sich über die Schläfen zu reiben, hinter denen es mal wieder zu pochen beginnt. „Der Onkel hat ein Alibi“, sagt er, nicht zum ersten Mal. Dass er überhaupt für Adam diese Hausdurchsuchung angefordert hat, war schon ein großes Zugeständnis.

„Ja, von seinem besten Kumpel. Wenn mich jemand fragt, ob du letzte Nacht bei mir warst, würde ich doch auch ohne zu zögern ja sagen.“

Ganz kurz wandern Leos Gedanken dahin, warum er wohl in diesem fiktiven Szenario eine Nacht mit Adam verbringen würde und dass das leider nicht dazu passt, dass Adam ihn gerade indirekt als seinen besten Kumpel bezeichnet hat. Er wird allerdings dadurch abgelenkt, dass Adam den Aktenordner auf seinem Schreibtisch beiseiteschiebt und einfach mal im Schneidersitz auf der Tischplatte Platz nimmt.

Ein beinahe schon alltäglicher Move, den Leo normalerweise fast schon niedlich findet, der ihm jetzt aber tierisch auf die Nerven geht. Er will gar nicht wissen, wo Adam mit diesen ausgelatschten Turnschuhen schon überall war. Außerdem zerknittert er das Verhörprotokoll, das Leo gerade unbedingt zum zwölften Mal lesen wollte.

„Mach es dir ruhig bequem“, murrt er so leise, dass er nicht einmal davon ausgeht, dass Adam es hört.

Tut er aber doch. Oder er entscheidet einfach so, dass jetzt gerade der richtige Zeitpunkt ist, sich quer über Leos Schreibtisch hinzulegen. Leo kann ihn nur etwas fassungslos dabei anstarren, wie er seinen langen Körper längs über den Tisch ausbreitet, ungeachtet der Akten und Papiere, die sich darauf befinden.

Er stößt fast Leos Kaffeetasse um und Leo ist froh, dass er den Kaffee längst ausgetrunken hat, weil er bei dem wenigen Schlaf der letzten Tage nicht mehr ohne stetigen Koffeinnachschub auskommt. Irgendeins von Adams Körperteilen muss sich auf der Tastatur befinden, weil in Leos geöffnetem Word-Dokument immer wieder der Buchstabe V auftaucht. Leo starrt für einen Moment darauf und beobachtet, wie sich immer mehr Zeilen damit füllen.

„Ich finde, wir sollten wenigstens noch mal mit dem Onkel reden. Oder mit dem besten Freund.“ Adam dreht das Gesicht zu ihm. Seine blondierten Haare beißen sich furchtbar mit der Tischplatte aus hellem Holz.

„Das haben wir doch schon so oft gemacht“, erwidert Leo nur.

Adam seufzt laut und dreht den Kopf zurück, sodass er wieder an die Decke starrt. Er fängt an, mit den Beinen zu wackeln, die an der anderen Seite des Schreibtischs runterhängen, weil der wirklich nicht dafür gemacht ist, dass sich jemand drauflegt und deshalb auch nicht auf Adams Körperlänge ausgelegt ist.

So betrachtet sieht Adam echt müde aus und Leo kann sich nicht erinnern, ob er in den letzten Tagen mal gesehen hat, dass Adam sich ausgeruht hat. Er selbst hat kaum geschlafen und Adam war fast immer bei ihm, also kann er nicht mehr als ein paar Stunden Schlaf hier und da bekommen haben. Da ist es kein Wunder, dass seine Augen zwar geöffnet sind, aber trotzdem ins Leere starren und dass sich die Ringe darunter tief in seine Haut gegraben haben.

Leo ist so fokussiert darauf, Adam aufmerksam zu studieren, dass er gar nicht mitbekommt, wie die Tür zu seinem Büro noch einmal aufgeht. Er will lieber nicht wissen, was sie für ein Bild abgeben, während Adam hier liegt und Leo leicht über ihn gebeugt dasitzt.

„Ich hab hier nen Bericht von der KTU.“ Pia kommt näher und Leo löst endlich seinen Blick von Adam, um zu ihr aufzuschauen. An ihrem Gesichtsausdruck ist nichts abzulesen, nicht einmal, als sie ihre Mappe in Ermangelung von freiem Platz auf dem Schreibtisch auf Adams Bauch ablegt. „Nichts Neues, jedenfalls nichts, was uns weiterbringt.“

„Danke“, sagt Leo trotzdem. Pia ist schon wieder auf dem Weg zur Tür. Er wirft einen Blick auf seinen Bildschirm (sein Dokument hat mittlerweile sechs Seiten mehr, die alle mit nur einem Buchstaben gefüllt sind) und checkt die Uhrzeit. „Wir machen gleich mal Schluss und versuchen morgen neu zu starten. Ihr macht auch nicht mehr so lange, okay?“

Pia zögert einen Moment, nickt dann aber. „Schönen Feierabend.“

„Ebenso.“

Adam hat die ganze Zeit nichts gesagt. Er meldet sich erst wieder zu Wort, als Pia die Tür hinter sich geschlossen hat. Bei jedem seiner Atemzüge wackelt die Mappe, die immer noch auf seinem Bauch liegt. „Dein Ernst? Du willst jetzt echt nach Hause gehen? Wir haben noch so viel zu tun…“

„Wir haben keine heiße Spur und sind viel zu müde, um jetzt noch irgendwas zu finden“, entgegnet Leo bestimmt. Er nimmt die Mappe von Adams Bauch und achtet dabei nicht darauf, wie seine Finger ein Stück freie Haut streifen, dort, wo Adams T-Shirt beim Hinlegen hochgerutscht ist. Die Mappe landet ungeöffnet auf Leos Aktenschrank, weil auf dem Schreibtisch ja kein Platz ist. „Damit können wir uns morgen beschäftigen.“

„Aber der Onkel…“

„Morgen“, wiederholt Leo in seiner besten Teamleiter-Stimme. „Dann können wir von mir aus auch noch mal den Freund befragen, ob er sich mit dem Alibi wirklich so sicher ist.“

„Versprochen?“ Adam hat den Kopf wieder zu ihm gedreht und schaut ihn mit großen Augen an. Seine Frisur war den ganzen Tag über schon wild, aber nach der Begegnung mit der Tischplatte stehen Adams Haare noch mehr ab. Eine Strähne fällt ihm ins Gesicht und Leo fühlt sich auf einmal so erschöpft, dass sein Gehirn aussetzt und ihm kein Grund mehr einfällt, warum er sie ihm nicht aus der Stirn streichen sollte.

„Versprochen“, sagt er. „Aber nur, wenn du jetzt mit mir nach Hause gehst.“ Er meint eigentlich, dass Adam zeitgleich mit ihm nach Hause fährt, damit Leo sicherstellen kann, dass er nicht doch heimlich länger im Büro bleibt, um noch mehr in der Vergangenheit seines Verdächtigen herumzuwühlen. Er kann nichts dafür, dass Adam es anders auslegt.

„Aber wir holen noch Pizza auf dem Weg“, verlangt Adam. „Und ich will in deinem Bett schlafen und nicht auf dem Sofa. Da hab ich morgen nur wieder Rückenschmerzen.“

Die Strähne fällt Adam wieder in die Stirn. Leo streicht sie wieder zurück und lässt diesmal seine Hand für einen Moment in Adams Haaransatz verweilen. Eigentlich würde er jetzt vernünftig sein und sagen, dass Adam lieber bei sich zuhause schlafen sollte und nicht bei Leo, und vor allem nicht in Leos Bett.

Aber er ist viel zu erleichtert, dass sie ihren Streit zumindest für den Moment beigelegt haben, wenn auch auf etwas unkonventionelle Art (über die Leo sich morgen garantiert aufregen wird, wenn er die Unterlagen auf seinem Schreibtisch neu sortieren muss). „Alles klar. Machen wir.“

„Gut“, meint Adam und versucht, sich aufzusetzen. Leo hält ihm automatisch eine Hand hin, um ihm vom Schreibtisch runter zu helfen. Er ignoriert geflissentlich, dass Adam dabei die Zähne zusammenbeißt und sich nachher mit einer Hand über den Nacken fährt. „Und Leo?“

Er ist schon dabei, sich die Jacke überzuziehen, dreht sich aber sofort zu Adam um.

„Lass mich das bloß nicht noch mal machen. Das war eine total beschissene Idee.“

Leo lacht immer noch, als er Adam raus in den Flur schiebt, den Autoschlüssel schon in der Hand, um sie zu sich nach Hause zu fahren.

In der Hinsicht wird er Adam garantiert nichts versprechen.

Nicht, wenn er dafür beim nächsten komplizierten Fall wieder in den Genuss des Anblicks kommt, wie sich Adam wie eine Katze auf seinem Schreibtisch räkelt. Und vor allem nicht, wenn Leo diesmal sogar ohne Ausreden oder schlechtes Gewissen seine Finger über die freigelegte Haut unter dem Saum von Adams T-Shirt tanzen lassen darf.