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Was habe ich dir gesagt?
Crowley hatte sich auf dem Sofa ausgestreckt, die Beine über die Lehnen geworfen und es sich bequem gemacht, während er – wild gestikulierend – seine Erklärung beendete. Umständlich fischte er eine Zeitung aus seiner Tasche und wand sich herum, bis er seinen Kopf auf Aziraphales Knie legen und ihm ins Gesicht schauen konnte.
“Hier ist die Zeitung, wenn du sie für uns lesen willst.“
Schnell riss Aziraphale sie ihm aus den Fingern, überflog die Artikel, die Lippen in wachsendem Ärger zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Er gab Crowley eine kurze Zusammenfassung.
"Müssen wir das nicht immer?"
"Ich denke, ich kann auch viele der Unterrichtsanpassungen vornehmen ohne ein Wort zu sagen.“ Er seufzte enttäuscht. „Leider wohl nicht alle.“
Crowley verzog bei der Feststellung ebenfalls das Gesicht und bot direkt eine Aufmunterung an.>
“Sie wetten wieder auf uns. Naja, auf dich und deinen Ehemann. … Rate mal, wer der Favorit ist?“
"Du, mein Lieber?"
"Ich bin nur dein Favorit." Er wartete einen Moment, bis Aziraphale an seinem Tee genippt hatte, und fügte dann hilfsbereit hinzu. "Nein, die Wetten laufen auf Gabriel."
Aziraphale verschluckte sich an seinem Tee und fing an zu husten, und zu röcheln. Das Resultat – eine Reihe spasmischer Bewegungen, die Crowley vom Sofa warfen. Als beide endlich wieder zu Atem kamen, brachte Aziraphale stotternd, „Was?! Warum?!“, heraus, bevor ihm auffiel, dass er ein ganzes Stück tiefer schauen musste um Crowley zu sehen. „Mein Lieber, was habe ich dir über die Boshaftigkeit, die ihren eigenen Untergang in sich trägt, gesagt?“
"Ngk." Crowley erhob sich vom Boden und setzte sich wieder auf einen Stuhl, bevor er die letzte Frage zugunsten der ersten überging. "Ich hab‘ irgendwas mit Gabriel, der mit einer Nachricht zu viel auftaucht ist, gehört."
"Ach du meine Güte." Aziraphales Mundwinkel zuckten. Er blickte zu Crowley hinüber, der dasselbe zucken zeigte, und beide brachen in schallendes Gelächter aus.
~*~*~
Die Studenten vertieften sich immer weiter in ihren Nachforschungen, fragten Dr. Fell nach seiner Meinung zu den anderen Professoren, was dieser abwinkte.
(“Oh dazu kann ich wirklich nichts sagen. Das wäre doch sehr unprofessionell von mir, mein lieber Junge.“)
Sie waren allerdings zu sehr damit beschäftigt die kleinen Hinweise zusammenzusetzen, die Dr. Fell über seinen Mann ‚Anthony‘ fallen ließ, um von dieser Abwehr lange enttäuscht zu sein. Dummerweise waren die einzigen Hinweise zu der körperlichen Erscheinung von ‚Anthony‘, dass er größer war als Dr. Fell und gut aussah, was nicht gerade hilfreich war. Dr. Fell war selbst nicht unbedingt der größte Mensch.
Die einzig anderen Beschreibungen, die ihm anscheinend einfielen, betrafen alle ‚Anthony’s‘ Persönlichkeit.
Ein gutes Herz, gefüllt mit vielerlei kleinen Aufmerksamkeiten. Immer ein schützenden Blick auf Andere. Ein garstiger Sinn für Humor, der sich letztenendes doch immer als Gutartig herausstellte. Eine Vorliebe für alte Wagen und hohe Geschwindigkeiten. („Tempo-Dämon“, murmelte Dr. Fell mit einem liebevollen, kleinen Lächeln als Antwort auf die gewagte Frage zum Fahrstil des ‚lieben Anthony“)
Für jemanden, der so viel reden konnte, verriet Dr. Fell erstaunlich wenig Persönliches – abgesehen von ihrer tiefen, gegenseitigen Liebe.
Beispielsweise erzählte er von dem Tag, an dem sie gemeinsam Crêpes in Paris gegessen haben, und bevor man Zeit hatte zu blinzeln, war er schon wieder schloss sich der Kreis schon wieder in einem Schnitt zur französischen Revolution und ihrer Darstellung in verschiedenen Büchern.
Auch schienen Beschreibungen auf keinen der anderen Professoren zu passen, und doch waren sich die Studenten sicher, dass der ‚liebe Anthony‘ irgendwie zum Lehrkörper des Campus gehörte. Allein schon, weil er Dr. Fell häufig abholte und herbrachte. Sie zogen also gemeinsam ein Resümee.
Der ‚liebe Anthony‘ musste Dr. Fell ziemlich ähnlich sein. Freundlich, Gemütlich, eventuell mit einem etwas schärferen Humor. Groß und gutaussehend, vielleicht etwas dunkler. (Diese drei Züge passten doch eigentlich immer zusammen, schlug jemand vor und traf auf allgemeine Zustimmung.)
Ein großer, dunkler, attraktiver Mann mit einem scharfen Sinn für Humor. Und – sagte Professor Gabriel nicht manchmal die seltsamsten Dinge? Ein langsames, verständnisvolles Nicken, und die Wettgewinne auf Professor Gabriel schrumpften, während die auf Dr. Crowley immer weiter wuchsen. Dieser war auch nur der Vollständigkeit halber mit in den Wettpool geholt worden, da sich niemand wirklich vorstellen konnte, dass er und Dr. Fell sich ähnlich oder gar ein Paar waren.
