Chapter Text
Wütend stapfte Justus über den Campus. Wirklich unfassbar! Schon wieder hatte ihn eine von Peters erloschenen Flammen erkannt. Und schon wieder hatte die junge Frau es nicht fassen können, dass es so plötzlich zwischen Peter und ihr aus war. Und schon wieder hatte er sich mit ihr hingesetzt und versucht, ihr bei der Bewältigung zu helfen.
Situationen wie gerade eben passierten ständig! Gefühlt stündlich! Gut, stündlich vielleicht nicht. Aber durchaus sehr häufig. Es war ja nicht nur Peter. Bob hielt es genauso. Da kam schon einiges zusammen. So schnell, wie die beiden in Beziehungen und dann schon wieder nicht mehr waren.
Bei näherem Nachdenken war er sich sogar nicht mehr so sicher, ob wirklich Peter der Herzensbrecher gewesen war. Vielleicht war auch diesmal Bob schuld? Kurz zerbrach er sich den Kopf darüber, welchen Namen sie genannt hatte, dann gab er auf. Es war ohnehin egal. Sowohl Bob als auch Peter wechselten schneller ihre Beziehungen als manch anderer Unterwäsche. Und immer war er, der arme Justus, der Leidtragende!
Nur einmal kurz hatte er in die Bibliothek gehen wollen. Nur einmal ungestört etwas lernen. Nur einmal über den Campus gehen ohne von der Seite ein tränenersticktes „Bist… bist du nicht Bobs Mitbewohner?“ oder ein mit brechender Stimme vorgetragenes „Habe ich dich nicht in Peters Wohnung gesehen?“ zu hören. Aber nein! Offensichtlich war es zu viel verlangt! Er sollte den beiden künftig seine Kaffees, die er bei diesen Gesprächen immer trank, in Rechnung stellen. Oder später seine Therapiekosten. Oder sich für den Lebenslauf einen Wisch über die vielen erfolgten Beratungsstunden ausstellen lassen.
Grummelnd legte er den Weg zu ihrer Wohnung zurück, schloss grummelig die Wohnungstür auf und wurde noch grummeliger über den Anblick, der sich ihm bot.
Peter und Bob lagen mehr auf- als nebeneinander auf ihrem Sofa im Wohnzimmer. Mit Gliedmaßen die so verrenkt waren, als wären sie von der Zimmerdecke aus aufs Sofa gefallen und schienen das beste Nickerchen zu halten, das man hätte haben können. Unfassbar! Unfassbar! Unfassbar! Das machte ihn am grummeligsten an der ganzen Sache. Die Lösung war doch direkt da! Direkt vor Peters und Bobs dummen Nasen! Justus war schon lange klarer als die klarste Kloßbrühe, warum Peters und Bobs Beziehungen nur einen gefühlten Wimpernschlag lang hielten. Und von den brechenden Herzen, wenn einer der beiden wieder jemand neuen vorstellte, war er fast taub. Lauter waren nur die Steine, die den beiden von den Herzen fielen wenn es dann wieder vorbei war.
Und dann hatten sie die Dreistigkeit auf ihrem winzigen Sofa so friedlich gemeinsam zu liegen, wie es eigentlich nur langjährige Ehepaare vermochten.
Es war auch nicht so, als hätte er nicht schon versucht, mit Peter oder Bob zu reden. Ob er sich dabei unwohl fühlte oder nicht. Schließlich waren sie seine besten Freunde.
Als Bob mit der ersten Frau aufgetaucht war, hätte er schwören können, dass man das Brechen von Peters Herz noch in ihrer alten Zentrale hörte. Natürlich hatte er einen Moment abgepasst und Peter darauf angesprochen. „Worauf?“ kam es nur von Peter zurück. „Na, auf Bob und Eleanor.“ „Was soll da sein? Sie scheint nett zu sein?“ „Du hast nur so… so… geschaut, als er sie uns vorgestellt hat, da dachte ich, du willst vielleicht mal reden…?“ „Wegen Bob? Nein, Just, da vertust du dich. Bob und ich sind doch nur Freunde“, hatte er gelogen.
Zumindest hatte er es am Anfang für eine Lüge gehalten. Aber jetzt war es wirklich schon einige Zeit her, dass sie angefangen hatten zu studieren und die paar Male, die Justus es noch versucht hatte, waren immer gleich ausgegangen. Schließlich hatte er aufgegeben und sich eingestehen müssen, dass Peter kein Lügner, sondern einfach nur dumm war. Und Bob auch. In Gedanken äffte er Bob nach: „Nein, Justus. Wirklich lieb von dir, aber Peter kann mitbringen wen er möchte. Es macht mir nichts aus. Nein wirklich gar nicht. Ich mag Paul richtig gerne. Hoffentlich bringt er ihn noch öfter mit. Ich freue mich richtig Peter so verliebt zu sehen“, hatte Bob nicht nur einmal geheuchelt.
Es war hoffnungslos mit den Beiden. Vermutlich würden sie es in ein paar Jahren endlich selbst bemerken und sich über die verschenkte Zeit bei ihm, Justus, beschweren. Und er würde einfühlsam nicken und mit ihnen „Hätte, Hätte, Fahrradkette“ spielen. Denn er war ein verdammt guter Freund. Ein verdammt guter Freund, der sich nicht in das Liebesleben seiner beiden Freunde einmischen würde. Niemals. Er konnte sich zusammenreißen. Er würde schon die vielen komischen Gespräche mit der Armee an Ex-Freund:innen ertragen. Liebevoll lächelte er seine beiden Holzköpfe an und bewunderte die Fähigkeit der beiden, auf einem so schmalen Sofa gemütlich (?) zusammen zu liegen. Gerade wollte er gehen als sich Peter sanft an Bobs Schulter schmiegte und Bob zufrieden seine Arme enger um den zweiten Detektiv schloss. Und Justus Herz schmolz und brachte das Fass in seinem Inneren zum Überlaufen.
So konnte es doch nicht bleiben. Er musste handeln. Er würde sich was ausdenken, was ganz subtiles. Subtil war schließlich quasi sein zweiter Vorname! Das würde er schon schaffen!
