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Würde ich dich anlügen?
Eve hatte gehofft, sich im Park entspannen zu können, doch als sie ankam, war die Bank von zwei Männern besetzt. Ein schlanker Rothaariger mit einer schwarzen Jacke, der aus vollem Hals lachte, und ein stämmiger Blondschof in Creme gekleidet, der diesen liebevoll anlächelte.
Leicht und etwas unruhig verlagerte sie ihr Gewicht von einem wunden Fuß auf den anderen. Etwas an dieser Bewegung, schien dem lachenden Mann aufgefallen zu sein. Er sah durch seine dunkle Brille zu ihr auf und – eine andere Beschreibung fiel ihr beim besten Willen nicht ein – ‚rutschte‘ die Bank entlang. Machte, mit einem gemurmelten ‚Rück auf, Engel‘, Platz für sie.
Der blonde Mann rückte gemütlich in die Mitte der Bank, den Arm des Rothaarigen immer noch über die Rückenlehne um sich gelegt, so dass mehr als genug Platz für sie blieb um sich ebenfalls zu setzen.
Dankbar nahm sie das unausgesprochene Angebot an, und setzte sich an das andere Ende der Bank, mit einem deutlichen Abstand zu den beiden Männern. Diese waren – ihrer Zärtlichkeit miteinander nach zu urteilen – eindeutig ein Paar, dies allein löste in ihr selbst eine gewisse Erleichterung aus.
„Danke.“
„Nicht…“, begann der Rothaarige, und der Blonde schüttelte den Kopf mit einem schiefen Lächeln.
„Benimm dich, mein Lieber.“
Der andere verlagerte daraufhin sein Gewicht auf der Bank und wendete den Blick ab, so dass das kleine Tattoo vor seinem Ohr zu sehen war.
Der Blonde wandte sich wieder ihr zu. „Was führt Sie hierher?“, fragte er höflich.
„Oh, ich… ich habe mich nur in der Stadt umgesehen, bevor das Semester beginnt.“ Das neue Studienjahr war nur noch wenige Tage entfernt. „Ich habe ein Stipendium an der Universität bekommen.“
„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe. Für welches Fach?“
Sie zuckte leicht mit den Schultern: „Botanik, aber...“ – aus den Augenwinkeln sah sie, wie der Rothaarige so schnell herumfuhr, dass sein Nacken unschön knackte. Der Blick, den er ihr zuwarf, ließ wieder die Angst und Unsicherheit hoch kriechen.
Die beiden Männer tauschten einen langen Blick aus.
"Aber jetzt haben Sie Gerüchte über Dr. Crowley gehört und sind sich nicht mehr so sicher?", stellte der Rothaarige er resigniert, halb fragend, fest.
Sie nickte. Böse, gemein, herzlos, furchterregend... sie war sich nicht sicher, ob sie unter so jemandem lernen wollte.
Der Blonde – ‚Engel‘ – lächelte. "Um ehrlich zu sein, er jagt vielen Leuten Angst ein…"
"Denen die es verdient haben", murmelte der Rothaarige. "Meistens."
Der andere fuhr fort, als hätte er das murmeln nicht gehört: "Er duldet weder Faulheit noch Mobbing und hat eine, zugegebenermaßen, sehr scharfe Zunge, aber im Grunde seines Herzens ist er doch ein gutmütiger Mensch."
Das klang schon besser. Oder zumindest erträglich.
„So schlimm ist er gar nicht, wenn man ihn erst einmal kennengelernt hat."
Der Rotschopf schnappte ein paar mal nach Luft, bevor er mühevoll „Engel, nein. Lass d-…“ heraus brachte.
„Ich habe sogar schon oft festgestellt, dass er tatsächlich eher…“
„Engel! Bitte!“, fauchte der Rothaarige, zog seine Arme nach vorn und verschränkte sie fest vor der Brust. „Genug!“
Dieser tätschelte leicht sein Knie und fuhr ungehindert fort. „Lassen Sie sich von den Gerüchten nicht abschrecken, meine Liebe. Ich kann Ihnen versichern, dass ihn nur selten jemand so beeindruckt, dass er ein Stipendium anbietet. Er freut sich bereits darauf Sie in seinem Kurs zu haben.“
Irgendetwas ging hier vor sich, dass sie nicht richtig greifen konnte. Sie sah von einem zum anderen, in dem Versuch herauszufinden was es war. Der Rotschopf bemerkte ihren Blick und verzog leicht einen Mundwinkel. Man hätte es für ein Grinsen halten können, doch sie hatte das Gefühl, dass es eher eine Entschuldigung darstellen sollte.
Das (entschuldigende?) Grinsen verzog sich zu einer Grimasse, als er sich auf die Beine stellte.
„Wenn du fertig bist, Engel… Ich bin im Auto.“ Er nickte leicht in Eves Richtung. „Ich hoffe doch, dass wir uns bald, für Ihren Wissensbeitrag, wieder sehen“ Mit diesen Worten, die Augen vollständig von der Sonnenbrille verdeckt, schlenderte er Richtung Straße.
Auch ‚Engel‘ verabschiedete sich höflich, und ließ sie, mit allerlei offenen Fragen, hinter sich zurück.
Sie war immer noch am grübeln, als sie auf den Beginn ihrer ersten Botanikvorlesung wartete.
Dr. Crowley schlenderte herein.
