Work Text:
Erzähl mir davon
Crowley hörte auf sein Bein zu massieren. Mit einem scharfen ‚Herein!‘ antwortete er auf das Klopfen an seiner Bürotür.
Es war Eve. Wahrscheinlich eine der wenigen, die mutig genug waren, ihn hier anzusprechen. Sie kam direkt zur Sache.
„Wissen Sie, dass Wetten darüber abgeschlossen werden, wer der Ehemann von Dr. Fell ist?“
Den Kopf ein wenig zur Seite neigend fragte er: „Haben Sie eine abgeschlossen?“
„Nein!“
Er hob amüsiert die Augenbrauen über seine Sonnenbrille. „Warum nicht? Sie könnten wahrscheinlich sehr gute Quoten bekommen, wenn man von den letzten paar Malen ausgeht.“
„Es – es schien nicht fair. Ich habe Sie gesehen. Zusammen, meine ich.“
„Sie meinen, außerhalb der Arbeit.“, sagte Crowley trocken, mit einem Ausdruck im Gesicht, der einem Lächeln marginal näher kam als einem spöttischen Grinsen. „Werden Sie es den anderen erzählen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich verrate die Leute nicht.“
„Danke.“
Sie zögerte einen Moment und runzelte klar verwirrt die Stirn. „Darf ich fragen, warum?“
„Neues Jahr, neue Studenten. Sie werden Gerüchte über irgendetwas suchen und finden. ... da kann man ihnen auch gleich etwas relativ Harmloses servieren, über das sie tuscheln und munkeln können. … Außerdem ist es urkomisch, wenn sie es dann mitbekommen. Nicht böse gemeint.“
„Deshalb haben Sie es mir also nicht gesagt?“
„Nein, das war, weil es Sie in eine unangenehme Lage gebracht hätte.“
~*~*~
Kurz nachdem Eve gegangen war, klopfte es noch einmal, etwas zaghafter. Crowley starrte sie an. Die Erde möge ihm helfen, wenn er nun populär werden würde. Er verdrehte die Augen, schaltete das Text-to-Speech-Programm aus, das ihm die Aufsätze der Studenten vorlas, und knurrte.
„Herein.“
Es waren zwei Studenten, eine misstrauische aus dem Abschlussjahrgang und eine verängstigte aus dem Ersten Semester. Mit entschuldigender Stimme, gaben Sie ihm eine Zusammenfassung darüber, dass die Erstsemestlerin dazu gezwungen worden war, die Treppen zu benutzen.
Keine der beiden gehörte zu seinem Fachbereich.
„Und warum genau kommen Sie damit zu mir? Ihr seid doch Literaturstudenten, warum habt ihr das nicht Dr. Fell erzählt?“
„Sie benutzen die Fahrstühle.“, antwortete die Studentin aus dem Abschlussjahr.
Er schwieg einen Moment, während er sie musterte. „Ah.“, er erinnerte sich. Er hatte sie, als sie in ihrem ersten Jahr war, auch einmal vor der Treppenbrigade gerettet.
Dr. Crowley sah die versteinerten Erstsemestlerin an, atmete einmal tief ein und aus – und eine Welle kleiner Veränderungen trat ein.
Sein Gesicht glättete sich, der spöttische Zug um seine Mundwinkel verlor an Härte. Er bewegte sich in seinem Stuhl, veränderte den Winkel, ließ die Schultern fallen und öffnete seine Haltung.
Es war eindeutig eine bewusste Handlung. Und es war beunruhigend, wie schnell er es schaffte vom ‚furchterregenden und völlig verschlossenem Professor‘ zum ‚interessierten und aufmerksamen Zuhörer‘ zu werden. Er wirkte natürlich noch immer nicht so zugänglich wie Dr. Fell, aber er schreckte sie auch nicht aktiv ab.
„Beschreiben Sie mir Ihre ideale Situation – die in der Sie alles haben, was Sie brauchen. Und wie es aktuell tatsächlich ist.“ Ein Stift und ein Block erschienen in seiner Hand. Er schob beides über den Schreibtisch. „Schreiben Sie es auf, wenn das einfacher ist.“
Die Erleichterung und der Unglaube in den Augen der jungen Studentin hätten den Mond erhellen können.
Dr. Crowley seufzte sichtlich verärgert. „Es ist mir egal, was Sie gehört haben, ich nehme niemanden auseinander, nur weil er etwas braucht.“
Nach einem langen Starren, machte es – beinahe hörbar – ‚Klick‘, als die Erkenntnis einschlug.
„Oh.“ Die Anspannung fiel um ungefähr die Hälfte und eine schlanke Hand griff nach dem Stift. „Werden Sie es Dr. Fell erzählen?“
„Nur wenn er fragt. Fragt er, werde ich ihn nicht anlügen. In Ordnung?“
Nach einem Moment des Überlegens, nickte sie langsam, nahm ihre Arbeit wieder auf und schob schließlich das vollgeschriebene Blatt herüber. Crowley nahm es an sich. Er versuchte nicht, es vor den Studenten zu lesen.
„Ich melde mich wieder.“, informierte er sie.
Die beiden Studenten nahmen das als Entlassung und flohen schnellstmöglich. Crowley wartete seinerseits, bis sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, holte sein Smartphone raus und schickte eine kurze Nachricht an Aziraphale.
°Engel, frag mich nach diesem Treffen, sobald wir zu Hause sind.°
