Work Text:
Fang mich, wenn ich falle
Dr. Fell schaffte es, dass all seine Literaturstudenten ihn schützen wollten. Es war seine Art und Weise. Die Art wie er sich
verhielt, wie er aussah, sie hatte etwas liebliches, unschuldiges und engelhaftes. Von der altmodischen Kleidung bis hin zu der liebevollen Weise in der er von seinem Mann, Anthony, und seinen Büchern schwärmte.
Niemand Gutes, so der allgemeine Konsens, würde ihm je etwas antun wollen.
Dr. Crowley hingegen versetzte all seine Botanikstudenten in Angst und Schrecken. Er knurrte sie, wie auch seine Pflanzen gleichermaßen an. Mit seiner immer präsenten dunklen Brille, dem unverschämten Grinsen und der impertinenten Art, mit der er sich auf dem Lehrstuhl ausstreckte.
Niemand, so der allgemeine Konsens, würde je etwas Gutes über ihn sagen können. Wo er doch auch nie etwas gesagt oder getan hat, bei dem man denken könnte, er sorge sich um irgendwen.
Einige der eher ausgegrenzten Studenten waren sich da jedoch nicht so sicher. Viel zu oft kam Dr. Crowley ‚zufällig‘ vorbei, wenn es gefährlich zu werden drohte und schickte mit seinem starren Blick die Fanatiker und Tyrannen in die Flucht. (Keiner war jemals dreist oder mutig genug diesem Blick standzuhalten oder dagegen zu protestieren.)
Es war aber auch nicht so, dass er in der Nähe blieb und sich vergewisserte, dass es ihnen gut ging, so wie es Dr. Fell immer tat, wenn er, in Gedanken versunken, Ärger unterbrach. (Niemand wagte es je, sich gegen ihn zu stellen, da alle wussten, dass sich dann die gesamte Studentenschaft gegen sie erheben würde.)
Als sich also das Gerücht verbreitete, Dr. Crowley hätte Dr. Fell angegriffen, waren die Studenten gleichermaßen entsetzt, wie auch wenig überrascht. Entsetzt, dass es jemand gewagt hatte, ihren geliebten Dr. Fell anzugreifen. Wenig überrascht, dass es der boshafte Dr. Crowley war.
„Er hat ihn an der Jacke gepackt, gegen die Wand geschleudert und angeknurrt.“, bestätigte einer der Augenzeugen. „Und Dr. Fell war so mutig. Er hat ihn einfach ganz sanft weggeschoben!“
Niemand erwähnte, dass sie geflohen waren, als Dr. Crowley zu ihnen gesehen hatte. Das war schließlich nichts Neues in der Gerüchteküche.
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Erst als die Studenten geflohen waren, beugte Crowley seinen Kopf, um Aziraphale einen leichten Kuss auf die rosige Wange zu geben, und ließ sich von seinem Engel wieder auf die krampfenden Beine helfen.
„Danke, Engel.“, zischte er.
„Nicht der Rede wert, mein Lieber.“, etwas schelmisches blitzte in Aziraphales Augen. „Dir ist klar, wie meine Studenten das aufnehmen werden? Wir werden auf dem Campus, die nächsten Wochen, keinen Moment mehr für uns haben, während sie versuchen mich zu beschützen.“
„Sag‘ ihnen einfach, dass dein lieber Mann dich beschützen wird.“, erwiderte Crowley mit einem bösen Funkeln in den Augen und schlenderte davon.
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Etwas später, zu Hause, lachten sie offen darüber und schlossen eine Wette ab, wie lange es dauern würde, bis die neuen Studenten des Jahrganges herausfinden würden, dass sie verheiratet waren.
„Du bist an der Reihe mit dem nächsten Hinweis, Engel.“, kam es von Crowley, der seine Beine quer über Aziraphales Schoß ausgestreckt hatte.
Dieser nippte genüsslich an seinem Tee.
„Oh, das mache ich die ganze Zeit, mein Lieber. Es könnte die frevelhafte Art sein, mit der du dich mir zeigst. Sie scheinen nie ganz zu begreifen, worum es geht. … Vielleicht, wenn du meine Anekdoten teilst?“
„Nicht mein Stil, Engel. Das weißt du.“ Er zuckte leicht zusammen, als er die Beine bewegte.
„Vermutlich nicht, nein. Du hast schon immer Taten den Worten vorgezogen, mein Lieber.“, Aziraphale setzte seine Tasse ab, und begann stattdessen Crowleys Beine zu massieren.
Dieser ließ, nach dem letzten Schluck Wein, seinen Kopf nach hinten fallen.
„Ich wollte dich auch nicht so anfallen. Guter Fang übrigens. Schön, dass du mich nicht auf’s Gesicht hast fallen lassen – weiß‘ ich zu schätzen. Dieser Haufen, hätte mich nie wieder ernst genommen.“
„Mein Lieber“, antwortete Aziraphale, „Du warst von Anfang an der beste Fang, den ich je gemacht habe. Warum sollte ich mich mit weniger zufrieden geben?“
„Wäre nicht das erste Mal, dass ich falle.“ Vorsichtig schlängelte sich Crowley vor, bis sie beide direkt beieinander waren. „Komm her, du. Küss mich und lass mich dich zu einem späten Abendessen verführen. Ich lade dich ein – solange geliefert wird. Ich schulde dir was.“
Leicht erwiderte Aziraphale den Kuss, und griff dann das Telefon. „Oh, Crowley, meine alte Schlange. Ändere dich nie.“
