Chapter Text
Es krachte. Es rumpelte. Man hörte das Klingen von Metall auf Metall. Hörte das Zischen der Pfeile, die geschossen wurden. Der Geruch von Tod und Blut hing in der Luft und ließ Legolas die Nase rümpfen. Wie sehr er diesen Geruch und diese Geräusche verabscheute. Und doch hat er sie in den letzten Wochen und Tage zu oft wahrgenommen. Das letzte Mal vor zwei Tagen, als Boromir... noch immer schmerzte ihn der Gedanke an Boromir. Als Elb war er den Tod nicht sonderlich oft begegnet, bevor er auf diese Reise aufgebrochen war. Der erste ihm nahestehende Tote war Mithrandir gewesen. Legolas wäre ohne Estel wahrscheinlich zusammengebrochen. Doch Legolas hatte sich erholt, im Reich Galadriels. Nur um kurz danach mit dem nächsten Tod konfrontiert zu werden. Boromir. Diesmal hatte er keine Zeit zum Trauern. Nein Gimli, Estel und er mussten die zwei Hobbits finden. Sie hatten es zwei Tage geschafft ohne Schlacht voranzukommen. Nun waren die drei wieder auf Orks getroffen und Legolas fragte sich immer wieder, warum er sich bei Elronds Rat freiwillig gemeldet hatte. Es war wegen Estel, gestand er sich ein. Estel und er waren schon länger zusammen und gleichzeitig so oft getrennt gewesen. Der Mann war mit den anderen Menschen unterwegs gewesen, während Legolas selbst seine Aufgaben als Prinz der Waldelben hatte. Legolas wusste, dass sein Vater nicht begeistert sein würde, dass Legolas sich für diese gefährliche Reise bereit erklärt hatte. Doch Legolas hoffte auf Elrond. Der Lord Imladris´ würde für Thranduil da sein, da war sich Legolas sicher.
Dicht neben ihm hörte Legolas es wieder krachen. Estel stand neben ihm und hatte den Angriff des Orks gerade so abgewendet und ihn getötet. "Bleib konzentriert, meleth.", rief Estel. Legolas nickte ihm nur kurz zu und konzentrierte sich wieder auf das Kampfgeschehen. Er konnte sich nicht erlauben sich ablenken zu lassen, egal von welchen Gedanken. Deswegen verscheuchte er sämtliche Gedanken fürs erste aus seinem Kopf. Der junge Elb konzentrierte sich auf das Klirren der Schwerter, auf das Zischen der Pfeile, auf das Brüllen der Orks, die tot umfielen und auf Estel und Gimli. Legolas schoss einen Pfeil nach dem Anderen. Jeder Pfeil ein Treffer, jeder Pfeil ein toter Ork mehr. Und trotzdem erschien es Legolas, dass diese dunkeln Kreaturen nicht weniger wurden. Wieder konzentrierte Legolas sich auf das laute Krachen. Er hatte das Gefühl, dass das Krachen, das Klirren, das schmerzerfüllte Stöhnen immer lauter wurde. Es wurde lauter und lauter, bis ihn die Geräusch zu ersticken drohten. Seine Pfeile gingen aus. Er musste sich welche von den toten Orks besorgen, doch er konnte sich kaum bewegen. Er griff zu seinen Zwillingsdolchen. Und wieder wurde es lauter. Und plötzlich hörte er Estel seinen Namen schreien. Der Schrei setzte sich über die schon lauten Geräusche hinweg. Und dann spürte Legolas den Schmerz. Er biss die Zähne zusammen, zog seine Dolche, um sich zu verteidigen. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Er nahm bis auf die Lautstärke fast nichts mehr wahr. Der Ork vor ihm fiel tot um. Und plötzlich...
Ja plötzlich war es still. Um Legolas herum wurde es dunkel, die Helligkeit schien ihn zu verlassen und die Dunkelheit machte sich breit. Mit der Helligkeit verschwand auch der stechende Schmerz, Legolas hatte ihn nicht einmal genau lokalisieren können. Aber er war da gewesen. Er hörte noch ein letztes, leises "Legolas!", von Estel und dann umgab ihn nur noch Schwärze und Stille. Angenehme Ruhe und Stille, Legolas ließ sich davon treiben. Wenn dieser Ort hell wäre, würde er sich wahrscheinlich so richtig wohl fühlen. Aber im Moment war er einfach froh, dass es still war. Keine der Schlachtgeräusche, die ihn vorhin noch zu ersticken drohten. Einfach nur Ruhe und Stille.
Estel rannte zu Legolas, die letzten Orks flohen gerade, hatten erkannt, dass sie keine Chance hatten gegen die drei Gefährten. Und doch hatten diese Orks es geschafft Legolas zu verletzen. Estel war schon fast bei Legolas als dieser nach hinten umfiel. "Legolas!", rief Aragorn, doch er bekam keine Antwort mehr. Verzweifelt stürzte Estel sich nach vorne. Legolas durfte nicht sterben, nicht auch noch Legolas.
Vorsichtig nahm er Legolas Kopf in seine Hände, und streichelte ihm eine Haarsträne aus dem Gesicht. "Lass mich nicht alleine, melleth. Bitte.", flüsterte er. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. Als Estel nach hintenblickte, sah er Gimlis sorgenvolles Gesicht. Der Zwerg hatte Estels Tasche geholt, in welcher sich sämtliche Heilkräuter befanden. Schnell nahm Aragorn seine Tasche an sich und sah sich die Wunde im Bauchbereich an. Er hoffte, dass es keine Organe getroffen hatte. Estel hatte in den Heilkünsten viel von Elrond gelernt, aber er wusste nicht, ob er Legolas helfen konnte. Schnell suchte Aragorn nach passenden Asea, als er es hatte drückte er es auf die Wunde auf Legolas Bauch. Dies entlockte Legolas ein schmerzerfülltes Wimmern, aber mehr geschah nicht. Schließlich nahm er ein Tuch und verband die Wunde so gut es ging. Gimli schaute auf Estels zitternde Hände, als er vorschlug, dass sie einen Platz für ihr Lager suchen sollten. Aragorn nickte und stand auf. Vorsichtig hob er Legolas auf und lief hinter Gimli her.
Gimli hatte die Taschen an sich genommen und versuchte einen geeigneten Platz zu finden. Sie waren ungefähr eine Stunde unterwegs, als Gimli den Felsvorsprung entdeckte, welcher von Bäumen umgeben war und so schwer zu erkennen war. Perfekt.
Gimli eilte darauf zu, während er sich mit einem kurzen Blick über die Schulter versicherte, dass Aragorn ihm immer noch folgte. Die Gefährten waren geschwächt und würden einige Zeit in diesem Lager verbringen müssen, das war Gimli bewusst. Er legte die Taschen ab und machte sich auf den Weg Feuerholz zu suchen, er wusste, dass er Aragorn anders eher im Weg stehen würde, als eine wirkliche Hilfe zu sein. Im Heilen war Gimli eine Niete - wie Legolas. Die beiden konnten froh sein Aragorn bei sich zu haben. Wobei Gimli sich auch Sorgen um den Menschen machte. Die Beziehung zwischen dem Elben und dem Menschen war kein Geheimnis und diese Beziehung hatte schon zu einigen interessanten und lustigen Momenten geführt. Generell hatte die Beziehung der beiden oftmals alle Gefährten aufgemuntert. Gimli wusste nicht, was passieren würde sollte Legolas die Verletzungen nicht überleben. Aber daran wollte er nicht denken. Aragorn würde Legolas wieder auf die Beine kriegen, schließlich war er der Ziehsohn Elronds - und das hatte was zu heißen! Gimli wusste nicht was, aber irgendetwas musste es heißen, da war er sich sicher. Er glaubte daran, dass Aragorn Legolas wieder auf die Beine bekommen würde. Und wer wusste, was der Halbelb Elrond alles mitbekommt. So alleine waren sie vielleicht gar nicht. Dem Herr Imladris' war nämlich viel zuzutrauen. Vor allem, wenn er von einem gewissen König getrieben wird.
