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Es ist der erste Dezember und Percy stolpert beim Versuch, das Schlafzimmer zu verlassen, über einen Haufen Geschenke, die keinen Grund haben, im Türrahmen zu liegen. Er fängt sich im letzten Moment, den zweiten Fuß beinahe in einem kleinen Päckchen versenkend, und blinzelt verschlafen und verwirrt ein paar Mal heftig, bevor er nach dem Lichtschalter tastet und den Flur mit gleißendem, warmem Licht flutet.
Vierundzwanzig. Es sind vierundzwanzig Päckchen, in buntes Papier geschlagen und mit kleinen Schleifen versehen. Und auf jedem einzelnen prangt eine kleine Zahl, die Percy die genaue Anzahl schonungslos und ohne Umstände mitteilt.
Percy versteht das nicht.
„Die sind für Dich, Percy“, sagt Roger zum fünften Mal, was es für Percy nicht unbedingt klarer werden lässt. „Nimm sie einfach an und hör auf, mit uns zu diskutieren.“
„Wozu soll das gut sein?“, fragt Percy, während er das letzte der vierundzwanzig Päckchen auf dem Wohnzimmertisch absetzt.
Cedric dreht sich noch nicht einmal zu ihnen um und blättert weiter in der Zeitung, während er über seine Schulter einwirft: „Weißt Du etwa nicht, was ein Adventskalender ist, Percy?“
Percy schnaubt und erwidert: „Natürlich weiß ich, was ein Adventskalender ist.“
„Dann verstehe ich die Frage nicht“, beendet Cedric die Diskussion gelangweilt.
Adventskalender sind absoluter Unsinn, findet Percy. Er hat nie einen gehabt; vielleicht weil er zu viele Geschwister gehabt hat oder seine Familie zu wenig Geld, aber er hat sich auch nie einen gewünscht, weil in Adventskalendern seines Wissens nur Süßigkeiten und unnützer Kram sind, da es unmöglich sein sollte, vierundzwanzig individuelle Geschenke für eine einzelne Person zu finden. Und selbst wenn jemand es könnte, wäre es viel zu teuer, vierundzwanzig Geschenke für eine einzelne Person zu kaufen.
Was er nun also damit anfangen soll, dass Cedric, Oliver und Roger zusammengelegt haben, um ihm einen zu machen, weiß er wirklich nicht.
Im ersten Türchen sind Nüsschen und ein kleiner Zettel, auf dem Damit beim Umblättern Deine Bücher nicht schmutzig werden steht. (Plötzlich ist das Arbeiten an seiner Thesis deutlich snackiger.)
Am nächsten Tag bekommt er dunkelgraue Handschuhe aus Baumwolle, die die Kälte auf dem Weg zur U-Bahn von seinen Fingern fernhält.
Das dritte Türchen enthält ein Notizbuch, in dem Percy auf zufälligen Seiten kleine Skizzen und Botschaften von Cedric, Oliver und Roger findet, die er gerade nicht lesen möchte, weil er allein von der Tatsache überfordert ist, dass sie sich überhaupt die Mühe gemacht haben, kleine Liebenswürdigkeiten an ihn zu richten.
Es ist Freitag, der vierte Dezember, und Percy öffnet einen Umschlag, in dem er eine Karte findet, auf der jemand mit viel Liebe zum Detail und einer unruhigen Hand aus verschiedenen Photos ein Gruppenphoto von ihnen vier zusammengebastelt hat. Es ist ein Gutschein, eine Einladung, zusammen auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, und es kostet Percy alle Mühe, ihn nicht am darauffolgenden Tag einzulösen.
Das fünfte Türchen enthält eine Sorte schwarzen Tees, deren Geruch in Percy das Gefühl von Weihnachten aufkommen lässt. Vielleicht ist es der Zimt und die Nelken, Sternanis oder Orangenschale, aber die Tasse wärmt nicht nur Percys Hände.
Der sechste Dezember ist der zweite Advent und Roger besteht darauf, dass sie sich zusammen an den Esstisch setzen und die nächste Kerze anzünden, weil es Tradition ist und Roger die kleinen gemeinsamen Momente so wichtig sind.
„Du hast Dein Türchen heute wirklich früh geöffnet“, stellt Oliver mit einem Grinsen fest und Percy fasst verlegen an seinen Hals, an dem nun eine dünne Kette mit Anhänger ruht, deren Gegenstücke sich ebenfalls am Tisch befinden. „Vielleicht doch den Reiz an Adventskalendern entdeckt?“
(Adventskalender sind konsumorientierte Unnötigkeiten, Percy ändert seine Meinung nicht, aber trotzdem füllt jedes Türchen ihn mit einem wohligen Gefühl.)
